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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Russisches Kunsthandwerk siegt bei Fischer

Stillgestanden I



Da steht er steif und wartet darauf, dass ihm der lässig in seiner Amtsstube sitzende Offizier Befehle erteilt. Ein wenig zu seinem Vorgesetzten hinüberzuschielen ist dem Soldaten erlaubt, das ist aber auch alles. Gleich wird er wieder durch die offene Tür abtreten und wieder auf seinen Gefechtsstand zurückkehren, der im Hintergrund mit Gewehren und Kanonen an einem Fluss sichtbar ist. Diese etwas martialische Szene findet sich auf einem Teller, der 1835 in der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg von S. Daladugin bemalt wurde. Am 9. Dezember schoss er bei Hampel in München von 800 Euro auf 110.000 Euro. Beim Auktionshaus Fischer in Heilbronn waren es für ein Exemplar desselben Modells eine Woche zuvor 10.000 Euro weniger, ausgehend von 30.000 Euro. Von 25.000 auf 82.000 Euro stieg eine weitere Militärszene auf einem ähnlichen Teller von 1828, den ein Maler namens Kornilow mit zwei stehenden Soldaten in einem Gefecht versah. Für Arbeiten dieser beiden Porzellanmaler der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur aus der Periode Nikolaus I. hat in diesem Jahr der internationale Auktionsmarkt in New York oder Stockholm schon häufiger Spitzenpreise gesehen.



Ansonsten verlief die Auktion von Kunst und Antiquitäten bei Fischer am 2. Dezember wohl nicht ganz den Erwartungen entsprechend, die man an eine Jubiläumsauktion anlässlich des dreißigjährigen Firmenbestehens stellen würde. Nur gut 41 Prozent der etwas über tausend Objekte umfassenden Offerte ließen sich weitervermitteln. Es gab zuviel unbedeutende Kleinware, die derzeit kaum gefragt ist. Aber zumindest in der hauseigenen Domäne russischen Kunsthandwerks wurden ganz ordentliche Preise erzielt. Es begann im 18ten Jahrhundert mit dem klassisch barocken Deckelbecher eines Moskauer Meisters IFS von 1749, der mit seinem Blumen- und Akanthusdekor 8.500 Euro für sich verbuchte (Taxe 3.300 EUR). Eine silberne Wodkaflasche mit Dekorationen in Niellotechnik, die der Moskauer Meisterwerkstatt „N. G.“ 1854 entsprang, schaffte 6.600 Euro. 7.500 Euro ließ sich ein Kunde eine geriffelte Golddose von 1848 mit einer See- und Stadtlandschaft kosten (Taxe 2.000 EUR).

Vor allem aber dann, wenn heimatliche Gefühle geweckt wurden, schlug die russische Kundschaft zu. Oder kann man sich sonst erklären, wieso ein in seinem Rokokoprunk ziemlich steril gearbeiteter Deckelpokal von Iwan Chlebnikow, der um 1890 die Portraits des Großfürstenpaares Paul und Georgiwina Alexandrowitsch zeigt, von 9.000 Euro auf 55.000 Euro schoss? Mitunter war es aber auch nur die pure Qualität, die bestach. Fabergé ist berühmt für die perfekte Verarbeitung hochwertigster Materialien. So stritt man sich um einen Spazierstock, dessen Rhodonit-Griff Henrik Emanuel Wigström zwischen 1908 und 1917 gestaltete, bis auf 16.500 Euro hinauf (Taxe 9.000 EUR). Ob ein silbernes Visitenkartenetui mit Zarenkrone von Fedor Afanassiev für 11.000 Euro (Taxe 8.000 EUR), eine vergoldete Puderdose mit hellblauem Transluzidemail für 14.000 Euro (Taxe 8.000 EUR) oder ein Miniatur-Bilderrahmen aus Nephrit und Diamanten nach Entwurf Anders Johan Nevalainens, der in der Mitte die 1918 ermordete Zarin Alexandra Feodorowna präsentiert und für 10.000 Euro übernommen wurde (Taxe 12.000 EUR) – immer war Fischer ganz in seinem Element.

Bei einem gläsernen Kovsh mit Silbermontierung in Form eines Frauenkopfes von Nikolaj Wasiljewitsch Nemirow-Kolodkin verebbten die Gebote dagegen rasch (Taxe 15.000 EUR). 23.000 Euro schlug Pawel Owtschinnikows silberner, elegant-schlichter Samowar auf einem Tablett von 1894 los (Taxe 15.000 EUR). 9.500 Euro waren es für einen silbernen Doppelhenkel-Kovsh mit feiner Cloisonnéemailmalerei in Form floraler Ornamente um 1910 (Taxe 2.000 EUR). Mitunter schlossen sich die russischen Fertigungsstätten deutlich westeuropäischer Tradition an. Daum Frères sind zwei Vasen der Kaiserlichen Glasmanufaktur St. Petersburg mit farblicher Gestaltung und Dekor des Jugendstil verpflichtet. Auf gelblichem Opalglas winden sich bei der einen rote Zweige mit Blättern und Knospen um die Wandung für jetzt 13.000 Euro (Taxe 8.500 EUR). Von 3.000 Euro auf 7.000 Euro kletterte das andere, schwach opalisierende Exemplar mit einem umlaufenden Stör zwischen Wasserpflanzen.

Im Stil des Rokoko ist eine prächtige, allerdings in ihren Bonbonfarben schon ins Kitschige abgleitende Pendule aus Porzellan gehalten, die um 1835 in der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg entstand. Für 27.000 Euro wollte sie indes keiner haben. Ganz anders dagegen ein taxgerecht bei 7.500 Euro weitergereichter Teller wohl von Nicolaij Suetin. Er verteilt um 1919 einige rote, schwarze und bläulich geometrische Figuren suprematistisch über die Fläche und markiert damit bildlich den Bruch zwischen alter und neuer, sowjetischer Zeit. Bei den Möbeln konnte sich eine sechsteilige Sitzgarnitur von etwa 1815 in der zeitgenössischen Ägyptenmode bei 20.000 Euro nicht durchsetzen.

Auch einige russische Gemälde hatte das Haus zu bieten, so beispielsweise Richard Karlovich Zommers kaukasische Reiter und Bäuerinnen an einem Brunnen, in die sich ein Bieter mit 30.000 Euro verliebte (Taxe 28.000 EUR). Ilja Repin reüssierte mit seiner vollkommen entleerten Winterlandschaft von circa 1890, bei der nur einige Radspuren auf einem matschigen Weg von menschlicher Zivilisation zeugen, bei 40.000 Euro (Taxe 45.000 EUR). Winterlich geht es auch in einer idyllischen, fotografisch genauen Hochgebirgslandschaft in Sonnenlicht Michail Markianowitsch Nermascheffs zu, die 9.000 Euro erlöste (Taxe 10.000 EUR). Ebenfalls 1.000 Euro weniger als die erhofften 9.000 Euro hielt Fischer als Ergebnis für Wladimir Nikolajewitsch Nemuchins abstrakte Komposition um 1960 fest, die an die westliche gestische Malerei dieser Zeit denken lässt

Gegen diese Resultate fiel das sonstige Angebot der Auktion ein wenig ab. Vorrangig sind die Gemälde zu nennen, aber 15.000 Euro waren für eine niederländische oder deutsche Madonna der Zeit um 1500 einfach zuviel. In der Art des Gillis van Coninxloo ist eine fantastische Flusslandschaft mit Felsen und Ruinen gemalt, in der sich eine Bauernfamilie zur Rast aufhält. 5.000 Euro wurden dafür aufgewendet (Taxe 5.500 EUR). Die anvisierten 18.000 Euro bescherte eine Version der von Christian Rohlfs noch des öfteren gemalten Brücke bei Weimar von 1888 dem Vorbesitzer. Auf Seiten Italiens stand Attilio Pratella mit einer konventionellen Ansicht des Fischerhafens von Neapel bei 8.000 Euro (Taxe 8.000 EUR). Das konventionelle Portrait eines jungen Mannes mit Zigarette von 1942 des siebenbürgischen Künstlers Hans Eder war einem Bieter 7.000 Euro wert (Taxe 5.500 EUR).

Beim Porzellan konnten die Hauptstücke, vier Potpourri-Vasen nach einem Modell für eine Rokoko-Tafeldekoration vermutlich von Johann Joachim Kändler, die die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde verbildlichen, nicht verkauft werden (Taxe 23.000 EUR), ebenso wenig wie ein gleichfalls Meißner Tabaktopf von etwa 1745/50 mit Rokokobemalungen (Taxe 13.000 EUR). Aus dem frühen 20ten Jahrhundert stammte eine ganze Reihe von Figuren, so eine elegante Dame mit Muff, die Konrad Hentschel 1906 für Meißen entwarf, wo sie vor 1924 vom Band lief. Sie machte sich bei 8.000 Euro davon (Taxe 4.800 EUR). Eine in ihren bildlichen Dekorationen dem heiligen Eustachius gewidmete Flasche der berühmten Gmundener Fayencentradition kostete 9.000 Euro (Taxe 8.500 EUR).

Eine schöne Preissteigerung von 4.000 Euro auf 28.000 Euro verbuchte Fischer beim Aufruf einer schlanken, eiförmigen Vase von Andrée Fauré aus Limoges, die ganz in Blau, Weiß und Schwarz gehalten ist und kubistische Tendenzen der Zeit aufnimmt. Sie wurde zwischen 1925 und 1933 hergestellt. 6.000 Euro erzielte eine frühe kantige Fayence-Vase der Firma Gallé von etwa 1875, auf deren weißem Untergrund ein bunt gemalter Hirschkäfer herumkrabbelt (Taxe 4.800 EUR). Verkauft wurden auch drei schöne, silberne Schlangenhautbecher aus Siebenbürgen. Meister Paulus Schirmer I. zeichnet für ein undatiertes Stück mit einem gravierten Wappen verantwortlich, das ein Kunde um 8.500 Euro mitnahm (Taxe 9.800 EUR). Mit der Meistermarke A.T. ist ein Exemplar signiert, das einen fein getriebenen Blumenfries am oberen Rand aufweist und ins Jahr 1677 datiert. 9.000 Euro ist es jetzt wert (Taxe 8.000 EUR). Der Becher, den die Hermannstädter Werkstatt des Sebastian Hann 1722 einem gewissen Thomas Teutsch lieferte, blieb allerdings schon bei 13.000 Euro stecken (Taxe 16.000 EUR).

Auch Siebenbürgens Gestaltungskraft bei unedlen Metallen war durchaus gefragt. Meister „MG“ aus Schäßburg schuf 1658 eine große Schleifkanne aus Zinn mit graviertem und geflecheltem Dekor und der Aufschrift „Munus studiosorum“. Das gute Stück stieg von 4.900 Euro auf 13.000 Euro. 6.000 Euro standen als Ergebnis des Streits um eine Zinnkanne des am selben Ort ansässigen „HZ“ mit einem großen Doppeladler und einem ruhenden Hirsch (Taxe 3.800 EUR). Historismus pur zeigt eine große Prunkvase der Wiener Firma Hermann Böhm von etwa 1875, die über und über mit gemalten Darstellungen aus der antiken Mythologie und Geschichte bedeckt ist. Sie wurde für 20.000 Euro übernommen (Taxe 16.000 EUR). Unveräußert blieben die kleinen dem Körperkult huldigenden Skulpturen Arno Brekers (Taxe 3.500 EUR) und Fritz Klimschs (Taxe 4.500 EUR). „Ecstasy“, hier als Elfenbeinfigur von Ferdinand Preiss, jubelte bei taxgerechten 3.900 Euro.

Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunstauktionshaus Dr. Jürgen Fischer

Trappensee-Schlösschen

DE-74074 Heilbronn

Telefax:+49 (07131) 15 55 720

Telefon:+49 (07131) 15 55 70

E-Mail: info@auctions-fischer.de



20.12.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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