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Bereits zum vierten Mal finden in Münster die Skulptur Projekte statt. 34 über die gesamte Innenstadt verteilte Arbeiten setzen sich mit dem Stadtraum auseinander – mal kritisch, mal amüsant

Skulptur Projekte Münster 07



Wer es ganz eilig hat, der sollte sich bei einer Stippvisite in Münster direkt auf die Ecke Aegidiitor und Kanonengraben begeben. Hier, unmittelbar an der münsterschen Promenade, einem Baum gesäumten Innenstadtring, der nur Fußgängern und Radfahrern vorbehalten ist, hat Dominique Gonzalez-Foerster 39 Highlights aus der Geschichte der Skulptur Projekte Münster versammelt: Arbeiten von Keith Haring, Ilya Kabakov, Donald Judd oder Claes Oldenburg etwa. Allerdings nur im Maßstab 1:4. Seit 1977 finden die Skulptur Projekte alle zehn Jahre parallel zur Documenta statt. So auch in diesem Jahr. Mit ihrer Arbeit „Münster Roman“ rekapituliert Gonzalez-Foerster noch einmal die Geschichte der Schau, indem sie ihre ganz persönlichen Highlights auf einer grünen Wiese präsentiert. Die weltweit wichtigste Skulpturenausstellung im Minigolf-Format! So viel ironische Distanz und hintergründigen Witz sucht man auf der Biennale Venedig und der Documenta in Kassel derzeit vergebens.



Die französische Künstlerin, Jahrgang 1965, ist eine von 36 Teilnehmern der diesjährigen Skulptur Projekte. 34 Arbeiten sind hier über die ganze Stadt verteilt. Die Kunst mischt sich unters Volk: in Parks und Grünanlagen, unter Brücken und auf Plätzen und sogar auf öffentlichen Toiletten kann man ihr in Münster ganz unversehens begegnen. In der fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands geht das übrigens ganz bequem mit dem Drahtesel.

Bunt bemalte Berliner Trottoir-Bären oder folkloristische Hummel-Hummel-Figuren, wie sie auf Hamburger Plätzen herumstehen, kennt jeder. Der Berliner Künstler Andreas Siekmann, 46, hasst sie. Deshalb hat er sich für seinen Beitrag eine tonnenschwere, blaue Industriepresse besorgt, mit der er die kitschigen Stadtmaskottchen zerkleinerte. Aus dem Schreddermaterial entstand eine klopsförmige „Protest-Skulptur“, die jetzt vor dem barocken Erbdrostenhof, einem schmucken, ehemaligen Adelspalais mitten in der Innenstadt steht. Siekmann will zeigen, dass sich die Strategen des Stadtmarketings längst des öffentlichen Raumes bemächtigt haben.

Sich diesen Marktmechanismen zu entziehen, ist natürlich auch für die drei Kuratoren Kasper König, Carina Plath und Brigitte Franzen eine Herausforderung. Doch mit den Skulptur Projekten erobern sie längst verloren geglaubtes Terrain souverän für die Kunst zurück. Was in Münster geht, so die Utopie der Ausstellungsmacher, müsste doch auch in anderen Städten funktionieren.

Alle Künstler haben sich intensiv mit der Stadt und ihrer wechselvollen Geschichte auseinander gesetzt: die Wiedertäufer und der Westfälische Friede, der historische Stadtgrundriss, die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und der anschließende rekonstruierende Wiederaufbau, die heutige Prosperität und der aktuell zu beobachtende, einschnürende Würgegriff der Shopping-Malls und Luxuslabels in der properen Altstadt – all das wird bei den Skulptur Projekten reflektiert. Die seit den 1960er Jahren aktive New Yorker Politkünstlerin Martha Rosler etwa stellt Kopien der Wiedertäuferkäfige direkt vor die schmucke Stadtbibliothek. Im ausgehenden Mittelalter wurden darin die Leichen der grausam hingerichteten Spießgesellen am Turm der Lambertikirche öffentlich ausgestellt. Das faschistische Adleremblem des ehemaligen NS-Lufttransportkommandos – es ziert bis heute ein Gebäude der Bundeswehr – stellt sie provokant und unübersehbar vor das Eingangsportal einer hypereleganten Einkaufspassage. Mit dieser skulpturalen Setzung konfrontiert sie die Münsteraner knallhart mit den wunden Punkten ihrer Stadtgeschichte.

Andere Künstler gehen da wesentlich versöhnlicher ans Werk: Der 38jährige Israeli Guy Ben-Ner verwandelte gemeinsam mit seinen Kindern Stadt- und Skulpturengeschichte zu einem hübschen Film, der sich dem Betrachter aber nur erschließt, wenn er auf einem Heimtrainer kräftig in die Pedale tritt. Den Sitzungssaal eines Finanzamtes baute er dafür kurzerhand zum Fitness-Center um. Der 1946 in Antwerpen geborene Guillaume Bijl, der für seine ironischen Täuschungsmanöver bekannte, verschmitzte Belgier, führt das irritierte Kunstpublikum mit einem versunkenen Kirchturm an der Nase herum. Mike Kelley, 53, errichtete am Hauptbahnhof einen durchaus familienfreundlichen Streichelzoo à la „Unsere kleine Farm“. Bruce Nauman plante bereits 1977 eine ins Erdinnere umgestülpte, 2,30 Meter tiefe Pyramide. In letzter Minute wurde sie vom damals wenig kunstsinnigen Tiefbauamt verhindert. Die Skulptur „Square Depression“ – Quadratische Senkung – des mittlerweile 66jährigen Amerikaners aus weißem Beton mit 25 Meter Kantenlänge konnte 30 Jahre später endlich realisiert werden – eine kleine Sensation.

Doch in Zeiten eines erweiterten Skulpturenbegriffes braucht es gar nicht soviel Aufwand. Die wunderbar poetische Soundarbeit der schottischen Klangkünstlerin Susan Philipsz, 42, unter einer viel befahrenen Brücke am Aasee kommt mit ein paar versteckt angebrachten Lautsprechern aus. A cappella singt die Künstlerin die Barkarole aus Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ und entführt mit ihrem betörenden Gesang ins sonnig-romantische Venedig. Ein spektakuläres Projekt konnte aber leider nicht realisiert werden: Der Litauer Deimantas Narkevicius, 43, wollte sich von der Stadt Chemnitz, ehemals Karl-Marx-Stadt, den 40 Tonnen schweren Bronze-Kopf des sozialistischen Vordenkers ausleihen und diesen während der Skulptur Projekte in Münster aufstellen. Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin verbat sich den ost-westlichen Skulpturentransfer und reagierte mit barscher Ablehnung: „Wer tatsächlich Interesse an der Monumentalplastik hat, der muss nach Chemnitz kommen“, entschied die resolute SPD-Dame. Immerhin, von Künstlerkollegin Dominique Gonzalez-Foerster hat Narkevicius Schützenhilfe erhalten. Die integrierte das klobige Abbild des bärtigen Philosophen, ohne mit der Wimper zu zucken, sofort in ihre Miniaturenschau.

Die „Skulptur Projekte Münster 07“ sind bis zum 30. September täglich von 10 bis 22 Uhr zu sehen. Der 556seitige Katalog ist in der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet 28 Euro, der 88seitige Kurzführer 5 Euro.

www.skulptur-projekte.de



18.06.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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