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Klare Linien bevorzugt: Edward Steichen, dem Pionier der modernen Mode- und Porträtfotografie, widmet das Kunstmuseum Wolfsburg eine grandiose Ausstellung

Momente der Realität



Das Jahr 1922 war für den in Paris lebenden amerikanischen Maler und Fotografen Edward Steichen eine einzige Katastrophe: Seine Ehe war in die Brüche gegangen, er war hoch verschuldet und – was vielleicht am schlimmsten wog – ihn plagten erhebliche Selbstzweifel, was die Qualität und Tiefe seiner Malerei anging. Die verkaufte sich zwar nach wie vor recht gut, aber dem eigenen hohen Anspruch wurde sie nicht gerecht. Steichen trat die Flucht nach vorne an. Er kaufte sich das billigste Ticket für die Überfahrt von Le Havre nach New York und verließ erst einmal den alten Kontinent. Der damals 43jährige war es gewohnt, zwischen Europa und Amerika hin- und herreisend sein Auskommen zu suchen. 1879 in Luxemburg geboren, wanderte er bereits als Zweijähriger mit seinen Eltern nach Amerika aus. Als Erwachsener überquerte er den Atlantik per Schiff in einer Regelmäßigkeit, wie es heute nur Jetsetter mit dem Flugzeug tun.


Speziell diese eine Reise aber sollte sein Leben und seine bescheidenen Einkommensverhältnisse mit einem Schlag verändern. Kurz nach seiner Ankunft in New York traf sich Steichen mit Condé Montrose Nast, dem mächtigen Verleger von Vogue und Vanity Fair. Nast, der Steichens fotografisches Werk schon lange bewunderte, engagierte den verdutzten Künstler, der eigentlich gerade begonnen hatte, eine ausgeprägte Mid-Life-Crisis zu entwickeln, vom Fleck weg als neuen Cheffotografen beider Magazine. Steichen wurde so zum bestbezahlten Fotografen seiner Zeit. Die ungeliebte Malerei konnte er jetzt getrost aufgeben. Zuständig für Porträt- und Modefotografie, entwickelte der begabte Lichtkünstler in den folgenden 15 Jahren ein beachtliches Werk, das nicht nur die Weichen für seine persönliche Zukunft stellen sollte, sondern auch das Bild der Frau in den Medien revolutionierte.

Zu besichtigen sind Edward Steichens klare, moderne und überaus elegante Modefotografien jetzt im Kunstmuseum Wolfsburg. Anhand einer Auswahl von rund 230 ausschließlich schwarzweißen Originalabzügen vermittelt die Schau seinen Weg vom Piktorialismus zur Moderne. Steichen galt bis zu seiner Einstellung bei Condé Nast als Vertreter eines eher an die Malerei angelehnten, daher als Piktorialismus bekannten Fotografiestils, der viel mit Unschärfen operierte und einen gewissen Hang zur romantisierenden Verklärung hatte. In New York sollte er zum Meister der klaren Geometrien und der auf ein Minimum reduzierten Dekorationen werden.

Anfangs fotografierte er seine Modelle noch im schwülstig eingerichteten 33-Zimmer-Apartment seines Verlegers an der Park Avenue. Später dann beschränkte er sich auf sein Studio oder suchte unsentimentale Orte auf, die den vom Bauhaus inspirierten neuen Geist der Moderne atmeten: schicke Privatwohnungen, wie etwa das Apartment der Kosmetikunternehmerin Helena Rubinstein, aber auch Hotels oder Kunstgalerien. Ludwig Mies van der Rohes berühmter Wassily-Chair, auf dem ein Mannequin im eleganten Chanel-Kleid sitzt, taucht auf einer Aufnahme von 1932 auf. Auf anderen Bildern sind moderne Art Déco-Interieurs oder nur aus Licht und Schatten komponierte Hintergründe zu sehen. Steichen war ein Meister des Porträts – und eigentlich war auch jede seiner Modeaufnahmen mehr ein Porträt als eine Produktaufnahme. Sein Ideal war die zeitlos elegante, ebenso kosmopolitische wie kultivierte Dame der besseren Gesellschaft. Kurzum: „La Parisienne“, die selbstbewusste Pariserin, die nicht zuletzt durch seine Aufnahmen in der Vogue zum nachahmenswerten Rollenmodell der amerikanischen High Society wurde.

Statt auf anonyme Kleiderpuppen setzte Steichen auf bekannte Models, die entweder als Schauspielerinnen wie Greta Garbo, Pola Negri und Marlene Dietrich oder als Tänzerinnen wie Martha Graham berühmt waren oder durch ihre Abstammung aus dem europäischen Hochadel über eine ganz natürliche Noblesse verfügten. Heute wirkt diese heile Welt der Schönen und Reichen im Amerika der 1930er Jahre elitär, snobistisch und in all ihrer künstlichen Inszenierung auch ein wenig prätentiös. Aber dennoch hat Steichen, der erste moderne Modefotograf, in den amerikanischen Magazinen seiner Zeit mit seiner mondänen, zeitlos-eleganten Fotografie zumindest in ästhetischer Hinsicht die Tür zur Moderne ebenso kraftvoll wie nachhaltig aufgestoßen.

In seiner dritten Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg widmete sich Edward Steichen als Fotokurator am New Yorker Museum of Modern Art ganz anderen Dingen. Seine bahnbrechende Ausstellungstournee „The Family of Man“, eine Mammutschau mit Aufnahmen von fast 300 Fotografen gegen Krieg, Gewalt und Inhumanität, haben über neun Millionen Menschen rund um den Globus gesehen.

Die Ausstellung „Edward Steichen. In High Fashion“ läuft bis zum 4. Januar 2009. Das Kunstmuseum Wolfsburg hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, dienstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet im Museum 38 Euro, im Buchhandel 58 Euro.

Kontakt:

Kunstmuseum Wolfsburg

Hollerplatz 1

DE-38440 Wolfsburg

Telefon:+49 (05361) 26 690

Telefax:+49 (05361) 26 69 66



03.11.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


11.10.2008, Edward Steichen: In High Fashion

Bei:


Kunstmuseum Wolfsburg

Künstler:

Edward Steichen










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