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Hamburger Künstlerinnen der Avantgarde in der Kunsthalle der Hansestadt

Kunst statt Kochtopf



Frauen sind für die Familie zuständig. Sie sorgen für die Erziehung der Kinder, für das leibliche Wohl und die Behaglichkeit des Mannes, der in die weite, feindliche Welt hinausgehen muss. Diese überkommene Vorstellung wirkte lange bis ins 20. Jahrhundert hinein nach. Der Berufswunsch der Frau stand erst einmal hinten an. Und wenn sie dann noch eine künstlerische Neigung hatte und das Malen, Zeichnen oder Bildhauern zu ihrem Beruf machen wollte, wurde es ganz schwierig. Eine akademische künstlerische Ausbildung stand aus finanziellen und gesellschaftlichen Gründen nur in den seltensten Fällen überhaupt zur Debatte.



Dennoch gab es natürlich immer wieder Frauen, die gegen allzu männliche Dominanz und tückische Stolpersteine ihren künstlerischen Weg einschlugen. Auch in Hamburg behauptete sich im ersten Drittel des 20. Jahrhundert eine weibliche künstlerische Avantgarde, die Werke von großer Eindringlichkeit, Schönheit und Tiefe hinterlassen hat. Doch der Nationalsozialismus bereitete auch diesem zarten Pflänzchen der eigenständigen Künstlerinnenschaft ein abruptes Ende. Die Hamburger Kunsthalle beschäftigt sich jetzt in einer zweiteiligen Ausstellung unter dem Titel „Künstlerinnen der Avantgarde“ mit dem Schaffen dieser Malerinnen, die überwiegend aus gutbürgerlichem Hause stammten.

Eine der bekanntesten Vertreterinnen der weiblichen Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die jüdische Malerin Gretchen Wohlwill. Sie prägte die Künstlervereinigung „Hamburger Sezession“ entscheidend mit und hinterließ ein vielschichtiges Œuvre, das ihre vielen, teils erzwungenen Ortswechsel widerspiegelt. Das in den 1920er Jahren entstandene Gemälde „Häuser am Hang“ zeigt eine weiße mediterrane Siedlung unter meeresblauem Himmel. Das zart zurückhaltende Gemälde „Hafen Lissabon“ mit einem Kalvarienberg im Hintergrund entstand während ihrer erzwungenen Emigration in Portugal. Während Gretchen Wohlwill die Emigration, die sie als die schwerste Zeit ihres Lebens bezeichnete, leidlich überstand und 1952 nach Hamburg zurückkehren konnte, bedeutete für andere vielversprechende junge Malerinnen das Nazi-Regime nicht nur das berufliche Aus, sondern auch den Abschied vom Leben.

Die Jüdinnen Alma del Banco und Anita Rée wählten auf Grund des politischen Wandels in Deutschland den Freitod. Alma del Banco, die aus einer gutbürgerlichen Hamburger Familie stammte und durch den frühen Tod ihrer Eltern schnell selbständig werden musste, malte in den Zwanziger Jahren gern farbig ausgefallene Schiffsimpressionen vom Hafen in der nahen Stadt Cuxhaven. Dort besuchte sie häufig ihre verheiratete Schwester. Del Bancos 1927 entstandenes Bildnis von Ida Dehmel, der Gattin des Dichters Richard Dehmel, die einen Literatursalon führte und als Förderin der Schönen Künste in Hamburg wirkte, ist hingegen die intensive Porträtstudie einer modernen und selbstbewussten Frau. Ida Dehmel mit flottem grauen Kurzhaarschnitt, blauem Mantelkleid und gekonnt drapiertem weißen Schal ist im Halbprofil zu sehen und lächelt zufrieden und in sich ruhend in entspannter Haltung.

Aus dem 1930 entstandenen, madonnenhaften Selbstporträt der interessanten Malerin Anita Rée hingegen sprechen banges Erwarten und nachdenkliches Innehalten. Rée stellt sich vor einem grünlich-gelben Fond als sinnierende, abgeklärt wirkende, verletzliche Künstlerin dar. Die Malerin ist unbekleidet, der rechte Arm oberhalb der Brust gekreuzt, die linke, schlanke Hand stützt das Kinn. Die geschminkten dunkelbraunen Augen sind weit geöffnet, die schlicht gescheitelte Frisur markiert die ebenmäßige Kopfform, aus dem Blick spricht eine verzweifelte Ruhe. Am 12. Dezember 1933 wählte die zwangsweise als „entartetes Mitglied“ aus der Hamburgischen Künstlerschaft ausgeschlossene Malerin den Freitod.

Harmlosere Inhalte finden sich hingegen bei den Schwestern Molly und Helene Cramer, die berühmt für ihre Blumenstillleben sind und in Hamburg eine kleine Galerie führten. Die in Russland ausgebildete Malerin und Bildhauerin Elena Luksch-Makowsky schuf 1911 die opulente Plastik „Frauenschicksal“, die bis heute im Hamburger Stadtpark steht. Und die vielseitige Mary Warburg, Frau des legendären Kunstwissenschaftlers Aby Warburg, füllte emsig Skizzenbücher und Leinwände. Ihr Triptychon „Palazzo Potetje“ zeigt das gelehrige Paar vertieft am Schreibtisch sitzend während ihrer Florentiner Jahre in ihrem Domizil.

Heute ist es selbstverständlich geworden, dass Frauen ein Kunststudium ergreifen und auf großen Ausstellungen mit wichtigen Arbeiten vertreten sind. Doch der Blick zurück auf die Kunstgeschichte der weiblichen Hamburger Avantgarde in der Zeit von 1890 bis 1933 rückt die Maßstäbe zurecht. Das selbstbestimmte Malen, Zeichnen und Bildhauen für Frauen war nicht immer üblich. Der im Herbst folgende zweite Teil des Ausstellungsprojekts wird das Bild von den „Künstlerinnen der Avantgarde“ sicherlich weiter abrunden.

Die Ausstellung „Künstlerinnen der Avantgarde in Hamburg zwischen 1890 und 1933“ ist bis zum 20. August zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der zweibändige Katalog ist in der Hachmannedition erscheinen. Als Einzelband kostet er 19,90 Euro, beide Bände gibt es zum Subskriptionspreis von 29,90 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



10.07.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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