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Georg Baselitz in der Albertina

Remix der eigenen Werke



1962/63 malte Georg Baselitz sein Gemälde „Die große Nacht im Eimer“. Während der ersten größeren Ausstellung des Künstlers, die noch im selben Jahr in der Berliner Galerie Werner & Katz stattfand, wurde es gemeinsam mit einem zweiten Bild von Baselitz, „Der nackte Mann“, von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Der Vorwurf lautete auf Obszönität und Verletzung der guten Sitten. Mit seinem in dunklen, krustigen Erdtönen gemalten Bildnis einer gedrungenen, männlichen Gestalt, die sich mit teilnahmslos nach Innen gewandten Blick damit beschäftigt, ihr verhältnismäßig großes Geschlechtsteil zu animieren, hatte Baselitz die zielstrebigen Aufbruchsgedanken einer wirtschaftswunderlichen, (west)deutschen Befindlichkeit gestört. In einer Zeit, in der das Informel die Malerei dominierte, war schon der Rückgriff auf die verpönte Figuration ein kunstimmanenter Affront, der entweder vom melancholisch-trotzigen Rückbesinnen des Sachsen an seine Ostberliner Hochschulzeit oder von einem radikalem Aufbruchsbegehren zeugte. Der vehemente, kunstunfreundliche Eingriff, der später zwar die Rückgabe der Bilder, nicht aber einem Freispruch nach sich zog, adelte das Bild, so dass den Maler fortan die Aura der Provokation begleitete. Niemals zuvor hatte eine gemalte Masturbation eine fruchtbarere Wirkung gehabt. Die Ära Baselitz hatte begonnen.



40 Jahre später, in den Jahren 2005 und 2006, hat sich Georg Baselitz noch einmal seinen frühen Bildern zugewandt, um einen Dialog aufzunehmen mit den Werken, die seinen Ruhm als Maler initiierten. Die Ergebnisse dieses Zwiegesprächs, das der deutsche Malerfürst mit sich selbst geführt hat, sind derzeit in der Wiener Albertina zu sehen. Die aktuelle Ausstellung dokumentiert mit 28 Gemälden und rund 60 Arbeiten auf Papier, nach einer zuvor gezeigten Variante in der Münchner Pinakothek, das jüngste Schaffen des Künstlers. Während es den meisten Künstlerinnen und Künstlern zeitlebens verwehrt bleibt, zumindest einmal ein Werk in der Albertina zu präsentieren, erfährt Georg Baselitz diese Ehrung zum wiederholten Mal. Bereits vor drei Jahren zeigte die Albertina, ebenfalls in einer Personale, eine Auswahl seiner großformatigen Aquarelle. Ausschlaggebend für die Gelegenheit einer erneuten Ausstellung nach solch einer ungewöhnlich kurzen Zeitspanne, war sicherlich die Dauerleihgabe von 65 Baselitz-Werken, die die Albertina seit kurzem der Sammlung Rheingold verdankt – es handelt sich um 58 Aquarelle und 7 Gemälde, die ihr bis zum Jahr 2022 zur Verfügung stehen.

Für die neue Werkgruppe verwendet Baselitz den aus der Musikbranche übernommenen Begriff „Remix“. Im Falle der Musik meint dieser Begriff „neue Mischung“, also die Neukombination der Tonspuren einer Musikaufnahme zum Zweck einer Veränderung des Stils und damit ihrer Wirkung. Baselitz benutzt den Begriff für eine Serie von großformatigen Gemälden, Zeichnungen und Aquarellen, die sich unübersehbar auf eine Auswahl seiner früheren Werke beziehen. In mehreren Varianten zitiert er die Bilder, mit denen er bekannt geworden ist, wie „Die große Nacht im Eimer“, „Oberon“, „Die großen Freunde“ und „Der neue Typ“. Unübersehbar im Vergleich mit den älteren Vorlagen monumentalisiert Baselitz die Formate, variiert inhaltliche Details und gibt einer transparenten Farbigkeit und einem schnellen Farbauftrag den Vorzug gegenüber langsam wachsenden Farbschichten und seiner durch schrundiges, dunkles Kolorit und Mischfarben geprägten Palette der 1960er Jahre.

Bei seinem „Remix“ des 1963/64 entstandenen Gemäldes „Oberon“ verzichtet Baselitz auf die ursprünglich rotbraun glühende Farbigkeit des Hintergrunds, vor dem sich vier phallusköpfige Gestalten aneinander drängen, bevorzugt stattdessen einen dunklen, monochromen Fond und reduziert seine Farbwahl auf Weiß, Rosa, Schwarz und Blau. In der aktuellen Version verlieren die Physiognomien der Gesichter an Plastizität, sie werden nicht mehr malerisch, sondern grafisch strukturiert. Der unmittelbare Vergleich macht deutlich, auf welches Ausmaß an Reduzierung malerischer Qualitäten sich Baselitz im Vergleich mit früher entstandenen Werken einlässt. Sein zuvor, oftmals mit Verve eingelöster Versuch, illusionistische Tendenzen malerisch zu formulieren, wird in „Oberon (Remix)“ von 2005 völlig aufgegeben.

Exemplarisch zeigt sich diese neue Vorgehensweise auch am remixten Motiv des Adlers, einem Sujet, das Baselitz zu Beginn der 1970er Jahre mehrfach variierte. Im Gegensatz zu den mit Weiß gebrochenen Pigmenten der früheren Bilder skizziert Baselitz seine Neufassung in ungemischten, leuchtenden Farben. Er verdünnt die Farbe, verzichtet auf stark differenzierte Nuancierungen und lässt durch Aussparungen immer wieder die weiß grundierte Leinwand durchscheinen.

Mit der Betonung der Fläche und dem Bestreben, das Körperhafte der Motive zu reduzieren, geht eine Veränderung der Physiognomien einher, die Baselitz überzeichnet und ins Karikaturhafte verzerrt. Die Neufassung von „Die Große Nacht im Eimer (Remix)“ aus dem Jahr 2005 zeigt diese Umgestaltung besonders drastisch: die Urfassung entwickelt ihre Intensität vor allem aus dem illusionslosen, düsteren Malgrund, vor den Baselitz die gedrungene, deformierte Gestalt stellt. Im Remix werden deren Gesichtszüge verändert: Frisur und Oberlippenbart verweisen auf eine eindeutige Verbindung zur Physiognomie Adolf Hitlers. Was einst das Ergebnis eines langen Malvorgangs war und sich im malerischen Dialog von Hervorholen und wieder Zurückdrängen entwickelte, entsteht heute mit malerischer Routine innerhalb weniger Stunden. Wenn Georg Baselitz die Motive seiner frühen Bilder heute in wesentlich größerem Format noch einmal wiederholt, dann lassen sich wesentliche Faktoren, wie die Zeit, aus der heraus sie gemalt wurde, die sozialen wie politischen Verhältnisse, in denen sie entstanden, nicht kopieren. Die karikaturhafte Überzeichnung bewirkt eine weitere Reduzierung der beunruhigenden Kraft seiner früheren Bilder.

„Meine Malerei“, erklärte Baselitz 1997, „hat immer nur ganz stark mit Erinnerung zu tun, mit Erlebnis, und vor allem mit anderen Bildern... mit der Geschichte meiner Malerei.“ Baselitz hat sich zur Methode des Vergleichs mit eigenen Werken entschlossen. Nicht mit seinen Malerkollegen, sondern mit dem in seinen Augen wohl kompetentesten Kollegen, sich selbst, hat er ein Wetteifern aufgenommen. Herausgekommen sind die wenig aufregenden, malerischen Vorboten eines Alterswerks, die geprägt sind von dem selbstgefälligen Glauben eines Mannes, einer der ganz Großen der Malerei zu sein.

Die Ausstellung „Baselitz – Remix“ bis zum 24. April zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7,50 Euro bzw. 6,50 Euro. Der Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



27.02.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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