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Staatsgalerie Stuttgart zeigt Claude Monet

Frühlingsfelder mit analytischem Hintersinn



15.000 Reichsmark für ein Gemälde von Claude Monet! Wenn das heute kein Grund zum Feiern ist! Obwohl das Werk vor genau einhundert Jahren von bissigen Kommentaren begleitet wurde, ließ sich der Vorstand des gerade neu gegründeten Stuttgarter Galerievereins nicht von seinem Vorhaben abbringen. Kritiker konnten dem 1887 gemalten „Feldern im Frühling“ keinerlei Geschmack abgewinnen, sprachen von „Getüpfel“ oder einer „Farbstudie“. Das Bild war Bestandteil der Sammlung des Opernsängers Jean-Baptiste Faure, die als Verkaufsausstellung um die Welt tourte. Die 34 Gemälde, darunter viele von Edouard Manet und alleine 14 von Claude Monet, machten ab dem 10. November 1906 in Stuttgart Station. Am 26. November wurde es aus der Ausstellung heraus erworben.



Heute ist das kunstgeschichtlich bedeutende Bild nicht nur ein Star in der Sammlung der Stuttgarter Staatsgalerie. Als Mittelpunkt einer auf 46 Spitzenwerke wohltuend konzentrierten Schau lädt das Museum zu einem einsichtsreichen Spaziergang durch stolze Pappelreihen, leuchtende Mohnfelder und aufgebockte Heuhaufen. Die aus über 2.000 Gemälden von Claude Monet hinterlassenen, aus internationalen, vornehmlich amerikanischen Sammlungen unter großem Aufwand zusammengetragenen Werke bieten dem aufmerksamen Besucher das instruktive Erlebnis, mit kaum anzumerkender Beiläufigkeit Motive, Techniken und Wandlungen analysierend zu verfolgen. Subtil verbergen sich hinter der duftig-blumigen Aufwertung einer eher spröden Landschaft im Umfeld von Argenteuil mit Hilfe einer Malerei von erfrischender Farbenfülle differenzierte Einsichten und Zugänge. So flott und spontan heruntergemalt, wie es den Anschein hat, sind die Ansichten keineswegs. Monet beteiligte sich mit ihnen an den Versuchen der Überwindung historischer Landschaftsstudien durch das Festhalten von Eindrücken, die er unmittelbar vor Ort gewann.

Sein 1874 gemaltes Bild, die „Impression – Sonnenaufgang“ wurde unfreiwillig zum Namensgeber der als solche zunächst beschimpften Stilrichtung. Doch schon die 13 Jahre später entstandenen „Felder im Frühling“ markieren die Abkehr vom Impressionismus. Zunächst jedoch sticht die Frische und Unmittelbarkeit der Darstellungen ins Auge. Der Lebendigkeit eines blumigen Vordergrundes entspricht der bewegte Himmel. Die aufgerissenen Wolkenformationen als Zonen höchster Helligkeit sind durch horizontale, saumartige Begrenzungen aus Bäumen oder Büschen von dem flockiger gemalten Vordergrund getrennt. Elegant wandelnde Personen erkennt man hier oft erst auf dem zweiten Blick, so sehr verschmelzen sie mit der im Grunde unspektakulären Natur aus Feldern, Wiesen, Hügeln, Hängen, Wasserläufen. Leuchtende Flecken lösen Schattenzonen ab, die von belebten Baumgruppen herrühren.

Im direkten Vergleich lassen sich Monets Untersuchung der Lichtverhältnisse und die schnell wechselnden Erscheinungsformen der Natur, die er in Augenblicksstimmungen, genannt Impressionen, festhielt, hervorragend nachvollziehen. Die Mohnfelder bei Giverny hielt Monet vormittags, mittags und bei abendlicher Dämmerung fest - die Stuttgarter Präsentation ermöglicht einen einmaligen Vergleich der normalerweise auf verschiedene Kollektionen verteilten Exponate. Das Leuchten und der Schattenwurf durch Bäume und Bodenformationen entpuppen sich als Teil einer rhythmisch sehr wohl durchorganisierten Landschaft. Beim Meister der Komposition genauer Konfigurationen horizontaler und vertikaler Elemente ist alles lediglich scheinbarer Zufall, genauso wie der Wechsel von strichelndem oder tupfendem Farbauftrag, der teilweise durch dynamische Noten wie schräg oder geschweift ins Bild führende Wege, Baumreihen oder Wagenspuren beeinflusst ist.

Besondere Glanzstücke koloristischer Lebendigkeit sind die Motive mit den Heuhaufen. Claude Monet versucht hier, das lebendige Aufglühen des Heuhaufens durch eine Vielzahl an Farben von Hellbraun bis Violettgrau durchzuspielen. Dagegen fällt an den raren Orts- und Stadtmotiven, allen voran bei der Brückendarstellung von Argenteuil von 1874, die farbliche Zurückhaltung an bewölkten Tagen auf. Städtisches Leben und Arbeit interessierten Monet als Motiv weniger, eher die Lichteffekte in der freien Natur. Dies untermauert Monets singuläre Position. Wie bei keinem anderen Impressionisten steht die Landschaft im Fokus seines Werkschaffens.

Zunächst spielen noch Figurenstudien attraktiver, vornehmlich weiblicher Gestalten eine Rolle, wie die 1886 entstandenen, großformatigen Studien einer Figur auf einer Blumenwiese im Freien mit Schirm, flatternden Rock vor blauem Himmel. Nach 1890 verschwinden aber sämtliche menschliche Porträts und Staffagefiguren aus den Sujets. Die flirrenden, frischen Natureinblicke weichen immer mehr Eleganz und Glätte ohne sonderlichen Tiefgang. Die Geschwindigkeit von Wahrnehmung und Ausführung nimmt zu, die Ausdrucksstärke der Farbe steigert sich. Die größere Sparsamkeit im Motivischen führt zu einer kraftvolleren Sprache.

Nach 1891 vermehren sich serielle Untersuchungen. Die Mohnblumenfelder sind nun Teile stärker räumlich-plastischer Strukturen von klaren tiefenräumlichen Dimensionen. Die Bäume stehen isoliert und werden immer schlanker; Pappeln erscheinen plötzlich als Hauptdarsteller. Flächigere Farbzonen werden fast zu Farbfeldern. Besonders bei den Bildern aus der Reihe mit Pappeln am Ufer der Epte deutet sich mit dem großflächigen Spätstil eine Entfernung vom Impressionismus an. Um 1891 führt die strenge, klare Gliederung zu einem ausdrucksstarken, monumentalisierenden Farb- und Bewegungsrausch. An die Stelle der Vielfalt von Strichen, Punkten, Farben tritt eine Gebärdensprache mit abstrakteren, simpleren Formen in souveräner Flächengliederung.

Im Rahmen der maltechnischen Entwicklungslinien markieren die in der Staatsgalerie beheimateten „Felder im Frühling“ aus dem Jahr 1887 den Wendepunkt weg von der impressionistischen Weise hin zu einer formal strengeren, stärker konzeptionellen Annäherung an die Landschaft. Es ist somit Hauptwerk und Höhepunkt einer lehrreich konzipierten, aber auch höchst sinnlichen Schau, die das Voranschreiten der Malerei hin zum 20. Jahrhundert darlegt.

Subtil verbindet diese letzte große Präsentation des scheidenden Galeriedirektors Christian von Holst die Intention, ein Zeichen zu setzen für künftige Ankäufe. Vertrauen in das Fachurteil bei der Wahrnehmung qualitativer und innovativer Faktoren ist angesagt. Wie sich mit den Jahrzehnten aus einem zeitweise ins Magazin verbannten Aschenputtel ein Hingucker verwandeln kann, zeigt Monets 1906 erworbenes Werk exemplarisch. Dies sich immer vor Augen zu halten, ist ein weniger offen angesprochenes, aber deutlich wahrzunehmendes Anliegen der Ausstellung. Je stärker es über das Vehikel Monet erkannt wird, desto mehr wird mit diesen wunderbaren Bildern erreicht.

Die Ausstellung „Claude Monet: Effet de soleil - Felder im Frühling“ ist noch bis zum 24. September in der Staatsgalerie Stuttgart zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 20 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Zur Ausstellung ist ein opulenter Katalog erschienen, der an der Museumskasse 23 Euro kostet.

Kontakt:

Staatsgalerie Stuttgart

Konrad-Adenauer-Straße 30-32

DE-70137 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 470 402 68

Telefon:+49 (0711) 470 400

Telefon:+49 (0711) 470 40 249

E-Mail: info@staatsgalerie.de



12.07.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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