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Der XIII. Rohkunstbau im Wasserschloss Groß Leuthen

Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!



Freiheit gilt als unschätzbares Gut. Reisefreiheit, das Recht auf freie Meinungsäußerung, die politische Freiheit, die persönliche und nicht zuletzt die künstlerische Freiheit sind Errungenschaften, die hart erkämpft wurden und die es bis heute zu verteidigen gilt. Nicht überall auf der Welt ist das Leben in einer offenen, freien, demokratischen Gesellschaft, zu der einst die Französische Revolution den Grundstock gelegt hatte, eine Selbstverständlichkeit. In Zeiten einer realen Bedrohung durch terroristische Anschläge und einem aufkeimenden, unheilvollen Krieg der Kulturen bekommt die kämpferische Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ plötzlich wieder eine neue Aktualität.



Im beschaulichen Spreewalddorf Groß Leuthen bei Berlin findet zur Zeit eine sehenswerte Gruppenausstellung mit zwölf internationalen jungen Künstlern statt, die sich das Thema Freiheit auf die Fahnen geschrieben hat. Der XIII. Rohkunstbau, ein stark gefördertes, von Berlin aus koordiniertes Kunstfestival, präsentiert jetzt die Ausstellung „Drei Farben - Blau“ als ersten Teil einer auf drei Jahre angelegten Trilogie. Die Macher dieses ambitionierten Ausstellungskomplexes beziehen sich auf den polnische Filmregisseur Krzysztof Kieslowski (1941-1996). Seine raffiniert und geistreich verschachtelte Filmtrilogie „Drei Farben - Blau Weiß Rot“ aus den Jahren 1993 und 1994 konfrontiert die Ideale der Französischen Revolution mit der gesellschaftlichen Realität im Frankreich und Polen der Neunziger.

Die zwölf eingeladenen Künstler des XIII. Rohkunstbaus haben sich nicht nur mit einem individuellen Freiheitsbegriff auseinandergesetzt, der mal politisch, mal sexuell, mal persönlich geprägt sein kann. Viele von ihnen gehen auch explizit auf den markanten Ausstellungsort ein. Wie in den zwölf Jahren zuvor findet die diesmal von dem britischen Kurator Mark Gisbourne eingerichtete Schau in einem idyllisch am See gelegenen Wasserschloss statt. Dieses Gebäude atmet und ächzt. Knarrende Treppen, matte Spiegel und elegante Holzdecken voller liebenswerter Patina sind stumme Zeugen der wechselvollen, nicht immer ruhmreichen Geschichte dieses mächtigen Baus, der lange Zeit als Waisenhaus diente.

Ein dezenter Pfeil auf dem Holzboden lockt in den Keller. Hier hat Spuk- und Gruselkünstler Gregor Schneider in düsteren Gängen eine Präsentation seines neuesten, jedoch bisher noch nicht realisierten Projekts aufgebaut. Kurze Computersimulationen, Fotomontagen, Zeichnungen und ein Modell zeigen, wie sein CUBE, ein riesiger, minimalistischer, schwarzer Kubus an verschiedenen Orten aufgestellt werden könnte. Das Projekt, die nicht zufällig an die Kaaba in Mekka erinnernde Skulptur während der Biennale 2005 auf dem Markusplatz in Venedig aufzustellen, scheiterte damals am Einspruch der Behörden. Für das Frühjahr 2007 ist jetzt eine Aufstellung in Hamburg geplant. Angesichts der derzeitigen weltpolitischen Lage könnte sich Schneiders Vorhaben zu einem Lehrstück über künstlerische Freiheit entwickeln.

Die aus dem Libanon stammende britische Installationskünstlerin Mona Hatoum präsentiert teils hübsch dekorative, teils hermetisch abweisende Käfigobjekte, die in Zusammenarbeit mit Kindern in Kairo entstanden sind. Die Amerikanerin Hannah Dougherty kombiniert im Gästezimmer des Schlosses einen ganzen Wald höchst unterschiedlicher Vogelhäuschen mit einem Wandbild in spreewaldtypischer Dekormalertradition. Und die vom Schweizer Costa Vece zackig in die Eingangshalle gesetzte, unüberwindbare Containerskulptur mit Stacheldraht, Scheinwerfern und Revoluzzer-Graffiti zeigt: Die Freiheit kann ersehnt, vermisst, erkämpft, im schlimmsten Fall aber nie erreicht werden. Die Farbe Blau ist die Farbe der Hoffnung und des stolzen Widerstands.

Die in London lebende Deutsche Melanie Manchot erkundet seit Jahren soziale und intime Verhaltensweisen von Teenagern. In Groß Leuthen nahm sie Kontakt zu einer lokalen Theatergruppe auf und brachte die Jugendlichen dazu, in der Garderobe ihre Freizeitkleidung gegen Militäruniformen einzutauschen. In einer Doppelprojektion entfaltet sich langsam ein vielschichtiges Tableau der Rollenverschiebung. Ergänzend hierzu berichten die jungen Protagonisten, die die FDJ nur aus Erzählungen kennen, freimütig in TV-typischen Einzelinterviews über ihr persönliches Verhältnis zur Uniform. Melanie Manchot erforscht behutsam, mit viel Fingerspitzengefühl und ohne wertend einzugreifen, ob in der Nachwendegeneration noch ein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass der uniforme Einheitslook das individuelle Freiheitsgefühl beschränken kann.

Die Italienerin Monica Bonvicini hingegen erprobt sich einmal mehr im Gestus der harschen Domina-Künstlerin: Ihr aus blinkenden Glühbirnen bestehender Schriftzug „Not for you“ ist auf der Schlossterrasse mit Blick auf den idyllisch vor sich hinplätschernden See angebracht. Deutliche Worte in hübscher Jahrmarktästhetik. Ausgeschlossen aus der Gemeinschaft, aus der Welt der konsumbestimmten Bourgeoisie, vielleicht sogar aus dem oft hermetischen und seine eigene Bedeutsamkeit überschätzenden Kunstbetrieb? Bonvicini setzt auf ironische Weise die künstlerische Freiheit mit einer strahlenden Präsenz dagegen: Positioniert in einem Freiraum außerhalb des Gebäudes, bei Tag und bei Nacht von weither sichtbar, und in drei Schlagworten auf den Punkt gebracht.

Die Ausstellung „XIII. Rohkunstbau: Drei Farben – Blau“ ist noch bis zum 10. September zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch bis Freitag von 14 bis 20 Uhr, am Samstag und Sonntag 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog mit seinen 128 Seiten kostet 30 Euro. Dazu gibt es auch ein umfangreiches Festivalprogramm mit Kino auf der Seeterrasse, „Landpartien“ mit Tanz, Theater und Konzert, Gesprächen und Lesungen.

Wasserschloss Groß Leuthen
D-15913 Groß Leuthen
Infotelefon: +49 (0)30 - 486 20 800

www.rohkunstbau.de



17.08.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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