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Aktuellzum Archiv:Galerieportrait

In den 70er und 80er Jahren hatte sich die Münchner Galerie Rüdiger Schöttle zu einer Drehscheibe für konzeptuelle und konkrete Kunst entwickelt – in diesem Jahr begeht sie ihr 40jähriges Bestehen. Ein Gespräch mit dem Galeristen.

Kunst – Modelle des Denkens



Rüdiger Schöttle mit „The Collector“ von Goshka Macuga

Rüdiger Schöttle mit „The Collector“ von Goshka Macuga

In schwarz-rot-goldenen Buchstaben ist ein Spruch auf die Wand appliziert: „Wunderbares Deutschland“. Eine Etage tiefer die Sentenz „Cold War“, das „O“ hebt sich dabei von der einfarbigen Schrift wie ein aus einer aufgeblasenen Fotomontage herausgeschnittener Buchstabe ab. Schöpfer dieser Rauminstallation, in der Firmenlogos, Zitate und ehemalige Ausstellungstitel zu einem neuen räumlichen und ideellen Kontext komponiert sind, ist der amerikanische Künstler John Knight. Dass der Münchner Galerist Rüdiger Schöttle gerade in seinem Jubiläumsjahr wieder eine Rauminstallation von John Knight gezeigt hat, der mit seinen reklametafelgroßen Schriftzügen und textualen Kompositionen nichts anderes macht, als sich dem konventionellen ästhetischen Regelwerk zu entziehen und den Warenwert der Kunst zu konterkarieren, muss ein programmatischer Akt sein.


Wie dieser Künstler lehnt auch der Galerist Rüdiger Schöttle die Mechanismen des angeblichen Spektakels, die sich durch alle Kunstgattungen und auch seit Jahrhunderten durch die bildende Kunst ziehen, ab. Wie John Knight sucht auch Rüdiger Schöttle in der Kunst eine intellektuelle, auf den Zusammenhang ausgerichtete Auseinandersetzung mit Zeit, Politik, Realität. „Warhol“, so Rüdiger Schöttle, „hat die Tür aufgebrochen zur Profanisierung der Kunst.“ Und das ist keine Schuldzuweisung. Aber als er 1968 seine Galerie gründete, führte die Kunstszene andere Diskussionen als heute: philosophische, strukturästhetische, politische. Beuys galt als Provokateur und die Documenta war ein Ort aufgeheizter Dispute. „Man hatte eine Situation, in der die Frankfurter Schule noch einen Einfluss ausübte, man hatte ästhetische Konzepte. Wenn man heute von einem Diskurs in der Kunst spricht, geht es vorwiegend um Medien. Man ist weniger auf Erkenntnisstrukturen ausgerichtet als auf äußere Momente und Design.“

Kunst ist für Rüdiger Schöttle die Offenbarung von Denkmodellen – je unabhängiger gegenüber den vorherrschenden Strukturen und je individueller desto besser. Seit 1979 etwa arbeitet er mit Dan Graham zusammen, einem Künstler der durch seine architektonischen, häufig begehbaren Skulpturen aus Glas und Metall die Grenzen der Installation sprengt und zu Orten der Selbsterfahrung werden lässt. Ähnlich lange existiert die Beziehung zu On Kawara, der sein tagtägliches Leben zum Konzept seiner Kunst macht und seit Jahren kurze, knappe Datumsnotizen zum Bild erhebt. Auch mit Günter Fruhtrunk, mit Günther Förg, mit Ed Ruscha und Gerhard Merz – allesamt Künstler, die in den 1970er und 1980er Jahren neue Pfade in der Kunst beschritten und die Malerei von ihrer sozio-psychologischen Interpretationsebene ins Konkrete und Konzeptuelle überführten,– hat Schöttle Ausstellungen konzipiert.

Nicht, dass Schöttle etwas gegen Malerei hat. In den späten 1980ern präsentierte er Tafelbilder von Michael van Ofen, Axel Kasseböhmer und Andreas Schön, die ihm fast den Ruf des Abgleitens in die konventionelle Malerei eingebracht hätten. Doch in einem Interview rechtfertigt er sich: „Der Aspekt der Postmoderne kam hier zum tragen. Das Bild ist hier vor allem auch Zeichen. Es handelt sich nie um reine Malerei. Das heißt, ich habe Bilder gezeigt, die nach meiner Auffassung auch den Zeichencharakter der Malerei reflektieren und eine Theatralisierung der Zeichen betreiben und vorführen.“

Dennoch. Schöttles Vita als Galerist ist eine sich durch verschiedene Kunstströmungen und Schattierungen ziehende Bildkritik. Der konventionelle Vermarktungsdreitakt „Vom Atelier über die Galerie ins Museum“ provozierte in den 1960er Jahren kreatives Unbehagen und konträre Formen. „Die ganze Performancekunst“, so der Galerist, „wollte ja ein neues Spielfeld für die Kunst sein.“ Auch Schöttle spielte auf diesem Terrain mit. In seinen Anfangsjahren agierten die Wiener Aktionisten etwa Hermann Nitsch oder Arnulf Rainer hier. Danach wurde die Galerie wie kaum eine andere in Deutschland zur Bühne für ästhetische Querdenker und Bilderneuerer wie den Post-Minimalisten Richard Nonas, den Documenta-Teilnehmer Antonio Calderara oder den Konkret-Poeten Eugen Gomringer.

In den 1980er Jahren stieß er mit der Fotografie ein weiteres Fenster in der Kunst auf. Für manche die Rückkehr zum Narrativen, für Schöttle nur eine andere Auseinadersetzung mit konzeptueller Kunst: „Ich habe die Fotografie als ein Teil der Konzeptkunst gesehen und in diesem Sinne einbezogen. Dan Graham zum Beispiel, aber auch andere amerikanische Künstler hatten schon viel früher die Fotografie integriert. Wir begannen mit den Becher-Schülern Thomas Struth und Thomas Ruff zu arbeiten. Aber selbst ein Günther Förg hatte ja schon einmal die Fotografie für sich entdeckt.“ Schöttle war denn auch einer der ersten, die Jeff Wall in Deutschland bekannt machten. Der kanadische Künstler, der mit seinen abgezirkelten Darstellungen scheinbarer Normalität und Zufälligkeit heute in keiner bedeutsamen Sammlung fehlen darf, und Thomas Struth, die beide im Jubiläumsjahr wieder in einer Personalschau präsentiert werden, gehören übrigens zu jenen Künstlern, die einst ihre erste Einzelausstellung in Deutschland bei Rüdiger Schöttle erlebten.

Der stille, verhaltene Galerist, der in den 1980er und 1990er Jahren einige, weit über seine Galerie hinausrechenden Ausstellungsprojekte wie den „Theatergarten Bestiarium“ – heute als permanente Installation im westfranzösischen Château d’Orion – oder die barock-avantgardistische Reflexion „Louis XIV tanzt“ inszenierte, hält auch nach 40 Jahren an seinem ideellen Programm fest, nämlich „dass die Intellektualität Einzug hält in die Kunst“, und sieht in den vier Jahrzehnten, die seit 1968 vergangen sind, vor allem ein Kontinuum in seiner Arbeit: „Es gibt viele Künstler, die von hier aus ihren Weg gegangen sind. Dan Graham, Jeff Wall, aber auch viele andere haben ihre Initialzündung hier erlebt.“ Die jüngste Künstlerin im Schöttleschen Reigen heißt Goshka Macuga. Sie ist in diesem Jahr für den Turner Prize nominiert und Berlin-Biennale-Besuchern vielleicht durch ihre surreal anmutenden, doppelbödigen Installationen in Erinnerung. Die Münchner Galerieräume hat die in London lebende Polin in eine bizarre Landschaft aus naturalistischen Elementen, Skulpturen und Alltagsversatzstücken transformiert. „Gottessegen“ – so der Titel der Installation – ist ein Ort der Sinnlichkeit, mit dem sich Rüdiger Schöttle dennoch treu bleibt.

Die Ausstellung „Goshka Macuga – Gottessegen“ ist noch bis zum 28. Juni zu sehen. Die Galerie Rüdiger Schöttle ist dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr sowie samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Im Herbst erscheint anlässlich des 40jährigen Bestehens im Verlag Walther König eine Publikation über die Galerie Rüdiger Schöttle, herausgegeben von Gregor Stemmrich.

Kontakt:

Galerie Rüdiger Schöttle

Amalienstraße 41

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 34 22 96

Telefon:+49 (089) 33 36 86

E-Mail: info@galerie-schoettle.de



30.05.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Galerie Rüdiger Schöttle

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Rüdiger Schöttle mit „The Collector“ von Goshka Macuga
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John Knight,
 2008
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Goshka Macuga, Gottessegen, 2008
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Goshka Macuga, Gottessegen, 2008
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Anri
 Sala, Overthinking, 2007
Anri Sala, Overthinking, 2007

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Anri Sala, Overthinking, 2007
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Joanne Tatham & Tom O’Sullivan, 2007
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Jeff Wall, Card Players, 2006
Jeff Wall, Card Players, 2006







Jeff Wall, Card Players, 2006

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Anri Sala, Overthinking, 2007

Anri Sala, Overthinking, 2007

Anri Sala, Overthinking, 2007

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Goshka Macuga, Gottessegen, 2008

Goshka Macuga, Gottessegen, 2008

John Knight, 2008

John Knight, 2008

Goshka Macuga, Gottessegen, 2008

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Joanne Tatham & Tom O’Sullivan, 2007

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