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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Druckgrafik bei Bassenge in Berlin

Von Schmeichlern, Skeletten und bösen Knaben



René Boyvin, Der Sieg über die Unwissenheit oder Die Erleuchtung Franz I., König von Frankreich

René Boyvin, Der Sieg über die Unwissenheit oder Die Erleuchtung Franz I., König von Frankreich

So ein Trubel: Alles fuchtelt hilflos mit den Händen in der Luft herum, stakelt unsicher über einen unebenen Boden oder wälzt sich bereits in Verzweiflung auf eben diesem. Blind sind sie gemacht durch Binden, die sich über ihre Augen winden. Nur einer schreitet munter voran in den Tempel der Weisheit, der mit „Ostium Iovis“ überschrieben ist: Es ist Franz I., König von Frankreich, der gleichsam Erleuchtete, der über die Unwissenheit triumphiert und im Tempel der ewigen Götter seinen wohlverdienten Platz einnimmt. Franz I., als Politiker durchaus zweifelhaft, gilt den Schöngeistern heute immerhin als einer der wichtigsten Kunstförderer seiner Zeit. Er zog Künstler aus aller Herren Länder an seinen glänzenden Hof, so auch den Florentiner Maler Rosso Fiorentino, der für den König das gleichartige Fresko in Fontainebleau ausführen durfte. Die Kraft dieses manieristischen Meisterwerkes hat René Boyvin in einem Kupferstich festgehalten, den das Berliner Auktionshaus Bassenge auf seiner kommenden Grafikauktion am 27. November für 6.000 Euro offeriert.


Grafik des 15ten bis 17ten Jahrhunderts

Diesem schmeichlerischen Auftragswerk gesellen sich noch manche Kuriositäten an die Seite. So spielt Franz I. noch einmal eine Rolle als Auftraggeber einer sechsteiligen Kupferstichfolge von Jean Duvet, die dieser unter dem Titel „Suite de la Licorne“ veröffentlichte und sich damit den Beinamen „Meister mit dem Einhorn“ einhandelte. Komplette Folgen dieser Reihe sind bisher nicht bekannt geworden, aber auch als Einzelstücke sind die Blätter schier unglaublich teuer. Blatt 2 mit dem Titel „La Licorne purifie une source“ von etwa 1535 allein kostet jetzt 75.000 Euro. Der Römer Pietro Francesco Alberti zeigt in einer seiner wenigen nachweisbaren Radierungen einen bösen Knaben, der mit Häme auf einen noch böseren Affen weist, der eine arme Katze dazu zwingt, die heißen Kastanien aus dem Feuer zu angeln (Taxe 3.500 EUR). Geradezu gruselig wird es mit dem anonymen Kupferstich „Horrida sum pravis“ des Verlegers Pietro Paolo Palumbo, der den skelettierten Tod mit einer Sense und einem langen Schriftband in der Hand repräsentativ darstellt (Taxe 12.000 EUR).

Ein ganzes Panorama von menschlichen Eigenschaften zeichnet Mario Cartaro in 25 kleinen Szenen auf einem großen Kupferstich auf. Als Beispiele dienen hier unter anderem die Heldentaten des Herkules, die geistige Größe des Apoll und sogar der Hund, der treu bei seinem Herrn bleibt. Manche Tugenden oder Eigenschaften wie Freigiebigkeit oder Glück werden durch Einzelfiguren angegeben (Taxe 6.000 EUR). Wer all diese Merkwürdigkeiten nicht schätzt, wird auch bei den gängigen Meistern fündig. Über dreißig Blätter stammen allein von Albrecht Dürer, darunter der heilige Christophorus auf einem Holzschnitt von 1511 (Taxe 6.000 EUR), der bemerkenswerte Kupferstich „Die vier Hexen“ aus dem Jahr 1497 (Taxe 4.500 EUR) sowie die Eisenradierung „Die Kanone“ von 1518, die gerade von einer Schar türkischer Soldaten bewundert wird (Taxe 4.000 EUR). Rembrandt schickt diesmal nur acht Arbeiten, aber immerhin mit seinem um 1634 datierten Selbstbildnis mit Barett bei 20.000 Euro eine der teuersten der Auktion.

Das Leben Jesu lässt sich an den Blättern des Katalog beschreiben. So ist Georges Reverdy mit seinem dichten Kupferstich für die „Darbringung im Tempel“ zuständig (Taxe 3.000 EUR), Albrecht Altdorfer mit seinem um 1512/15 entstandenen Holzschnitt für „Die heilige Familie am Brunnen“ (Taxe 4.500 EUR), Jacques Bellange mit seiner Radierung für die „Auferweckung des Lazarus“ (Taxe 9.000 EUR), Andrea Meldolla für die „Grablegung Christi“ (Taxe 3.000 EUR), und Giovanni Battista Fontana für ein figurenreiches „Jüngstes Gericht“ (Taxe 2.500 EUR). Pieter Lastman zog es ins Alte Testament. Zu seinen drei bekannten Radierungen zählt die Geschichte von „Juda und Tamar“, die nach dem Tod der beiden Söhne Judas gerade als Dirne ihren Schwiegervater verführt (Taxe 3.000 EUR).

Hendrick Goltzius war mehr für die Antike zu haben. Aus seiner Reihe „Römische Helden“ stammen die beiden Kupferstiche „Marcus Curtius zu Pferde“ und „Titus Manlius zu Pferde“ (Taxe 4.500 EUR). Selbst ohne Farbe entwickelt ein Strauß mit Rosen, Passionsblumen und Lilien in einem Kupferstich von Gerard van Keulen immer noch seine Reize (Taxe 2.400 EUR). Auch Jacob van Ruisdael, bekannt als Meister der Landschaftsmalerei, schafft mit seiner Radierung „Das Kornfeld“ Meisterliches auf dem Gebiet der Druckgrafik (Taxe 3.000 EUR). Und Orazio de Santis verantwortet schließlich die Architektur, wenn er 1591 den Entwurf für eine Supraporte mit zwei Genien und einer Kartusche als Kupferstich um setzt (Taxe 6.000 EUR).

Nach Vorlagen Pieter Bruegels d.Ä. wurde eine Reihe von Kupferstichen ausschließlich mit der Darstellung von Segelschiffen gefertigt, die bis zu 7.500 Euro einspielen sollen. Auch der Maler Frans Floris I. betätigte sich gelegentlich als Grafiker, etwa in seiner allegorischen Radierung „Victoria, von Gefangenen und Trophäen umgeben“ aus dem Jahr 1552 (Taxe 6.000 EUR). Der Parabel von den klugen und den törichten Jungfrauen widmet sich Jan Saenredam in fünf Kupferstichen aus den Jahren 1605/06 (Taxe 7.500 EUR). Urs Graf ergänzt mit dem Kupferstich einer törichten Jungfrau nach Martin Schongauer bei 600 Euro. Als weitere Trophäe bietet Bassenge schließlich noch den kolorierten Metallschnitt mit einer Darstellung der heiligen Barbara, die der Werkstatt des im späten 15ten Jahrhundert in Bayern tätigen Meisters der Stoeger-Passion zugewiesen wird. Das spätgotische Blatt der Zeit um 1460/70 steht als ältestes Stück der Auktion bei 30.000 Euro.

Grafik des 18ten Jahrhunderts

Die Familie Tiepolo macht wieder einmal von sich reden in der Druckgrafik des 18ten Jahrhundert: Vater Giovanni Battista Tiepolo schickt seinen sitzenden Zauberer mit einem Knaben und vier weiteren Figuren auf einer Radierung von 1737 (Taxe 3.000 EUR), sein Sohn Giovanni Domenico Tiepolo schließt sich mit der Radierung eines Flussgottes dem raschen Rokokogestus des bedeutenderen Vaters an (Taxe 6.000 EUR). Preislich werden sie allerdings von Louis-Jean Desprez’ und Francesco Piranesis Radierung „La Grotta di Posillipo“ um 500 Euro überflügelt, die von Desprez mit Aquarell und Deckfarben überarbeitet hat. Vater Giovanni Battista Piranesi steuert selbstredend etliche Blätter aus seinen „Vedute di Roma“ bei, darunter die „Veduta del Campidoglio di fianco“ für 1.200 Euro oder die „Altra Veduta del tempio della Sibilla in Tivoli“ für 1.500 Euro. Er ist hier für das Groteske zuständig, wenn er am Ender der 1740er Jahre in den „Opere Varie di Architettura“ die vier Blätter mit Skeletten, Triumphbogen, dem Grab des Nero und die monumentale Platte radiert (Taxe 4.500 EUR).

Carl Wilhelm Kolbes „Phantastische Eiche in einem Gehölz“ hat etwas Bizarres an sich. Meint man doch, Augen sehen einem aus dem knorrigen Stamm entgegen (Taxe 1.200 EUR). Der Amateurradierer Joseph François Foulquier häuft sein Blatt 1768 ebenfalls mit abstrusen Karikaturköpfen an (Taxe 1.200 EUR). Zum frühen Klassizismus rechnet auch Gilles-Antoine Demarteaus Brustbild eines jungen Mädchens auf einem Farbstich von etwa 1788 für 3.000 Euro. Und mit Johann Heinrich Füsslis Lithographie „Evening, thou bringest all“ von etwa 1806 mit einer sehnsuchtsvollen jungen Dame am Fenster gelangt man schon ins 19te Jahrhundert (Taxe 1.200 EUR).

Grafik des 19ten Jahrhunderts

Das 19te Jahrhundert wird von Theodor Hosemanns aus vier Blättern bestehender „Erinnerung an Teplitz“ von 1833 bestimmt. In der Lithografiefolge fing Hosemann so manch erlauchte Gestalt ein, darunter König Friedrich Wilhelm III. von Preußen oder Alexander von Humboldt, die damals zur Badesaison in dem böhmischen Kurort weilten (Taxe 4.500 EUR). Auch Ludwig Emil Grimm geht auf Historisches ein, wenn er den Empfang der Bürgerabordnung durch Wilhelm II. am 15. September 1830 in Kassel als Lithografie drucken lässt (Taxe 2.400 EUR). Effektvoll gestaltet der Engländer John Martin die Darstellung des Gastmahls des Belsazar auf einer Mezzotint-Radierung (Taxe 1.200 EUR). Thomas Pye, der letztmals 1877 erwähnt wird, schuf eine neunteilige Ansichtenfolge aus Kanada auf Grundlage eigener Fotografien (Taxe 1.200 EUR). Schon um 1807/08 erfindet Carl Baron von Vittinghoff eine unheimliche Waldlandschaft mit Eule in einer knorrigen Eiche und anderem Getier (Taxe 900 EUR). Ihr symbolistischer Gehalt wird etwa in den zwölf Aquatintaradierungen der Folge „Intermezzi“ von Max Klinger (Taxe 1.200 EUR) oder dem dichten Holzschnitt „La Guitare“ von Félix Vallotton rund 80 Jahre später fortgeführt (Taxe 1.500 EUR).

Die Auktion beginnt am 27. November um 10 Uhr. Die Vorbesichtigung findet noch bis zum 26. November von 10 bis 18 Uhr statt. Der Katalog ist im Internet unter www.bassenge.com abrufbar.

Kontakt:

Galerie Gerda Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: art@bassenge.com



25.11.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


27.11.2008, Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts

Bei:


Galerie Gerda Bassenge

Bericht:


Niederländer, Italiener und Manieristen ganz oben

Kunstwerk:

Carl Baron von
 Vittinghoff, Waldlandschaft mit Eule in einer knorrigen Eiche und anderem Getier, um 1807/08
Carl Baron von Vittinghoff, Waldlandschaft mit Eule in einer knorrigen Eiche und anderem Getier, um 1807/08

Kunstwerk:

Orazio de Santis, Entwurf für eine Supraporte mit zwei Genien, 1591
Orazio de Santis, Entwurf für eine Supraporte mit zwei Genien, 1591

Kunstwerk:

Gilles-Antoine Demarteau, Brustbild eines jungen Mädchens, um 1788
Gilles-Antoine Demarteau, Brustbild eines jungen Mädchens, um 1788

Kunstwerk:

Louis-Jean Desprez und Francesco Piranesi, La Grotta di Posillipo, um
 1791
Louis-Jean Desprez und Francesco Piranesi, La Grotta di Posillipo, um 1791

Kunstwerk:

Carl Wilhelm Kolbe, Phantastische Eiche in einem Gehölz
Carl Wilhelm Kolbe, Phantastische Eiche in einem Gehölz

Kunstwerk:

Giovanni Battista Piranesi, Grotteschi, 1747-1748
Giovanni Battista Piranesi, Grotteschi, 1747-1748







Pieter Lastman, Judah und Tamar

Pieter Lastman, Judah und Tamar

Taxe: 3.000,- EURO

Zuschlag: 2.800,- EURO

Losnummer: 5174

Gilles-Antoine Demarteau, Brustbild eines jungen Mädchens, um 1788

Gilles-Antoine Demarteau, Brustbild eines jungen Mädchens, um 1788

Taxe: 3.000,- EURO

Losnummer: 5335

Louis-Jean Desprez und Francesco Piranesi, La Grotta di Posillipo, um 1791

Louis-Jean Desprez und Francesco Piranesi, La Grotta di Posillipo, um 1791

Taxe: 6.500,- EURO

Losnummer: 5336

Félix Vallotton, La Guitare, 1897

Félix Vallotton, La Guitare, 1897

Taxe: 1.500,- EURO

Losnummer: 5493

Giovanni Battista Tiepolo, Sitzender Zauberer, Knabe und vier Figuren, 1737

Giovanni Battista Tiepolo, Sitzender Zauberer, Knabe und vier Figuren, 1737

Taxe: 3.000,- EURO

Losnummer: 5406

John Martin, Belshazzar’s Feast, 1832

John Martin, Belshazzar’s Feast, 1832

Taxe: 1.200,- EURO

Losnummer: 5465

Carl Baron von Vittinghoff, Waldlandschaft mit Eule in einer knorrigen Eiche und anderem Getier, um 1807/08

Carl Baron von Vittinghoff, Waldlandschaft mit Eule in einer knorrigen Eiche und anderem Getier, um 1807/08

Taxe: 900,- EURO

Zuschlag: 800,- EURO

Losnummer: 5494a

Pietro Paolo Palumbo, Horrida sum parvis

Pietro Paolo Palumbo, Horrida sum parvis

Taxe: 12.000,- EURO

Zuschlag: 9.000,- EURO

Losnummer: 5228

Albrecht Dürer, Die vier Hexen, 1497

Albrecht Dürer, Die vier Hexen, 1497

Taxe: 4.500,- EURO

Zuschlag: 9.000,- EURO

Losnummer: 5128

Carl Wilhelm Kolbe d.Ä., Carl Wilhelm Kolbe, Phantastische Eiche in einem Gehölz

Carl Wilhelm Kolbe d.Ä., Carl Wilhelm Kolbe, Phantastische Eiche in einem Gehölz

Taxe: 1.200,- EURO

Zuschlag: 3.000,- EURO

Losnummer: 5371

Orazio de Santis, Entwurf für eine Supraporte mit zwei Genien, 1591

Orazio de Santis, Entwurf für eine Supraporte mit zwei Genien, 1591

Taxe: 6.000,- EURO

Losnummer: 5273

Jacques Bellange, Die Auferweckung des Lazarus

Jacques Bellange, Die Auferweckung des Lazarus

Taxe: 9.000,- EURO

Losnummer: 5040




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