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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Kunst von 1821 bis heute bei Grisebach in Berlin

Platz für die zweite Reihe



Paul Baum, Allee mit Blick auf St. Anna Termoiden in der Ferne, 1905

Paul Baum, Allee mit Blick auf St. Anna Termoiden in der Ferne, 1905

Der zweite Teil von Grisebachs großen Herbstauktionen lädt immer auf Entdeckungsreise ein, die großen Künstler ein wenig zu vergessen und sich denen zuzuwenden, die in ihrem Schatten wirkten, viel ausgestellt waren und doch ein wenig in Vergessenheit gerieten, obwohl ihre Werke zumindest gelegentliche Erinnerungen verdienten. Emil Noldes starkfarbiges Aquarell von Mann und Frau um 1938/45 oder Christos Verpackungsanleitungen „Running Fence“ von 1975 und „The Gates“ von 2004, Lyonel Feiningers zartes Segelschiff „Jolly Offshore II“ von 1942 oder Emil Schumachers „Nanga II“ von 1959 werden schon irgendwie – wenn nicht jetzt, dann nach der Auktion – ihre mittleren fünfstelligen Preise erzielen. Oder auch die Pastelle Lesser Urys, von denen am 29. November zugegebenermaßen wirklich eine so atemberaubend schöne und reiche Auswahl gegeben ist, dass man sie beim besten Willen nicht unterschlagen kann: Die wunderbar leicht hingetupften „Weiden am See“ um 1895 und die golden is braun schimmernde „Herbstallee“ von 1892, der leuchtende Mond über einer versilberten Havellandschaft aus derselben Zeit, die verstaubte London Bridge im Sommer 1926 und die noch winterlich kahle „Straße im Tiergarten (Berlin)“ von etwa 1925 mit vorbeirtuckernden Autos, Bussen und Straßenbahnen – all dies darf nach der großen Abendauktion, in der diese Namen ohnehin glänzen, ein wenig in den Hintergrund treten, um denen Platz zu machen, die sonst bisweilen etwas zu kurz kommen.


Schon das erste Bild ist ein Unikum. August Heinrichs Aquarell mit Blick auf den Watzmann entstand 1821, als man sich für die überwältigende Schönheit der alpinen Schneeberge gerade erst zu interessieren begann (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Walter Leistikow wurde zu seiner Zeit hochgeschätzt und vor allem in seiner Berliner Umgebung hochbezahlt. Insofern dürfte der Preis im Verhältnis kaum wesentlich angestiegen sein, wenn für seine märkische Seelandschaft jetzt 15.000 bis 20.000 Euro verlangt werden. Titellos des Katalogs ist Paul Baums neoimpressionistische „Allee mit Blick auf St. Anna Termoiden in der Ferne“ aus dem Jahr 1905 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), dieser gesellt sich aber noch seine ebenfalls südländisch frische Ansicht der Faraglioni-Felsen von Capri aus dem Jahr 1899 hinzu (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR).

Erfreulich ist die Anwesenheit eines Frühwerk Otto Muellers, den man vor allem als expressionistischen Grafiker der „Brücke“ kennt. Hier aber kommt seine „Junge Frau mit Eidechse“ von 1901 zum Aufruf, das von einer jugendstilartigen Innigkeit zeugt, die dem introvertierten Künstler auch später eignet (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Lustig anzuschauen sind Max Beckmanns „Gähnende“ auf einer Kaltnadelradierung des Jahres 1918. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Mit fast tentakelartiger Schleimigkeit breitet sich 1910 ein Blumenstillleben in blauer Vase von Emil Orlik über die Leinwand aus. Auch die runde Tischdecke trägt ein Blütenmuster, während der Hintergrund einer Landschaft nur leicht in Graubraun angedeutet ist (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Ohne Tisch haben sich Josef Scharls vier Männer zu einer „Konferenz/Die Gruppe“ 1927 versammelt. Die eher unkommunikativen Herren sind fast ohne Tiefe in die Fläche gebannt und offenbaren Scharl als weitgehenden Autodidakten (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Georg Tapperts „Frau in rotem Mantel“ wartet 1927 geduldig, bis der Meister mit seinem gemäßigten Expressionismus fertig ist (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), ebenso Max Kaus’ „T. mit hohem Hut“ 1924, wohinter sich seine Frau „Turu“ verbirgt (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Vielleicht schielen sie ja auch auf die Torten und Kuchen, die Paul Kleinschmidt in einem leckeren „Geburtstagsstillleben“ 1933 auftischte (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Eines der letzten Bilder aus seiner Bremer Heimat ist Heinrich Vogelers „Barkenhoff-Insel mit Boot“ von 1923. Später wandte sich Vogeler, einst intellektueller Kopf der Worpsweder Künstlerkolonie, dem Kommunismus zu und starb unter etwas jämmerlichen Umständen 1942 in Kasachstan (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Felix Nussbaums naiv-zupackender Realismus lässt sich im Gemälde „Seesteg Ostende“ von 1929 bewundern (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Eine der interessantesten Positionen der Neuen Sachlichkeit vertritt der heute weithin unbekannte Carl Grossberg, der 1940 bei einem Autounfall in Frankreich starb. 1925 hatte er eine Dorflandschaft, offenbar das fränkische Erlach, zu einer Spielzeugwelt zusammengestellt, die dem Wirken einer Kinderhand nicht nachsteht und auch jederzeit von ihr zerstört werden könnte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Von kraftvollem Ausdruck sind meist die Spätwerke Hermann Max Pechsteins. So stürzen auch die „Boote in der Brandung“ auf einem Temperabild 1949 über die Wellen auf den Betrachter zu, als wollten sie gleich am flachen Strand zerschellen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Die Abstraktion beginnt optimistisch. „Gaudeamus“ betitelte William Wauer 1919 seinen strudelartig zur Bildmitte hin verdichteten Farbimpuls aus vornehmlich gelben, roten und blauen Flächen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Etwas getragener kommt Erich Buchholz’ Aquarell-„Komposition“ von 1921 daher, die allerdings umso edler in roten Rechtecken und goldenen Kreisen erstrahlt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Der „Kopf“, zersplittert in viele kleine Farbpuzzle, ist als solcher kaum noch in Rudolf Auslegers Ölgemälde von 1919 zu erkennen (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). In Fritz Winters Frühwerk „Bau I“ von 1932/34 aus Öl und Sand verdunkeln sich die Farben schon merklich (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR), um sich in Maria Helena Vieira da Silvas „Pays lointain“ von 1957 in ein blaugrünes Nichts aufzulösen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Zwei Jahre später werden Alfred Manessiers „Les monts de cuquillons“ wieder wesentlich bunter (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), um sich bei Karel Appel 1961 in einen expressiven Farbschwung zu kräuseln, betitelt „Son over painted dessert“ (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR).

Literarisch wird es in der zeitgenössischen Kunst. Bernhard Heisigs alter Jude, der erhobenen Zeigefingers den Betrachter zu belehren scheint, basiert 1995 auf einem Gedicht Johannes R. Bechers mit dem Anfang „Aber Gott sieht zu, Herr Offizier“ (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Poetisch klingen Arnulf Rainers „Sterne über Afrika“ von 1982 (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und Karl Horst Hödickes „Schwarze Gobi“ mit einer quer durch das sanfte Gelb des Sandes verlaufenden Autostraße (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Rainer Fettings Selbstbildnis beim Haarerichten „Akt im Spiegel IV“ gehört 1980 in die Berliner Neoexpressionistenszene (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Imi Knoebel vertritt mit seinen vier Acryltafeln „DIN X D1 – D4“ 1995 die Neo-Geo-Richtung (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), während der Pole Wojciech Fangor 1965 ein schimmerndes rundes Gestirn aus dem Nachthimmel unter dem Titel „B 56“ malt (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Neo Rauchs „Die Erde ist eine runde Walze“ von 1991 (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR) und Norbert Schwontkowskis „Heimat Stadt“ von 2006 sorgen dann wieder für figurative Unterhaltung (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Die Jüngsten heißen Frank Nitsche, dessen blaue Verschachtelung „BTV-10-2002“ einen Hang zur Abstraktion vermuten lässt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), und Jonathan Meese, dem wir nicht nur die selbstbezogene Papiercollage „De-Hex – Clan of Clan“ von 1998 verdanken (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), sondern auch den vorzeitigen Weihnachtsgruß „Noel Coward is back XV (Schmuck und Macht)“ von vor zwei Jahren (Taxe 28.000 bis 34.000 EUR).

Die Skulptur wird durch Ludwig Kasper vertreten. Sein Ende war tragisch: 1943 nahm er eine Stelle als Kunstlehrer in Braunschweig an, ein Jahr später ging sein Atelier in Flammen auf. Die halbfertige Bronzeplastik „Große Kniende“ rettete er in seine österreichische Heimat, wo er im August 1945 einem Nierenleiden erlag. Der klassisch-ideal anmutende Körper der jungen Frau ist so etwas wie sein Vermächtnis (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). In ähnlichem Geist ist der „Große Kniende“ Hermann Blumenthals von 1937 gehalten, einem jungen Künstler, dem der Krieg bereits 1942 als Soldat in Russland ein vorzeitiges Ende bereitete (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Im selben Jahr starb in Paris Julio González, der mit seiner Bronzeskulptur „Demi Masque aux Dents“ aus der Mitte der 1930er Jahre noch die Abstraktion in sein Werk einließ, obwohl er deutlich älter als die beiden anderen war. Der vorliegende Guss gehört zu einer Auflage von acht Stück wohl aus den 1950er oder 1960er Jahren (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Nicht gerade erfreut wären Blumenthal und Kasper vermutlich über Karl Hartungs „Liegende“ von 1948 gewesen, so sehr widerspricht die Bronze mit ihren zu großen oder zu kleinen Körperteilen jeder anatomischen Korrektheit (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Ein Jahr später betrat Gustav Seitz’ „Schreitende“ die Bühne, die der Künstler, der seine Körper später ebenfalls stark versehren sollte, noch im Geist Aristide Maillols schuf (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 29. November um 10 Uhr. Die Vorbesichtigung findet noch bis zum 25. November täglich von 10 bis 18:30 Uhr, am 26. November von 10 bis 17 Uhr statt. Der Katalog ist im Internet unter www.villa-grisebach.de einsehbar.

Kontakt:

Villa Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@villa-grisebach.de



25.11.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Losnummer: 129

August Heinrich, Der Watzmann, 1821

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Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 215.000,- EURO

Losnummer: 100

Otto Mueller, Junge Frau mit Eidechse – Mädchen mit Salamander, 1901

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Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

Losnummer: 147




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