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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Kindermöbel in Wiener Hofmobiliendepot

Zappel Philipp



Die Wiener Museumslandschaft zählt neben den bekannten Attraktionen auch eine Reihe an außergewöhnlichen wie kuriosen Orten. So findet sich hier das einzigartige Möbelmuseum. Das 1747 von Kaiserin Maria Theresia gegründete Depot war lange Zeit die „Rumpelkammer der Monarchie“. Hier lagerten Möbel und Gebrauchsgegenstände, die bei Hof nicht mehr verwendet wurden. 1993 wurde das Haus saniert und zu einem modernen Möbelmuseum umgestaltet. Auf 4.500 Quadratmetern werden heute 6.000 Objekte gezeigt, weitere 160.000 lagern in den Depots. Die reiche Sammlung gewährt nicht nur Einblicke in drei Jahrhunderte Wohnkultur, darunter die weltweit größte Biedermeiersammlung, kaiserliche Gebrauchsgegenstände und komplette Ensembles, sondern auch einen Überblick über die Entwicklung des österreichischen Möbeldesigns im 20ten Jahrhundert.



Neben der permanenten Präsentation der eigene Bestände veranstaltet das Haus Sonderausstellungen in regelmäßigen Abständen: in der jüngsten Vergangenheit gab es Präsentationen über das Bauhaus, Ludwig Mies van der Rohe, Alvar Aalto, Verner Panton oder das Möbeldesign der 50er Jahre. Thema der aktuellen Sonderausstellung ist die Designgeschichte von Kindermöbeln. Angesichts der reichen eigenen Bestände und einer umfangreichen Sammlung an Kindermöbeln und Einrichtungsgegenständen, die die Ausstellung temporären Leihgaben der Sammlung von Stefan Reinke aus Enger in Westfalen verdankt, lag das Hauptaugenmerk der Kuratoren auf der Entwicklung des Kindermöbels in Österreich und Deutschland vom 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre.

Den Anfang der Schau macht eine Sammlung von kostbaren Wiegen und Kinderbetten. Die Wiege als Schlafplatz und der Laufstall als Gehschule waren in der abendländischen Kultur die einzigen Möbel, die für Kleinkinder angefertigt wurden. Eines der ältesten in der Ausstellung präsentierten Objekte, ist eine edle, aus Nussbaum- und Birnbaumholz gefertigte Wiege der 1820/30er Jahre, die sich mit Hilfe einer Aufhängung in einem Ständer hin und her schaukeln lässt. Prunkvoll vergoldet und mit Holzintarsien verziert ist die Wiege, die Franz Podany 1858 für den Kronprinz Rudolf schuf. Ein etwa zur selben Zeit gefertigtes Kinderbett aus Schloss Schönbrunn mit umlaufender Netzverspannung gibt eine Vorstellung davon, wie übertriebene Schutzmaßnahmen die künstlerische Gestaltung der bis dahin individuellen Anfertigungen von Kinderbetten prägten.

Bei all diesen Möbeln handelt es sich um handwerklich aufwendig gearbeitete Einzelanfertigungen, die nur für adelige oder großbürgerliche Haushalte erschwinglich waren. Die ausgestellten Kindermöbel des Wiener Hofes sind anschauliche Beispiele hierfür. In den 1860er Jahren begannen die Wiener Möbelfabrikantenbrüder Thonet als erste, industriell Kindermöbel herzustellen und boten diese in Serienproduktion an. Neben den schwarzen Bugholzmöbeln, welche Thonet auf Kindergröße schrumpfen ließ, präsentiert die Ausstellung weitere Entwürfe, wie einen Kinderdrehstuhl mit Pferdekopf, Hochstühle, Schaukelstühle, Sitzbänke, sowie eine Puppenmöbelgarnitur.

Nach 1900 wurden Kindermöbel auch für die Wiener Moderne zu einem interessanten Thema. Von Josef Hoffmann stammt das aus Armlehnstuhl, Stuhl, Hocker und Tisch bestehende Ensemble für das Kinderzimmer der Wohnung Hermann Wittgensteins. Robert Oerley schuf einen aus massiver Buche gebogenen und grün lackierten Kinderfauteuil. Von Otto Prutscher stammt der Entwurf eines putzigen kleinen rot lackierten Sessels mit ausgeschnittenem Herz in der massiven Lehne.

Auch am 1919 von Walter Gropius gegründeten Bauhaus waren Kindermöbel ein wichtiger Gestaltungsbereich. Marcel Breuer, Erich Dieckmann, Peter Keler und Alma Siedhoff-Buscher entwickelten neue Möbelformen für Kinder aus Holz und Stahlrohr. Bezeichnend für das neue Bewusstsein und den Respekt vor den zukünftigen Benutzern, war die Beschreibung, die Alma Siedhoff-Buscher von der idealen Atmosphäre eines Kinderzimmers gab: „Kinder sollten wenn irgend möglich einen Raum haben, in dem sie das machen können, was sie wollen, in dem sie herrschen. Jedes Ding darin gehöre ihnen, ihre Fantasie gestaltet es ... alles komme ihnen entgegen, die Form entspreche der Größe, der praktische Zweck hindere nicht die Spielmöglichkeiten.“ Ihr Kinderzimmer von 1923 gestaltete sie als ein Ensemble, das sich zerlegen und zu verschiedenen Varianten neu modulieren ließ. Ein Leiterstuhl ermöglichte unterschiedliche Sitzhöhen, mittels kleiner Räder, die an den Möbeln angebracht waren, konnten die Möbel „kinderleicht“ verschoben werden. Zudem war das Zimmer mit gelben, blauen und roten Wandtafeln ausgekleidet, die mit Kreide bemalt und wieder abgewischt werden konnten.

Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg nahm sich auch die internationale Designentwicklung der Kindermöbel an. Bedeutende Architekten und Designer entwarfen neue Kinderzimmereinrichtungen aus Sperrholz und Metall. Darüber hinaus entstanden zahlreiche Spielobjekte. Von Alvar Aalto stammen die beiden in der Ausstellung präsentierten Entwürfe eines Stuhls und eines Freischwingers, die sich noch deutlich an die Varianten für Erwachsene anlehnen. Aus Mahagoni-Sperrholz schufen Charles und Ray Eames 1945 einen Stuhl, der deren charakteristische Formsprache mit dem verspielten Detail eines aus der Lehne geschnittenen kleinen Herzen verbindet. Arne Jacobsen ist mit seinem Stuhlklassiker „Modell Nr. 3107“ aus dem Jahr 1955 vertreten.

Die 1960er und 1970er Jahre brachten mit wachsendem Interesse an Kinderpsychologie und den damit verbundenen Veränderungen in der Kindererziehung, Bewegung in die Kindermöbelgestaltung. Der moderne, oft mitwachsende Gegenstand sollte den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder unterstützen und zu Spiel und Kreativität anregen. Einen besonderen Stellenwert bekamen Kindermöbel, als Johannes Spalt in Wien und Günter Beltzig und Walter Papst in der BRD neue, kindgerechte Möbelformen aus Holz und Kunststoff kreierten. Zum ersten Mal gingen Impulse für Möbel und Spielzeug auch von einer aufgeklärten Kundschaft aus und nicht von der Industrie oder wenigen reformempfänglichen Gestaltern und Pädagogen.

Kindermöbel sollten fortan nicht mehr einfach verkleinerte Kopien von Erwachsenenmöbeln sein, sondern den Anforderungen von Kindern entsprechen. Die Möbel sollten vielseitig und möglichst im Innen- wie im Außenraum einsetzbar sein. Außerdem wurde darauf geachtet, dass sie nicht fest im Raum stehen, sondern leicht und für die Kinder selbst tragbar sind. Sie sollten die Fantasie und den Spieltrieb anregen, dabei aber auch über mehrere Jahre einsetzbar sein und nach Möglichkeit mitwachsen. Die Grenzen zwischen Spielzeug und Möbel, zwischen Spiel- und Nutzobjekt wurden aufgehoben. Einer der bekanntesten Designer, der Kindermöbel nach diesen Kriterien entwarf, war Luigi Colani. Von ihm stammen Serienmöbelentwürfe wie die Sitz-Pult-Kombination „Zocker“ aus dem Jahr 1972, die zum Meilenstein der Möbeldesigngeschichte wurde.

Neben den Funktionsmöbeln präsentiert die Wiener Ausstellung auch eine Reihe selten gezeigter Spielobjekte, wie ein aus Stahlrohr gefertigtes multifunktionales Schaukelobjekt aus den 1930er Jahren, ein hölzernes Spielauto des ostdeutschen Bildhauers Hans Brockhage, das er gemeinsam mit Erwin Andrä entwickelte, sowie eine Sammlung mehrerer aus Jute und Leder gefertigter Tiere, die Renate Müller in der DDR als therapeutische Spielobjekte für Kinder schuf und die bis heute in ihrer Werkstatt „Spielzeug und Design“ in Handarbeit gefertigt werden. Einen Eindruck davon, wie Kinderzimmer am Beginn des 21ten Jahrhunderts aussehen, vermittelt eine Reihe von Doppelportraits der österreichischen Fotografin Petra Rainer, die „Kinder und ihre Zimmer“ im Herbst 2005 fotografierte.

Die Ausstellung „Zappel, Philipp! Die Welt der Kindermöbel“ ist bis zum 7. Januar 2007 zu sehen. Das Hofmobiliendepot hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6,90 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Der Katalog „Zappel, Philipp! Kindermöbel. Eine Designgeschichte“ aus dem Böhlau Verlag kostet 29,90 Euro.

Kontakt:

Hofmobiliendepot. Möbel Museum Wien

Andreasgasse 7

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 524 33 57

Telefax:+43 (01) 524 33 57 666

E-Mail: info@hofmobiliendepot.at



12.12.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


04.10.2006, Zappel, Philipp! Die Welt der Kindermöbel

Bei:


Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.










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