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Eine Ausstellung in Leipzig zeigt den Einfluss Max Klingers auf Zeitgenossen und Nachfolger

Wanderer in den Welten des Unbewussten



Max Klinger, Die blaue Stunde 1890

Max Klinger, Die blaue Stunde 1890

Eine Liebe? Da gibt es nicht nur eine Liebe, wenn man durch die große Leipziger Ausstellung über „Max Klinger und die Folgen“ streift. Sondern einige. Überraschende Verknüpfungen werden da sichtbar zwischen dem lange Zeit wenig beachteten Künstler aus Leipzig und seinen Zeitgenossen. Auswirkungen auf die nachfolgende Malergeneration, vom ausdrücklichen Zitat bis hin zur vagen Assoziation. Und immer wieder Anerkennung, Lob, Bewunderung für Klinger, nachzulesen in goldenen Lettern an den Wänden der großzügig konzipierten Schau. Das Museum der bildenden Künste Leipzig, mit einem Bestand von rund 1450 Arbeiten größter Hort von Klinger-Schätzen weltweit, hat dem so vielseitigen wie rätselhaften Wanderer in den Welten des Unbewussten, des Surrealen, des Metaphorischen zum 150ten Geburtstag eine Ausstellung bereitet, die ihn erstmals als Inspirator würdigt.



Nicht im Sinn hatte das Kunstinstitut dabei eine „penible Einflussgeschichte, die nur belegbare Kontakte gelten lässt“. Das stellt Direktor Hans-Werner Schmidt gleich im Vorwort zum prächtigen Katalog klar. Man sucht ein Kommunikationssystem zu ergründen, in dem „sich die Zeitgenossenschaft die mentalen Stichworte direkt zuraunt“, zitiert er Beat Wyss. Der „Resonanzraum“, den Klinger geschaffen hat, war offen für viele Richtungen – das wird beim Gang durch die Räume offensichtlich. Edvard Munch und Alfred Kubin, Max Beckmann und Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz und Otto Greiner, sogar Salvador Dalí und Giorgio de Chirico: unterschiedlicher könnte die „Gefolgschaft“ Klingers nicht sein. Mit 300 Werken von 40 Künstlern wird gezeigt, wie sich Motive und Konzepte Klingers weiterverfolgen lassen.

Die Linien laufen zu den Seismographen alptraumhafter psychologischer Abgründe, zu den Anklägern sozialen Elends und menschlicher Abstürze, zu den Erfindern dunkler Szenarien voller Symbolik und rätselhafter Verschlüsselung, schließlich zur sachlichen Metaphysik eines de Chirico, der Klinger als den exemplarischen Typ des „modernen Künstlers“ bezeichnet hat. Mit all diesen Beziehungen befassen sich fundierte und kritische Aufsätze im Katalog. Nichts steht den Autoren ferner als eine vorschnelle Identifizierung Klingerscher Einflüsse, so wie sie manche Parallelisierung in der Ausstellung selbst nahe zu legen scheint.

Im - räumlichen - Zentrum der Ausstellung hat Klinger selbst das Wort: Leipzig kann zehn der vierzehn grafischen Folgen zeigen, und schon das Titelblatt zu den „Radierten Skizzen“ Opus I von 1879 verdichtet die unheimliche Ambivalenz, die Klinger zu einem seiner Hauptthemen auserwählt: Eine junge, nackte Frau, freundlich-neckisch über die Schulter zurückblickend, tändelt über einem Pfuhl, aus dessen trübem Gewässer das Maul eines krokodilähnlichen Ungeheuers grinst. Das Untier schiebt sich auch in der legendären Folge „Ein Handschuh“ in das Blatt mit dem Titel „Ruhe“. Und es mutiert zum Flugsaurier, der in „Entführung“ den Handschuh im schnabelartigen Fang davonträgt. Auf diese Radierung mit den aus einem zerbrochenen Fenster schießenden Armen und krallenden Händen bezieht sich zum Beispiel Max Ernst in einer Illustration zu den „Répétitions“ des Dichters Paul Éluard.

Einen Parcours der Parallelitäten freilich wollte die Leipziger Ausstellung nicht eröffnen. So wird der Besucher, nachdem er sich ausführlich mit Klingers Grafik beschäftigt hat, in sechs thematisch bestimmte Abteilungen geleitet. „Träume und Alpträume“ ist die erste. Alfred Kubins verzerrter, nächtlich spukhafter Surrealismus verdichtet Klingers dunkle „Empfindungswelten“. Für Kubin war die Begegnung mit den Radierungen des Leipzigers prägend: „Sah und vor Wonne zitterte“, beschreibt er in seiner Autobiografie, wie der Eindruck von Klingers „Ein Handschuh“ auf ihn wirkte. In „Die Stunde der Geburt“ zitiert er, monströs-bedrohlich radikalisiert, die Schalentiere aus Klingers „Radierten Skizzen“. Noch deutlicher sichtbar machen Blätter Richard Müllers, etwa „Alpdrücken“ oder „Mondschein/Entführung“, wie sehr sich dieser meisterliche Zeichner von Klinger inspirieren ließ.

Die Dämmerung gilt der Romantik als Metapher des allmählichen Ineinandergreifens von diesseitiger und jenseitiger Welt, von vordergründig Sichtbarem und hintergründig Erahntem. Wirklichkeit und Traum, Sinnliches und Unbewusstes berühren sich. Mit seinem berühmten, ebenso bewunderten wie unverstandenen Bild „Die blaue Stunde“ hat Max Klinger eine Hommage an diese Zeit des Übergangs geschaffen. Vor der blaugrauen unbestimmten Dämmerung, im Licht eines verdeckten Feuers, verharren drei nackte Frauen, liegend, kauernd, stehend: das „stumpfe Träumen, beschauliche Gruseln, das weite Aufträumen“ hat Klinger die Positionen der Gestalten erklärt. Als Schlüsselwerk des Klingerschen Symbolismus eröffnet das Gemälde die nach ihm benannte zweite Abteilung der Ausstellung. Die Symbolik seelischer Zustände kehrt wieder in äußerlich ganz unterschiedlich konzipierten Werken wie Georg Kolbes „Die goldene Insel“ oder Ludwig von Hofmanns „Badende Jünglinge“.

„Max Klinger bleibt nicht an der Oberfläche der Dinge haften, er dringt in die dunkle Lebenstiefe“. So Käthe Kollwitz am Grab von Max Klinger. Dass Künstler, die sich vom „sozialen Gedanken“ packen ließen und die dunklen Schattenseiten des Kapitalismus realitätsnah festhielten, sich auf Klinger bezogen haben, erscheint auf den ersten Blick seltsam. Doch Hans Baluschek endet auf diese Weise zum Beispiel in seinem Aquarell „Ein Toter“ nicht allein auf der Ebene des sozialkritischen Realismus. Sondern er verdichtet wie Käthe Kollwitz in ihrer bewegenden Lithografie „Not“ aus ihrem Zyklus „Ein Weberaufstand“ die Aussage zu einem allgemein gültigen Sinnbild: Bei Baluschek ist es die trostlose Verlassenheit im Leben wie im Tod, bei Kollwitz die ratlose, ausweglose Verzweiflung.

Der Tod als Thema beschäftigte Klinger bereits als Sechzehnjähriger. „Das Ziel allen Lebens ist der Tod“ – der Titel der sechsten Abteilung der Leipziger Klinger-Schau verweist auf die Inschrift der Radierung „Der Tod als Heiland“ aus dem Zyklus „Vom Tode. Erster Teil“. Ob Ergebnis der Lektüre Schopenhauers oder christliche Heilsvorstellung: Klinger lässt vieles wohl absichtsvoll im Dunkel, gibt der reflektierenden Fantasie des Betrachters ihren Freiraum. Diesen hat er auch für sich beansprucht, etwa in der Konzeption seiner „Kreuzigung Christi“ von 1890.

Klinger vermeidet vordergründige Idealisierung. Er stellt die Szenerie einerseits bewusst realistisch dar, greift auf damals moderne Forschungsergebnisse zurück, verzichtet auch auf jede Andeutung der Göttlichkeit Jesu. Auf der anderen Seite sind die Figuren viel zu absichtsvoll gruppiert, um den Eindruck bloßen Naturalismus zuzulassen. Maria steht wie eine antike Gestalt Jesus gegenüber, deutlich hervorgehoben zwischen der Gruppe der Römer und Juden und der zusammenbrechenden, von Johannes gestützten Maria Magdalena. Seinem Körperideal folgend hat Klinger den Gekreuzigten völlig nackt gemalt und damals einen Skandal hervorgerufen. Auf ihn bezog sich der 1968 geborene Maler Michael Triegel, dessen hochsymbolisches Gemälde eines nackten Auferstandenen vor einigen Jahren auf Wunsch des Würzburger Bischofs aus dem dortigen Museum am Dom entfernt werden musste. Doch weder für Triegel noch für Klinger besitzt diese Nacktheit irgendeine sexuelle Konnotation. Für Klinger war der menschliche Körper schlicht „das Schönste, was wir uns überhaupt vorstellen können“.

Die Ausstellung „Eine Liebe. Max Klinger und die Folgen“ ist bis zum 24. Juni zu sehen. Anschließend wandert sie vom 11. Oktober bis zum 13. Januar 2008 in die Hamburger Kunsthalle. Das Museum der Bildenden Künste Leipzig hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8,50 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der 352seitige Katalog ist im Kerber Verlag erschienen und kostet an der Museumskasse 28 Euro.

Kontakt:

Museum der Bildenden Künste Leipzig

Katharinenstraße 10

DE-04109 Leipzig

Telefon:+49 (0341) 216 990

Telefax:+49 (0341) 216 99 999



13.06.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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Max Klinger

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