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K21 in Düsseldorf zeigt Martin Kippenberger

Kurioses mit Hintersinn



Unversehens steht der Besucher in der grandiosen Eingangshalle des Ständehauses sofort hinter der Kasse vor einem raumgreifenden Spielfeld. Auf dem von weißen Linien eingeteilten grünen Kunstrasen sind nahezu 50 diverse Tisch-Stuhl-Konstellationen arrangiert. Das komponierte Szenario entwirft die Utopie von Massenbewerbungsgesprächen mit Beschäftigungsgarantie, getreu Franz Kafkas Roman „Amerika“. Die selten ausgestellte Installation von Martin Kippenberger zeigt ein Abbild der Gesellschaft mit ihren Strukturen und Hierarchien. Die Nummern der Ensemblegruppen deuten an, dass es um die Plätze eines jeden Einzelnen in der Gesellschaft geht, die es zu erkennen gilt. An den Schmalseiten sind begehbare Tribünen aufgebaut. Von hier aus wird der Besucher animiert, etwas Wichtiges zu tun: Sich selbst Überblick über sein Umfeld in einem Wettkampf zu verschaffen, in dem man selber steht.



„The Happy End of Franz Kafka’s ‚Amerika’“ gilt als Hauptwerk der jüngeren Kunstgeschichte und als zentrale Arbeit der Ausstellung „Martin Kippenberger“, die derzeit in K21, dem jungen Ableger der Kunstsammlung NRW, in Düsseldorf zu sehen ist. Sie erweist sich als Zusammenfassung aller Ideen des Kippenbergers. Von diesem Werk aus erschließen sich die einzelnen Stränge zu den Lesarten weiterer Arbeiten. Alle Formen, Arbeitsweisen und Motive des Spielfeldes wiederholen sich im Untergeschoss. Mit jedem Möbel und jeder Skulptur sind zum Teil ausufernde Geschichten verbunden. Alle Objekte können nicht von der Person Kippenbergers getrennt werden, denn sie waren Teile seiner Gesten oder Auftritte.

Zu den kuriosesten Stücken gehören die „betrunkenen Laternen“. Ab 1987 überträgt Kippenberger in den Plastiken aus gebogenen Stangen oder Zeichnungen menschliches Verhalten auf ein Objekt. Lampen spielen auch später in seinem Werkschaffen eine Rolle. Zum Denkbild wird ebenfalls eine beladene venezianische Gondel, die sinnfällig vor den Fenstern zum Kaiserteich platziert ist. Die Übereinanderblendung von skulpturaler Form und dem Körper des Künstlers zeigt sich auch in den lebensgroßen Figuren von „Martin, ab in die Ecke und schäm’ Dich“, die als Reaktion auf vernichtende Kritiken entstanden sind. Als Unikate im gesamten Ausstellungsgeschoss verteilt, bespiegeln sie die Rolle und das Selbstbild des Künstlers.

Mit den Serien wie „Lieber Maler, male mir“ aus dem Jahr 1981, „Heavy Burschi“ von 1991 und der ein Jahr später entstandenen Installation der „Weißen Bilder“ rückt der Fokus auf Kippenbergers Konzept, das Malen an andere zu delegieren. Austausch, Konfrontation und Kooperation sind signifikante Kennzeichen seiner künstlerischen Praxis. Im Kunstdschungel der prosperierenden 1980er Jahre erzeugen Clan- und Gruppenbildung Identität. Leitmotivisch kreisen die Themen von Kippenbergers Werken darum, einen Platz einzunehmen, Anschluss zu finden, Stellung zu beziehen.

Das Eier-Karussell gehört zu den Hinguckern in der „Kafka-Arena“. Zwei Schleudersitze mit Regenschirmen umkreisen das Modell eines Spiegeleis. Die surreale Arbeit entstand 1991. Das zu Kippenbergers festen Motivrepertoire gehörende Ei ist so etwas wie ein sein Markenzeichen geworden. Auffallend sind in doppeltem Sinn unter den Möbelskulpturen die herausragenden Hochsitze. Sie verkörpern Grenzwachposten, Schiedsrichter, Aufseher mit Überblick. Hier scheint Kippenbergers Thematik auf, die um den Kontrast von Freiheit und Reglementierung gleitet, um Individualität und Hierarchie, um Normierung und Stellung des Objektes. Die konzeptionelle Haltung und ungeheure Direktheit, auf die Dinge zuzugehen, bilden den Fokus.

Genauso chaotisch, wie sein künstlerisches Schaffen zuweilen anmutet, liest sich sein Lebenslauf. Kippenberger wird 1953 in Dortmund als Spross einer großbürgerlichen Akademikerfamilie geboren. Sein kurzes Leben durchziehen Schlag auf Schlag abfolgende Veränderungen. Die Rastlosigkeit seines Lebenswandels demonstrieren exemplarisch abgebrochene Schul- und Berufsausbildungen, Drogenkonsum, wechselnde Wohnsitze, viele Reisen, Therapien, wechselnde Bekanntschaften. Stets auf der Suche, probiert sich der Martin Kippenberger in wechselnden Rollen aus, agiert als Schriftsteller, Musiker, Betreiber eines weltweit operierenden U-Bahn-Netzes. Als Club- und Restaurantbesitzer bringt er Kunst und Entertainment zusammen, was in dem kokett bescheidenen Wunsch kulminiert, man möge später einmal sagen „Kippenberger war gute Laune“. Die rückhaltlose künstlerische Verarbeitung der eigenen Person und der gelebten Erfahrung machen den 1997 in Wien verstorbenen Künstler zu einer exemplarischen Figur des 20. Jahrhunderts. Der als „enfant terrible“ Verschriene verkörpert ein neues Bild vom Künstler, jenseits von heroischer Sinnstiftung und romantisierender Vision.

In exemplarischer Auswahl zeigt die Ausstellung in K21 rund 200 Werke, darunter Gemälde und konzeptuelle Malereiprojekte ebenso wie Skulpturen, Installationen, Multiples, Zeichnungen, Plakate, Bücher und bislang unveröffentlichte Materialien entlang der Chronologie seiner Laufbahn.

Die Ausstellung „Martin Kippenberger“ ist noch bis zum 10. September in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21 zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, samstags, sonn- und feiertags ab 11 Uhr. Der Eintritt beträgt 6,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 19,80 Euro kostet.

Kontakt:

K21 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Ständehausstraße 1

DE-40217 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 83 81 600

Telefax:+49 (0211) 83 81 601

E-Mail: info@kunstsammlung.de



14.07.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Künstler:


Martin Kippenberger

Veranstaltung vom:


10.06.2006, Martin Kippenberger










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