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Rebecca Horns persönlicher Querschnitt durch ihr Gesamtwerk im Berliner Gropiusbau

Kunst zwischen Sanftmut und Gewalt



Rebecca Horn ist alles andere als eine unentschiedene Person. Im Gegenteil: Sie weiß eigentlich immer ganz genau, was sie will oder nicht will. Ausstellungsmacher zum Beispiel könnten ihr Werk vielleicht missverstehen und fehlinterpretieren. Deshalb hält sie die lieber auf Distanz. „Für mich ist es sehr wichtig, meine Arbeit selbst im Raum zu installieren. Ein Kurator würde meine Arbeiten vielleicht ganz anders installieren. Aber in dieser Ausstellung wird man die Aura des Künstlers spüren“, betont die 62jährige. Geschadet hat das der groß angelegten Retrospektive mit Arbeiten von 1964 bis 2006 im Berliner Martin-Gropius-Bau sicherlich nicht. Dennoch ist ein solches Vorgehen eher ungewöhnlich. Als international renommierte Künstlerin und aktuelle Preisträgerin des mit 50.000 Euro dotierten „Piepenbrock Preises für Skulptur 2006“ verfügt Horn jedoch zweifellos über das nötige Selbstbewusstsein, derartige Extravaganzen auch durchzusetzen.



Die Gelegenheit benutzt die in Berlin, Paris und im Odenwald lebende Künstlerin, um endlich auch einmal dem Aspekt ihres Werkes größere Geltung zu verschaffen, der sonst immer etwas stiefmütterlich behandelt wird: den Zeichnungen. „Die Zeichnungen“, sagt sie, „sind Teil meines kleinen Universums.“ Als junge Kunststudentin in Hamburg zog sie sich 1967 bei der Arbeit an Skulpturen aus Polyester und Fiberglas eine schwere Lungenvergiftung durch giftige Dämpfe zu. Für eineinhalb Jahre ans Krankenhaus- und Sanatoriumsbett gefesselt, begann Horn zu zeichnen. Im Medium der Zeichnung bricht sie aus den Fesseln ihres kranken Körpers aus. Auf dem Blatt „Schmetterlingskörper“ von 1967 imaginiert sie sich in die Leichtigkeit eines Falters hinein. Horn ersinnt „Body-Extensions“, künstliche Erweiterungen ihrer Extremitäten und Brüste: „Ladyfingers“ nennt sie ihre überlangen Handschuhfinger. Rüssel aus Wolle und stabartige Körpererweiterungen dienen zum imaginären Ertasten der in unerreichbare Ferne gerückten Außenwelt. Hier legt sie die Grundlagen für ihre späteren Performances, in denen sie nach ihrer Heilung vorsichtig tastend, aber wehrhaft zugleich den Raum und die Wahrnehmungszone zurückerobert.

In den 1970er Jahren beginnt Horn auch damit, zunächst den eigenen Körper und später dann andere Darsteller bei Performances und Aktionen zu filmen. In Arbeiten wie „Einhorn“ von 1970, „Weiße Körperfächer“ von 1972 oder „Paradieswitwe“ von 1975 lässt Horn ihre Darstellerin mit geheimnisvollen, prothesenartigen Körpererweiterungen nackt durch den Wald schreiten, ungelenke Flugversuche unternehmen oder umhüllt sie mit schwarzen Federn. Harald Szeemann lädt die Künstlerin 1972 als jüngste Teilnehmerin zur Documenta 5 nach Kassel ein. Der internationale Durchbruch lässt nicht lange auf sich warten.

In Berlin sind neben den ganz frühen Zeichnungen auch die fast atelierfrischen und zunächst rein abstrakt wirkenden „Bodylandscapes“ zu sehen – Blätter, die genau den Körpermaßen der Künstlerin mit ausgestreckten Armen entsprechen. Hier taucht Horn förmlich in das Papier ein, tobt sich in diffusen Andeutungen von Körperlichkeit aus, spritzt Farbe aufs Blatt, deutet Dynamik und Gewalt an und stößt mit Titeln wie „Am Kreuz“ oder „Saint Sebastian“ biblische Kontexte auf. Einige Filme der Multimedia-Künstlerin, darunter auch der Kinofilm „Buster’s Bedroom“ von 1990, sowie zahlreiche alte und neue kinetische Arbeiten und Skulpturen sind ebenfalls im Gropiusbau zu sehen.

Im Lichthof zeigt Horn die ortsspezifische, neue Arbeit „Das Universum in einer Perle“, eine komplizierte 18 Meter hohe Skulptur aus rotierenden Spiegeln, die dem Betrachter einen Hauch von raum- und zeitloser Unendlichkeit vermittelt. Der junge neuseeländische Komponist Hayden Chisholm vertonte hierzu ein Gedicht von Horn. Doch allzu bedeutungsschwanger von sphärischen Klängen eingehüllte Psycho-Skulpturen verdeutlichen auch eine neue Tendenz im Werk der Künstlerin: Ihr einst sehr poetisches und mit subtilen Mitteln das Publikum in Erstaunen versetzendes, streckenweise auch explizit politisches Werk kippt immer mehr ins Esoterisch-Verklärte ab. Nicht unbedingt Jedermanns Sache!

Besonders stolz kann Rebecca Horn allerdings darauf sein, dass auch „Der tanzende Tangotisch“, der in ihrem Spielfilm „Der Eintänzer“ von 1978 auftaucht, jetzt restauriert wurde und erstmals wieder zu sehen ist. Mit ihm tat sie damals den ersten Schritt zur Feinmechanik und Maschinenkunst, heute ein Markenzeichen ihrer Arbeit. „Dieser kleine Tisch, der in Wiegeschritten seinen Tango alleine im Raum tanzt, ist eine Skulptur mit einer eigenen Geschichte“, sagt sie und fügt etwas besorgt hinzu: „Ob er die Kraft hat, vier Monate lang täglich zu tanzen, dies steht in den Sternen.“

Die Ausstellung „Rebecca Horn. Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Filme 1964-2006“ ist bis zum 15. Januar 2007 zu sehen. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich außer dienstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet 32 Euro. Die Schweizer Zeitschrift für Kultur „du“ widmet ihre Oktoberausgabe ganz der Künstlerin Rebecca Horn. Für 12 Euro am Kiosk erhältlich.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07



11.10.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Künstler:

Rebecca Horn










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