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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Christian Boros präsentiert seine Sammlung zeitgenössischer Kunst in Berlin

Kunstschutzbunker



Außenansicht des Bunkers

Außenansicht des Bunkers

Seit Juni ist es endlich soweit: Die Sammlung Christian Boros in Berlin wurde für die Öffentlichkeit geöffnet. Am Wochenende wird das Publikum im Halbstundentakt durch die fünf Etagen und 80 Räume des eigens umgebauten Hochbunkers an der Reinhardstraße geführt – die Führungen indes sind derart gefragt, dass abgesehen vom ursprünglich geplanten Samstag nun auch sonntags geöffnet ist. Fünf Jahre lang haben Christian Boros und seine Frau Karen Lohmann an dem monströsen Bauwerk arbeiten lassen, um ihrer wachsenden Sammlung zeitgenössischer Kunst einen Raum zu bieten. Durch das Architekturbüro Realarchitektur, vertreten von Jens Casper, wurde entfernt, was der Kunst im Wege stand, aber alles belassen, was dem Denkmalschutz entspricht – die Kriegsspuren an den Außenwänden, die schwarzen und bunten Anstriche innen, Betonwände, wo diese zu sehen waren, und auch das aufwändige Lüftungssystem, das seinerzeit bis zu 3.000 Schutz suchende Berliner mit Sauerstoff versorgte. Die Architektur nebst Dach-Wohnhaus ist bereits mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Deutschen Architekturpreis Beton.


In der Jurybegründung wird die Logik gelobt, mit der sich bei aller formalen Zurückhaltung das Gebäude bis zum Schlussakkord der Dachwohnung hin öffnet. Doch das befreiende Moment erlebt auch der Besucher, dem der Zutritt zum Bungalow versagt bleibt, in jedem Raum von neuem, der wie ein Schmuckkästchen ein Kunstwerk umschließt. Denn Herr Boros hat alles richtig gemacht – beziehungsweise richtig machen lassen. Kuratorische Eingriffe hat er unterlassen, einzig die Künstler ausgewählt, die sich dann im Bau den richtigen Ort für ihr angekauftes Werk suchten und es dort inszenierten. Dabei positionieren sich Bekanntheiten wie Olafur Eliasson und John Bock neben Newcomern wie Kitty Kraus oder Manuela Leinhoß. Beim Rundgang durch den Bunker greifen die Installationen der Kunstsammlung anmutig ineinander und setzen gleichzeitig Bezüge zum Bauwerk. Allerdings sollte man dabei den Anschluss an die Gruppe nicht verpassen, denn das Innenleben des Gebäudes ist labyrinthisch. Nicht alle Treppen führen in alle Stockwerke, der Rundgang schraubt sich Runde um Runde gen Bunkerdach, dessen meterdicke Stärke man an der Stelle sehen kann, an der es durchbrochen wurde – was allein ein halbes Jahr dauerte –, um das darüber befindliche Penthouse zugänglich zu machen.

Herr Boros wohnt also obendrauf, und die Kunstsammlung, so lässt er durch das Führungspersonal ausrichten, sei praktisch sein Wohnzimmer. Wer möchte gerne in einem „Typenbunker 1200“ wohnen, fragt man sich, der zudem eine derart merkwürdige Vergangenheit hat: Erbaut 1942 unter der Leitung von Albert Speer als „Reichsbahnbunker Friedrichstraße“, der mit 120 Räumen für 1200 Menschen geplant war. Nach dem Krieg, so die ursprüngliche Vision, sollte der Bunker als Symbol der Wehrhaftigkeit Deutschlands mit Travertin verkleidet werden und aus seinen 16 Metern Höhe Ausblick auf die noch zu bauende Prunkstadt Germania gewähren. Doch da die Geschichte eine andere Wendung nahm, diente das quadratische Gebäude nach dem Krieg zunächst als Gefängnis der Roten Armee und später als Lagerraum der VEB Südfrüchte – im DDR-Volksmund Vorweihnachtsbunker genannt. Nach der Wende gaben sich legale und weniger legale Veranstalter die Türklinke in die Hand und luden zu Sexmessen, Techno- und Fetischpartys, aber auch zu Theateraufführungen und Kunstausstellungen.

Manche Wände tragen noch Graffities oder sind – Andenken an die Dark Rooms – schwarz gestrichen. Die einzelnen Räume waren ursprünglich geradezu zum Kopfanstoßen niedrig, ein Umstand, mit dem schon die früher hier stattgefundenen Ausstellungen zu kämpfen hatten. Nun aber fehlen einige Zwischendecken, der Raum öffnet sich ab und an für Durchblicke und lässt Platz für hohe Skulpturen wie die „Life Enigma“ von Anselm Reyle, der Fundstücke als Grundmaterial seiner Kunst verwendet und hier eine Nippesfigur, stark vergrößert, in Bronze gießen und mit Motorradlack lackieren ließ zu einem glitzernden, ungreifbar edlen Etwas. Überhaupt glitzert und leuchtet es überall im Bunker, denn dass mit Licht und Raum gearbeitet wird, war einer der knappen und angesichts der Umgebung verständlichen Wünsche des Sammlers. Nur an einer Stelle öffnet sich ein Fenster nach außen, Überbleibsel eines Fahrstuhls zum Obsttransport, und hier liegt eine lebensechte Wachsfigur im Krankenbett, „Temporarily Placed“ von Michael Elmgreen und Ingar Dragset. Und hier findet dann auch Kommunikation mit der Außenwelt statt, blickt die Figur doch in ein gegenüber liegendes Hotelzimmer und veranlasst so manchen Hotelgast zum Notruf.

Das Wohnzimmer also, und so möchte man sich Christian Boros vorstellen, wie er unter der Woche hier flaniert, treppauf, treppab, sich vielleicht auf einen der silbernen Stühle setzt, die Kopfhörer überstreift und in der Videoinstallation von Mark Leckey Jugendkultur betrachtet. Die Fernbedienungen, die unter einem Stuhl liegen, lassen es vermuten. Vielleicht kriecht er gelegentlich durch Monika Sosnowskas schwarze Blitzskulptur, die sich gleich im Erdgeschoss durch mehrere Räume zackt, oder räumt in der interaktiven Installation „Fountain“ von Rirkrit Tiravanija ein paar Plastikbecher weg, damit wieder Platz für die neuer Besucher ist. Oder vielleicht setzt er sich ein wenig zu Manfred Pernices großem Mdf-Modell eines Weingartens und denkt darüber nach, denn in aller Perfektion der sinnvoll und sinnig ausgestatteten Räume hat Boros nicht einmal das Schönheitspflästerchen vergessen: Eine Arbeit, die er nach eigenem Bekunden zwar nicht versteht, aber einfach mag, und die nun sperrig im Obergeschoss des Bunkers nicht sonnen-, sondern neonbeschienen, so aber doch terrassiert und nach Süden ausgerichtet ist.

Das Mögen ist so eine Sache innerhalb der zur Ausstellung ausgewählten Arbeiten: Man muss sie nicht unbedingt mögen. Weder den perfektionistischen Olafur Eliasson, dessen Werk der meiste Platz zukommt, und der didaktisch die Wahrnehmung und das Sein des Menschen in der Welt abhandelt, noch die an Überheblichkeit grenzend selbstbewussten Wahlberliner John Bock, Anselm Reyle, Florian Slotawa, Tobias Rehberger oder Daniel Pflumm, die mit mehr oder weniger amüsanten Setzungen immer sich selbst inszenieren, noch auch den schmutzigen Humor der Sarah Lucas oder die gradlinigen Konzepte der Katja Strunz oder der Kitty Kraus – man kann sie aber mögen ob ihrer Frechheit, Frische oder Direktheit, und eigentlich stellt sich diese Frage auch nicht beim Bunkerbesuch. Zu deutlich spricht der Dialog des Sammlers mit seinen Künstlern, das gegenseitige Interesse und der Respekt vor der künstlerischen Arbeit, der im immensen Kraftakt des Bunkerumbaus mündete. Neben seiner Sammlung präsentiert Boros im Bunker auch sich selbst – seine Aufgeschlossenheit dem Alten, dem Neuen, dem Verständlichen und dem Unverständlichen gegenüber. Damit hat er einen Raum geschaffen, der auf geputzte Glasscheiben und penible Beschilderung verzichtet und damit in aller Enge und Abgeschirmtheit genau den richtigen Raum schafft für das jeweilige Wesen seiner Kunstwerke.

Führungen durch die Sammlung Boros sind nach Voranmeldung auf der Website www.sammlung-boros.de samstags und sonntags ab 10 Uhr möglich. Geführt wird in Gruppen von circa 12 Personen, die Führung dauert etwa 90 Minuten, und der Eintritt kostet 10 Euro. Zweimal täglich werden Führungen auf Englisch angeboten.

Kontakt:

Sammlung Boros

Reinhardtstraße 20

DE-10117 Berlin

Telefon:+49 (030) 275 940 65

Telefax:+49 (030) 308 754 67



06.08.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Julia Brodauf

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Olafur Eliasson, Berlin Colour Sphere, 2006
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 Martin, „For whom…“, 2008
Kris Martin, „For whom…“, 2008

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Außenansicht des Bunkers
Außenansicht des Bunkers

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Olafur Eliasson, Ohne Titel (in Kooperation mit Elias Hjörleifsson), 1998
 (links), Ohne Titel, 1997 (rechts)
Olafur Eliasson, Ohne Titel (in Kooperation mit Elias Hjörleifsson), 1998 (links), Ohne Titel, 1997 (rechts)

Variabilder:

Santiago Sierra, Konstruktion und Installation von
 teerbeschichteten Formen, mit den Maßen 75 x 75 x 800 cm, angeordnet in zwei Räumen, 2002
Santiago Sierra, Konstruktion und Installation von teerbeschichteten Formen, mit den Maßen 75 x 75 x 800 cm, angeordnet in zwei Räumen, 2002

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Karen Lohmann und Christian Boros
Karen Lohmann und Christian Boros

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Anselm Reyle, Life Enigma, 2008, (links), Ohne Titel, 2008 (rechts)
Anselm Reyle, Life Enigma, 2008, (links), Ohne Titel, 2008 (rechts)







Anselm Reyle, Ohne Titel, 2008

Anselm Reyle, Ohne Titel, 2008

Anselm Reyle, Life Enigma, 2008, (links), Ohne Titel, 2008 (rechts)

Anselm Reyle, Life Enigma, 2008, (links), Ohne Titel, 2008 (rechts)

Karen Lohmann und Christian Boros

Karen Lohmann und Christian Boros

Santiago Sierra, Konstruktion und Installation von teerbeschichteten Formen, mit den Maßen 75 x 75 x 800 cm, angeordnet in zwei Räumen, 2002

Santiago Sierra, Konstruktion und Installation von teerbeschichteten Formen, mit den Maßen 75 x 75 x 800 cm, angeordnet in zwei Räumen, 2002

Kris Martin, „For whom…“, 2008

Kris Martin, „For whom…“, 2008

Monika Sosnowska, Ohne Titel, 2005

Monika Sosnowska, Ohne Titel, 2005

Olafur Eliasson, Berlin Colour Sphere, 2006

Olafur Eliasson, Berlin Colour Sphere, 2006

Olafur Eliasson, Ohne Titel (in Kooperation mit Elias Hjörleifsson), 1998 (links), Ohne Titel, 1997 (rechts)

Olafur Eliasson, Ohne Titel (in Kooperation mit Elias Hjörleifsson), 1998 (links), Ohne Titel, 1997 (rechts)




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