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K21 zeigt Großinstallation von Gregor Schneider

Zwischen Isolationshaft und Intensivstation



Zum besucherstarken Publikumsmagneten wird es die Ausstellung nicht bringen. Nur alle fünf Minuten darf eine Person eintreten. Jedoch lassen die Einsamkeit und das völlige Fehlen menschlicher Spuren den Gang durch Gregor Schneiders Installationslabyrinth für viele Besucher höchstens zum nachdenklichen, vielleicht leicht theatralisch spannenden Parcours statt zum Albtraum werden. Nach dem Abstieg ins Souterrain von K21 in Düsseldorf und der Passage einer schweren, stählernen, lautstark ins Schloss fallenden Sicherheitstür taucht man in eine andere Welt. Nur das eigene Handy verspricht Rückhalt. Keine Orientierungspläne hängen aus, Beschilderungen oder Hinweise fehlen. Im langen, kameraüberwachten, gleißend hellen Flur, dessen Decke schallisoliert gedämmt ist, reihen sich scheinbare und echte Schiebetüren. Drei an der linken Seite lassen sich öffnen. Sie schließen sich nach dem Eintritt in eine Zelle wieder automatisch. Ein schmales, schießschartenähnliches Zellenfenster vor Kopf gewährt keinen Blick nach draußen, sondern dient nur als diffuse Lichtquelle. Davor befindet sich eine eingebaute Pritsche samt Bezug; gegenüber vereint metallisches Einbausanitär Toilette und Waschbecken. Ansonsten findet sich hier keine Möblierung. Spuren von Be- oder Abnutzungen fehlen. Sämtliche Oberflächen sind glatt und neu, penibel sauber, geradezu aseptisch aufbereitet.



Eine Tür auf der rechten Seite überführt in einen ähnlich zugeschnittenen Gang und eine Spiegelzelle. Weiter rechts gelangt man in eine „black box“, einen dunklen, mittels pyramidenförmiger Isolationsmatten rundum schalldichten Raum. Dank geltender Sicherheitsbestimmungen weist eine grüne Notausgangsleuchte den Weg weiter in einen Kälteraum. Lärmende Maschinen halten die Temperatur stetig auf fünf Grad plus. Durch Lamellenvorhänge und flugzeugähnlichen Türen mit Hebelgriffen kommt man dann in einen tonnenüberwölbten, wellblechverkleideten Saal. Die räumliche Orientierung ist längst verloren gegangen. Die Türen fallen hinter einem ins Schloss. Ein zurück gibt es nicht mehr. Durch weitere Sicherheitstüren und über eine Notausgangsstiege gelangt man schließlich wieder nach draußen - nicht aber ins Museum, sondern auf das Wasserniveau des Kaiserteiches vor dem Haus. Wer den modernen Irrgarten noch einmal erkunden möchte, muss zurück durch den Haupteingang.

Gregor Schneiders Thema ist der Raum, dessen verborgenen Gehalt er untersucht. Das Versteckte hat für ihn durchweg etwas Bedrohliches. In seinen Werken rückt er Brenzliges gerne in die Nähe des Unheimlichen. Über Reize versucht er, Verdrängtes freizusetzen und Unterbewusstes hervorzurufen. Kraft Ahnungen, Vermutungen, Suggestionen setzt der 1969 im niederrheinischen Rheydt geborene Künstler Prozesse des Verstehens in Gang. Gregor Schneider entführt die Besucher in unbekannte, suspekte, abgründige Räume, die als verbotene Plätze den öffentlichen Blicken und dem allgemeinen Zutritt verwehrt sind.

Die drohende Privatsphäre des eigenen Hauses „ur“, die eingepflanzt in den deutschen Pavillon auf der venezianischen Biennale 2001 für große Furore sorgte und den begehrten goldenen Löwen einbrachte, war eine Entäußerung der besonderen Art, die den Blick hinter die Wände des Privathauses gestattete. Danach löste sich Schneider von den Räumen seines Zuhauses und wandte sich dem verdeckt Öffentlichen zu, den besonders unwirtlichen, im Schatten befindlichen Stellen, die man eher nicht oder genau aus diesem Grunde aufsucht, so ein Kinderstrich in Bahnhofsnähe, wie in der Installation „ur 45, Steindamm“ aus dem Jahr 2003. Dies können auch religiöse beziehungsweise heilige Orte sein, dessen Inneres nicht zugänglich und nicht bekannt ist, wie die zur Zeit in Hamburg präsentierte Kaaba.

Nun artikuliert Gregor Schneider das verbotene Gebiet eines Hochsicherheitsgefängnisses. „Camp V, Guantánamo Bay, Weiße Folter 2007“ wurde speziell für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und ihr Haus K21 geschaffen. Schneider verdoppelt mit seiner Arbeit wieder etwas Vorhandenes und Unsichtbares. Seine Kunst ist Kunst des Erforschens. Sie fußt auf der Faszination des Unbekannten. Die Rätselhaftigkeit und Faszination gleichermaßen steigert Schneider durch die Tilgung sämtlicher Gebrauchsspuren, das auffälligste Merkmal der Arbeit in Düsseldorf. Angeregt wurde er durch Zellenfotos vom Lager Guantánamo im Internet, um die herum er sein Containerlabyrinth kreierte. Die so genannte „Weiße Folter“ verdeutlicht die Installation subtil als perfektes wie perfides Mittel des Verschweigens und der Geheimhaltung, da ihre Spuren äußerlich gar nicht oder kaum sichtbar bleiben. Auch die Folgen der realen „Weißen Folter“ aus Isolationshaft, Schlafentzug, Dunkelhaft sind schwer nachweisbar.

Schneiders Kunstwerk ist anders als seine früheren Arbeiten, bei denen er Raumeinheiten von unterschiedlichen, benutzten Materialien aus Abbruchhäusern des benachbarten Braunkohlereviers heranzog. Mit der „Weißen Folter“ schuf er ein allzu glattes Kunstwerk aus der Retorte, das vor allem aus dem Wechselspiel von Licht und Dunkelheit, Wärme und Kälte, Stillstand und Bewegung lebt. Es regt zum Nachdenken an. Doch die wachrüttelnde Betroffenheit authentischer Orte kann es nicht erzeugen. Besonders sinnfällig allerdings scheint die Platzierung in einem ehemaligen Parlamentsgebäude. So glatt, kalt, vermeintlich sauber, wie die Politik agiert, ist auch Schneiders Installation. Doch ihre arglistige, inhumane Pervertiertheit kann nur derjenige nachspüren, der sie selbst erfahren hat.

Die Ausstellung „Gregor Schneider. Weiße Folter“ ist noch bis zum 15. Juli zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 11 Uhr an und jeden ersten Mittwoch des Monats zusätzlich bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 6,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet an der Museumskasse 25 Euro.

Kontakt:

K21 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Ständehausstraße 1

DE-40217 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 83 81 600

Telefax:+49 (0211) 83 81 601



24.05.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Künstler:


Gregor Schneider










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