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Erwin Wurms große Retrospektive in den Hamburger Deichtorhallen

Formexperimente in Zeiten des Übergewichts



Ein Mann im schwarzen Mantel hat sich einen Kochtopf über den Kopf gestülpt und steht seelenruhig im Raum. Ein anderer hat sich Filmdosen, Filzstifte und andere Büroutensilien in Mund, Nase und Ohren gesteckt. Einem chinesischen Mädchen ragen zwei frische Champignons aus den Nasenlöchern. Skurrile, absonderliche Momentaufnahmen, lächerliche Haltungen und idiotische Verrenkungen? Das Werk des österreichischen Künstlers Erwin Wurm, Jahrgang 1954, ist voll davon. Es bewegt sich im Spannungsfeld von Absurdität, Voyeurismus, Lächerlichkeit, bissigem Humor und spielerischer Leichtigkeit. Der Titel seiner umfangreichen Retrospektive in den Hamburger Deichtorhallen mit Arbeiten von 1987 bis heute liest sich denn auch wie eine etwas komplizierte Verrenkung mit fast schon philosophischem Gehalt: „Das lächerliche Leben eines ernsten Mannes – das ernste Leben eines lächerlichen Mannes“.



Mit Tollpatschen, Schwabbelhäusern und wohlgenährten Autos stellt Erwin Wurm unsere Wahrnehmung auf den Kopf. In den 1990er Jahren wurde der im steirischen Bruck an der Mur geborene Künstler mit so genannten „One-Minute-Sculptures“ bekannt. Er brachte Freiwillige dazu, im Dialog mit Alltagsgegenständen absurde Haltungen einzunehmen. Von diesen Miniperformances entstanden dann Fotografien: eingefrorene Momente einer kurzen Periode des kreativen Aktes. Kurator Robert Fleck betont denn auch die skulpturale Qualität, die sich durch das gesamte Wurmsche Œuvre zieht: „Es geht hier um die klassischen Inhalte der Skulptur: um Masse, Gewicht, Balance, Volumen, Kräfte und Bewegung“, sagt er, „letztendlich geht es um die Transformation einer Masse in die andere.“ Gerade die Insignien des Mittelstands transformiert Wurm zu zerrbild- und fratzenhaften Ungetümen.

Mit raumfüllenden, ironischen Skulpturen hat Erwin Wurm in den letzten Jahren für Aufsehen gesorgt: Sie sprengen im wahrsten Sinne des Wortes den Rahmen des Mittelmaßes. Sein zehn Meter langes und sieben Meter hohes „Fat House“ von 2003 etwa ist ein begehbares, aus der Form geratenes Haus, in dessen Innerem ein Video läuft. Hier hebt die dickleibige Immobilie zum Sprechen an und gibt launige Kommentare über die Kunstwelt ab. Das Pendant dazu ist Wurms „Fat Car“, ein knallroter, vollgefressener XXL-Porsche, der in einem Video gleich nebenan ebenfalls zum Sprechen anhebt. In einer Textcollage voller Slang und Jugendsprache geht es um Statussymbole, Protz- und Imponiergehabe – ein Patchworktext, vom literarisch beschlagenen Erwin Wurm selbst verfasst. Seine Bezugspunkte sind ohnehin literarische Berufszyniker wie Thomas Bernhard, der früh verstorbene Jungdramatiker Werner Schwab oder Samuel Beckett. Zur scheinbaren Leichtigkeit von Erwin Wurms Arbeit gesellt sich ein klug reflektierter, philosophischer Überbau, in dem Ludwig Wittgenstein ebenso eine gewichtige Rolle spielt wie Gilles Deleuze oder Sigmund Freud.

Extra für die Deichtorhallen produziert wurde ein auf der Giebelseite stehendes, spießiges Einfamilienhaus mit dem witzelnden Titel „Herr Krause kommt nach Hause nach der Sause“. Hier geht es wieder um die – diesmal alkoholbedingte – Perspektivverschiebung und das Spiel mit der Wahrnehmung. Hierzu Wurm grundsätzlich: „Jeder hat ein anderes Bild von der Realität. Auf der einen Seite werden Mitarbeiter gekündigt, auf der anderen Seite sind da die Hedgefondmanager. Mich interessiert es, diese Dinge auf den Kopf zu stellen und zu hinterfragen, und zwar durch kleine Perspektivwechsel in der Wahrnehmung.“

Auch der Mensch als Leibeswesen interessiert Wurm in all seinen Verformungen. Immer wieder brachte er etwa Freunde dazu, ihre gesamte Garderobe übereinander anzuziehen und sich als aufgedunsenes zweites Ich fotografieren zu lassen. Eine kugelrunde Menschenskulptur betitelt Wurm selbstironisch als „The artist who swallowed the world“. Pendant dazu ist ein ganz offenbar belesener Rauhaardackel, der – die Silhouette spricht Bände – anscheinend ein ganzes Buch geschlungen hat. Sitzt Erwin Wurm der Schalk im Nacken, oder geht es bei ihm nicht vielmehr um eine eher skeptische Weltsicht? „Ich setze den Humor ein als Waffe“, sagt er. „Humor ist nicht lieb und nett. Humor ist eine Art Horror. Das hat viel mit Zynismus zu tun.“

Die Ausstellung „Erwin Wurm. Das lächerliche Leben eines ernsten Mannes – das ernste Leben eines lächerlichen Mannes“ ist bis zum 2. September zu sehen. Die Deichtorhallen haben dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, auch am Pfingstmontag. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog kostet 38 Euro.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg

Deichtorstraße 1-2

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 10 30

Telefax:+49 (040) 32 10 32 30

E-Mail: info@deichtorhallen.de



25.05.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Erwin Wurm










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