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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Von Wohnhöhlen und Wohnhöllen: Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt mit „Interieur/Exterieur“ eine groß angelegte Ausstellung über das Wohnen in der Kunst

Die Außenwelt der Innenwelt



Rund 330.000 Menschen in Deutschland sind zur Zeit obdachlos, die Dunkelziffer ist womöglich weitaus höher. Sie sind, meist unverschuldet, von einer kulturellen Existenzform ausgeschlossen, die den Alltag der Anderen bestimmt. Die nämlich wohnen in Zwei-Zimmer-Wohnungen oder repräsentieren in Jugendstilvillen, sie hausen in Wohngemeinschaften oder residieren auf Schlössern – je nachdem. Die Zahl der individuellen Wohnstile ist so hoch wie die der Menschen. Der eine richtet sich bloß mit dem Nötigsten ein, den Spanplattenmöbeln eines großen schwedischen Möbelkaufhauses etwa, die bereits jetzt schon den Sperrmüll von morgen darstellen. Andere setzen auf Ererbtes oder Antiquitäten, ganz Fortschrittliche auf hochwertige Designermöbel. Bei den weitaus meisten herrscht wohl das vor, was man vielleicht einen gemütlichen Stilmix nennen würde.


Die Ausstellung „Interieur/Exterieur. Wohnen in der Kunst“ im Kunstmuseum Wolfsburg beleuchtet jetzt anhand von rund 140 Exponaten das Thema Wohnen im Spiegel der Kunst. Zu sehen sind Darstellungen und Formen des Wohnens von der Romantik und dem Biedermeier über den Jugendstil und die Moderne bis hin zu utopischen Zukunftsentwürfen. Ein einigermaßen enzyklopädisches Unternehmen also. Daraus resultiert aber auch das visuelle Überangebot, das diese Schau vor den Augen des Betrachters ausbreitet. Spannende Exponate sind dabei, etwa die gelungene Rekonstruktion des Pariser Ateliers von Piet Mondrian, die den Eindruck vermittelt, als käme der niederländische Meister der klaren Linien und monochromen Rechtecke gleich zur Tür hineinspaziert. Oder „Visiona 2“ aus dem Jahr 1970, eine organisch geformte und zudem begehbare Wohnhöhle des dänischen Designers Verner Panton in psychedelischen Lila-, Rot- und Orangetönen. Daneben Malerei, Skulptur und Fotografie, Videokunst und spektakuläre Designermöbel. Francis Bacon, Marcel Breuer, Donald Judd oder Henry van de Velde: Die Liste der Teilnehmender liest sich wie ein „Who’s Who“ der wichtigsten Künstler, Architekten und Möbeldesigner des 20. Jahrhunderts.

Vielleicht hätten die Macher der Schau ein wenig mehr den Ludwig Mies van der Rohe zugeschriebenen Grundsatz „Weniger ist mehr“ beherzigen sollen. Weniger Exponate und ein stringenteres Ausstellungskonzept hätte den Besucher vielleicht mit einer klareren Vision, auch was sein eigenes Wohnen betrifft, aus der Schau entlassen können. So verlässt er das Haus am Ende verwirrt und ein wenig desorientiert.

„Interieur/Exterieur“ nähert sich dem Phänomen des Wohnens von zwei an sich widersprüchlichen Polen aus: Da gibt es einerseits die Vision der Moderne, die das häusliche Ambiente mit fließenden Räumen und transparenten Fassaden zu seiner Umgebung hin öffnete. Eine etwas rudimentär gebliebene Rekonstruktion des 1929 errichteten „Barcelona-Pavillons“ von Mies van der Rohe legt davon ebenso Zeugnis ab wie die grandiose Schwarzweißfotografie des kalifornischen Fotografen Julius Shulman aus den 1960er Jahren vom spektakulären „Case Study House No.22“ des Architekten Pierre Koenig. Sie zeigt, wie gläserne Architektur und Stadtraum – in diesem Fall das Schachbrettmuster des nächtlichen Los Angeles – kongenial miteinander verschmelzen.

Daneben konfrontiert die Schau den Besucher auch mit den Abgründen und der oft unerträglichen Enge der häuslichen Intimität: So etwa auf den 1897 entstandenen Holzstichen des schweizerisch-französischen Symbolisten Félix Vallotton. Sie zeigen kammerspielartig ein bürgerliches Ehepaar in Momenten zwischen Nähe und Abstoßung. Die zeitgenössische Variante zum Thema Heim als Hölle liefert die Videoarbeit „House with Pool“ des amerikanisch-schweizerischen Künstlerpaares Teresa Hubbard und Alexander Birchler aus dem Jahr 2004. In spannungsgeladenen Bildern inszenieren sie einen unheimlichen Mutter-Tochter-Konflikt vor der Kulisse einer modernistischen Luxusvilla mit Swimmingpool. Den Rückzug in die schützende Höhle des privaten Zuhauses nennen Soziologen gerne neudeutsch „Cocooning“. Auch für diesen, gerade in Krisenzeiten immer wieder virulenten Trend liefert die Schau zahlreiches Anschauungsmaterial. Etwa die multifunktionalen Wohnmodule von Andrea Zittel oder wie eingangs erwähnt die höhlenartigen 1970er-Jahre-Wohnlandschaften Verner Pantons.

Am Ende des Parcours präsentiert die Schau noch eine Zukunftsvision: „R 129“, das vollverglaste Wohnei des Stuttgarter Ingenieurs Werner Sobek. Der futuristische Baukörper ähnelt einer gigantischen, etwas plattgedrückten Seifenblase. Das Kunststoffgehäuse bietet seinen Bewohnern einerseits den totalen Durchblick, idealerweise an einem Aufstellort mit Meerblick oder inmitten der Natur. Andererseits lässt sich die durchsichtige Außenhaut per Knopfdruck vollständig lichtundurchlässig machen. Der alte Widerspruch zwischen Transparenz und Abschottung: Im Wohnei der Zukunft ist er endgültig aufgehoben.

Die Ausstellung „Interieur/Exterieur. Wohnen in der Kunst. Vom Interieurbild der Romantik zum Wohndesign der Zukunft“ ist bis zum 13. April zu sehen. Das Kunstmuseum Wolfsburg hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, dienstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet im Museum 39 Euro.

Kontakt:

Kunstmuseum Wolfsburg

Hollerplatz 1

DE-38440 Wolfsburg

Telefon:+49 (05361) 26 690

Telefax:+49 (05361) 26 69 66



07.01.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


29.11.2008, Interieur/Exterieur: Wohnen in der Kunst

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Kunstmuseum Wolfsburg

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Georg Friedrich Kersting, Am Stickrahmen, 1827
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 Landschaft mit dem Milleschauer, 1808
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Johann Tischbein, Der lange Schatten, um 1805
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Georg Friedrich Kersting, Am Stickrahmen, 1827

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Caspar David Friedrich, Böhmische Landschaft mit dem Milleschauer, 1808

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Johann Tischbein, Der lange Schatten, um 1805

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