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Jüdisches Museum Wien stellt Jüdisches von Brauer, Fuchs und Hundertwasser vor

Die Shoah in individuellem Ausdruck



„Nachdem wir die Worte des Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg – ‚Gott schütze Österreich’ - am 11. März 1938 im Radio gehört hatten, sagte meine Mutter zu mir, es kämen jetzt schlechte Zeiten auf uns zu“, erinnert sich Friedensreich Hundertwasser an seine Jugend. „Die Perversion des Ganzen, wurde mir erst später bewusst. Während meine Mutter mit dem Judenstern einkaufen ging, lief ich mit dem Hakenkreuz durch die Gegend.“ 1938 war Friedensreich Hundertwasser, der als Friedrich Stowasser in Wien geboren wurde, gerade zehn Jahre alt. Wenige Monate nach dem „Anschluss“ waren die allein erziehende jüdische Mutter, Else Stowasser und ihr Sohn gezwungen, in den zweiten Wiener Gemeindebezirk umzuziehen – die sogenannte Leopoldstadt, die zum Ghetto erklärt wurde. 1942 trat der 14jährige Friedrich zum Schutz seiner Familie der Hitlerjugend bei. Durch seinen „arischen“ Vater war er als „Halbjude“ zunächst vor Verfolgung sicher und konnte immer wieder seine Mutter beschützen. 1943, in dem Jahr, in dem Friedrich seine ersten naturalistischen Buntstiftzeichnungen schuf, wurden 69 jüdische Familienangehörige mütterlicherseits deportiert und getötet.


Auch zwei seiner Wegbegleiter, Arik Brauer und Ernst Fuchs, erlebten die Zeit des Nationalsozialismus’ wegen ihrer jüdischen Herkunft unter widrigsten Bedingungen von Ächtung und Verfolgung. Inwiefern sich ihre Kunst thematisch aus einem jüdischen Erfahrungshorizont speist, das heißt jüdische Identität ebenso wiedergibt wie die Verarbeitung der Shoah, untersucht derzeit eine Ausstellung im Jüdischen Museum in Wien. Unter dem Titel „phantastisches – Jüdisches in frühen Meisterwerken von Arik Brauer, Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser“ präsentiert die Schau erstmals das Frühwerk der drei österreichischen Künstler unter Berücksichtigung der biografischen Zusammenhänge. Die Ausstellung vereint rund 60 Gemälde und Zeichnungen. Dokumente zum Überleben von Arik Brauer und Friedensreich Hundertwasser im NS-Wien sowie zur Emigration des Vaters von Ernst Fuchs nach Shanghai geben einen prägnanten Einblick in die biografischen Hintergründe: die Jugendjahre in Wien, die Rezeption des Nationalsozialismus’ und der Durchbruch in der Nachkriegszeit.

Die Ausstellung entzieht sich bereits mit ihrem sorgsam gewählten Titel einem möglichen Benennungs-Dilemma, das in Bezeichnungen wie „jüdische Künstler“ und „jüdischer Kunst“ impliziert ist, und verfolgt stattdessen die Absicht, die für die Schau ausgewählten Bilder in differenzierter Weise als international qualitätsvolle Kunst zu zeigen. „Die auf den Holocaust bezogenen Bilder aller drei Künstler wurden in einer Zeit geschaffen, als noch wenig hinterfragt wurde, wo die Grenzen des Darstellbaren lägen und wer das Recht zur Darstellung überhaupt habe“, schreibt Felicitas Heimann-Jelinek in ihrem Katalogbeitrag, „ob man unmittelbares Opfer hat sein müssen, um sich an das Thema künstlerisch annähern zu dürfen oder nicht, ob es fiktive Darstellungen geben sollte, ob die realistische Darstellung eine adäquatere sei als die abstrakte, ob und welchen Einfluss Holocaust-Darstellungen auf Opfer- und Tätergesellschaften in ihrer Auseinandersetzung mit der Geschichte, in ihrer Auseinandersetzung mit ihrer Identität haben“. Hundertwasser, Brauer und Fuchs, die sich noch nicht mit der Frage auseinandersetzten, ob es ungeschriebene Gesetze zur Repräsentation des Unfassbaren gäbe, fanden auf sehr individuelle Art ihre persönliche Ausdrucksmöglichkeit.

Die Ausstellung gliedert sich in drei räumlich und farblich voneinander getrennte Bereiche, die die Werke von jeweils einem der Künstler gemeinsam mit zahlreichen Dokumenten vorstellen. Der erste Teil präsentiert vor gelbem Fond frühe Arbeiten von Ernst Fuchs, wie „Ahasver – Der ewige Jude“, ein Portrait von dessen Großvater, das Anfang des Jahres 1945 entstand. Jahre nachdem Fuchs die Wohnung der Großeltern in der Nähe des in der Pogromnacht niedergebrannten Pazmanitentempels verlassen vorfand, malte er den Großvater so, wie er ihn in Erinnerung hatte, als würdigen, alten in einen Gebetsschal gehüllten Mann. Dass dieser ein Bündel auf dem Rücken trägt und Ahasver darstellt, spielt symbolisch auf die Verfolgung und Leiden der Juden und deren Hoffnung auf eine Heimat an.

Im selben Jahr entstanden ein mit Tusche auf Packpapier gezeichnetes Selbstbildnis und ein visionärer „Prophetenkopf (und wie ich denke, dass ich als alter Mann aussehen werde)“. Ein faszinierendes Beispiel für die zeichnerische Könnerschaft des jungen Fuchs’ ist die Bleistiftzeichnung „Der Kardinal“ von 1949/50, das vierte Blatt aus dem Zyklus „Die Metamorphose der Kreatur“, einem Hauptwerk seiner frühen Schaffensperiode. Fuchs’ 1956/57 entstandene Interpretation vom brennenden Dornbusch ist bereits ein typisches Exemplar seines charakteristischen Stils und voll von surrealen Assoziationen: Moses ist nicht wie eine Hirte gekleidet, sondern eher wie ein König mit gekröntem Haupt. Wie eine Fata Morgana flimmert über der alttestamentarischen Szene ein überdimensionales Portrait von Jesus mit brennender Krone.

Im zweiten Teil der Ausstellung, vor blauen Wänden, trifft man zunächst auf zwei kleinformatige Gemälde von Arik Brauer, das „Mädchen im Bombentrichter“ von 1946/54 und „Mann im Gas“ von 1946/54. Brauer zeigt die Antlitze zweier Menschen, einer jungen Frau und eines Greises, deren nach Innen gewandte Blicke nachhaltig in Erinnerung bleiben. Im Unterschied zu Fuchs, der sich zum Christentum bekannte, wenngleich er sich seiner jüdischen Wurzeln bewusst war, entschied sich Brauer für das Judentum. Sein Moses, dem er im 1959 entstandenen Gemälde „Dornbuschmessias“ ein Gesicht gegeben hat, ist kein majestätischer, königlich gewandeter wie bei Fuchs. Barfuß, vom Schrecken gezeichnet und wie zur Flucht halb abgewendet starrt er die Erscheinung im brennenden Dornbusch an.

Arik Brauer, der sich in seinen Werken wiederholt und intensiv mit Themen der Bibel, die für ihn „Phantastischer Realismus in Worten“ ist, auseinandersetzt, hat sich dem Thema der Shoah intensiv erst in den 1970er Jahren gewidmet. Auslöser für den ausgestellten 7teiligen Zyklus „Die Vertreibung des jüdischen Volkes“ war der Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973, währenddessen sich der teils in Israel, teils in Österreich lebende Künstler in Israel befand. Die an Hieronymus Bosch erinnernden Gemälde, die einen Abriss der jüdischen Leidensgeschichte vorstellen, bleiben in der ästhetischen Formensprache des Phantastischen Realismus, weisen jedoch im krassen Gegensatz zu der märchenhaften Gestaltung eine schreckliche Brutalität auf.

Arik Brauer und Ernst Fuchs sind die beiden Zentralfiguren der Kunstströmung, die sich als „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ etablierte. Als extremes Reservat der gegenstandsbezogenen Malerei steht diese Richtung mit ihren altmeisterlichen Arbeitstechniken und inhaltlichen Absichten in diametralem Gegensatz zu jener avantgardistischen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg, die nicht nur abstrahierend, sondern abstrakt sein wollte. Es war keine Gruppierung, die eine gemeinsame Programmatik anstrebte, doch trotz der stark individuell ausgeprägten Charaktere, Arbeitsweisen und Themen ist allen Vertretern dieser Kunstrichtung maltechnisch eine bis zum Äußersten getriebene Perfektion gemeinsam.

Friedensreich Hundertwasser ist kein Vertreter des Phantastischen Realismus. Er ging von Anfang an eigene Wege. Die Unterschiede zu Fuchs und Brauer werden bereits beim Vergleich der drei Frühwerke deutlich. Vom jungen Hundertwasser zeigt die Ausstellung zwei frühe, im Jahr 1948 entstandene Pastellkreidezeichnungen, das „Portrait meiner Mutter“ und ein Portrait des Künstlers, das einen selbstsicheren jungen Mann mit Zeichenstift zeigt. „Ich schaute in den Spiegel und sah ein seltsames Lächeln. Da wußte ich, daß ich ein großer bin“, schrieb der junge Friedrich Stowasser in sein Tagebuch.

Vor leuchtend rotem Wänden stellt die Schau in ihrem dritten Teil eine Reihe farbintensiver Papierarbeiten von Hundertwasser vor, wie „Ein Stück Erde“ von 1954, „Judenhaus in Österreich“ von 1961/62 und die 1961 entstandenen „Häuser im Blutregen – Bild das einen österreichischen Juden weinen macht“. Es sind Werke, die auf den ersten Blick einfach nur schön sind. Auf den zweiten Blick aber drücken die Farbenfroheit der Bilder und deren dekorative Hintergründe im Kontrast mit den dargestellten Sujets – den leeren Häusern, den blutigen Tränen, die aus den Farbräumen tropfen, und den roten Blutlachen ¬– das Trauma aus, das die nationalistischen Verbrechen ausgelöst haben.

Die Ausstellung „phantastisches – Jüdisches in frühen Meisterwerken von Arik Brauer, Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser“ ist bis zum 22. April zu sehen. Das Jüdische Museum Wien im Palais Eskeles in der Dorotheergasse hat täglich außer samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,90 Euro.

Kontakt:

Jüdisches Museum der Stadt Wien - Palais Eskeles

Dorotheergasse 11

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 535 04 24

Telefon:+43 (01) 535 04 31

E-Mail: info@jmw.at



14.03.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


11.10.2006, phantastisches – Jüdisches in frühen Meisterwerken von Arik Brauer, Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser

Bei:


Jüdisches Museum der Stadt Wien

Stilrichtung:


Phantastischer Realismus

Bericht:


Arik Brauer in Erfurt

Bericht:


Arik Brauer im Jüdischen Museum Wien

Künstler:

Arik Brauer

Künstler:


Friedensreich Hundertwasser

Künstler:


Ernst Fuchs










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