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Endspurt bei der großen Stankowski-Retrospektive – Bremen und Berlin sind die letzten Stationen

Vereinfachen, versachlichen, vermenschlichen



Linie, Punkt, Kreis und Schräge – das sind die wichtigsten und immer wiederkehrenden Gestaltungsmittel im Werk von Anton Stankowski (1906-1998), den man kurz und knapp als Urvater der Corporate Identity charakterisieren könnte und der wie kein anderer das grafische Denken im Nachkriegsdeutschland modernisiert und das visuelle Erscheinungsbild der Bundesrepublik Deutschland mitgeprägt hat. Der Kunstmarkt allerdings hat Anton Stankowski zu aller erst als Fotografen wahrgenommen. Seine Fotografien aus den 1920er und 1930er Jahren, die von starken Licht-Schatten-Effekten, aber auch von einer durchdringenden Sachlichkeit leben und die in der Betonung von Perspektiven und Linien seine grafische Sicht auf die Dinge verraten, zählen heute zu den wichtigen Arbeiten der „Neuen Fotografie“ dieser Jahre. Sein berühmtestes Foto, das später auch in der Werbung für EFAP-Kilometerzähler verwendet wurde, ist die durch das Tempo verzerrte, diagonal durchs Bild rasende schwarze Limousine mit dem bezeichnenden Titel „Zeitprotokoll mit Auto“ von 1931.



Für Stankowski aber war die Fotografie Mittel zum Zweck. Denn das gestalterische Multitalent, das aus der berühmten Essener Folkwangschule hervorging und als Werbefachmann zum Kreis der Zürcher Konkreten um Richard Paul Lohse und Max Bill gehörte, nutzte die verschiedensten Elemente – von grafischen Zeichen über Typografie und Collage – um, so die damals formulierte Aufgabe der Kunst, die Wirklichkeit zu erkunden und gesellschaftliche und technische Prozesse zu verdeutlichen. In diesem Sinne hatte die Werbung weniger mit Kaufanreiz zu tun als mit einer künstlerischen, informativen Visualisierung von Zusammenhängen.

Beeinflusst von den Konstruktivisten, von De Stijl und den russischen Suprematisten hat Anton Stankowski in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg Plakate und Werbebroschüren entworfen, die heute als Meisterleistungen der gebrauchgrafischen Moderne gesehen werden müssen wie etwa das Titelblatt der Broschüre für die Belüftungstechnikfirma Sulzer, eine Mischung aus Foto- und Typografie: Weiß, klar und schräg prangt der Schriftzug Sulzer auf dem tiefblauen Himmel, der über einer verschneiten Schweizer Alpenkette liegt und nichts anderes als frische Bergluft suggeriert. Trotz vieler Fotomontagen strebte Stankowski schon früh nach einem hohen Abstraktionsgrad, wie das 1932 entstandene Plakat zur Zürcher Lichtwoche mit einem nur aus sieben Linien bestehenden Lichtbündel zeigt. Sein Ringen um radikale Vereinfachung spiegeln auch seine frühen malerischen Arbeiten, die mit flächigen und linearen Abstraktionen experimentierten und aus heutiger Sicht wie das Vorspiel zu der von ihm entwickelten radikalen, funktionalen Grafik der Nachkriegszeit wirkt.

Seit den 1940er Jahren wieder zurück in Deutschland, gab Stankowski ab Ende der 1950er Jahren die entscheidenden Impulse für eine neue grafische Kultur in West-Deutschland. Er verstand sich nicht mehr als Werbefachmann, sondern als Gestalter der Industriegesellschaft, als visueller Kommunikator für alle Bereiche des modernen Lebens. Seine grafischen Kompositionen wurden noch abstrakter, noch einfacher. In unzähligen Zeichenheften, die jetzt als Faksimile zugänglich gemacht wurden, ist manifestiert, wie Anton Stankowski das Verhältnis von Fläche, Raum und Farbe immer wieder systematisch untersuchte, Kombinationen ausprobierte und immer wieder Neues erfunden hat. Man müsse erst etwas erfinden, um etwas zu gestalten, war seine These, und sein Motto hieß: Erfinden, vereinfachen, versachlichen, vermenschlichen.

Der geborene Gelsenkirchener und spätere Wahl-Stuttgarter entwickelte eine geometrische Symbolsprache, die sich zwischen freier Kunst und grafischer Information, zwischen Konkretem und Abstraktem bewegte, die ständig ausgefeilter und mitunter in die Nähe zur Op Art geriet. Immer bedeutsamer wurde für Stankowski die schon in den 1930er Jahren verwendete Schräge, die er energisch als dynamisches Element in seine konstruktiv-konkreten Kompositionen einbezog. Die Schräge als Synonym für Energie und Dynamik und im Sinne Wassily Kandinskys als Mittel der Temperierung. Konsequent aus diesem Fundus schöpfend, gestaltete er eine Unzahl von Firmensignets, die noch heute unverkennbare Synonyme sind wie etwa das nur aus einem Quadrat und einem schrägen Balken bestehende Logo der Deutschen Bank.

Viele „Erfindungen“, die Anton Stankowski bis an sein Lebensende auch als große Tafelbilder realisierte, sind Visualisierungen von Begriffen und Funktionen, die im angewandten Bereich wiederum eine neue Funktion erhielten und sich als Plakat oder Logo oder als Kunst am Bau für zahlreiche Firmen und Veranstaltungen wie etwa Sportmeisterschaften oder Bundesgartenschauen einprägten. „Leichter merkbar machen“ war schon ein Aufsatz Stankowskis von 1957 über die Aufgabe der funktionalen Grafik überschrieben. Was Stankowski in den 1960ern und 1970ern entwickelte, ist oft noch heute präsent. Etwa die Wortmarken der Firma Vissmann mit dem übereinander gesetzten Doppel-S, die orange, gelbe Linienführung um die vier Buchstaben der Supermarktkette REWE oder der wortspielähnliche Satz der Bayern Versicherung.

Es besteht heute kein Zweifel daran, dass ohne die Gestalter der 1930er Jahre es nach dem Zweiten Weltkrieg weder ein neues Grafikdesign noch ein zeitgemäßes Industriedesign gegeben hätte. Anton Stankowski war einer von ihnen. Sein radikaler Umgang mit grafischen Zeichen, seine Entwicklung genuin gültiger Marken in der Industrie und im öffentlichen Leben und seine konsequent verwirklichte Gestaltungslehre wirken auf das funktionale Design made in germany bis heute nach. Dies macht nun die Ausstellung im Neuen Museum Weserburg in Bremen deutlich und versammelt dazu Fotografien, Grafik, Werbe- und Verpackungsdesign, Gemälde, Zeichnungen und Plakate aus allen Schaffensperioden des Künstlers.

Die Ausstellung „Stankowski – Aspekte des Gesamtwerks“ ist noch bis zum 22. April in Bremen zu sehen. Sie wandert dann nach Berlin und wird dort ab Mitte Mai im Internationalen Designzentrum und im Mies van der Rohe Haus präsentiert. Das Weserburgmuseum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, am Samstag und Sonntag erst ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der 408 Seiten starke Katalog mit mehr als 1.000 Abbildungen ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet in der Ausstellung 39, im Buchhandel 58 Euro.

Kontakt:

Weserburg Museum für moderne Kunst

Teerhof 20

DE-28199 Bremen

Telefon:+49 (0421) 59 83 90

Telefax:+49 (0421) 50 52 47

www.stankowski06.de



12.04.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


24.02.2007, Anton Stankowski - Aspekte des Gesamtwerks

Bei:


Weserburg Museum für moderne Kunst

Bericht:


Berlin würdigt das grafische Atelier Stankowski + Duschek

Künstler:

Anton Stankowski










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