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60 Jahre Galerie von Ernst Beyeler in Basel

Resultate einer langjährigen Spitzenstellung im Weltkunsthandel



Er kam, sah und blieb. Nach 60 Jahren in der Baseler Bäumleingasse 9 ist ein Ende noch immer nicht in Sicht. Denn das kinderlose Galeristenehepaar Ernst und Hildy Beyeler hat keine Nachfolge angebahnt, und das im schon fast biblischen Alter von 86 Jahren! Die Erfolgsstory begann, als Oskar Schloss, seit 1934 Inhaber eines Antiquariats für Literatur, Philosophie, Inkunabeln, Grafiken und Zeichnungen in eben jenem Altbau in der Bäumleingasse den jungen Ernst Beyeler als Hilfskraft einstellte. Dieser hatte eine kaufmännische Lehre absolviert und studierte nun Ökonomie und Kunstgeschichte. 1945 verstarb Schloss. Beyeler übernahm zwangsläufig Ende des Jahres das Antiquariat, das er langsam in eine Kunsthandlung überführte. Nach der ersten Ausstellung mit japanischen Holzschnitten im Jahr 1947 folgte in Etappen die definitive künstlerische Ausrichtung. Bereits im Mai 1947 richtete er eine Schau mit Originalgrafik von Henri de Toulouse-Lautrec aus.



In den Anfangsjahren der Galerie war das Pogramm noch sehr am französischen Markt orientiert. Bis heute fanden in den angestammten Räumen über 250 Ausstellungen statt, begleitet von über 200 exzellenten Katalogen. Beyeler engagierte sich auf diesem Sektor mit vollem Einsatz – wohl wissend, dass Galerieausstellungen von einer geringeren Wichtigkeit für den Kunsthandel sind. Zusammen mit seiner 1948 geehelichten Hildy, die früher im Antiquariat ausgeholfen hatte und ihm nun den Rücken freihielt, erklomm Ernst rasch internationales Niveau. Im Verlauf der 1960er Jahre war seine Galerie in die Spitze des Weltmarktes aufgestoßen, den Beyeler aus Basel entscheidend mitbestimmte. Seiner Heimatstadt blieb er stets treu. Hier engagierte er sich, bei Kunstprojekten im öffentlichen Raum war vielfach sein Rat gefragt. Mit ausdauerndem Engagement brachte er sich beim Aufbau und Etablierung der Art Basel vor fast 40 Jahren ein, deren Mitbegründer, Komiteemitglied und prominentester Aussteller er war und deren Geschicke er seit 1970 erfolgreich leitete. Die Krönung seiner Karriere war die Einrichtung der Beyeler-Stiftung, in die er 1982 seine private Kunstsammlung überführte. Vor zehn Jahren konnte sie in der von Renzo Piano errichteten Fondation Beyeler in Riehen bei Basel eröffnet werden.

10 Jahre Fondation Beyeler und 60 Jahre Galerie Beyeler, diese Jubiläen feiert nun eine fulminante Ausstellung in der Fondation, bei der die ständige Museumssammlung mit einer ansonsten imaginären, virtuellen Kollektion konfrontiert wird, die aus Highlights vieler von Ernst Beyeler verkaufter Arbeiten besteht. Dies bedeutet ein Wiedersehen mit 142 einst gehandelten Meisterwerken aus insgesamt 16.000 verkauften Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen in sechs Jahrzehnten – ausgenommen Editionen, Keramiken, Grafiken, Teppiche.

Die Flüchtigkeit des Galeriebetriebes wird für einen Augenblick für eine Hommage an den Sammler und Händler angehalten. Man erhält einen persönlichen Blick auf die besonderen Vorlieben eines der bedeutendsten Kunsthändler des 20ten Jahrhunderts. Zentrum und Maßstab stellt dabei das Werkschaffen Pablo Picassos dar, dessen starke Sinnlichkeit, Arbeitsspuren und nachvollziehbar schöpferischen Hände auf den Malflächen der Bilder den Galeristen fortwährend fesselten. Allein in seiner Museumssammlung sind 30 Werke des Meisters vertreten. Bei einem Besuch in Picassos Domizil in Mougins bei Cannes durfte sich Beyeler im Jahr 1966 allein 26 Werke aus dem Fundus zu Verkaufszwecken auswählen. Immer wieder begegnet man Picassos ausdrucksvollen Gemälden in der Ausstellung. 28 verkaufte Stücke von mehreren Hundert fanden nun aus aller Welt wieder nach Basel zurück, nahezu alles Frauendarstellungen wie die breitformatige „Liegende mit Katze“ aus dem Jahr 1964. Sein das Spätwerk bestimmender, unerhört expressiver Malstil nimmt wenig Rücksicht auf Konventionen. Das Sinnbild für lässige, selbstbewusste Erotik birgt zugleich Anspielungen auf die Todessymbolik etruskischer Sarkophagfiguren. Picassos 1923 gemalten „Arlequin“ verkaufte Beyeler 1978 an das Ehepaar Ludwig; seitdem gehört es zu den Höhepunkten im gleichnamigen Kölner Museum.

Zu den weiteren bedeutenden Künstlern, die Beyeler handelte und in der Schau vertreten sind, zählen Paul Cézanne, dessen farblich genial ausbalanciertes Werk „Cinq baigneuses“ 1960 vom Kunstmuseum Basel erworben wurde, oder Vincent van Gogh, dessen „Portrait du facteur Roulin“ mit seiner prächtigen Farbigkeit heute die Besucher im New Yorker Museum of Modern Art begeistert. Legendär unter den Geschäften war Jackson Pollocks „Mural on Indian Red Ground“ aus dem Jahr 1950, ein in mehrfacher Hinsicht mythisches Werk, dessen Verkauf Ernst Beyeler sehr bereut. Es ist eines der letzten großformatigen „Drip Paintings“ und nun im Tehran Museum of Contemporary Art beheimatet. Leider wurde die Ausleihgenehmigung versagt.

Beeindruckend sind die konkreten Zahlen: Allein 20 großformatige Studien aus Claude Monets Spätwerk wurden bei Beyeler gehandelt, rund 70 Gemälde von Pierre Bonnard, 250 von Fernand Léger, an die 50 von Piet Mondrian, 300 Plastiken, Zeichnungen, und Gemälde von Alberto Giacometti, 600 Stücke von Paul Klee, daneben viele weitere Arbeiten von Georges Braque, Juan Gris, Hans Arp, Alexander Calder, Jean Dubuffet, Max Ernst, Paul Gauguin, Wassily Kandinsky, Willem de Kooning, Roy Lichtenstein, Joan Miró, Barnett Newman, Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Francis Bacon. Die Ausstellung präsent all diese Protagonisten im Rahmen eines Festes von überwältigender Schönheit.

Trotz aller Offenheit und Neugier: Bewusst hielt sich Ernst Beyeler von gewissen Positionen fern. Marcel Duchamp, Francis Picabia, Joseph Beuys findet man ebenso wenig wie russische Konstruktivisten oder Arbeiten der Minimal Art, Conceptual Art, Installationskünste. Auch die Expressionisten fehlen, obwohl Beyeler sie handelte. Dies ist sowohl eine Frage des Geschmacks als auch des Muts zu Lücke. Einen umfassenden Überblick über die Kunst des 20sten Jahrhunderts strebte Beyeler nie an. Im Fokus seiner Interessen stand stets das Element der Übersetzung, der stärkeren Abstraktion unter Vernachlässigung des Erzählerischen, das Überzeitliche. Dabei war Beyelers Sinn für geistige Werte und Substanzen immer genauso ausgeprägt wie sein händlerisches Verständnis für Geschäfte und materielle Werte.

Sein Wirken ging auch einher mit vielen Hilfestellungen, Vermittlungen, Kontaktanbahnungen mit viel Zeitaufwand und ohne Provisionen. So fädelte er beispielsweise Anfang der 1960er Jahre den Ankauf von 88 Arbeiten Paul Klees aus der gigantischen Sammlung des Pittsburger Stahlmagnaten G. David Thompson an das Bundesland Nordrhein-Westfalen ein, die den Grundstein der quasi geschwisterlich verwandten Kunstsammlung NRW werden sollte. Ihr Direktor Werner Schmalenbach erwarb im Laufe seines Direktorats fast 30 weitere Bilder für diese Sammlung bei Beyeler. Dazu gehört auch Wassily Kandinskys epochales Gemälde „Komposition IV“ aus dem Jahr 1911 oder das unvollendete „Papierstreifenbild“ aus dem Jahr 1941 von Piet Mondrian.

Vor den Augen des Besuchers breitet sich die Würdigung eines fruchtbaren, arbeitsreichen Lebens aus. Beyelers Schaffen vergleichbar einer Spinne in einem weltweit verzweigtem Netz ist gekennzeichnet von waghalsigem Mut ebenso wie von kompromisslosem Streben nach höchster Qualität. Sein scharfes, unbestechliches Sehen, Kennerblick und Stilgefühl offenbart die Hommage in geballter Form. Fast erreicht den Besucher die subtile Wahrnehmung, die zurückbehaltenen Werke seinen immer eine Spur besser als die verkauften.

Beyelers Beharrlichkeit, Standfestigkeit und Treue wurden belohnt. In Basel hatte sich bis in die 1970er Jahre ein riesiger Fundus „liegengebliebener“ Arbeiten angesammelt, die keinen Käufer gefunden hatten. Es waren vornehmlich ungewohntere, motivisch wie formal-experimentellere Bilder des klassischen Angebotes von wesentlich tiefgründiger Natur, für die sich wohl deshalb keiner so recht erwärmen konnte. Trotzdem besaßen sie höchste Qualität; andererseits waren sie lange öffentlichen Blicken entzogen. In den Boomjahren der ausgehenden 1970er und 1980er Jahre erzielten sie dann Preissteigerungen bis zum Dreifachen. Der partielle Verkauf alter Bestände zu saftigen Preisen ermöglichte es, Schulden abzubauen und eine Stiftung zu gründen, um schließlich den Museumsbau zu finanzieren.

Künstler, Museumsleute und Kunstwissenschaftler aus aller Welt geben sich seitdem hier die Klinke in die Hand. Auch die Provenienz der 142 Exponate, die mit 80 Sammlungsarbeiten korrespondieren, ließt sich wie ein Prominentenverzeichnis weltweit bedeutender öffentlicher wie privater Kunstsammlungen. Die Ausstellung konnte nur mit Ernst Beyelers Reputation zustande kommen. Denn wie kaum ein anderer hat er den Kunsthandel der letzten Jahrzehnte entscheidend mitgeschrieben.

Die Ausstellung „Die andere Sammlung. Hommage an Hildy und Ernst Beyeler“ ist noch bis zum 6. Januar 2008 in Riehen zu besichtigen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 23 Franken, ermäßigt zwischen 6 und 18 Franken. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museumsshop 68 Franken kostet.

Kontakt:

Fondation Beyeler

Baselstrasse 101

CH-4125 Riehen

Telefax:+41 (061) 64 59 719

Telefon:+41 (061) 64 59 700

E-Mail: fondation@beyeler.com



17.12.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Ernst und Hildy Beyeler in der Fondation Beyeler
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Ernst und Hildy Beyeler in der Fondation Beyeler

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