Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 16.03.2019 Auktion 270 'Europäisches Glas und Studioglas'

© Auktionshaus Dr. Fischer - Heilbronn

Anzeige

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Mädchen mit Katze / Otto Scholderer

Mädchen mit Katze / Otto Scholderer
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel, 1965 / Ernst Wilhelm Nay

Ohne Titel, 1965 / Ernst Wilhelm Nay
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

William Pope.L im „project space“ der Kunsthalle Wien

Superman abgeschmackt



William Pope.L, The Great White Way (22 miles, 7 years, 1 street), 2000-2003

William Pope.L, The Great White Way (22 miles, 7 years, 1 street), 2000-2003

Superman is back. Die amerikanische Inkarnation des unbesiegbaren Heros feiert in diesem Herbst unübersehbare Urstände. Derzeit läuft die cineastische Wiederauflage des fliegenden Helden in „Superman Returns“ auf Hochtouren. Auch das Wiener Museumsquartier wirbt in einer reißerischen Plakatserie mit dem Idol der 1930er Jahre. Für das „MQ“ kämpft ein bisher Unbekannter für das kulturelle Angebot im Allgemeinen und das Museumsquartier im Besonderen. Der „MQ-Man“ ringt mit mozartperückten Gegnern, wechselt hinter Verschlägen heimlich Jeans gegen Latex oder gefällt sich, unbeeindruckt von der schlafenden Schönheit neben ihm, in der Rolle eines ausdauernden Vorlesers.


Bereits vor vier Jahren erkannte William Pope.L die Zeichen der Zeit und schlüpfte im Auftrag der Biennale des Whitney Museum of American Art in das Kostüm des unverwundbaren Helden. Doch anstatt durch die Lüfte zu sausen, von wo man anscheinend einen besseren Blick auf all das hat, was schlecht ist in der Welt, kroch er über das Trottoir, über den Schmutz der Straßen, vorbei an staunenden, helfenden und schimpfenden Passanten. Sein im engen Trikot eingeschweißter Körper wand sich über den Asphalt, krabbelte auf allen Vieren, robbte unermüdlich und kam nur mühsam voran. Die Inkarnation des Unbesiegbaren war vom Himmel gestürzt und machte sich auf den langen Weg von der Freiheitsstatue über den Broadway bis hoch in die Bronx, vorbei auch am Ground Zero, dem Ort des Grauens, des Zusammenbruchs und der Helden.

„The Great White Way (22 miles, 7 years, 1 street)“ ist eine der längsten seiner sogenannten „Crawl“, mit denen der 1955 in Newark, New Jersey, geborene William Pope.L zu provozieren weiß: schleppt sich da einer alias Jesus Christus, alias Superman durch den Staub? Beschmutzt er das Bild vom „American Heroe“? Belebt er das Epos vom Helden, der sich selbstlos unwürdigen Strapazen aussetzt oder macht er sich in verächtlicher Weise darüber lustig, mit wieviel Leid amerikanische Träume fertig werden müssen.

Derzeit und noch bis zum 1. Oktober zeigt die Wiener Kunsthalle in ihrem „project space“ am Karlsplatz Werke des Künstlers. Die Ausstellung steht im Zusammenhang mit dem Schwerpunkt des Herbstprogramms der Kunsthalle „Fokus USA“ und versteht sich als Beitrag zur Erkundung der Befindlichkeit der amerikanischen Gesellschaft aus der Sicht eines schwarzen, amerikanischen Künstlers. William Pope.L, der sich selbst als „The Friendliest Black Artist in America“ bezeichnet, bewegt sich mit seinem Schreiben, seinen Installationen und Performances in einem Umfeld von Allegorie und Illusion, von paradoxer Intervention und der Unmöglichkeit, Widersprüche aufzulösen. Seine Arbeit kreist um eine Identitätsfindung als Schwarzer und Mann zugleich.

Geschult an der konzeptuellen Kunst der 1960er und 1970er Jahre sowie an der linguistischen Philosophie Wittgensteins setzt Pope.L Sprache und Körper als Instrument ein, um in Kommunikation mit dem Publikum zu treten. Im Versuch, schwarze Identität zu umschreiben, überzeichnet Pope.L bestehende Bilder und Vorstellungen. In ähnlich provozierender Weise, wie ihn die Verwandlung des weißen, übermenschlichen Heroen in eine schwarzhäutige, auf dem Boden kriechende Figur interessiert, thematisiert er in seinem 1998/2004 entstandenen Video „A Negro Sleeps Beneath the Susquehanna. (What’s My Name?)“ das Bild des „wilden“ Schwarzen. Hier präsentiert sich Pope.L in klischeehafter Verkleidung mit Lendenschurz und Gummistiefeln und tanzt einen scheinbar rituellen Tanz. Der Film zeigt Pope.L in einem Wald und vor einer versammelten kleinen Menge von Zuschauern. Er hält einen Tisch in der Hand, der mit Mehl bedeckt ist, er selbst ist ebenfalls mit Mehl bestäubt. In langsamen Bewegungen zieht er einen Kreis um sich, in dem er das Mehl vom Tisch schüttet. Die groteske Handlung provoziert die Erinnerung an eine rituell-alchemistische Handlung, die die Verwandlung von Schwarz in Weiß zum Gegenstand haben könnte.

Das Video ist eine von vier in der Ausstellung dokumentierten Performances aus der künstlerischen Vergangenheit von William Pope.L. Weitere Kostproben der zahlreichen Aktivitäten Pope.Ls seit den 1970er Jahren werden mit dem bereits erwähnten „The Great White Way (22 miles, 7 years, 1 street)“, „MEMBER (Rituals of Ridicule and Appreciation)“ und „Poor Piece (Santa Fe version)“ vorgestellt. Der „project space“ der Kunsthalle präsentiert die Filme in kleinen Fernsehern zwischen Sesseln, Sofakissen und einer Pflanze in einer Art Wohnzimmeratmosphäre.

Die zentrale Installation der Ausstellung ist jedoch der „Trophy Room“, ein Raum, den William Pope.L speziell für die Wiener Schau kreiert hat. Es ist ein rechteckiger Holzverschlag, der sich an zwei Seiten in niedrigen Eingängen öffnet. Nach Außen wird groß in roten Lettern auf Gelb angekündigt, was es angeblich im Inneren zu sehen gibt: Trophies – Trophäen. Einsehbar ist der Raum, wenn man ihn betritt oder wenn man von Außen durch Brillenlinsen, die als Gucklöcher in die Wand versenkt sind, hineinschaut. Je nach Linse ergibt sich ein mehr oder weniger verschwommenes Bild, von dem, was im Inneren zu sehen ist. Die Kuratorin Sabine Folie nennt den Raum im begleitenden Katalog eine „Spielhölle“ und ein „Kuriositätenkabinett“.

In Wirklichkeit betritt der Besucher jedoch einen Raum, dessen Boden mit Abfallmaterialien, Farbeimern, mit Erdnussbutter gefüllten Trögen und entleerten Schraubgläsern übersät ist. Von den Wänden hängen zerstückelte Stofftiere, Elefanten und Giraffen, deren Watte-Innereien aus den zerfetzten Körpern quellen und von Pope.L mit einer Mischung aus Erdnussbutter und Öl beschmiert wurden. Durch den Gärungsprozess wird der Raum von einem unangenehm süßlichen, modrigen Gestank erfüllt, der ebenso wie die vorgeführte Szenerie, wenig zum Verweilen einlädt. Gänzlich ratlos macht der über eine gesamte Raumlänge auf die Wand geschriebene Satz: „Franz Josef liebte es zu jagen, Georg Bush liebte es zu jagen, alle lieben zu jagen, aber niemand will gefressen werden.“

Waren William Pope.Ls pseudo-militärische Robbübungen im Superman-Anzug Spiegel seiner „Gesellschaftstheorie“, die auf dem Kontrast zwischen Vertikalität und Horizontalität von Machtverhältnissen beruht, und in einem Spannungsfeld zu lesen, das sowohl Differenz, Macht und Erniedrigung thematisiert wie deren Gegenstrategien Poesie, Clownerie, Maskerade und sardonischer Witz, so ist „Trophy Room“ nur mehr eine abgeschmackte Neuauflage seines Anspruches, das „Dilemma der schwarzen Identität zu beschreiben“.

Die Ausstellung „William Pope.L – Trophy Room“ läuft vom 6. September bis 1. Oktober. Der „project space“ hat täglich von 16 bis 24 Uhr, am Sonntag und Montag von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Kontakt:

Kunsthalle Wien Karlsplatz

Karlsplatz, Treitlstraße 2

AT-1040 Wien

Telefax:+43 (01) 521 891 217

Telefon:+43 (01) 521 891 201

E-Mail: office@kunsthallewien.at



05.09.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


06.09.2006, William Pope.L

Bei:


Kunsthalle Wien

Bericht:


Pendleton und Pope.L bei Eva Presenhuber in Zürich

Variabilder:

William Pope.L, Poor Piece (Santa Fe version), 2006
William Pope.L, Poor Piece (Santa Fe version), 2006

Variabilder:

William Pope.L, The Great White Way (22 miles, 7 years, 1 street), 2000-2003
William Pope.L, The Great White Way (22 miles, 7 years, 1 street), 2000-2003

Variabilder:

William Pope.L, Trophy Room, 2006
William Pope.L, Trophy Room, 2006

Variabilder:

William Pope.L, Trophy Room, 2006
William Pope.L, Trophy Room, 2006

Variabilder:

William Pope.L, Trophy Room, 2006
William Pope.L, Trophy Room, 2006

Künstler:

William Pope.L







William Pope.L, Poor Piece (Santa Fe version), 2006

William Pope.L, Poor Piece (Santa Fe version), 2006

William Pope.L, Trophy Room, 2006

William Pope.L, Trophy Room, 2006

William Pope.L, Trophy Room, 2006

William Pope.L, Trophy Room, 2006

William Pope.L, Trophy Room, 2006

William Pope.L, Trophy Room, 2006




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce