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Gabriele Münters Druckgrafik im Kulturspeicher Würzburg

Immer eine Naselänge voraus



Soviel Expressionismus war selten in Bayern: Erst in München die große Kandinsky-Ausstellung, dann in Aschaffenburg ein Querschnitt durch die Dresdner „Brücke“ um Ernst Ludwig Kirchner & Co. – und wer mit Zug oder Auto ohnehin an Würzburg vorbeikommt, sollte in der mainfränkischen Metropole auch gleich Station machen und – unweit vom Bahnhof gelegen – in den Kulturspeicher gehen. Dort hat eine Ausstellung mit der Druckgrafik Gabriele Münters eröffnet. Die Präsentation in den zwei Wechselräumen des umgebauten Hafenspeichers enthält, basierend auf einer Ausstellung 2000/01 München, Bonn und Murnau, rund 110 Grafiken überwiegend aus den Beständen des Lenbachhauses in München, bereichert um einige Leihgaben aus Privatbesitz, darunter eine Handvoll Ölgemälde zum Vergleich. Damit ist das druckgrafische Werk der Künstlerin fast komplett zu sehen. Zugleich stellt die Schau eine vorübergehende Abschiedsvorstellung dar, bevor das Münchner Museum für die kommenden Jahre renoviert und die Sammlung währenddessen eingemottet wird.


Gabriele Münter erweist sich in ihren grafischen Arbeiten schon der frühesten Phase als überraschend progressiv. Während die Gemälde der ersten Jahre des neuen Jahrhunderts sich noch in impressionistischer Farbigkeit und pastoser Dicke bewegen, geht sie in ihren Holz- und Linolschnitten längst andere Wege. Vor allem der Paris-Aufenthalt, den sie 1906/07 zusammen mit ihrem Kollegen und Ehemann Wassily Kandinsky unternahm, bringt eine bedeutende Zäsur. Große Flächen dominieren nun ihre Arbeiten, meist Ansichten von Parks und Häusergruppen sowie Portraits. Licht- und Schattenspiel und die Dominanz der Kontur, der der Impressionismus einst den Garaus machte, haben nun Priorität. Und dann das ständige Ausprobieren von Farben, die sie mal in heftige Kontraste, mal in harmonische Zusammenklänge bringt. Münters Stil weist dabei beinahe atemberaubend weit voraus: „Aurelie“, das Hausmädchen ihrer Pariser Vermieter, leuchtet auf einem Linolschnitt von 1906 mal vor rotem, mal vor grünem oder gelbem Hintergrund, und gelegentlich glänzen die Lippen auffallend rötlich. Es entstehen schillernde, fast schrille Farbwirkungen, die erst Andy Warhol fünfzig Jahre später zu bildmäßiger Größe erhob.

Genaues Hinschauen lohnt sich in dieser Ausstellung, nicht allein wegen der technischen Fragen; Linolschnitt und Holzschnitt etwa sind kaum voneinander zu unterscheiden, kennzeichnen sich aber doch durch eine fein unterschiedene Oberflächenstruktur. Bemerkenswert ist ebenso der Aufwand, den Gabriele Münter oft unter den eingeschränkten Bedingungen des Reisens für das Ringen um die richtige Form betrieb. Anschaulich dazu sind auch die gelegentlich beigegebenen Vorzeichnungen, wie im Falle einer Impression aus „Marabout“, die das Künstlerpaar 1904/05 von seiner Tunesienreise mitnahm. Oft werden lediglich Details weggelassen oder hinzugefügt, die jedoch gegenüber ihren Vorlagen meist zu einer melancholischen Stille ihrer Bilder führen. Darin und in der Reduktion der Formen erinnern die frühen Grafiken oft an Félix Vallotton, von dem Münter in Paris vielfältige Anregungen auch in Herstellungsverfahren empfing. Ihr Ehemann Kandinsky bestärkte sie in ihrem Tun und war so nicht unbeteiligt daran, dass sie ihm anfangs immer eine Nasenlänge voraus war.

Zur ersten Phase gehören auch zahlreiche Kinder- und Spielzeugdarstellungen, die viel von der Kinderliebe der selbst kinderlosen Künstlerin berichten. „August ist krank“ heißt es auf einem Farblinolschnitt von 1908; August ist eine Puppe ihrer Nichte Friedel und liegt, gut zugedeckt, in einem kleinen Holzbettchen, das die Tante wiederum mit Blüten und Blättern bemalt hat. Liebevoll sind auch ein „Schlafendes Kind“ – nichts zeugt von einer verbitterten Todesdrohung im Munchschen Sinne – oder die Spielsachen „Tünnes und Gesellschaft“ gezeichnet. Doch verzichtet Münter gleichwohl nicht darauf, auch hier die Wirkungen von absolut und ohne Hintergrund in den Raum gestellten Figuren auszuprobieren. Die Größenverhältnisse scheinen manchmal nicht miteinander übereinzustimmen. Damit gewinnen die Blätter Studiencharakter. Reine Kinderillustrationen sind sie jedenfalls nicht.

Der große Umschwung in Münters grafischem Œuvre kommt Mitte der 1916er Jahre. Nicht nur thematisch ändert sich Manches – so beleben etwa Bauernfamilien zunehmend die sonst so leeren Landschaften –, auch technisch geht sie neue Wege: Die Kaltnadel wird erstmals eingesetzt, so während ihres Stockholmer Kriegsexils 1916 in Form eines wackligen „Schieferhauses“, dessen Anblick sie schon drei Jahre zuvor während eines Verwandtenbesuches im westfälischen Herford genoss. Mit dem feinere Strukturen ermöglichenden, der raschen freien Handzeichnung sehr viel näher kommenden Herstellungsverfahren verändert sich auch ihre Handschrift in dieser Zeit deutlich, wird zeichenhafter, skizzenhafter, rudimentärer. Die Individualität eines jeden Blattes gewährleistet sie gelegentlich dadurch, dass sie ihre Arbeiten jetzt zunehmend von Hand nachkoloriert.

Mit dem „Neujahrswunsch“ 1935 endet Münters grafisches Schaffen jählings und vollständig. Die letzten Holzschnitte nähern sich wieder den Anfängen, vielleicht nicht ganz so streng in der Aufteilung und wesentlich enger an die Fläche gebunden. Doch die Farbe ist ganz aus ihnen gewichen, in Titeln wie „Schlaf“ oder „Schattenstreifen“ macht sich zudem ein schwermütiger Zug bemerkbar. Dabei verlebte Gabriele Münter in ihrer zweiten Murnauer Lebensphase gerade eine recht glückliche Zeit, seit sie mit Johannes Eichner einen neuen Lebenspartner gefunden hatte und die wohl nie ganz verwundene Trennung von Kandinsky deutlich in den Hintergrund getreten war. Eigentlich aber ging sie den Weg vieler Expressionisten. Auch Kirchner, Schmidt-Rottluff, Nolde oder Heckel haben in den 1920er Jahren ihre letzten bedeutenden Grafiken geschaffen. Wie diese verlegte sich Münter in ihren drei letzten Lebensjahrzehnten vor allem aufs Aquarell, Blumen gehörten zu ihren bevorzugten Malgegenständen. Mit einem davon aus den 1950er Jahren schließt die Ausstellung in Würzburg ab.

Die Ausstellung „Zwischen Paris und Murnau. Druckgraphik von Gabriele Münter aus dem Lenbachhaus München“ läuft bis zum 1. März. Geöffnet ist dienstags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und donnerstags von 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 4,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Der Katalog kostet 25 Euro.

Kontakt:

Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1

DE-97080 Würzburg

Telefon:+49 (0931) 322 250

Telefax:+49 (0931) 322 25 18



14.01.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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