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Die Kunsthalle Bielefeld zeigt eine sehenswerte Retrospektive des belgischen Malers Paul Delvaux

Planet der Frauen



Der belgische Maler Paul Delvaux (1897-1994) war Zeit seines Lebens ein Einzelgänger. Einer, der die Welt viel lieber aus der sicheren Distanz beobachtet, als sich aktiv auf die Verlockungen und Abenteuer des Lebens einzulassen. Ähnlich vielleicht wie Franz Kafka kultivierte er seine eigene Zurückgezogenheit und Passivität als Panzer gegen die vielfältigen Herausforderungen der Realwelt. Beiden setzte Delvaux fantastische und mitunter bedrohliche Gegenwelten entgegen.



Geboren in Antheit im Arrondissement Huy und aufgewachsen in Brüssel als Sohn eines anerkannten Juristen und einer Musikerin, wächst Delvaux in einer gut situierten, bürgerlichen Umgebung auf. Doch die übertriebene Strenge und die erdrückende Fürsorglichkeit der Mutter formen ihn zu einem Menschen, der nicht so recht aus sich heraus kann und sich deshalb bereits als kleiner Junge in imaginäre Traumwelten flüchtet. Als Kind faszinieren ihn die fantastischen und bunt illustrierten Abenteuerromane von Jules Verne, etwa die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“. Ebenso begeistert ihn die moderne Welt der Bahnhöfe und Eisenbahnen mit ihrer eigentümlichen Mischung aus Fernweh, Geschäftigkeit und technischer Raffinesse. Und später erweckt auch die geheimnisvolle Welt der Frauen sein Interesse, doch bleibt sie ihm lange Zeit fremd. Abgesehen von einem kurzen, auf Druck der Mutter beendeten Abenteuer mit der drei Jahre jüngeren Anne-Marie Demartelaere, kurz Tam genannt, hat Delvaux bis zum Tod der Eltern keinerlei engere Kontakte zum weiblichen Geschlecht. Bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr lebt er mit dem Vater unter einem Dach zusammen. Kurz nach dessen Tod heiratet er dann die Frau, die seine Eltern für ihn ausgesucht hatten – eine reine Zweckehe, die nicht lange halten sollte.

Was er im Leben vermied, lebte Paul Delvaux in seinen Bildern aus: Hier verlässt er den stark reglementierten Alltag des gegängelten Muttersöhnchens und entwirft verrätselte Traumwelten voller schöner, meist unbekleideter, junger Frauen inmitten antiker Tempelanlagen, klassizistischer Säulenpracht oder intimer Interieurs mit surrealen Effekten. 45 seiner bekanntesten, oft großformatigen Gemälde sowie rund 30 Zeichnungen sind jetzt in der Ausstellung „Paul Delvaux – Das Geheimnis der Frau“ in der Kunsthalle Bielefeld zu sehen. Sie versetzen den Betrachter in eine symbolisch aufgeladene Gegenwelt, in einen surrealen Kosmos voller unschuldig, keusch und verträumt dreinblickender Jungfrauen, entrückter Paradiesgärten und fantastisch aufgeladener Ruinenlandschaften.

Mit ihren großen, oft etwas naiv in die Welt blickenden Mandelaugen, ihrer makellos weißen Haut und ihren statuenhaften Posen wirken seine Frauengestalten fast wie die unbelebten Requisiten eines Bühnenbildes. Hier ist nichts dem Zufall überlassen: Ähnlich wie bei Giorgio de Chirico, den er bewunderte, ist auch bei Delvaux alles wohl komponiert, durchdacht und behutsam konstruiert. Seine Protagonistinnen sind eingesponnen in montagehaft zusammengesetzte Stadtlandschaften und Raumgerüste voller disparater Elemente: Antike Städte mit elektrischer Straßenbeleuchtung, moderne Gasometer zwischen altertümlichen Tempelfassaden. Mit solcherlei kalkulierten malerischen Setzungen, „dem Nebeneinander von diesen Elementen und den zeitgenössischen Motiven“ gab sich Delvaux, wie er sich einmal ausdrückte, alle Mühe, beim Betrachter „Verwirrung zu stiften“.

Der gelegentlich auf den Bildern auftauchende korrekt bekleidete Herr im schwarzen Anzug mit Melone, der zu lesen vorgibt, aber in Wirklichkeit schamhaft über den oberen Rand seiner Zeitung ins Geschehen hineinschaut, ist zu einem der Markenzeichen von Delvaux’ Malerei geworden. Er erfüllt gleich eine doppelte Stellvertreterfunktion. Er symbolisiert Betrachter und Künstler gleichermaßen, personifiziert den voyeuristischen Blick: hier ein Ich und dort die anderen. Abgelöst wird er im Spätwerk durch die Figur des Gelehrten, des vergeistigten älteren Wissenschaftlers mit Brille, der entweder einzeln oder wie auf dem Bild „Les Astronomes“ von 1961 in kleinen, angeregt diskutierenden Gruppen auftritt. Diese Herren sind stets mit sich selbst befasst, dem werbenden Liebreiz der venushaft-nackten Mädchen gleich nebenan gönnen sie noch nicht einmal einen Blick.

Die Bielefelder Schau zeigt Arbeiten aus den Jahren 1929 bis 1972. Während dieser langen Zeit entwickelt Delvaux immer mehr seinen eigenen, ganz unverwechselbaren Stil. Ein Surrealist im engeren Sinne war er nicht, eher wohl ein typisch belgischer Individualist, der sich mal in der Renaissance, mal im Symbolismus und gelegentlich auch bei den Surrealisten bediente. „Ich wusste immer, dass ich modern nicht malen wollte“, resümierte der Neunzigjährige 1987 sein Lebenswerk.

Die Ausstellung „Paul Delvaux – Das Geheimnis der Frau“ ist bis zum 21. Januar zu sehen. Die Kunsthalle Bielefeld hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr und samstags schon ab 10 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro bzw. 2 Euro. Der Ausstellungskatalog, erschienen im Kerber Verlag, kostet an der Museumskasse 24 Euro, im Buchhandel 26,50 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Bielefeld

Artur-Ladebeck-Straße 5

DE-33602 Bielefeld

Telefax:+49 (0521) 329 99 50 50

Telefon:+49 (0521) 329 99 500

www.delvauxmuseum.com



03.01.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


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Bei:


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Bericht:


Bielefeld inszeniert die Schönheit des Sperrigen

Variabilder:

Paul Delvaux, Sirene bei Vollmond, 1940
Paul Delvaux, Sirene bei Vollmond, 1940

Künstler:


Paul Delvaux







Paul Delvaux, Sirene bei Vollmond, 1940

Paul Delvaux, Sirene bei Vollmond, 1940




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