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Rodin und Beuys erleben in der Frankfurter Schirn eine Gegenüberstellung

Vereinigung von Genie und Bürgerschreck



Auguste Rodin, Jardin des Supplices, um 1900

Auguste Rodin, Jardin des Supplices, um 1900

Auf dem ersten Blick mögen sich die dreidimensionalen Arbeiten von Joseph Beuys (1921-1986) und Auguste Rodin (1840-1917) äußerlich drastisch unterscheiden. Doch beide Künstler beeinflussten maßgeblich die Entwicklung der Kunst des 20ten Jahrhunderts mit ihrer Auffassung von Plastik und Zeichnung. Bis heute sind die von ihnen vorgegebenen Richtungen relevant. Die geradezu frappierenden Ähnlichkeiten in den Aquarellen von Beuys und Rodin wurden von der Kunstwissenschaft schon vor geraumer Zeit erkannt. Dagegen standen die Analogien im plastischen Werk beider noch nie zur Diskussion. Was liegt da näher, als sich bei einer ersten Gegenüberstellung von Plastiken der zwei Künstler auf dem Gebiet der Zeichnung anzunähern. Das hat die Schirn Kunsthalle in Frankfurt nun auch zur Grundlage ihrer Ausstellung „Rodin Beuys“ genommen.



Fast vergessen scheint manchmal, dass über Jahrzehnte das Malen mit Wasserfarben für Joseph Beuys ein kontinuierliches Arbeitsfeld war, dem er sich mit großer Hingabe, Virtuosität und Ausdruckskraft widmete. Er beschränkte sich dabei wie in seinem künstlerischen Gesamtwerk nicht auf herkömmliche malerische Mittel und Techniken, sondern war auch bestrebt, Grenzen zu überwinden. Neben Papieren aller Art vom Umschlag über Bütten bis hin zu Pappdeckeln brachte er Aquarellfarben aber auch Flüssigkeiten wie Tee, Brühen, Obstsäfte bis hin zu Blut aufs Papier.

Im Zentrum seiner Blätter steht der Mensch in unerhört zarten, zeichnerisch-malerischen Darstellungen. Die Wasserfarben waren nicht nur Malstoff, sondern bedeuteten für Beuys ein Element für alles Lebendige. Sie dienten als Moment der Bewegung, als Objekt der Transformation. Die Aquarelle gelten als prototypische Vorbilder seiner plastischen Themen mit ihrer Spannung von Chaos und Ordnung, von Wärmekräften und Kältepolen, von Leben und Tod, von Organischem und Kristallinen in seinen berühmten Fettecken, was alles nicht zuletzt auch mit den Kriegserlebnissen des Künstlers zu tun hat. Bei alledem zeigt sich eine Faszination für Urformen, die gleichsam Energie verdichten und speichern.

Im komplizierten, vielfältigen Schaffen von Joseph Beuys scheinen die Wasserfarbenblätter der zugänglichste Teil zu sein, da sie – fußend auf ursprünglichen Antriebskräften und Reflexionen – von malerischen Reizen getragen werden. Sie bieten eine behutsame Annäherung an die Denkwelt und das plastische Werkschaffen dieses universellen Utopisten.

Schon beim Eintritt in den ersten der beiden Ausstellungssäle bestechen die teils bis zur kaum möglichen Unterscheidbarkeit reichenden Ähnlichkeiten der zwischen 1947 und 1964 entstandenen Beuysschen Papierarbeiten mit denen Rodins aus den Jahren zwischen 1985 und 1910. Elastische Linien und fließende Farben charakterisieren neben Parallelen von Technik und Formensprache gemeinsam den sich ständig wandelnden weiblichen Körper als Inbegriff elementarer Kräfte. Die zeichnerischen Arbeiten, die Beuys nach 1964 schuf, die soganannte „Partitur“, sondern sich deutlich von seinem früheren Schaffen ab. Sie entstanden auf Schultafeln oder Schreibblockblättern und sind untrennbar mit den Aktionen, Installationen und Vorträgen sowie der Theorie der sozialen Plastik verbunden, auf die Beuys sich von nun an konzentrierte.

Wie Rodin experimentierte auch Beuys unermüdlich mit verschiedenen und ungewöhnlichen zeichnerischen Techniken, angefangen von einzelnen collagierten Elementen bis hin zum lasierenden Farbauftrag, der den Aktfiguren etwas beinahe Ätherisches verleiht. So sinnlich die weiblichen Gestalten in Rodins späten Aquarellen sind, so wirken sie doch wie in einem flüchtigen Zustand eingefangen. Für Rodin war menschliche Erregung jedoch nicht nur erotisch, sondern auch eine Entsprechung zum Pulsieren der Natur, zu formverwandelnden Prozessen, die er zeichnerisch zu vermitteln versuchte.

Tatsache ist, dass sich Beuys mit den Errungenschaften Rodins wie der Dynamisierung der Oberfläche oder der Autonomisierung des Torsos beschäftigt hat, um sie in seiner Plastik auf eine neue Ebene zu führen. Durch Rainer Maria Rilkes Monografie von 1903 wurde Beuys auf Rodin aufmerksam. Zu den wichtigsten Neuerungen des berühmten französischen Plastikers gehört die Fragmentierung des Körpers, die Behandlung des Torsos als autonome, von der Architektur unabhängige Form sowie die Schwellungen und Senkungen seiner Plastiken, in denen das Licht spielt. Gerade seine Auffassung vom Denkmal wirkte revolutionär auf die zeitgenössische und spätere Kunst. Mittels von Fragmenten versuchte Rodin einen Bogen von der Kunst der Antike zu seinem eigenen Schaffen zu schlagen. Obwohl Beuys die ästhetischen Möglichkeiten der Torsoform aufgegriffen hat, tritt seine Faszination für Rodins Werk am deutlichsten in seinen Zeichnungen zutage.

Beiden Künstlern ist gemeinsam, dass sie die Auffassung von Plastik mit dem innovativen Gedanken der Bewegung erweitert haben. Ihre Kunst sollte das Element Zeit einbeziehen. Bewegung manifestiert sich bei Rodin in der Flüchtigkeit seiner Zeichnungen. In den Skulpturen scheint die dynamische Bewegung des Lichtes über die Oberflächen das Material fast zum Vibrieren zu bringen. Ähnlich versteht Beuys die Plastik als Evolutionsprozess: offen, beweglich, lebendig, fließend zwischen den Gegensätzen Chaos und Ordnung, warm und kalt, organisch und kristallin. Das Denken ist für Beuys die eigentliche elementare Stufe der Plastik. Auch die Auseinandersetzung, die Beuys mit dem Werk von Wilhelm Lehmbruck führte, wird in der Ausstellung thematisiert. Lehmbrucks Torsi waren einer der Wege, die Beuys zu Rodins Kunst geführt haben. Lehmbrucks Werk hat Beuys darin bestärkt, Bildhauer zu werden.

Die Ausstellung „Rodin Beuys“ ist noch bis zum 27. November zu besichtigen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet 7, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog zur Ausstellung kostet an der Museumskasse 29,80 Euro.

Kontakt:

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Am Römerberg

DE-60311 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 2998820

Telefax:+49 (069) 29988240

E-Mail: schirn@schirn.de



21.09.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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in der Ausstellung „Rodin Beuys“
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Auguste Rodin, Femme telle un Vase, um 1900
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in der Ausstellung „Rodin Beuys“

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Auguste Rodin, Femme telle un Vase, um 1900

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Auguste Rodin, Torse d’Adèle, 1878

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Wilhelm Lehmbruck, Weiblicher Torso (Daphne), 1918

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Joseph Beuys, Goldener Torso, 1957-1958

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in der Ausstellung „Rodin Beuys“

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Joseph Beuys, Blumennymphe, 1956

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