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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Glas bei Fischer in Heilbronn

Unbekannte Größen



Wappenpokal, Schlesien, um 1730

Wappenpokal, Schlesien, um 1730

„Schlesien um 1730“ und „Dresden um 1720“ sind die verlegenen Orts- und Zeitangaben, mit denen der Heilbronner Glasexperte Jürgen Fischer am 18. Oktober zwei reich verzierte Pokale des frühen 18ten Jahrhunderts bezeichnen muss. Künstler waren in jener Zeit fast nie bekannt. Auch das Wappen auf dem schlesischen Exemplar ist bisher nicht bekannt geworden, es zeigt über Kreuz angeordnet zwei Adler und zwei Männer mit drei Pfeilen in der Hand und in der Mitte auf einem kleinen Schild einen stehenden Löwen. Adler und Bogenschütze tauchen auch in der prächtigen Helmzier noch einmal auf. Die Rückseite ziert eine wilde Jagdszene in baumbestandener Architekturlandschaft (Taxe 5.500 EUR). Der Dresdner Deckelpokal präsentiert die eher ungewöhnliche Darstellung des angelnden Amor in einer Architekturlandschaft, darüber die Inschrift „je m’atteche à ceux quile meritent“ (Taxe 3.800 EUR). Namentlich bekannt ist der Schöpfer eines mit Blumendekor versehenen Bechers auf drei Kugelfüßen: Der Nürnberger Meister Heinrich Schwanhardt hat hier um 1690 Hand angelegt (Taxe 3.500 EUR).


Eines der ältesten Stücke der Auktion ist gleichzeitig auch eines der teuersten: 17.000 Euro soll ein böhmischer Humpen mit der Datierung 1599 kosten, dessen farbig emaillierte Wandung einen Reiter in Zeittracht aufnimmt. Vorlage war ein Holzschnitt aus der fünfzehn Jahre zuvor erschienenen Folge „Kunstreiche Figuren der Reutterey“ von Jost Amman. Gleichwohl stellt das 19te Jahrhundert einen wesentlichen Anteil der Auktionsofferte. Zu nennen sind hier die in klassizistischem und Biedermeierstil bemalten Becher der Werkstätten Anton Kothgasser und Samuel Mohn, die bei bis zu 2.800 Euro rangieren. Trotz ihrer souveränen und effektvollen Schnitt- und Schliffkunst sind die Produkte aus Jahrhundertmitte relativ günstig zu haben. Friedrich Egermanns Deckelpokal mit emaillierten Jägern in verschiedenen Kostümen ist hier zu nennen (Taxe 2.700 EUR) und August Böhms gelblich schimmernder Fußbecher mit reitendem Araber, datiert 1832 und nur mit 1.300 Euro bewertet. Der Steiermärker Hieronymus Hackel schuf um 1830 einen Zylinderbecher mit dem Wappen der Erzherzöge von Österreich, auf der Rückseite posaunt Fama die militärische Größe dieser Herren in die Welt hinaus (Taxe 2.400 EUR).

Allmählich nach Frankreich verlagert sich das Gewicht gegen Ende des Jahrhunderts. Noch in den quirligen Formen des Historismus steht ein orientalistisch dekorierter Pokal des Pariser Meisters Philippe-Joseph Brocard von 1871 (Taxe 1.900 EUR). Auf österreichischer Seite beeindrucken aber nicht minder bedeutende Firmen wie Meyr’s Neffe und Lobmeyr in Wien, die um 1880 gemeinsam mit einem Satz von zwölf hübschen Konfektschalen im Rokokostil auftreten (Taxe 1.600 EUR). Doch der Jugendstil lässt nicht lange auf sich warten. Eines der Prunkstücke ist hier eine balusterförmige Vase der Firma Burgun, Schverer & Co. aus der Zeit um 1895, deren grünlicher Pflanzendekor direkt der Flora entschlüpft zu sein scheint (Taxe 15.000 EUR). Henri Bergé und/oder Emile Wirtz entwarfen um 1919 eine rund vierzig Zentimeter hohe Vase mit Narzissen, die mit 9.500 Euro eines der Glanzstücke von Daum Frères bildet, übertroffen um 1.000 Euro nur von Bergés Vase „Crocus“ aus dem Jahr 1906. René Lalique leitet mit seiner gedrungenen, farblosen Pressvase „Cerises“ 1930 das Art Déco ein (Taxe 4.500 EUR). Und Emile Gallé? Gibt sich mit rund zwei Dutzend Vasen und Schalen für bis zu 4.000 Euro diesmal etwas bescheidener. Außenseiter ist diesmal François Eugène Rousseau, der schon um 1884 eine etwas skurrile Elefantenvase aus scheinbar gebrochenem Eisglas mit rotvioletten Äderungen schuf (Taxe 4.800 EUR).

Das östliche Pendant zu alledem, Lötz Witwe in Klostermühle, hat mit über sechzig Losen einmal mehr das größte zusammenhängende Angebot, wenngleich die Schätzpreise wie üblich über 3.800 Euro für eine von Leopold Bauer entworfene Stangenvase von 1906 nicht hinausgelangen. Heinrich Strehblows Jardinière von etwa 1907 für die Fachschule Haida (Taxe 2.700 EUR) und ein von Adolf Beckert dekorierter Deckelpokal für die Fachschule Steinschönau um 1915 pflegen mit weiterhin durchaus historistischem Einschlag die Jugendstilornamentik (Taxe 1.500 EUR).

Wenn von einer Renaissance des Jugendstil in neuerer Zeit die Rede sein könnte, so am ehesten durch die Murano-Produktion der 1950er Jahre. Hier klettern die Preise wieder etwas höher. Für Ercole Baroviers Vase „Barbarico“ müssen 3.200 Euro hingelegt werden, Fulvio Bianconis Vase „Scozzese“ mit gelben, weißen und hellgrünen Vertikal- und Horizontalstreifen kostet sogar 5.800 Euro. Auf 10.000 Euro klettert Archimede Segusos amorphe Vase „Merletto“ von 1952 mit feinem weißem Netzdekor und blauer Bandeinschmelzung. Auch für die farbschrillen Erfindungen des Dino Martens, so für die Vase aus der „Oriente“-Reihe mit entsprechender Sterndekorierung, werden bis zu 8.800 Euro fällig.

Jean Cocteau hat sich mit seinem Entwurf für eine Gesichtvase „Tre Occhi“ 1962 in die Lagune verirrt, hergestellt wurde sie von Egidio Costantini (Taxe 4.800 EUR). Weitere Namen sind Pollio Perelda mit seiner meditativ in gedeckten Farben leuchtenden Vase „Cattedrale“ (Taxe 5.800 EUR), Anzolo Fugas mit seinem Exemplar „Bandiere“ (Taxe 4.700 EUR), Ermanno Toso, der beispielsweise für die Vase „Kiku“ einen Hang zu kleinteiligen rotgelben Blumenmustern offenbart (Taxe 3.700 EUR), und Alfredo Barbini, der einmal mehr sein Vasenobjekt „Sasso su piede“ von 1962 diesmal für 6.000 Euro ins Rennen schickt.

Traditionsgemäß bestreiten die osteuropäischen Glashersteller bei Fischer die letzten und zugleich die teuersten Lose der Auktion. Das für ihre abstrahierten Glasskulpturen bekannte Künstlerpaar Stanislav Libensky und Jaroslava Brychtová sind hier schon ein eingespieltes Team. 18.000 Euro für ihren roten „Kuss“ von 1958, 22.000 Euro für „Head V“, je 27.000 Euro für ein „Grünes Auge der Pyramide“ und „Kopf – Mond“ oder gar 35.000 Euro für die Plastik „Queen“ ebenfalls in Rot sind durchaus realistische Preise. 68.000 Euro waren bei Fischer aber noch nicht verzeichnet. Soviel werden für eine 165 Zentimeter hohe Stele aus dem Jahr 1998 erwartet, die mit ihrer gestylten Durchformung in vier Stufen auch als Hochhausentwurf durchgehen könnte.

Für schmalere Geldbeutel stehen weniger renommierte Glaskünstler bereit, allerdings steht bei ihnen auch der funktionale Aspekt wieder mehr im Vordergrund. Lubomír Blecha schuf 1961 eine Vase, die mit ihrer farblichen Gestaltung in Rubinrot auf orangefarbenem Grund nicht weit von Murano entfernt scheint (Taxe 8.500 EUR). Ein ufoähnliches Schalenobjekt von 1998 aus kobaltblauem Glas stellt Frantisek Vízner für 10.500 Euro zur Verfügung, Harvey K. Littleton versucht es mit seiner „Yellow Sliced Descending Form“ aus dem Jahr 1982 bei 15.000 Euro. Auch Dale Chihuly und Steve Tobin vertreten mit ihren Arbeiten eine dezidiert künstlerisch ambitionierte Richtung in der Glaskunst.

Die Auktion beginnt am 18. Oktober um 10 Uhr. Die Vorbesichtigung ist noch bis zum 16. Oktober von 11 bis 17 Uhr, am 17. Oktober von 11 bis 16 Uhr möglich. Der Katalog ist im Internet unter www.auctions-fischer.de abrufbar.

Kontakt:

Kunstauktionshaus Dr. Jürgen Fischer

Trappensee-Schlösschen

DE-74074 Heilbronn

Telefax:+49 (07131) 15 55 720

Telefon:+49 (07131) 15 55 70

E-Mail: info@auctions-fischer.de



15.10.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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18.10.2008, Europäisches Glas - Studioglas

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Deckelpokal, Dresden, um 1720
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 Cocteau, Vase „Tre Occhi“, 1962
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 Grünes Auge der Pyramide, 1933
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Stanislav Libensky und Jaroslava Brychtová, Stele, 1998
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Archimede Seguso, Vase „Merletto“, Murano 1952
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Pollio Perelda, Vase „Cattedrale“, 1957

Pollio Perelda, Vase „Cattedrale“, 1957

Taxe: 5.800,- EURO

Losnummer: 945

Henri Bergé und/oder Emile Wirtz, Vase, um 1919

Henri Bergé und/oder Emile Wirtz, Vase, um 1919

Taxe: 9.500,- EURO

Losnummer: 502

Burgun, Schverer & Co., Vase, Meisenthal um 1895

Burgun, Schverer & Co., Vase, Meisenthal um 1895

Taxe: 15.000,- EURO

Losnummer: 488

Lubomír Blecha, Vase, 1961

Lubomír Blecha, Vase, 1961

Taxe: 8.500,- EURO

Losnummer: 1006

René Lalique, Vase „Cerises“, 1930

René Lalique, Vase „Cerises“, 1930

Taxe: 4.500,- EURO

Losnummer: 569

Anzolo Fuga, Vase „Bandiere“, 1955

Anzolo Fuga, Vase „Bandiere“, 1955

Taxe: 4.700,- EURO

Losnummer: 973

Samuel Mohn Werkstatt, Becher mit Kosak, Dresden um 1813

Samuel Mohn Werkstatt, Becher mit Kosak, Dresden um 1813

Taxe: 2.800,- EURO

Losnummer: 227

Stanislav Libensky und Jaroslava Brychtová, Queen, 1987

Stanislav Libensky und Jaroslava Brychtová, Queen, 1987

Taxe: 35.000,- EURO

Zuschlag: 35.000,- EURO

Losnummer: 1003

Jean Cocteau, Vase „Tre Occhi“, 1962

Jean Cocteau, Vase „Tre Occhi“, 1962

Taxe: 4.800,- EURO

Zuschlag: 4.500,- EURO

Losnummer: 944

Frantisek Vízner, Schalenobjekt, 1998

Frantisek Vízner, Schalenobjekt, 1998

Taxe: 10.500,- EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 1033

Archimede Seguso, Vase „Merletto“, Murano 1952

Archimede Seguso, Vase „Merletto“, Murano 1952

Taxe: 10.000,- EURO

Losnummer: 931

Friedrich Egermann, Deckelpokal, Haida um 1840

Friedrich Egermann, Deckelpokal, Haida um 1840

Taxe: 2.700,- EURO

Losnummer: 233




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