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Andreas Gursky im Münchner Haus der Kunst

Vom Sog der Totalen



„Gursky macht Gänsehaut“ meint Thomas Weski, Kurator der grandiosen Werkschau zu Andreas Gursky im Haus der Kunst in München. Das stimmt zum Glück nicht ganz. Die Magie, die von Gurskys neuem Bilderreigen über unsere globalisierte Welt ausgeht, liegt nicht in einem Grusel, der zweifelsohne tief verborgen den Botschaften dieser Bilder innewohnt. Sie beruht vielmehr darauf, wie Gursky, mit zwei Millionen US-Dollar Autor des teuersten Fotos der Welt, in seinen monumentalen Fotografien uns die präzise zusammengesetzten Realitätsausschnitte der Welt als seine Vision unseres Zeitalters vermittelt. Es lässt sich nicht leugnen, dass die bedrückende Monotonie einer Rindermastanlage, die Stereotypie gigantischer Wohnblockfassaden oder die Halle mit zusammengedrängt hockenden vietnamesischen Korbflechtern, die mehr einer Strafkolonie als einer Manufaktur gleicht, dass diese Bilder bei Europäern mit humanistisch geimpften Wertvorstellungen ein zivilisatorisches Unbehagen hinterlassen.



Aber es ist ganz gleich, ob Gursky sich als Dokumentarist gigantischer Propagandaaufmärsche, als Analyst der Schattenseite der Globalisierung und der dekadentesten Vergnügungen der Begüterten dieser Welt zeigt, ob er die Erfahrung einer Landschaft oder die Massenphänomene von Popkonzerten reflektiert – Gurskys Fotografien faszinieren durch ihre malerische Opulenz und ihre genau kalkulierte, scheinbare Beiläufigkeit.

„Rhein II“ zum Beispiel, ein Bild aus dem Jahr 1999, ist Fotografie, Landschaft und Abstraktion in einem. Wie Streifen bei einer Arbeit von Sean Scully laufen der schnurgerade Fluss, die entleerte Landschaft und der Horizont in einer weiten Totale quer über die Fläche. Ein romantisches Bild, das wie alle Arbeiten Gurskys unsere eigene Realitätswahrnehmung durchkreuzt und zu einer neuen Seherfahrung führt. Fotografieren – das ist für den einstigen Becher-Schüler nur noch Mittel zum Zweck, das Rohmaterial, die wohl bemessene und hart erarbeitete Skizze, aus der er losgelöst von dem Zwang, Fotografie sei nur das, was als Summe von Licht und Schatten, von Farben und Formen festgehalten wurde, seine eigenen Bilder choreografiert und komponiert. Was spielt es für eine Rolle, dass es sich um Idealbilder, um gigantische Tableaus aus hunderten von Fotos handelt, um seine künstlerischen Ambitionen zu verwirklichen. Wie etwa in Arbeiten aus der wohl bekanntesten Serie „99 Cent“, die die Banalität der bunten, vollgepackten Supermarktregale Reihe für Reihe zusammenschiebt und auf diese Weise die Penetranz der Warenwelt mit der Kraft der Suggestivität zu einem Stillleben der zeitgenössischen Kunst ästhetisiert.

Gurskys Monumentalität entspringt aus scheinbar eingefrorenen Kameraschwenks einer überdimensionierten Inszenierung. Man könnte es auch Plansequenzen nennen – ob vertikal oder horizontal –, die in der Realität existierende Hierarchien der Wahrnehmung wie etwa den vorgegebenen Gesichtkreis oder die Differenzen zwischen Nah und Fern aufheben, so dass noch jedes Detail bis ins Kleinste dechiffrierbar ist. So entstehen Werke mit einer gewissen Doppelbödigkeit, die sich in der zwingenden Ambivalenz von Abstraktion und Konkretem in nur einem einzigen Bild niederschlägt, wie auch in den beiden Tafeln „Bahrein I“ von 2005 und „Bahrein II“ von 2007, in denen die arabische Formel-1-Strecke mitten in der Wüste das Sujet hergibt. Aus der Ferne eine malerische Abstraktion, ein verschlungenes Gebilde in Grau-Beige-Kontrasten, aus nächster Nähe eine minimalistische Beschreibung des Asphalts, der Gebäude, der Werbebanderolen inmitten des Wüstensandes.

In den letzen Jahren aber kreist Gurskys künstlerisches Interesse vor allem um ein Thema: Der Mensch in der Masse. Und mehr noch als bei den Architektur- und Landschaftsmotiven, in denen es nicht minder um Fragen der Zivilisation geht, wird Gursky bei diesen Arbeiten Porträtist eines Weltenzustandes, eines weltweit sozialen Unterbewusstseins, dass der Mensch zum Statisten auf einer globalisierten Bühne wird. Denn mit Bildern wie „Tote Hosen“ von 2000, „Loveparade“ oder „Madonna“ von 2001, bei denen Menschenmassen wie von einem Hypnotiseur ausgerichtet und angezogen werden, und nicht anders mit seinen Wohnhauswaben oder den atelierfrischen, streng horizontal geordneten Jubelfeiern in „Pyongyang“ von 2007, in denen der Einzelne zum winzigen Zeichen eines plakativen Symbols mutiert, macht Andreas Gursky auf ganz vielfältige Art und Weise die Auslöschung des Individuums in der Masse deutlich – unabhängig davon, ob es unter dem Vorzeichnen der Freiwilligkeit oder eines politischen Dogmas geschieht.

Gurskys Bilder sind voller Botschaften. Mit kühlen Blick registriert er fernab von den medialen Schlachtfelder, die die Zeitläufe als Katastrophen, Kriege und Zerstörung spiegeln, den geistigen, sozialen und kulturellen Zustand dieser Welt und geht den Phänomenen der Zeit nach, um – so Gursky - „die Essenz von Realität herzustellen“. Dass Gurskys Werk heute von New York über Paris und Saõ Paulo weltweit gefeiert wird und geradezu als populär bezeichnet werden muss, hängt zweifelsohne mit der künstlerischen Brillanz und der Tiefgründigkeit eines jeden Tableaus zusammen. Gursky ist – so der Publizist Ulf Poschart – Vordenker einer globalisierten Kultur.

Die Ausstellung „Andreas Gursky“ im Haus der Kunst in München zeigt bis zum 13. Mai fast 50 Arbeiten des Künstlers aus den Jahren 1989 bis 2007. Geöffnet ist wegen der großen Nachfrage täglich von 10 bis 22 Uhr, samstags und sonntags nur bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 9,50 Euro, ermäßigt 7,50 Euro und schließt den Besuch der Ausstellung „Yayoi Kusama. Dots Obsession. Love Transformed into Dots“ ein. Der Katalog zur Gursky-Schau ist im Snoeck Verlag erschienen und kostet 68 Euro.

Arbeiten von Andreas Gursky sind auch in der Ausstellung „Spectacular City – Architekturfotografie“ bis zum 6. Mai im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf (www.nrw-forum.de) und vom 23. März bis zum 12. Mai in der Londoner Dependance der Galerie Sprüth Magers zu sehen (www.spruethmagerslondon.com).

Kontakt:

Haus der Kunst

Prinzregentenstraße 1

DE-80538 München

Telefon:+49 (089) 21 12 70

Telefax:+49 (089) 21 12 71 57



22.03.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Künstler:

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