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Anish Kapoor im Wiener Museum für Angewandte Kunst

Auf der Suche nach der geformten Leere



Ein bedrohliches Dröhnen hallt durch den Raum. Enervierend lange brummt der monotone Ton, bis er sich nach einem markanten Hebelgeräusch in einem donnernden Schuss entlädt. Eine dicke rote Masse schießt durch den Raum, und erreicht ihr Ziel in der Ecke der gegenüberliegenden Wand, an der sie plattgedrückt haften bleibt, langsam herunterrutscht und in zähen, klebrigen Brocken auf den Boden fällt. „Shooting into the Corner“ ist eines der jüngsten Werke von Anish Kapoor, das der renommierte britische Bildhauer indischer Herkunft derzeit im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) zeigt. Die Arbeit besteht aus einer Kanone, durch deren Rohr schwere Geschosse aus rotem Wachs mithilfe eines Druckluftkompressors in die gegenüberliegende Ecke des Ausstellungssaals abgefeuert werden. Ein Mann in einem schwarzen Overall kümmert sich um das Kanonenfutter und sorgt dafür, dass sich das Ritual alle 15 Minuten wiederholt. Insgesamt sind es 20 Tonnen Wachs, die er in den nächsten Wochen in die Kanone stopfen und abfeuern wird. Ohne Zutun des Künstlers wird die sich am Boden sammelnde Masse zu einem Haufen anwachsen, der bis zum Ende der Ausstellung Tag um Tag größer wird.


Anish Kapoor, der 1954 in Bombay geboren wurde und heute in London lebt, hat seit den 1980er Jahren ein vielgestaltiges, poetisches wie provozierendes Œuvre geschaffen, für das er mit den höchsten Ehrungen ausgezeichnet wurde. 1990 vertrat er Großbritannien bei der Biennale von Venedig, 1991 erhielt er den begehrten Turner Preis. Internationale Aufmerksamkeit erfuhr er bereits mit seinen Bodenskulpturen aus pulverförmigen Pigmenten. Unvergessen bleibt seine Arbeit „Decent into Limbo“ von 1992, die er für die Documenta IX schuf. Ein großes rundes Loch öffnete den Blick in einen kugelförmigen unterirdischen Raum, der teilweise mit reinem Farbpigment aufgefüllt war. Von oben blickte man in die endlose Tiefe eines reinen Blaus. Das Gefühl des Taumels, das Kapoor damals evozierte, verdichtete sich zu einer Erfahrung von Stille und Weite, die nicht mehr an das konkrete sinnliche Erlebnis gebunden war.

Zu Kapoors wichtigsten Werken der vergangenen Jahre zählt „Marsyas“ von 2002 in der Turbinenhalle der Tate Modern in London. 2004 folgte „Cloud Gate“, eine 110 Tonnen schwere, rostfreie Stahlkonstruktion im Millennium-Park in Chicago. 2007 stellte er im geschichtsträchtigen Münchner Haus der Kunst „Svayambh“ aus, einen riesigen roten Wachsblock, der auf Schienen die Räume durchfuhr und enge Türahmen passierte. Durch die architektonischen Bedingungen formte sich der Klotz aus sich selbst heraus und hinterließ rote Farbspuren an den Wänden.

Körper, Materie und Raum sind die wesentlichen Komponenten für Anish Kapoor. Themen wie Leere, Transformation, Immaterialität, aber auch Glaube und Leidenschaft konstituieren sein vielgestaltiges Werk. Neben Pigment, Stein, Glas oder Stahl arbeitet Kapoor mir Wasser, Schlamm, Vaseline oder Wachs. Charakteristisch ist sein illusionistisches, assoziativ-symbolisches, oft monochromes Farbenspiel. Mit Kalkül vertraut er auf das unterschiedliche Wahrnehmungs- und Rezeptionsvermögen des Betrachters und scheint diesen Prozess ganz bewusst in das Konzept seiner Arbeiten einzubeziehen. Die Verknüpfung scheinbar widersprüchlicher Kräfte – Emotion mit konzeptionellen, analytischen Denken – ist Stimulus und verbindende Komponente seiner Werke.

Vor allem bei „Shooting into the corner“ arbeitet Anish Kapoor unübersehbar mit solch konträren Konnotationen. Laute Aggression und stilles Wachstum – man denkt an Krieg, Blut, Penetration und Entladung, menschliches Fleisch, an Joseph Beuys und die Wiener Aktionisten, aber auch an den tiefrot gefärbten Lehm, der in Indien an Türe und Wände gegen den bösen Blick gedrückt wird. In „Past, Present, Future“ ließ Kapoor 2006 eine riesige Halbkugel aus rotem Wachs mittels einer von einem Motor betriebenen Stahlplatte sehr langsam abschleifen. Der Hobelvorgang hinterließ waagerechte Schlieren. Kraft seiner Vorstellung ergänzte der Betrachter die Halbkugel zu einer vollkommenen Kugel, eine Imagination, die durch die Spuren des Schleifvorgangs verstärkt wurde: unregelmäßige Wachshaufen, Spritzer und Flecken an der Wand schienen durch starke Krafteinwirkung auf die Masse entstanden zu sein. „Past, Present, Future“ war bereits im vergangenen Jahr während Kapoors Einzelausstellung im Institute of Contemporary Art in Boston zu sehen – dort allerdings in einer aufgrund der geringeren Raumhöhe noch überzeugenderen Inszenierung.

Bei „Shadow corner“ integriert Kapoor abermals den Faktor Zeit als künstlerisches Element. Ein roter Wachskubus, aus dem eine negative Form herausgearbeitet wurde, wird von einer sich langsam bewegenden Stahlplatte weiter ausgehöhlt. Ein ähnliches Prinzip setzt Kapoor bei „Push-Pull II“ ein: auch hier wird Masse abgetragen. Allerdings fuhr der große Metallschaber bereits vor der Eröffnung einige Male über die Wachsmasse und wurde dann mit einer Stahlaufhängung befestigt; während der Ausstellung wird der Zustand dieser Arbeit nicht mehr verändert.

Die Konstanten seiner künstlerischen Arbeit führt Anish Kapoor bei allen vier Werken augenfällig vor: das Enthaltensein von einer Form in einer zweiten, das Übergehen von einer festen, geformten Form in eine weiche, amorphe und umgekehrt und das Spiel mit der Balance zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. Auch wenn die Ausstellung im MAK mit nur vier Werken recht licht bestückt ist, führt sie doch Kapoors Credo offenkundig vor Augen: die Leere ist ihm etwas anderes als das Nichts. Anish Kapoor verwendet sie als Form, als Möglichkeit, dem Nichtsichtbaren einen Körper zu geben.

Nicht nur dieser allumfassende Ansatz, sondern auch seine illusionistischen Inszenierungsstrategien und unbestimmten Äußerungen zu seinem Werk machen Anish Kapoor angreifbar. Er entzieht sich einer allzu eindeutigen Festschreibung und offeriert stattdessen eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten, seine gigantischen Wachsstücke zu interpretieren: als geometrische Objekte, als Horte des Regenerativen oder als Recycling-Apparaturen. Angesichts der Fülle möglicher Interpretationen spekuliert Kapoor auf die Transformation von Ideen und Emotionen. Ein gewisses Maß an Reibung ist unvermeidlich.

Die Ausstellung „Anish Kapoor – Shooting into the Corner“ ist bis zum 19. April zu sehen. Das MAK hat mittwochs bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr, dienstags zusätzlich bis 24 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt mit MAK-Guide 9,90 Euro, ansonsten 7,90 Euro und ermäßigt 5,50 Euro. Die MAK Special Edition „Anish Kapoor. Shooting into the Corner“ erscheint Anfang März.

Kontakt:

Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 711 360

Telefax:+43 (01) 713 10 26

E-Mail: office@mak.at



30.01.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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