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Schwitters-Preisträger Rodney Graham im Sprengel Museum

Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern



Die Szene spielt im 19sten Jahrhundert: Ein großstädtischer Dandy und ein blaubekittelter Bauerntölpel sind zu mittäglicher Stunde in den Gassen einer Provinzstadt unterwegs. Der arrogante Städter stolziert mit wichtiger Miene in feiner Robe und schickem Zylinder über das Trottoir, verweilt lange beim Schuhputzer und lüftet gespreizt den Hut, wenn er eleganten Damen begegnet. Der Landmann hingegen trottet mit unsicherem Blick über das Pflaster, blickt angestrengt hinter mächtige Tore und hinauf zur Kirchturmuhr, deren Zeiger sich unaufhaltsam der Zwölf nähern. Mit dem Glockenschlag dann passiert es: Eben als der Bauer die Straße hinter einem hufklackernden Pferdefuhrwerk überqueren will, versetzt ihm der um die Ecke biegende Stadtbewohner gezielt und hinterlistig einen Fußtritt aufs Hinterteil. Ein Sturz, ein Spannungshöhepunkt, ein rhythmisch gesetztes Finale, das gleichzeitig den Videoloop aufs Neue starten lässt: In einer endlosen Schleife setzt sich die selbstironische Slapstick-Farce „City Self/Country Self“ des Kanadiers Rodney Graham fort: Schließlich werden Stadt- und Landmann beide von ihm selbst dargestellt.



Rodney Graham, Jahrgang 1949, ist der diesjährige Preisträger des mit 25.000 Euro dotierten Kurt-Schwitters-Preises der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Der in Vancouver geborene und bis heute dort lebende konzeptuelle Filmemacher, Fotograf, Maler und Musiker bezeichnet sich selbst als Spätzünder. Kontinuierlich entwickelt er sein vielschichtiges, in vielen Medien beheimatetes Werk, das erst in den letzten zehn Jahren eine größere internationale Anerkennung erfuhr. Immer noch aber gilt es als unterschätzt und unterbewertet. Zu Kurt Schwitters, dessen Werk Graham seit Beginn seiner Karriere rezipiert und schätzt, zieht er einige rein äußerliche Parallelen. Ihn fasziniert „die Tatsache, dass er als Künstler kein Wunderkind war, sondern eher eine ziemlich plötzliche späte Entwicklung erlebte“.

Die Ausstellung im Hannoveraner Sprengel Museum mit dem ebenso selbstironischen wie auf Rodney Grahams Vorliebe für Rock- und Countryklassiker verweisenden Titel „How I Became a Ramblin’ Man“ rückt eine in den letzten Jahren entstandene Filmtrilogie in den Mittelpunkt. Die drei narrativ angelegten Loops bestechen durch intelligente Gegenschnitte, brillant in Szene gesetzte Close-Ups, leuchtende Farbigkeit, die Schönheit der Requisiten, Details und Kostüme, vor allem aber durch den gekonnten Aufbau eines Spannungsbogens, der sich kurz entlädt, um dann wieder mit verblüffender Ironie und Leichtigkeit von Neuem anzuschwellen. Paradoxe Brüche und logische Handlungsabläufe wechseln sich ab.

Davon konnten sich auch auf der Biennale Venedig 1997 schon zahlreiche Besucher überzeugen. Vor dem kanadischen Pavillon bildete sich eine Dauerschlange. Der Publikumsrenner hier hieß „Vexation Island“ und ist eine klassische Robinson Crusoe-Geschichte mit Papagei, gestrandetem Seemann, Trauminsel und Kokosnuss. Der Kamerazoom auf die blutige Stirnwunde eines unter einer Palme schlafenden Schiffbrüchigen erzählt eigentlich schon die ganze Geschichte. Die Dramaturgie entfaltet sich dann zwischen Meeresrauschen, Papageiengeschrei und hektischem Rütteln an der Palme. Bittere Ironie des Schicksals: Die herabfallende Kokosnuss haut selbst den stärksten Seemann um.

Neben dem Künstler Rodney Graham gibt es auch den beachtenswerten Musiker Rodney Graham. Für den Country- und Rockmusikliebhaber nichts Besonderes: „Bei uns in Vancouver spielt fast jeder Künstler in irgendeiner Band“, wiegelt er ab. Doch Graham gelingt es immer wieder, seine musikalischen Wurzeln und Vorlieben auch in seine Arbeiten zu integrieren. So auch im dritten Videoloop „How I Became a Ramblin’ Man“, der Geschichte vom Lonesome Cowboy, der mit Pferd und Gitarre durch die wunderbar unberührte kanadische Landschaft reitet und schließlich einen selbst komponierten Countrysong zum Besten gibt. Genretypische Filmzitate, Referenzen an gängige Musikvideos und die Klischeevorstellung von einer Sehnsuchtslandschaft vereinen sich hier in schlichter Schönheit und unaufgeregter Selbstgenügsamkeit.

Die Brillanz und klare Komposition auf Grahams Bildern sind ohne den ebenfalls in Vancouver beheimateten Jeff Wall nicht denkbar. Neben seinen Filmarbeiten entstehen Fotografien, Musikkompositionen- und Einspielungen. Außerdem wendet er sich neuerdings nach eigenen Worten „in meiner eigenen, bescheidenen, jüngsten Malerei der Erforschung der Moderne des 20. Jahrhunderts zu“. Da kommt der Kurt-Schwitters-Preis wohl gerade zur rechten Zeit.

Die Ausstellung „Rodney Graham. How I Became a Ramblin’ Man“ läuft bis 14. Januar 2007. Das Sprengel Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Kontakt:

Sprengel Museum Hannover

Kurt-Schwitters-Platz

DE-30169 Hannover

Telefon:+49 (0511) 168 438 75

Telefax:+49 (0511) 168 450 93



09.11.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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