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Rodney Graham in der Wiener Bawag Foundation

Das ewig neue Gleiche



„Es mag ja eine Last sein, wenn man sich selbst immer wieder neu erfinden muss, aber das macht das Ganze interessant“, so Rodney Graham. Das breite Spektrum seiner Arbeiten und eine stilistische Ungebundenheit, die in der bildenden Kunst ihresgleichen sucht, sind die Signifikanten seines künstlerischen Werks. Seit Mitte der 1970er Jahre hat der 1949 in Vancouver geborene Kanadier in einer Fülle unterschiedlicher Medien wie Film, Fotografie, Video, Installation, Malerei, Druckgrafik, Literatur und Musik zahlreiche Werkkomplexe geschaffen, in denen er sich mit Ereignissen der Geistesgeschichte, der Literatur oder der Musik befasst. „Poetische Ironie, Raffinesse und konzeptuelle Originalität“ sind die oft verwendeten Begriffe, wenn davon die Rede ist, auf welche Weise Rodney Graham in seiner Arbeit Bezüge zwischen den verschiedenen Ebenen des Alltags und der Kulturgeschichte verbildlicht.



Schon in seinen frühen Werken aus den 1980er Jahren bewies Graham formales Raffinement im Umgang mit der Geschichte von Film, Musik und Literatur, die er auf unerwartete Weise reflektiert und in ihrem Funktionieren überprüft. Derzeit zeigt die Wiener Bawag Foundation in der Ausstellung „Lobbing Potatoes at a Gong“ eine Auswahl neuerer Arbeiten, mittels derer Graham sein komplexes Interesse am subtilen Gleichgewicht von Realität und Fiktion einmal mehr theatralisch und kopflastig visualisiert.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen drei neue Arbeiten, die zusammen eine Trilogie ergeben. Wie schon in früheren Werken nimmt Graham unterschiedliche Rollen wahr. Protagonist in seinem 16mm-Schwarzweißfilm „Lobbing Potatoes at a Gong 1969“ aus dem Jahr 2006 ist ein fiktiver Künstler der Fluxus-Jahre, dem Zuschauer bei einer Performance zusehen. Graham bezieht sich mit dieser Arbeit auf eine Anekdote über den Schlagzeuger der Rockband Pink Floyd, der im Lauf einer langen Jamsession in den sechziger Jahren einen Gong mit Gemüse bewarf. Graham hat den Auftritt nachgespielt und ihn als fiktives Fluxusevent kontextualisiert. Er nimmt sich den Künstler Dan Graham als modisches Vorbild und trägt Kleider, die er als New Yorker Künstler jener Zeit getragen hätte: Ein kariertes Hemd, Jeans und Western-Stiefel.

In signifikanten Kontrast zu der verwackelten Kameraführung, die eher an ein Amateurvideo erinnert, steht der produktionstechnische Aufwand, mit dem die enervierend langsame Kartoffelballerei als Endlosschleife produziert wurde. Ergänzt wird „Lobbing Potatoes at a Gong 1969“ von mehreren Frühwerken des fiktiven Künstlers und einer limitierten Edition selbstgebrannten Wodkas, der aus der Destillation der Wurfgeschosse gewonnen und in Flaschen gefüllt wurde. Deren maschinengeschriebene Etiketten erinnern an die Ästhetik der konkreten Poesie – eine überzeugend witzige, ironische Reflektion der Kulturgeschichte jener Jahre, die auch die Verehrung des Dokumentationsmaterials früher Aktionskunst bespöttelt.

Die Wiederholung als formales und strukturelles Prinzip spielte bereits in früheren Werken von Rodney Graham eine zentrale Rolle. In seinem für den kanadischen Pavillon der Biennale di Venezia 1997 konzipierten Film „Vexation Island“ hatte Graham die ewige Wiederkehr des Gleichen als Abfolge neurotischer Wiederholungshandlungen inszeniert. „Wiederholung, Verdoppelung, Verschiebung, Einfügung“, bemerkte Susanne Boecker 2003 über Grahams Werke, „mit diesem ‚Handwerkszeug’ rückt er dem Wertekanon unseres visuellen und intellektuellen Kulturguts auf den Leib, schreibt sich in das Vorhandene ein und setzt Endlosschleifen in Gang, die die Werke gängigen Vorführungs- und Rezeptionsmustern entziehen.“

Auch in anderen Werken versetzt sich Rodney Graham in der Zeit zurück und schafft so die Folie für eine hypothetische künstlerische Entwicklung. Das Lichtbox-Triptychon „3 Musicians (Member of the Early Music Group „Renaissance Fare“ Performing Matteo of Perugias „Le Greygnour Bien“ at the Unitarian Church of Vancouver, Late September 1977)“, ebenfalls von 2006, zeigt ihn als einen der Musiker im Ensemble. Die Arbeit ist von einer in den 1970er Jahren entstandenen Aufnahme inspiriert, die das David Munrow Consort von einem atonal wirkenden Stück von Matteo von Perugia, einem bahnbrechenden italienischen Komponisten des späten 14ten Jahrhunderts, gemacht hat.

Das Triptychon-Format leitet sich aus der Art der Komposition ab. Das Stück ist für drei Instrumente geschrieben, in diesem Fall Leier, Tenorflöte und Laute. Die Beziehung der Stimmen zueinander gestaltet sich so, dass jeder Musiker die meiste Zeit in seinem oder in ihrem „Raum“ zu sein scheint. Der Aufführungsort ist eine modernistische Kirche der frühen 1960er Jahre. Die Kostüme der Musiker ähneln den bescheidenen selbstgemachten Kleidern, wie sie bei gewissen Familienensembles der 1970er Jahre beliebt waren.

In der dritten großen Arbeit hat Rodney Graham sich abermals in ein Ensemble platziert. Sein Diptychon mit dem doppeldeutigen Titel „Awakening“ von 2006 geht auf ein Foto der Band Black Sabbath aus dem Jahr 1970 oder 1971 zurück. Die Originalaufnahme des Rockfotografen Chris Walter stellt die vier Mitglieder der Band auf dem Weg in einem Park dar, wo sie um einen älteren Mann, möglicherweise einen Landstreicher, herumstehen, der auf einer Bank liegt. Mit einer spöttischen Geste zeigt Ozzy Osbourne auf ihn. Die übrigen Bandmitglieder schauen in die Kamera und lachen. In seiner schwarzweißen Adaption hat sich Rodney Graham in der Position des liegenden Mannes selbst ins Bild gerückt. Humorvoll bezieht der im Zweitberuf amerikanischen Country-Rock verpflichtete Graham den Hohn des Osbourneschen Fingerzeigs auf sich: „Ich habe“, bekannte Rodney Graham selbstironisch, „erst eher spät in meinem Leben Rock zu spielen begonnen, und mir hat das Bild dieser Gruppe junger Heavy-Metal-Typen, die über mich lachen, gefallen.“

Weniger amüsant wird im Souterrain der Bawag Foundation in einer kleinformatigen Serie von Gemälden und Arbeiten auf Papier die Ästhetik der Ikonen abstrakter Malerei dekonstruiert. Letztendlich wandert Rodney Graham auch in Wien wieder einmal auf dem schmalen Grad zwischen Präzision und Dilettantismus und zeigt dem, der sich auf seine Interventionen einlässt, wie Bilder und Dinge ihre Bedeutung ändern und er selbst an diesem Prozess beteiligt ist.

Die Ausstellung „Rodney Graham – Lobbing Potatoes at a Gong” ist bis zum 16. Juni zu sehen. Die Bawag Foundation hat bei freiem Eintritt Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sonn- und Feiertage geschlossen.

Kontakt:

Bawag Foundation

Wiedner Hauptstraße 15

AT-1040 Wien

Telefon:+43 (01) 504 988 038

Telefax:+43 (01) 504 988 039

E-Mail: foundation@bawagpsk.com



25.04.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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30.03.2007, Rodney Graham - Lobbing Potatoes at a Gong

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