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Lucas Cranach in Aschaffenburg

Ein Mensch wie aus unserer Zeit



Eigentlich entspricht der Untertitel dem Inhalt mehr als die reißerische Schlagzeile: „Aschaffenburg um 1540“ als „Zuflucht, Schatzkammer und Residenz“ ist jedenfalls treffender gewählt als „Cranach im Exil“. Diese Etikettierung ist schon deswegen unsinnig, weil der bedeutende deutsche Künstler, um den es in der derzeit laufenden großen Ausstellung in Aschaffenburg gehen soll, diesen Teil kurmainzischen Territoriums wahrscheinlich niemals betreten hat. Im Exil war vielmehr Cranachs Auftraggeber: Albrecht von Brandenburg musste 1540 aus seiner Residenz Halle an der Saale vor der Reformation fliehen und nahm seine reiche Kunstsammlung gleich mit. Als Zuflucht, Schatzkammer und Residenz diente ihm fortan Aschaffenburg, mächtiges Mainzer Zentrum in dessen östlichen Besitztümern, wo zumindest ein Teil seiner Schätze bis heute erhalten blieb. Fünf Jahre später ist Albrecht in Mainz gestorben. „Albrecht im Exil“ wäre also viel passender gewesen.



Dieser etwas kleinkariert wirkende Streit um den Namen, den die Ausstellung hätte erhalten können, mag die Schwierigkeiten verdeutlichen, die sich angesichts der Komplexität des gewählten Themas ergeben, und die Frage andeuten, um wen oder was es eigentlich geht. Im Mittelpunkt soll der Künstler Lucas Cranach d.Ä. stehen, doch nur ein Bruchteil der Gemälde, die in der Kunsthalle Jesuitenkirche, im Schloss und im Stiftsmuseum präsentiert werden, ging aus Cranachs eigener Hand hervor. Auch das Hauptwerk, der in nahezu mystischem Licht in der Jesuitenkirche aufgestellte Magdalenenaltar, stammt von einem seiner zahlreichen namenlosen Schüler.

Nun ist Cranach durchaus dafür bekannt, einen ganzen Stapel zum Teil sehr mittelmäßiger Tafeln und demgegenüber nur relativ wenige echte Meisterwerke geschaffen zu haben. Erstere stammen denn auch meist aus seiner großen Wittenberger Werkstatt. Nach Aschaffenburg sollte man deshalb hinsichtlich der kunsthistorischen Seite der Schau nicht mit zu hohen Erwartungen reisen. Die Auswahl an Erstklassigem ist spärlich, beschränkt sich in der Jesuitenkirche, wo die meisten Tafeln zu betrachten sind, auf ein einziges Werk. Die Madonna mit dem Johannesknaben, 1534 geschaffen, ist allerdings eine Arbeit, die sich ohne Zweifel mit den besten Gemälden der Zeitgenossen Cranachs wie Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer oder Hans Baldung Grien messen lassen kann.

Angesichts der herausgehobenen Stellung des Kardinals Albrecht, der Cranach mit der Ausgestaltung der Stiftskirche in Halle beauftragte und damit die Initiative zu einem der größten künstlerischen Projekte jener Zeit nördlich der Alpen ergriff, verwundern diese qualitativen Mängel. Man zweifelt fast am Kunstverständnis des hohen Herrn, auch angesichts der Tatsache, dass man auf Eigenhändigkeit künstlerischer Produkte in jener Zeit durchaus Wert gelegt hatte. Dieses Gebot hatte beispielsweise die Stadt Würzburg „ihrem“ noch jungen Bildhauer Tilman Riemenschneider für die Figuren Adams und Evas an der Marienkapelle 1491 auferlegt. Solche Fragen nimmt der Besucher unbeantwortet wieder mit nach Hause. Die zum Teil etwas nachlässig gearbeiteten Schrifttafeln versuchen bedauerlicherweise keine „Rechtfertigung“.

Ausführlicher geht die Ausstellung im Schloss auf Albrecht von Brandenburg ein. Er ist von allen Akteuren im frühen 16. Jahrhundert die interessanteste und schillerndste Persönlichkeit. Wie ein Mensch aus unserer Zeit erscheint dieser Renaissancefürst, und mit ihm lassen sich auch die Fragen in unsere Zeit transportieren, die schon damals die Geister beschäftigten und die Gemüter erhitzten. Das Verhältnis der Kirche zu Macht und Besitz und der damit verbundene innere wie äußere Konflikt zwischen weltlichem und geistlichem Status – damals bereichert durch die staatsrechtliche Funktion eines geistlichen Herrschers über ein eigenständiges Territorium –, priesterliche Ehelosigkeit, Selbstverständnis und Selbstdarstellung eines Geistlichen – all diese Themen waren damals schon aktuell und wurden durch Albrecht von Brandenburg verkörpert.

Besonders ausführlich wird das ambivalente Verhältnis zwischen Albrecht und Martin Luther thematisiert. Anfänglich von Sympathie geprägt, schlug es zeitweilig sogar in Hass um und entfesselte eine der ersten modernen Medienschlachten. Dabei waren beide in ihrer Wortwahl durchaus nicht zimperlich, vor allem Luther fährt alle Möglichkeiten seiner polemischen Kunst und Neigung auf: „Hab ichs doch auch nicht erdicht, dass er seine Huren lässt in Sargen, als Heiligthum, mit Kerzen und Fahnen in sein Hurhaus Moritzburg tragen“, behauptet er 1539. Albrecht spielt Vorwürfe dieser Art gekonnt herunter und verweist in einem Brief an den sittenstrengen Herzog Georg den Bärtigen von Sachsen auf sein Gewissen, das er Gott gegenüber „sicher weyß“. Vieles deutet darauf hin, dass er jedoch gleichsam im selben Atemzug Lucas Cranach den Auftrag zu Altartafeln gab, auf denen er seine und seiner Konkubinen portraithaften Züge als Heiligenfiguren darstellen ließ.

Gegen diese Figur bleibt Lucas Cranach selbst in der Schau ziemlich blass, auch wenn mit einer zeitgenössischen Titulatur als „pictor celerrimus“ seine Geschäftstüchtigkeit und sein großer Werkstattbetrieb angesprochen werden. Interessant ist hier eine Reihe von Lukretiabildern, die nur zu deutlich die verschiedensten Handschriften von Cranach-Nachfolgern zeigen. In der Stiftskirche ist schließlich das Bronzegrabmal der Nürnberger Vischer-Werkstatt für Kardinal Albrecht zu bewundern. Es wurde 1523 bis 1536 gegossen. Wie so vieles, was Albrecht in die Hand nahm, ist auch dieses ebenfalls 1540 aus Halle nach Aschaffenburg überführte Werk gescheitert, gekennzeichnet von dem ständigen Hin und Her um seinen Aufenthaltsort. Was als ewiges Monument gedacht war, hat in Halle an der Saale nicht einmal fünf Jahre Bestand gehabt und fand in Aschaffenburg eine Zuflucht, für die es nie bestimmt war.

Die Ausstellung „Cranach im Exil. Aschaffenburg um 1540: Zuflucht – Schatzkammer – Residenz“ ist bis zum 3. Juni zu besichtigen. Alle drei Ausstellungsgebäude haben täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog kostet in der Ausstellung 19 Euro.

Stiftsmuseum
Stiftsplatz 1a
D-63739 Aschaffenburg

Schlossmuseum
Schlossplatz 4
D-63739 Aschaffenburg

Telefon: +49 (0)6021 – 386 74 13

Kontakt:

Kunsthalle Jesuitenkirche

Pfaffengasse 26

DE-63739 Aschaffenburg

Telefax:+49 (06021) 58 11 46

Telefon:+49 (06021) 21 86 98

E-Mail: kunsthalle-jesuitenkirche@aschaffenburg.de



06.03.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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