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Flimmern und Rauschen Ade: Die private „Julia Stoschek Collection“ in Düsseldorf zeigt auf 2.500 Quadratmetern hochmoderner Ausstellungsfläche Schlüsselwerke der internationalen Video- und Medienkunst

Ein Haus für die Videokunst



Videokunst gilt als schwer vermittelbar. Zu groß ist oft der technische Aufwand, um sie angemessen präsentieren zu können. Zu viel Zeit, Geduld und Stehvermögen fordert sie von den oft eiligen Schrittes durch Großausstellungen wie Biennale oder Documenta hetzenden Besuchern. Kurzum: Gegen schnell konsumierbare Medien wie Malerei, Skulptur oder Fotografie kann sich Videokunst nur schwer behaupten. Schade eigentlich, denn längst hat sich das Medium vom engen Gehäuse des haushaltsüblichen Fernsehmonitors befreit. Die Zeiten, als Nam June Paik dem Fernseher mit Hilfe starker Magneten zuckende Farbfelder abtrotzte, sind längst vorbei. Die Videokunst unserer Tage sieht ganz anders aus: High-Tech-Beamer garantieren flimmerfreie Bildqualität im XXL-Format. Begehbare Videoinstallationen von oft gigantischen Ausmaßen emanzipieren den Betrachter von der passiven Frontalberieselung mit Bild und Ton. Und aufwändige Mehrkanalprojektionen mit hochkomplex ineinander verschachtelten Parallelhandlungen lassen das Betrachten von Videokunst zur intellektuellen Herausforderung werden – ähnlich der Lektüre anspruchsvoller Belletristik.



Die junge Düsseldorferin Julia Stoschek, 32, hat sich dem Sammeln von Videokunst bereits seit Jahren verschrieben. Jetzt hat sie sich dazu entschlossen, ihre Sammlung auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Entgegen dem allgemeinen Trend eröffnete Stoschek ihre Ausstellungsräume aber nicht in Berlin, sondern im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel. Zwar lädt die gelernte Betriebswirtin und Mitgesellschafterin eines großen Autozuliefererunternehmens in der Hauptstadt regelmäßig zu „Kunstsalons“ ein und sitzt im Vorstand der trendigen Avantgardespielwiese „Kunst-Werke“. Ihr jetziges Bekenntnis zu ihrem Hauptwohnsitz Düsseldorf hingegen bezeichnet sie gern als „antizyklisch“. Schließlich gingen derzeit ja alle nach Berlin.

Das Berliner Architekturbüro Kühn Malvezzi – sie bauten 2002 für die Documenta 11 die Binding Brauerei zum Ausstellungsraum um – hat ein denkmalgeschützte Fabrikgebäude von 1907 perfekt umgestaltet. Intime Kabinette wechseln sich ab mit großen Freiflächen. Hier darf dann auch einmal eine Spiegelinstallation des in Berlin lebenden Dänen Jeppe Hein stehen. Und sein Landsmann Olafur Eliasson öffnet den Blick nach draußen, indem er in eine 36 Meter lange Wand 35 dreieckige Öffnungen einlässt, die kaleidoskopartige Spiegelsysteme enthalten. Das 2.500 Quadratmeter große Ausstellungshaus setzt neue Maßstäbe: Unter derart perfekten Bedingungen, wie sie diese Privatsammlung zu bieten hat, können öffentliche Institutionen heute kaum noch Kunst präsentieren. Zu groß sind die technischen Anforderungen und zu fordernd sind manche Künstler und Galeristen, die ihre Arbeiten nur noch dann freigeben wollen, wenn sie unter den optimalsten Bedingungen gezeigt werden.

Julia Stoschek wohnt zwar auch selbst im Gebäude. Für das Publikum geöffnet sind aber nur die beiden Sammlungsetagen und ein Kinosaal im Keller. Jeden Samstag kann die „Julia Stoschek Collection“ nach Voranmeldung besichtigt werden. Der Eintritt ist frei, und eine Gratisführung gibt es auch noch dazu. Beim Rundgang wird klar: Die Sammlerin hat eine ganz dezidierte Vorstellung davon, was sie in ihre Sammlung aufnimmt. Sie setzt auf Arbeiten von hoher Qualität und berührender Schönheit, die sich mit existenziellen Themen, mit Dauer und Prozesshaftigkeit auseinander setzen und formal perfekt umgesetzt sind.

„Number One: Destroy, she said“, lautet der Titel der Erstpräsentation. 39 Arbeiten hat Stoschek für diese Ausstellung selbst zusammengestellt. Den modischen Ausdruck „kuratieren“ vermeidet sie lieber. „Videoarbeiten erfordern Zeit und die Bereitschaft, sich länger mit ihnen auseinanderzusetzen“, sagt sie. Große Videoinstallationen wie die Titel gebende Arbeit von Monica Bonvicini oder die optimal auf transluzenten Wänden präsentierte 3-Kanal-Videoinstallation „Interiors“ aus dem Jahr 2002 von Doug Aitken sind Höhepunkte der Schau. Bonvicinis „Destroy, she said“ von 1998 besteht aus zusammenmontierten Filmausschnitten der 1960er Jahre, in denen Frauen von männlichen Regisseuren als verängstigte kleine Dummchen dargestellt wurden. Und das zu Zeiten des Autorenkinos, das dem Establishment eigentlich selbstbewusst entgegentrat.

Das selbstbewusste Auftreten von Frauen liegt Julia Stoschek am Herzen. Die meisten ihrer Sammlerkollegen sind schließlich älter als sechzig, männlich und keineswegs uneitel. Stoscheks Vorbild sind da eher gestandene Kunstladys wie die Münchnerin Ingvild Goetz und die Berlinerin Erika Hoffmann. Auch deren Sammlungen verstauben nicht hinter zugezogenen Vorhängen. Sie können ebenfalls nach Voranmeldung besichtigt werden. Julia Stoschek ist es wichtig, historische Referenzarbeiten zu zeigen. So ist beispielsweise im zweiten Stock die für die Anfänge der Videokunst äußerst wichtige Arbeit „Spiral Jetty“ des Amerikaners Robert Smithson zu sehen. 1970 ließ er eine riesige Spirale aus Felsen von Baggern aufschütten und hielt dies fest. Außerdem präsentiert Stoschek Klassiker von Gordon Matta-Clark und Bruce Nauman oder dem Duo Marina Abramovic & Ulay. Die Sammlerin hat aber auch ein Faible für eher kontemplative neuere Arbeiten: So zeigt der Amerikaner Paul Pfeiffer in Echtzeit Wespen beim Bau ihres Nestes. Wer das Video „Empire“ von 2004 allerdings in voller Länge sehen will, müsste sich für längere Zeit im Ausstellungsraum einquartieren: Es dauert ganze drei Monate.

Die Präsentation „Number One: Destroy, she said“ wird bis zum Sommer 2008 gezeigt. Die Besichtigung der „Julia Stoschek Collection“ ist samstags von 11 bis 16 Uhr nur nach Voranmeldung unter Telefon +49 (0)211 – 175 21 66 oder info@julia-stoschek-collection.net möglich.

Kontakt:

Julia Stoschek Collection

Schanzenstraße 54

DE-40549 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 585 884 0

Telefax:+49 (0211) 585 884 19

E-Mail: info@julia-stoschek-collection.net



22.08.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


18.06.2007, Number One: Destroy, she said

Bei:


Julia Stoschek Collection

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Sammler, Stifter und Sponsoren

Bericht:


Kaleidoskop des modernen Lebens

Künstler:

Thomas Demand

Künstler:

Jeppe Hein










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