Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 21.10.2017 Kunstauktion 95 bei Winterberg|Kunst in Heidelberg

© Winterberg|Kunst

Anzeige

Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

„Muse und Modell“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Unbeschreiblich weiblich



Eine Frau in lindgrünem Trägerkleid sitzt mit gespreizten Beinen in einer dunklen Ecke. Das kecke, grüne Käppchen ist verrutscht, der knallrot geschminkte Mund weit geöffnet, die sorgsam gezupften Augenbrauen kokett nach oben gezogen. Der Titel des 1923 entstandenen Ölgemäldes von Karl Kluth verrät: Die Porträtierte ist eine „Eingeschlafene Nutte“ und das Bild die entwaffnend realistische Momentaufnahme vom nächtlichen Leben in den Vergnügungsvierteln der Großstadt. Der Maler Karl Kluth war Mitglied der 1919 gegründeten, avantgardistischen Künstlervereinigung Hamburger Sezession. Angeregt von zeitgenössischen Gruppierungen in Frankreich oder der „Brücke“ suchte man auch die Hamburg nach dem Ersten Weltkrieg nach neuen Wegen in der Malerei und nach einem gemeinsamen künstlerischen Nährboden.



Die Ausstellung „Muse und Modell“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe untersucht jetzt anhand von 50 Gemälden und Arbeiten auf Papier das Frauenbild der Hamburger Sezession. Die Auswahl basiert auf einer Dauerleihgabe der Hamburger Sparkasse, die insgesamt 390 Werke umfasst. Die selbstbewusste Frau in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts spielt gerade in der avantgardistischen Malerei eine große Rolle. Vorbei die Zeit der akademischen Aktzeichnung mit bezahlten Modellen und der repräsentativen Darstellung gut situierter Gesellschaftsdamen. Die Künstler und Künstlerinnen entdecken die Frau beispielsweise als Mutter, als beschützende Ernährerin nach einem entbehrungsreichen Krieg wie in dem kantigen Holzschnitt „Mutter und Kind“ (1916) von Dorothea Maetzel-Johannsen.

Aber auch als selbstbewusst rauchende Großstädterin in der neuesten Hutmode taucht sie auf, etwa in der Kohlezeichnung „Frau mit Zigarette“ von 1926 von Otto Fischer-Trachau. Gerade Malerinnen wie die Hamburgerin Gretchen Wohlwill bevorzugten Frauen als Bildsujet: „Die Anprobe“ um 1933 zeigt das harmonische Zusammenspiel zweier Frauen beim Anprobieren eines Abendkleides. Die mittlerweile hoch geschätzte Malerin Anita Rée malt in Anlehnung an die Bildtradition Goyas einen lasziven Frauenakt in italienischer Landschaft, der vom unglücklichen Heiligen Antonius verbotenerweise angebetet wird. Vermutungen liegen nahe, dass die Malerin in dieser Vision des vom Dämon der Unkeuschheit besessenen Mönches ihre eigene Liebe zu einer spanischen Tänzerin angedeutet hat.

In der Ausstellung wird klar: Sinnlichkeit, Erotik und Koketterie werden auf den figürlichen Bildern offen thematisiert. Das spannungsvolle Wechselspiel zwischen Maler und Modell, zwischen Künstler und Muse spiegelt sich in mal eindeutigen, mal zweideutigen Darstellungen. Die Frau erscheint als intellektueller Vamp wie die herausfordernd auf dem Boden kriechende Frauenfigur in roten Pumps auf Karl Kluths Gemälde „Rivalen“ von 1928. Dann wieder als auf dem Sofa Hof haltende Grande Dame auf Kluths „Bildnis Frau Weiß“. Oder aber als modisch gekleidete Cafébesucherin wie auf den farbenfroh und überaus sinnlich komponierten Gemälden von Erich Hartmann.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten fand die selbstbewusste und gesellschaftlich fortschrittliche Kunst der Hamburger Sezession ein abruptes Ende. Viele Bilder wurden als „entartet“ beschlagnahmt, die oftmals jüdischen Modelle deportiert und viele Künstler in die Emigration oder gar in den Selbstmord getrieben. Das im Dritten Reich vorherrschende, reaktionäre und völkisch-nationalistische Frauenbild der nährenden und gebärenden Soldatenmutter bedeutete einen herben Rückschritt in der Kunstgeschichte. Die Ausstellung führt umso eindrucksvoller vor, an welcher historischen Schnittstelle einer avantgardistischen Kunst von den Machthabern der Garaus gemacht wurde.

Die Ausstellung „Muse und Modell. Frauen in Bildern der Hamburgischen Sezession“ ist noch bis zum 14. Januar 2007 zu sehen. Das Museum für Kunst und Gewerbe hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro; Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre frei. Der 64seitige Katalog kostet 18 Euro.

Kontakt:

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Steintorplatz

DE-20099 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428134 880

Telefax:+49 (040) 428134 999

E-Mail: service@mkg-hamburg



24.10.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


20.10.2006, Muse und Modell. Frauen in Bildern der Hamburgischen Sezession

Bei:


Museum für Kunst und Gewerbe

Bericht:


Bilder einer Getriebenen










Copyright © '99-'2017
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce