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Lenin und Stalin auf den Kopf gestellt: Aus Anlass des bevorstehenden 70sten Geburtstages des Malers Georg Baselitz zeigen die Hamburger Deichtorhallen jetzt seine „Russenbilder“

Die Geister, die er rief



Die Geister, die man einst rief, lassen einen oft ein ganzes Leben lang nicht mehr los. Diese ebenso schlichte wie zutreffende Erkenntnis aus Goethes „Faust“ treibt offenbar auch den Maler Georg Baselitz immer wieder dazu an, sich mit den frühen Anfängen seines Bildermachens auseinanderzusetzen. Wobei er die Geister, von denen hier die Rede sein soll, auch gar nicht selbst gerufen hat: Sie wurden auf ihn losgelassen. Geboren als Hans-Georg Bruno Kern im sächsischen Örtchen Deutschbaselitz, begann der damals 18Jährige 1956 ein Kunststudium an der Ost-Berliner Hochschule für Bildende Künste. Baselitz wurde dort mit einer Kunst konfrontiert, die die junge DDR der Sowjetunion abgeschaut hatte: dem Sozialistischen Realismus - vom damaligen Ministerpräsidenten Otto Grotewohl gern als einzig „richtige“ Kunst bezeichnet. Seine Ausbildung zielte nicht wie im Westen auf die freie Entfaltung einer künstlerischen Persönlichkeit ab. Vielmehr ging es an der Ost-Berliner Akademie darum, staatstreue Maler hervorzubringen, die im Sinne der Partei verherrlichende Bilder des sozialistischen Alltags produzierten.



Baselitz, der schon in den Schulbüchern seiner Kindheit mit der stalinistischen Sowjetkunst konfrontiert worden war, konnte mit solcherlei ideologischen Vorgaben nur wenig anfangen: Nach nur zwei Semestern verweist man ihn deshalb auch wegen „gesellschaftlicher Unreife“ der Akademie. Sein Studium setzt er dann in West-Berlin fort. 1958 verlässt er endgültig die DDR. Sein Verhältnis zu den dortigen Machthabern war seitdem gespannt. So verzichtet er 1977 auf die Teilnahme an der Documenta 6, weil dort auch offizielle DDR-Künstler eingeladen waren. 1998 aber holt ihn die Vergangenheit wieder ein. Er, der die Malerei um ihrer ureigensten Probleme und Fragestellungen willen betreibt und eine inhaltliche Komponente stets herunterspielt, konfrontiert sich plötzlich wieder mit den Urbildern seiner Kindheit und Jugend. In der Serie der über 40 „Russenbilder“, die zwischen 1998 und 2002 entstehen, tritt Baselitz in einen malerischen Dialog mit der eigenen und der kollektiven Geschichte.

Fast alle großformatigen Bilder aus dieser Serie sind jetzt aus Anlass des bevorstehenden 70. Geburtstages des Künstlers in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Die Ausstellungsarchitektur geht auf die Monumentalität dieser Arbeiten ein. Frei über die ganze Halle verteilte, hoch aufragende Wandelemente konzentrieren den Blick des Betrachters auf das einzelne Bild. Auf jedem seiner Russenbilder arbeitet sich Baselitz an ganz konkreten, oft berühmten Vorbildern der Sowjetkunst ab. Seien es kitschige Porträts von armenischen Teppichweberinnen oder tanzenden Bäuerinnen, heroisierende Kriegsbilder und pathetische Bilder von sterbenden Soldaten oder aber Bilder von Lenin als agitatorischen Redner und Stalin in Paradeuniform: Immer ist das Ausgangsmotiv zu erkennen.

Wie bei Baselitz natürlich nicht anders zu erwarten, sind die Motive auf den Kopf, zumindest aber auf die Seite gestellt. Baselitz überführt die einstigen Propaganda- und Anbetungsschinken des real existierenden Sozialismus mit großer Leichtigkeit in neue Bildfindungen, die sich selbstbewusst über alles hinwegsetzen, was seinen Ost-Berliner Professoren hoch und heilig war. Er zerpflückt die doktrinäre Glätte der Vorlagen, stellt Lenin oder den gefeierten Wissenschaftler Pawlow in auflösend-pointillistischer Malweise dar, lediglich den Köpfen gönnt er ein paar Pinselstriche. Er vertauscht die Farben, lässt große Partien der Leinwand komplett frei und legt alle Spuren des Malprozesses offen. Aquarellierend aufgetragene Farbschichten fließen ineinander, die kreisförmigen Abdrücke der auf der Leinwand abgestellten Farbdosen werden zum allgegenwärtigen Raster. Kleckse und Fußabdrücke unterminieren subversiv die staatstreue Akkuratesse der Vorlagen.

Doch Baselitz denunziert hier nicht die Maler, von denen er weiß, dass jeder Verstoß gegen die staatlich verordneten Vorgaben mit Berufsverbot, gesellschaftlicher Ächtung und Gulag bestraft werden konnte - im Gegenteil: Er nimmt sogar ihre Namen mit in die Signatur auf. Die Russenbilder sind weniger Abrechnung mit den Künstlerkollegen als Befreiung von der sozialistischen Gängelung. Ein malerisches Bekenntnis zur Freiheit der Kunst und des Künstlers, sich Vorhandenes anzueignen, es in etwas Neues zu überführen und so die Kunst an sich voranzutreiben. „Avantgardist“, so Georg Baselitz, „ist ein positives Wort. Ich bin nie etwas Anderes gewesen, weil alles, was man tut, heißt, dass das, was da ist, kaputtgemacht werden muss.“

Die Ausstellung „Georg Baselitz – Die Russenbilder“ läuft vom 16. November bis zum 3. Februar 2008. Die Deichtorhallen haben dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog kostet 39 Euro.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg

Deichtorstraße 1-2

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 10 30

Telefax:+49 (040) 32 10 32 30

E-Mail: info@deichtorhallen.de



18.11.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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