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Wilhelm Lehmbruck Museum stellt Werke von Rachel Whiteread vor

Verkehrte Welten als Kopien der Leere



Schon der erste Blick auf die Arbeiten von Rachel Whiteread im Duisburger Lehmbruck Museum offenbart eine spannende, zugleich spezifische Sicht auf die Realität. Das Thema der 1963 in London geborenen und dort lebenden Künstlerin ist die verwandelnde Kopie. Mittels Abgüsse bleibt sie bestrebt, Zonen konkret fassbar zu formulieren, die normalerweise als Hohlräume abseits der Wahrnehmung existieren. Ihre ganze Konzentration gilt dem Vakuum. Seit der Antike stellt der Abguss realer Gegenstände zu unterschiedlichen Zwecken ein gebräuchliches Verfahren dar. Whiteread pflegt Vakuen ohne Zwischenschritte direkt auszufüllen, wodurch die Gussform mit dem abgeschlossenen Gegenstand identisch wird. Als Ergebnis findet sich stets ein negativer Abdruck der Vorlage vor, da Gips, Wachs oder Kunststoff direkt in die Hohlräume der Objekte einfließen.



Die Gussformen sind also identisch mit den Gegenständen. Dabei handelt es sich um Tische, Schränke, Türen, Badewannen, Waschbecken, Regale, Betten, Matratzen, Fußböden, ganze Zimmer oder Treppen, die als Modelle dabei allerdings unwiderruflich zerstört werden. Aber nicht nur die sogenannten Kernzonen zwischen Körpern und Räumen, sondern auch die Gussstoffe selbst erleben eine Umkehr, indem Whiteread die traditionell zur Herstellung von Gussformen gebräuchliche Materialien wie Gummi, Beton, Polyesterharz neben Gips und Wachs benutzt.

Dieses Verfahren praktiziert sie seit 1986. Zu den frühesten Arbeiten gehört neben dem Abguss ihres eigenen Ohres von 1986 auch ein zwei Jahre später als Bildhauermodell benutzter Kabinettschrank „Closet“, dessen negativen Leerraum Whiteread konservierte. Nach der Entleerung und Positionierung auf dem Rücken bohrte sie Löcher hinein und ließ Gips bis zum Überquellen hineinfließen. Nach dem Trocknen und Entfernen des hölzernen Originals blieb die perfekte Kopie des Inneren zurück. Rachel Whiteread kopiert und konserviert wirklich benutzte, alltägliche Dinge. Mit Erinnerungen und Lebenserfahrungen aufgeladene Gegenstände werden somit der Zerstörung entzogen und in eine magische, metaphorisch verfremdete wie gedeutete Präsenz überführt.

Der Anlass für die Präsentation im Lehmbruck Museum gründet in der Verleihung des alle fünf Jahre ausgelobten August Seeling Preises durch den Freundeskreis an die Britin. Im deutschen Sprachraum wurde Rachel Whiteread durch das Holocaust-Mahnmal auf dem Wiener Judenplatz in Form einer abgegossenen monolithischen Bibliothek von 2000 und der Installation „Untitled (Books)“ für die Skulptur Projekte Münster im Jahr 1997 schlagartig bekannt, was ihren Ruf als herausragende Bildhauerpersönlichkeit mit internationaler Reputation unterstrich. In ihrer Heimatstadt war sie bereits 1993 mit dem Projekt „House“ und dem „Monument“ auf dem Trafalgar Square aufgefallen.

Rachel Whiteread, die von 1982 bis 1985 Malerei am Polytechnikum zu Brighton und anschließend bis 1987 Bildhauerei an der Slade School of Fine Art studierte, hat Gegenstände des Alltags und architektonische Objekte neu entdeckt. In der Skulptur interessiert sie sich für den greifbar negativen Raum. Dabei arbeitet sie eher langsam, weniger extrovertiert und orientiert sich an menschlichen Maßstäben und minimalistischer Präsenz. Mit einer dem Inhalt angemessenen Technik konzipiert sie Kommentare zu Leben und Tod, Gestalt und Verwandlung. Unverkennbar betont die als harte Linke bekannte Künstlerin die Würde und das Soziale. Dabei denkt sie durchaus politisch und will zum würdigen Umgang mit der Geschichte und alltäglichen Situationen ermahnen.

Bereits 1992 wurde Rachel Whiteread mit dem Turner-Preis und 1997 mit der Medaille der 47. Biennale in Venedig ausgezeichnet. Die nun mit dem August Seeling Preis verbundene Ausstellung ist eine konzentrierte Retrospektive, die in verdichteter Form der zuvor in Neapel und Malaga veranstalteten Werkschauen das Œuvre exemplarisch offen legen soll. Präsentiert werden neun Plastiken, zehn Zeichnungen und acht Fotografien. Letztere dokumentieren ihr Projekt „House“ aus dem Jahr 1993 in London, ihr erstes großes architektonisches Projekt für den öffentlichen Raum. Dabei handelt es sich um den Betonabguss eines zum Abriss vorgesehenen viktorianischen Reihenhauses im Arbeiterviertel von East London. Innen wurde es vollständig mit Beton ausgegossen, dann die Außenwände entfernt. Nur drei Monate nach Fertigstellung erlitt die Plastik das selbe Schicksal. Die fahlgraue Struktur erschien wie ein Geist des ehemaligen Baukörpers, die Vernichtung von Menschen und ihren Milieus im Rahmen von Kahlschlagsanierungen heraufbeschwörend.

Whitereads Abgüsse von Betten, Matratzen oder Regalen erinnern an die rüde Entsorgung von Sperrmüll auf der Straße. Zusammengesackt und gegen die Wand gelehnt, wie gedemütigt und vergessen erscheint die elastische Matratze in „Amber Bed“ – ähnlich einer Person, wobei die Löcher der Bettstützen wie Augen und die Honigfarbe des Objekts die Sinnlichkeit menschlicher Geste und Haut verstärken. In den „Bed Pieces“ klingt der Lebenslauf zwischen Geburt und Tod an. In den Abgüssen von Bettunterseiten, dessen erdige Schwärze wie beim ausgestellten „Black Bed“ von 1991 an einen Sarkophag denken lässt, manifestiert sich die eher dunkle Seite des Lebens.

Die Phänomene des Erinnerns und Vergessens werden in den „Negative Libraries“ angesprochen. Die Macht und der Einfluss von Büchern als Glaubens- und Wissensverbreiter mündete in der Geschichte schon häufig in Bibliothekszerstörungen oder Bücherverbrennungen. Whiteread hebt die kreativen, regenerativen Eigenschaften heraus; ihre Bücherabgüsse werden zur Architektur der Geschichte. In ihren Abformungen sind die Bücher allerdings verkehrt herum aufgestellt, der Rücken ist nicht lesbar. Abfärbungen von Seiten oder Einbänden bleiben erkennbar.

Aus der Reihe der Türen als Schwelle zwischen Innen und Außen, Leben und Tod oder als Scheintür ist eine jüngst entstandene Doppeltür ausgestellt, die die Effekte von individuellen Gesichtern unterstreicht. Die Rücken an Rücken zusammengesetzten, beidseitigen Abdrücke ergeben monochrom-minimalistische Reliefs aus Türblatt samt Paneelen nebst Leisten, zerschlissenen Kanten, Schloss, Briefschlitz Färbungen.

Unter den Zeichnungen, die in einer Flächigkeit und Abstraktion lediglich eine Art Abdruck des Stofflichen wiedergeben, ohne den Raum selbst darzustellen, entdeckt man auch ihr 2001 realisiertes Projekt für den Trafalgar Square. Dem hier befindlichen leeren Sockel setzt die Künstlerin die eigene Dopplung aus Kunstharz auf, womit das Ursprungsprojekt nicht zum Verschwinden gebracht, sondern seiner ursprünglichen Funktion zugeführt wurde.

Die Ausstellung „Rachel Whiteread – August Seeling-Preisträgerin 2007 des Freundeskreises des Wilhelm Lehmbruck Museums e.V.“ ist noch bis zum 13. Januar 2008 zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 6, ermäßigt 3 Euro. Zur Ausstellung ist eine Broschüre erschienen, die an der Museumskasse 4,80 Euro kostet. Ferner liegt der Katalog der 2005 ausgerichteten Ausstellung des Kunsthauses Bregenz vor, der 42 Euro kostet.

Kontakt:

Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg

Friedrich-Wilhelm Straße 40

DE-47051 Duisburg

Telefon:+49 (0203) 283 26 30

Telefax:+49 (0203) 283 38 92

Telefon:+49 (0203) 283 32 94



24.10.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


21.10.2007, Rachel Whiteread - August Seeling Preisträgerin des Freundeskreises 2007

Bei:


Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg

Bericht:


Im Negativraum der Kunst

Künstler:

Rachel Whiteread










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