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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und russische Kunst sowie Fotografie bei Hampel

Gesuchte Posen



Eigentlich sind es nicht viele Maler, die das Münchner Auktionshaus Hampel für seine Versteigerung von Kunst der klassischen Moderne am 23. Juni versammelt hat. Wer jedoch dabei sein darf, bringt immer auch ein schönes, für den eigenen Stil oder jedenfalls bestimmte Schaffensphasen daraus charakteristisches Werk mit. Eugène Boudin zum Beispiel, der seine Hafenbilder, hier ein Exemplar von Le Havre aus dem Jahr 1887, gerne mit feinen Strichen und wenigen zarten Farben andeutet (Taxe 150.000 bis 180.000 EUR). Der in Deutschland ausgebildete Amerikaner Edward Cucuel wartet mit einem seiner spätimpressionistischen Herbstbilder auf Kundschaft, in dem sich zwei Damen im Schatten eines Baumes ausbreiten (Taxe 48.000 bis 55.000 EUR).



Moderne Kunst

Die klassische Moderne in Deutschland geht mit Max Liebermanns beinahe staatsmännisch anmutendem Portrait des Breslauer Textilfabrikanten und Kunstsammlers Carl Lewin aus dem Jahr 1922 für 80.000 bis 95.000 Euro an den Start. Lovis Corinth versucht es mit einem seiner Walchenseebilder aus dem Todesjahr 1925, in dem der Meister vom Impressionismus über den Expressionismus so gut wie bei der Abstraktion angelangt ist (Taxe 28.000 bis 33.000 EUR). Besonderes Augenmerk bittet das Auktionshaus auf Alexej von Jawlenskys Gemäldepaar von etwa 1906 zu legen. Die beiden ursprünglich auf einer Malpappe aufgetragenen Bilder wurden 1985 getrennt. Zu sehen sind ein Blick aus dem Atelierfenster in die farblich aufgeheiterte Tristesse einer Münchner Hinterhofkultur und ein Tisch mit roter Decke und Krug. Die Schätzung für beide zusammen liegt bei 140.000 bis 170.000 Euro.

Wer sich in die Frühzeit Piet Mondrians vor seiner konkreten Zeit vertiefen möchte, sollte 150.000 bis 180.000 Euro in einen Sitzplatz am Wasser investieren. Dann wird er feststellen, dass der Künstler 1902 noch gegenständlich wählte, aber bereits abstrahierend und ansatzweise in die Fläche gekippt darstellte. Vielseitig begabt, auch als Dichter und Regisseur, verdienen weiterhin die lustigen und luftigen Zeichnungen Jean Cocteaus aus den frühen 1950er Jahren Erwähnung (Taxen bis zu 14.000 EUR). Auch nach dem Krieg geht es bei Hampel fast überall gegenständlich weiter. Reduziert wie ein Mädchen Modiglianis stellt uns Virgilio Guidi eine junge Frau mit traurigem Gesicht vor, im Angesicht der zurückliegenden Katastrophe 1946 (Taxe 33.000 bis 38.000 EUR).

Einen spannungsreichen Gegensatz erzielt Bernard Buffet in seinem Blumenbild von 1966. Der Farbauftrag ist so dick, dass man es fast schon mit einem Relief zu tun hat, doch in der Perspektive wirken die Chrysanthemen und Gladiolen in olivgrüner Vase so flach, dass sie mit der grüngelb gestreiften Tapete im Hintergrund zu verschmelzen scheinen. Fast ganz aus der akkuraten Zeichnung heraus entwickelt er sein Hafenbild aus einer Reihe ähnlicher Werke des Jahres 1972 (Taxen je 150.000 bis 180.000 EUR). Salvatore Fiume malte seine Frau auf der „Plaza de Toros“ wie eine antike Königin auf dem Diwan und ein wenig in Erinnerung an Picasso (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Unter den Lebenden erreicht bei Hampel Elvira Bach einige Aufmerksamkeit mit ihren Selbstportraits „Mehr Glück“ von 1987 und „Lolita spielt Halma“ von 2002, die jeweils 25.000 bis 30.000 Euro kosten sollen.

Skulpturen beanspruchen weniger Raum in München. Der leicht überlebensgroße männliche Kopf mit Hut aus schwarz patinierter Bronze des polnisch-amerikanischen Bildhauers Elie Nadelman gehört in die Reihe der Art Déco-Skulpturen der späten 1920er Jahre und soll 90.000 bis 110.000 Euro kosten. Gleich fünf Arbeiten stellt Auguste Rodin zur Verfügung, preislich angefangen von einem Torso des russischen Balletttänzers Waslaw Nijinsky bei 13.000 bis 15.000 Euro bis hin zu 80.000 bis 90.000 Euro, die sein bacchantisch-herkuleischer Balzac mit verschränkten Armen fordert. Dazu gesellen sich zwei Hände für jeweils etwa 15.000 bis 20.000 Euro sowie die wegen ihrer Vertreibung aus dem Paradies sichtlich verschämte Eva heraus – alles limitierte Editionen nach dem Tod des Künstlers (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR).

Russische Gemälde

Ivan Konstantinovič Ajvazovskij ist für die russische Kunst immer ein gutes Aushängeschild, und so steht er auch im entsprechenden Katalog bei Hampel für die Auktion am 22. Juni repräsentativ für sein Land. „Warten auf das ankommende Schiff“ lautet der Titel seiner stimmungsvollen, wolkenreichen Meereslandschaft von 1891, auf die wir zusammen mit einem vornehm gekleideten Paar hinausschauen. Wir warten auf 160.000 bis 180.000 Euro. Etwa genauso viel soll es für seinen Sonnenuntergang bei stürmischer See von 1856 sein. Einiger Beliebtheit erfreuen sich derzeit auch die Tscherkessen Franz Roubauds, von denen hier zwei Bilder für bis zu 70.000 Euro zum Aufruf kommen. Realismus pur ist das Markenzeichen Iwan Schischkins, so auch in seiner Waldlandschaft mit einsam sitzender Frau für geschätzte 80.000 bis 100.000 Euro.

Farbenexpressiver und lichtvoll impressionistisch geht es auf Konstantin Alexeievitch Korovins Blumenstillleben am Meer zu (Taxe 100.000 bis 130.000 EUR). Abstraktionen von Nadezhda Udaltsova, die eine Gitarre und ein Stillleben in scharfkantige Farbflächen übersetzt, sowie Alexandra Exter mit einer kubistisch gestaffelten Stadtansicht ergänzen das Programm (Taxen je 120.000 bis 140.000 und 70.000 bis 120.000 EUR). Auch El Lissitzky gehört eigentlich zu dieser Gruppe, von ihm gibt es jedoch nur die Darstellung eines Stieres als jüdisches Fabelwesen, die wohl mehr illustrativen Charakter besitzt (Taxe 120.000 bis 140.000 EUR).

Einem neuen Primitivismus hängt der armenischstämmige Maler Martiros Saryan 1911 an. Sein Fellachendorf fängt die sonnige Kargheit einer Wüstensiedlung mit wenigen, aber kräftigen Farbflächen malerisch ein (Taxe 130.000 bis 150.000 EUR). Ganz sachlich geriert sich dagegen Iwan Puni in seinem Stillleben mit Weinflasche, Karten und Palette, dem man erst auf den zweiten Blick ansieht, dass es auch kubistische Tendenzen aufnimmt (Taxe 120.000 bis 140.000 EUR). Wer es etwas mondäner bevorzugt, sollte sich an Boris Grigorievs Dame mit Zylinder und roten Handschuhen halten, die sich mit verführerischem, kühlem Blick vom rosaroten Kanapee aus dem Betrachter zuwendet (Taxe 180.000 bis 220.000 EUR). Bei Konstantin Somow liegt die schlafende Schönheit auf einer saftigen Wiese (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Russisches Kunsthandwerk

Auch einige kunsthandwerkliche Gegenstände hat Hampel zwischen all die Gemälde geschoben, etwa einen Humpen mit der Darstellung Zar Peters des Großen aus dem 19ten Jahrhunderts (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Besonders stolz ist das Auktionshaus auf eine Reiseuhr von Fabergé, die Ende des 19ten Jahrhunderts als Geschenk des Grafen Alexej, Generals der russischen Flotte, an dessen letzte Lebensgefährtin ging, die Schauspielerin Elisabeth Baletta. 70.000 bis 90.000 Euro möchte Hampel denn auch für das exzeptionelle Stück, das Meister Henrik Emanuel Wigström schuf, sehen. Die Miniaturen führt bei 30.000 bis 32.000 Euro preislich Piotr Fedorovich Sokolovs Bildnis des späteren Generalmajors Lanskoj von 1826 an. St. Petersburger Vasen mit üppigen Blumenbouquets von etwa 1810/20 sowie mit riesigen Glaskelchen von etwa 1830 stehen für die staatliche und private Manufakturware des frühen 19ten Jahrhunderts (Taxen 18.000 bis 20.000 und 35.000 bis 37.000 EUR). Der Teller von 1829 mit Soldatendarstellungen aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg wird erfahrungsgemäß nicht bei 15.000 bis 20.000 Euro hängen bleiben.

Fotografie

Schließlich steht bei Hampel am 23. Juni noch eine Reihe von Fotografien auf dem Plan. Gleich eines der ersten Lose ist mit 45.000 bis 60.000 Euro am höchsten dotiert. James Andersons Mappe umfasst acht großformatige Aufnahmen von italienischen Sehenswürdigkeiten, die um 1860 zu den frühesten Aufnahmen ihrer Art in dieser hohen Qualität gehören. „Ein schräger Blick“, den ein älteres Ehepaar vor dem Schaufenster einer Kunstgalerie riskiert, wurde 1948 durch Robert Doisneau eingefangen und später noch einmal abgezogen (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Mit 13.000 bis 14.000 Euro schlägt Klaus Kinolds über zwei Meter breite Aufnahme der deutschen Pavillons der Weltausstellung 1928 in Barcelona zu Buche. Zu den jüngsten Künstlern rechnet die 1977 geborene Shirin Neshat, die sich in ihren Aufnahmen wie „I am it’s secret“ von 1993 der Unterdrückung der Frau in ihrem Heimatland Iran widmet (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Aufnahmen von Berühmtheiten wie Pablo Picasso, Marlene Dietrich, Marilyn Monroe oder Jayne Mansfield durch Meister wie André Villers, Horst P. Horst, Bert Stern und Bruno Bernard rangieren meist im niedrigen vierstelligen Preisbereich. Unbekannter sind die entblößten Damen, die Helmut Newton aufnahm, so 1993 ein selbstbewusst stehende „Big Nude Una“ in Nizza oder 1977 Gunilla Bergström im Lederlook (Taxen 8.500 bis 11.000 EUR und 6.000 bis 8.000 EUR). Im selben Jahr hatte „Jenny Kapitän, Pension Dorian, Berlin“ das Glück, mit Halskrause und eingegipstem Bein vor die Linse des großen, aber auch anrüchigen Ästheten treten zu dürfen (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Überhaupt nehmen gegen Ende der Auktion nackte Frauen viel Raum ein, vor allem durch ein Konvolut von 24 Fotografien des 1997 verstorbenen Günter Blum, der wie Newton zu den wichtigsten Regisseuren erotischer Fotografie zählt. Bis zu 15.000 Euro wollen sie für ihre gesuchten Posen erhalten.

Die Auktion „Russische Kunst“ beginnt am 22. Juni um 10:15 Uhr, die „Moderne Kunst“ am 23. Juni um 12 Uhr, die „Photographie“ um 12:30 Uhr. Die Vorbesichtigung ist noch bis zum 20. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr, am 21. Juni von 9 bis 12 möglich. Der Katalog ist im Internet unter www.hampel-auctions.com einsehbar.

Kontakt:

Hampel Kunst-Auktionen München

Schellingstraße 44 - Gartenvilla

DE-80799 München

Telefon:+49 (089) 28 80 40

Telefax:+49 (089) 28 80 43 00

E-Mail: office@hampel-auctions.com



21.06.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Boris Grigoriev, Dame mit Zylinder und roten Handschuhen
Boris Grigoriev, Dame mit Zylinder und roten Handschuhen

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22.06.2007, Die großen Juni-Auktionen 2007







Boris Grigoriev, Dame mit Zylinder und roten Handschuhen

Boris Grigoriev, Dame mit Zylinder und roten Handschuhen

Taxe: 180.000 - 220.000 EURO

Losnummer: 181




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