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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Kunst und Kunsthandwerk bei Neumeister in München

Klassizistischer Wettstreit



Viel weiß man nicht über die beiden zueinander gehörenden Trompe l’Oeil-Stillleben. Doch belegen sie, dass Kunst schon immer auch einen politischen Inhalt haben konnte. Denn auf die gemaserten Holzlatten, auf die Betrachter blickt, sind nicht nur allerlei Gebrauchsgegenstände wie ein Buch, ein Tintenfass, eine Schere, ein Schlüssel sowie verschiedene Musikinstrumente geheftet, sondern auch ein Flugblatt von 1718. Darauf ist ein Spottlied in Form eines Sonetts abgedruckt, das auf die vergebliche Belagerung der Stadt Cremona durch den österreichischen Feldherrn Eugen von Savoyen reflektiert. Wenigstens lassen sich die Pendants dadurch in diese Zeit datieren, und sie werden wohl im Veneto entstanden sein. Der Künstler der freilich etwas kalt gemalten Bilder ist allerdings nicht bekannt. Im Münchner Auktionshaus Neumeister kommen sie am 14. März zusammen mit knapp achthundert weiteren, oft preisgünstig veranschlagten Losen unter den Hammer, bedacht mit einem Schätzpreis von 50.000 Euro.



Alte Meister

Die anderen etwas über fünfzig Gemälde Alter Meister sind weniger aufregend. Ein Antwerpener Tafelbild mit der Anbetung der Könige nimmt zwar die Errungenschaften der Renaissance auf, krankt aber an einer nur mittelmäßigen technischen Fertigkeit ihres Schöpfers (Taxe 11.000 EUR). Der Schwabe Johann Heiss ist mit einer etwas stumpfen Allegorie der Jahreszeiten vertreten (Taxe 9.500 EUR). Der Brügger Meister Jan Joost van Cossiau war mit seiner italienischen Ideallandschaft im frühen 18ten Jahrhundert reichlich retrospektiv (Taxe 8.000 EUR), während der angeblich etwa hundertjährig verstorbene Pieter Jansz van der Croos mit seiner stürmischen Seelandschaft im 17ten Jahrhundert auf der Höhe der Zeit ist. Sie gab es vor zwei Jahren schon einmal für 20.000 Euro bei Neumeister. Jetzt ist die Schätzung auf 16.000 Euro gerutscht.

Eine alte Bekannte ist ebenfalls Josse de Mompers d.J. Flusslandschaft mit der Darstellung Christi und des blutflüssigen Weibes. Das Bild war bereits im vergangenen Herbst bei Neumeister für 39.000 Euro erfolglos angetreten und versucht diesmal für 5.000 Euro weniger sein Glück. Interessant sind zwei deutsche Maler der zweiten Hälfte des 18ten Jahrhunderts: Einen ausgesprochen akademischen Klassizismus vertritt Johann Eberhard Ihle in seinem Gemälde „Die Fahrt des Silen“ von 1784, das beinahe als Grisaille Simon Trogers gleichnamige Elfenbeingruppe aus dem Bayerischen Nationalmuseum wiedergibt (Taxe 18.000 EUR). Januarius Zick dagegen gestaltet noch mehr malerisch und führt somit trotz einer gewissen Abkühlung der Farben die große Tradition der Rokokomalerei fort, wie seine Verbildlichung der biblischen Szene Belisars und Narses’ bei dem blinden Seher beweist (Taxe 10.000 EUR).

Neuere Meister

Über dreihundert Lose gehören den Werken Neuerer Meister. Eines der älteren ist Franz Ludwig Catels junger Italiener auf einem Esel, der keck in die Kamera schaut (Taxe 6.500 EUR). Das teuerste Los der Auktion ist eine charakteristische Arbeit Alexander Koesters, des „Entenkoesters“, der einmal mehr sieben seiner in der Sonne glänzenden Lieblingstiere auf einem Teich versammelt und aus möglichst geringer Distanz wiedergibt. Marktübliche 60.000 Euro werden dafür erwartet. 5.000 Euro weniger erhofft man sich für Heinrich von Zügels „Hirten mit Schafherde und Maultier“ von 1914. Von lokalhistorischem Interesse dürfte Michael Nehers Blick auf den Magdeburger Dom von 1855 sein, der die hoch gestaffelte Chorpartie der großen frühgotischen Kirche stark monumentalisierend von Osten her wiedergibt. Das Bild hing einst in der Sammlung des zu jenem Zeitpunkt allerdings schon abgedankten Königs Ludwig I. von Bayern (Taxe 24.000 EUR).

An bekannten Größen taucht unter anderem Anselm Feuerbach auf, dessen mit ungewöhnlich breitem Pinsel aufgetragenes „Kinderköpfchen“ als rasche Studie anzusehen ist (Taxe 3.000 EUR). Hermann Kaulbach widmet sich in seinem Gemälde „Mutters Helfer“ der Beschaulichkeit häuslicher Arbeitsamkeit (Taxe 4.800 EUR). Carl Rottmanns Gebirgslandschaft mit Fluss und Sennhütte zeigt 1824 noch nicht seine charakteristische Stimmung, die sich nach dem Licht der Sonne richtet (Taxe 24.000 EUR). Carl Spitzweg skizzierte ein sitzendes Paar im Wald mit wenigen Pinselstrichen auf eine winzige Leinwand (Taxe 20.000 EUR). Dass aber auch Bilder unbekannter Maler nicht schlecht sein müssen, macht das intime Portrait einer Dame in weißem Kleid vor dunklem Fond von etwa 1880 deutlich (Taxe 1.200 EUR). Zu ihr gesellt sich ein Damenporträt des Biedermeier von dem Wiener Franz Schrotzberg aus dem Jahr 1835 (Taxe 3.000 EUR).

Zu den vielen Landschaftern gehören Anton Doll mit einem harmonisch komponierten, klaren Flusstal (Taxe 10.000 EUR), Josef Wenglein, dessen Holzfäller bei der Rast in einem fast dämonischen Wald kaum zu erkennen sind (Taxe 12.000 EUR), und Karl Raupp, der eine „Angenehme Unterhaltung“ zweier Liebender in einem Boot am Ufer des Chiemsee ansiedelt (Taxe 24.000 EUR). Ein früher Vertreter dieses im 19. Jahrhundert so beliebten Genres ist Robert Eberle, der seine Landschaft mit Schafen und zwei frech rauchenden Hirtenknaben anreichert (Taxe 4.000 EUR). Am Historismus und Symbolismus orientiert sich Ferdinand Knab, dessen antike „Tempelruine an der Felsenküste“ aber allzu vordergründig ihre Wirkung entfaltet (Taxe 1.000 EUR). Ein Ruderboot am Flussufer bei Konstantinopel in abendlichem Licht hinterließ der Franzose Félix Ziem im ausgehenden 19. Jahrhundert (Taxe 9.000 EUR).

Wieder am Start ist Charles Leickerts nächtliche Winterlandschaft mit Windmühle, die erst im vergangenen September bei Neumeister für 8.500 Euro den Besitzer wechselte. Nun sollen 11.000 Euro gezahlt werden. Osteuropäische Sammler werden sich sicher für zwei Gemälde Franz Roubauds interessieren, wenngleich nur eines, eine rasante Schlittenfahrt, russische Heimatgefühle wecken dürfte (Taxe 10.000 EUR). Das andere stellt eine Aufnahme Prinzregent Luitpolds von Bayern und seiner Schwester Adelgunde am Ufer des Chiemsees in einer Unterhaltung dar und entstand 1914 nach einem älteren Bild von 1903/04 (Taxe 16.000 EUR).

Aquarelle, Zeichnungen und Grafik

Die wertvollste alte Grafik könnte eine Pusteblume vor schwarzem Grund werden, die die Nürnbergerin Barbara Regina Dietzsch mit einer Libelle und einem Schmetterling im 18ten Jahrhundert als Gouache auf Papier bannte (Taxe 3.800 EUR). Bei den Neueren Meistern ist wieder einmal ein größeres Konvolut an Aquarellen Edward Harrison Comptons mit Motiven aus der bayerischen Bergwelt für bis zu 1.200 Euro zu haben. Ein aquarellierter Blick auf Istanbul in der untergehenden Sonne von Angelos Gialliná aus dem Jahr 1884 soll 3.500 Euro kosten. Orientalisch wird es auch bei Georg Macco, der 1930 das Innere der Geburtskirche in Bethlehem samt griechischen Mönchen festhielt (Taxe 600 EUR). Die Kohle- und Bleistiftzeichnung einer jungen Bäuerin in oberbayerischer Tracht aus der Hand Wilhelm Leibls gibt es vielleicht für 1.800 Euro. Zwei symbolistische Grafiken Hans Thomas warten für nur 200 und 300 Euro auf Schnäppchenjäger.

Fayence und Porzellan

Etwas mehr als die Hälfte der Auktion bestreitet das Kunsthandwerk. Unter den Fayencen verdient ein Frankfurter Enghalskrug des späten 17ten Jahrhunderts besondere Hervorhebung. Sein kugelrunder Gefäßkörper ist rundum mit einer schönen Flusslandschaft bemalt, in der Samson gegen den Löwen kämpft (Taxe 18.000 EUR). Überwiegend als Schmuck aufzufassen sind auch die Porzellane. Dem Rokoko gehört ein Gärtnerpaar aus Meißner Porzellan nach einem Modell Johann Carl Schönheits an (Taxe 12.000 EUR). Bereits aus dem 19ten Jahrhundert stammt ein elfteiliger Zyklus an Meißner Bildtellern, deren Flächen mit Reproduktionen von Gemälden meist italienischer und niederländischer Maler der frühen Neuzeit geschmückt sind (Taxe 9.500 EUR).

Silber

In der Silberabteilung glänzen ein vergoldeter Trauben-Deckelpokal des Nürnberger Meisters Paulus Bair aus der Zeit um 1620 (Taxe 8.000 EUR) und ein schlichter, konisch gewundener Becher mit Schlangenhautpunzierung des Straßburgers Daniel Dietrich aus dem letzten Drittel des 17ten Jahrhunderts (Taxe 7.000 EUR). Der Franzose Pierre Lagu schuf um 1798 eine vergoldete Deckeltasse mit Untertasse in strengen klassizistischen Formen der frühen napoleonischen Ära (Taxe 2.600 EUR). Erst um 1840 fertigte die Wiener Firma Mayerhofer und Klinkosch einen prunkvoller Weinkühler mit reliefiertem Weinlaub- und -rankendekor um den geschwungenen Korpus herum (Taxe 14.000 EUR).

Skulptur

Wenig bestechend und umfangreich ist diesmal das Angebot an Skulpturen. Ein heiliger Johannes Evangelist in spätgotischen, allerdings etwas flachen Formen wird der Nachfolge Niklaus Weckmanns eingeordnet und der Werkstatt Bernhard Strigels zugeschrieben (Taxe 10.000 EUR). Von einem abgebrochenen Altar dürfte eine beschwingt stehende Figur des Erzengels Michael herkommen, die vielleicht in der Werkstatt Jörg Zürns in Überlingen entstand. Mit 25.000 Euro bildet sie das Hauptlos in dieser Rubrik. Grausamen Realismus zeigt eine Darstellung des enthäuteten Märtyrers Bartholomäus rheinischer Provenienz aus der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts (Taxe 8.000 EUR). Wer es dagegen idyllisch mag, sollte sich auf den etwas betulichen, biedere Handwerkskunst vorweisenden Tiroler Hausaltar aus dem Spätbarock stürzen, der in der Mitte die Marienkrönung zeigt (Taxe 9.000 EUR).

Möbel und Einrichtungsgegenstände

Bei den Möbeln und Einrichtungsgegenständen ist außer konventionellen Schränken, Kommoden, Tischen und Stühlen des 18ten und 19ten Jahrhunderts für bis zu 5.000 Euro ein kleines Kabinettkästchen der Renaissance zu nennen, das in Süddeutschland gegen 1600 aus Holz und geätzten Eisenplaketten gezimmert wurde. An szenischen Darstellungen ist unter anderem Judith mit dem Haupt des Holofernes zu sehen (Taxe 3.000 EUR). Bei den Textilien ragt eine französische Bildtapisserie der Zeit um 1700 hervor, auf der vier Schäfer und Schäferinnen durch eine Ideallandschaft spazieren (Taxe 8.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 14. März um 9:30 Uhr. Die Besichtigung der Objekte ist vom 5. bis zum 12. März täglich von 9 bis 17:30 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 15 Uhr möglich.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



01.03.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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14.03.2007, Kunst, Antiquitäten und Varia

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