Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 27.06.2017 Auktion A181: Design, Schweizer Kunst, Klassische Moderne, PostWar & Contemporary, Grafik, Fotografie, Schmuck & Uhren

© Koller Auktionen AG

Anzeige

Tänzerin / Franz von  Stuck

Tänzerin / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Sitzende Bäuerin mit Kind, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

Sitzende Bäuerin mit Kind, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Erwin Wurm im Wiener Museum Moderner Kunst

Keep a Cool Head



In seiner Erzählung „Der kleine Prinz“ lässt Antoine de Saint-Exupéry seinen Ichdarsteller von einem künstlerischen Versuch und einer damit verbundenen Erfahrung berichten. Er erzählt, wie er als sechsjähriger Junge seine erste Zeichnung anfertigt, ein Bild von einer Riesenschlange, die einen Elefanten verdaut und von dem Missverständnis, mit dem die „großen Leute“ seinem „Meisterwerk“ begegnen. Das Innere der Dinge zu begreifen, ohne sich von der äußeren Erscheinung beirren zu lassen, ist eine Erkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch die illustrierte Erzählung zieht und in der Saint-Exupéry die verschiedenen Facetten des Verhältnisses von Bild und Text anhand von Illustrationen analysiert.



Das scheinbar einfache Prinzip, zwei Dinge zusammenzubringen und daraus etwas Neues entstehen zu lassen, war und ist für viele Künstler Stimulus und die intellektuelle Triebfeder ihrer jeweiligen Produktion. Der österreichische Künstler Erwin Wurm ist derzeit einer ihrer erfolgreichsten Exponenten. „The artist who swallowed the world“, heißt sein aktueller Ausstellungskatalog, nach einer gleichnamigen Skulptur, die derzeit im Wiener Museum Moderner Kunst (MUMOK) zu sehen ist. „Der Künstler, der die Welt verschluckte“ aus dem Jahr 2006 steht symptomatisch für den Skulpturen-Clan von Erwin Wurm, einer plastischen Großfamilie, die angesichts eines umfangreichen Œuvres und dank der Einbeziehung von Akteuren und Zuschauern in das skulpturale Ergebnis eine stetige Progression erfährt.

Seit über 25 Jahren betreibt Erwin Wurm einen vielschichtigen Diskurs über die Frage, was Skulptur ist und wie sie sich konstituiert. Der 1954 im steirischen Bruck an der Mur geborene und seit langem in Wien lebende Künstler verwendet Skulptur als Katalysator. „Skulptur“, so formulierte er, „ist etwas, das mich von einer Situation, von einem Denkansatz zu einem anderen bringt.“ Seit Ende der 1980er Jahre geht es Erwin Wurm um die Auflösung der statischen Form. Indem er sich der Zeit als vierter Dimensionen bedient, gelingt es ihm, das skulpturale Instrumentarium, für das Form als festschreibbare Größe existiert, zu verändern.

Erwin Wurm ist gefragt. Zahlreich sind die Texte und Veröffentlichungen, die sein Werk begleiten. Seine Ausstellungsliste ist lang, und viele Orte, an denen seine Arbeiten zu sehen sind, zählen zu den weltweit attraktiven Kulturadressen. Parallel zu seiner Werkschau in Wien beziehungsweise in unmittelbarer Zukunft hat Erwin Wurm Einzelausstellungen in Aachen, St. Gallen, Hamburg und Lyon. Angesichts dieser regen Ausstellungstätigkeit mag es schon beinahe verwundern, dass der Wiener Ausstellung allein was die Anzahl der Exponate betrifft, ein repräsentativer Überblick des Wurmschen Œuvres gelingt. Sie ist die bisher umfassendste Werkschau, mit der Erwin Wurm das breite Spektrum seines Schaffens auf drei Ebenen des MUMOK präsentiert.

Nahezu 400 Exponate zählt die Ausstellung, angefangen von den frühen Blechskulpturen, die Ende der 1980er Jahre entstanden und einer Videoarbeit „Untitled /C-A-B/, from 3nd to 2nd dimension“ aus dem Jahre 1990, die programmatisch für Wurms gesamtes Œuvre bezeichnet werden kann. Der Film dokumentiert, wie eine leere Blechdose so lange mit einem Hammer bearbeitet wird, bis diese platt und deformiert am Boden liegt. Die aktuelle Bestandsaufnahme skulpturaler Figurationen und Formenkonstellationen reicht von den frühen minimalistischen Werken, wie den nahe an der Wahrnehmungsgrenze angesiedelten Staubarbeiten, bis zu den jüngsten, meist monumentalen Plastiken und Installationen.

Das Flüchtige und Veränderliche, die Arbeit am Volumen, mit Masse, Materie und Zeit, temporäre Begegnungen des eigenen Körpers mit einem fremden und physische Deformationen sind Grundkonstanten in Erwin Wurms Überlegungen zur Skulptur. Handlungen, geschriebene oder gezeichnete Anweisungen oder Gedanken können im Sinne Wurms selbst zu Skulpturen werden.

Die Wiener Schau präsentiert so auch eine Auswahl der „One Minute Sculptures“, in denen Wurm überraschende Abwandlungen alltäglicher Situationen und absurde Verformungen von Körpern und Gegenständen inszeniert. In diesen Werken dehnt Wurm den Begriff des Skulpturalen bereits auf biologische, soziale und psychologische Phänomene aus. In den großformatigen Fotografien der „Outdoor und Indoor sculptures“ hält Wurm auf humorvolle Art seine perfekt arrangierten und meist absurden Begegnungen zwischen Mensch und Materie fest. Auch wenn er seine Akteure dazu bringt, groteske Tätigkeiten auszuführen, wie sich Morcheln oder Spargel in die Nasenlöcher zu stopfen, ihren Kopf in Dekolletés plaudernder Dame zu stecken oder sich von Wassermelonen überrollen zu lassen, scheinen diese die Prozedur teilnahmslos zu bewältigen.

Wurms „sculptures“ sind Schöpfungen von perfekter optischer Anziehungskraft und hintergründiger Ironie: die kleine Wurstsemmel mit integrierter Treppe ebenso wie der Dackel, der den Briefkasten verschluckte, seine vieldeutige Handlungsanweisung „Make your own Franz Erhard Walther“ von 2001 oder das Bildnis von Gilles Deleuze, der den Wurmschen Anweisungen folgend, seine Beine in einer den physischen Möglichkeiten des menschlichen Körpers unmöglichen Geste verrenkt. Die Figur ist ein prägnantes Beispiel für Wurms Effizienz: allein durch die Verkleinerung und ein lapidares Attribut, eine perfekt geschneiderte Hose, verändert der Künstler den Charakter und die zeitliche Wirkung der nach bildhauerischen Kriterien traditionell gearbeiteten Statue.

Ganz gleich ob Erwin Wurm Anleitungen zur politischen Unkorrektheit verrät, LKWs verbiegt, Sportwagen bis zur Unbenutzbarkeit anschwellen und Häuser sprechen lässt – er scheint sich seine Kindheitsträume verwirklicht zu haben. Es ist eine Qualität seiner Werke, dass sie überraschen, leicht verständlich sind und zumindest auf den ersten Blick, ohne die übliche Kommentarbedürftigkeit zeitgenössischer Kunst auskommen. Die Schwachstelle der Ausstellung ist ihr spektakulärstes Exponat: „House attack“ von 2006 ist ein kopfüber auf das Dach des Museums montiertes Einfamilienhaus, bei dem Wurm mit übertriebener Detailgenauigkeit überrascht und entbehrliche Details wie Blumenkästen, Gardinen und Kunstrasen integriert. Mehr Stringenz hätte diesem Werk sicherlich gut getan. Und en passant wäre Erwin Wurm der Coup gelungen, den schwebenden Diskurs über eine attraktive Intervention des Museumsquartiers nonchalant für sich zu entscheiden.

Die Ausstellung „Erwin Wurm - Keep a Cool Head“ ist noch bis zum 11. Februar 2007 zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7,20 Euro bzw. 6,50 Euro. Das englischsprachige Künstlerbuch „Erwin Wurm. The Artist who swallowed the world“, erschienen im Hatje Cantz Verlag, kostet im Museum 39 Euro.

Kontakt:

Museum Moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 00

Telefax:+43 (01) 525 00 13 00

E-Mail: info@mumok.at



06.11.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


20.10.2006, Erwin Wurm - Keep a Cool Head

Bei:


Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

Bericht:


Das Leben ist ein Würstelstand

Bericht:


Verzerrung der Realität

Bericht:


Erwin Wurm in St. Gallen

Bericht:


Formexperimente in Zeiten des Übergewichts

Bericht:


Mit Humor und Ironie dem Zeitgeist auf der Spur

Künstler:

Erwin Wurm










Copyright © '99-'2017
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce