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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Der Kunstraum Niederösterreich untersucht das Sammeln und Bewahren in künstlerischer Dimension

Für die kleinen, flüchtigen Geschichten des Lebens



„Es ist beim Sammeln das Entscheidende, dass der Gegenstand aus allen ursprünglichen Funktionen gelöst wird, um in die denkbar innigste Beziehung zu seinesgleichen zu treten“, schreibt Walter Benjamin im ersten Band seines Passagenwerks und ergänzt: „Vielleicht lässt sich das verborgenste Motiv des Sammelnden so umschreiben: er nimmt den Kampf gegen die Zerstreuung auf. Der große Sammler wird ganz ursprünglich von der Verworrenheit, von der Zerstreutheit angerührt, in dem sich die Dinge in der Welt vorfinden.“ Sammeln bedeutet also Ordnung im Unübersichtlichen, Zufälligen, Grenzenlosen und im Unbekannten. Es ist der Versuch, Erinnerungen festzuhalten und damit zurechtzukommen, dass die Zeit vergeht. Der Sammelnde widersetzt sich dieser unabänderlichen Tatsache. Er nimmt die Dinge aus ihrem natürlichen Zusammenhang und versucht sie vor dem Vergessen und Verschwinden zu bewahren. Selbstredend liegt darin ein zentrales Motiv künstlerischer Arbeit.


Sammler und ihre Sammlungen sind ebenso wie das Sammeln selbst ein immer wieder gern gewähltes Ausstellungsthema, in den letzten Jahren auch bevorzugt im Zusammenhang mit Präsentationen zeitgenössischer Kunst. Im Jahr 2000 veranstaltete beispielsweise die Universität für angewandte Kunst in Wien gemeinsam mit der Universität in Klagenfurt eine Schau zu diesem Thema. Fast 50 Mitwirkende, Studentinnen und Studenten beider Institute, widmeten sich damals dem „Sammeln“ als Teil der ästhetischen Praxis des Alltags und als Problemstellung innerhalb der Kunst und untersuchten dessen eigenartige Logik.

Der in Berlin lebende Kurator Gyonata Bonvicini hat das fruchtbare Thema erneut aufgegriffen und eine Ausstellung mit 14 künstlerischen Positionen gestaltet, die der Kunstraum Niederösterreich derzeit in Wien präsentiert. Ausgewählt wurden Künstler und Künstlerinnen, die aus persönlichen Archiven schöpfen, beziehungsweise Regeln des Archivs auf die Probe stellen.

Die 1981 in Wien geborene Künstlerin Eva Chytilek präsentiert einen Turm von ausrangierten, übereinander montierten Kartonschachteln. Kleine, viereckige Einschnitte an den Seiten geben den Blick auf das beleuchtete Innere der Kartons frei: Bilder von leeren Räumen. Es sind Aufnahmen von einem Haus, das kurz vor dem Abriss stand, ein 1950er Jahre Bau mit kleinen Wohneinheiten. Chytilek fotografierte jeweils denselben Raumausschnitt, sammelte die Aufnahmen und arrangierte sie in einem dekonstruktivistischen Schachtelbau als Raum im Raum. Mittels sparsamster Mittel setzt die junge Künstlerin, verschiedenste Parameter wie Neu und Alt, Fiktiv und Real, Innen und Außen miteinander in Bezug.

Der 1952 ebenfalls in Wien geborene Erwin Kneihsl vereint in seinem Vorgehen sowohl die Arbeit eines Archivars als auch die eines Künstlers. „Berge und Kreuze“ nennt sich seine 14teilige Arbeit kontrastreicher Silbergelatinedrucke, für die der Wahlberliner den Horror vacui mit Holzkreuzen bedeckter Hügel in litauischen Wallfahrtsorten fotografiert hat. Jeremy Deller, geboren 1966 in London, zeigt eine Folge von Fotografien in Form einer Dia-Show. „After the Gold Rush“ nennt er die Installation, die seine Reise durch Kalifornien festhält. Begleitet von Banjo-Musik und dem Duft verbrannten Salbeis führt der Künstler zu unspektakulären Touristenattraktionen und Wahrzeichen des „Golden State“ und belegt die absurden Aspekte der Normalität.

Das Wiener Künstlerkollektiv mahony mit Andreas Duscha, Clemens Leuschner, Stephan Kobatsch und Jenny Wolka präsentiert eine begehbare Installation ausrangierter, aufeinander gestapelter Büroschränke, in deren Inneren die Besucher eine skurrile Sammlung von etwa 5.000 Fotografien durchforsten können. Für ihr „Archiv“ aus dem 2004 haben die Vier düstere Wiener Kellerabteile fotografiert und nach deren Standorten in den Gemeindebezirken geordnet. MAHONY beschäftigt sich mit der Verzerrung gewöhnlicher Objekte, Situationen und Systeme, in die das Kollektiv seine eigenen, oft nicht erklärbaren Geschichten einpflanzt.

Die tschechische Künstlerin Katarina Sedá, geboren 1977 in Brünn, erdachte eine Reihe von Übungen als Therapie für ihre Großmutter, die nach dem Tod ihres Ehemannes in einen Depression fiel. Das Projekt umfasst unter anderem die Katalogisierung aller Objekte, die die Großmutter in ihrem Eisenwarengeschäft über den Zeitraum von 30 Jahren verkauft hatte. Eine Serie von über 600 Zeichnungen ist das Ergebnis dieser intimen Erkundung in den Bereich der Erinnerung und der persönlichen Geschichte, die die Möglichkeiten des Archivs als eines Instruments für Bewahrung und Heilung erweitert. Sedas Arbeiten leben von der Spannung zwischen der dokumentarisch anmutenden Objektivität des Archivmaterials und dem subjektiven Kontext, in den sie eingebettet sind.

In „Available for Trade“, einem Poster, das eine Serie seltener Bücher und Ausstellungskataloge auflistet, schlägt der 1944 in Cleveland geborene Allen Ruppersberg eine alternative Beziehung zwischen Künstler und Betrachtendem vor. Der Künstler wird jedem, der ein auf dem Poster erwähntes Buch in die Ausstellung mitbringt, einen aus TV-Filmmaterial zusammengestellten Film schenken. Mittels der Idee des freien Austauschs untergräbt Allen Ruppersberg die wirtschaftliche Idee des Marktes. Eine Fiktion, die als Wahrheit funktionieren kann.

Unterm Strich versammelt „La Petite Histoire“ eine Auswahl überraschender und überzeugender Beiträge, aber auch solche, bei denen Anspruch und Umsetzung weniger zur Deckung kommen. Gyonata Bonvicini hätte gut daran getan, in seinem Katalogbeitrag konkreter auf die ausgestellten Werke einzugehen. Nichtsdestominder ist die Ausstellung eine respektable Schau, eine Hommage an das Flüchtige, an das Gedächtnis und an all die vielen kleinen und großen Dinge, die dafür bestimmt sind, zu verschwinden.

Die Ausstellung „La Petite Histoire“ ist bis zum 29. November zu sehen. Der Kunstraum Niederösterreich hat am Dienstag, Mittwoch und Freitag von 11 bis 19 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr und am Samstag von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Der Katalog zur Ausstellung kostet 10 Euro.

Kontakt:

Kunst Raum Niederösterreich

Herrengasse 13

AT-1014 Wien

Telefax:+43 (01) 90 42 112

Telefon:+43 (01) 90 42 111

E-Mail: office@kunstraum.net



06.11.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


03.10.2008, La Petite Histoire

Bei:


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