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Analyse

Die teuersten Kunstwerke des deutschen Auktionsherbsts

Ausgeglichene Hitliste mit Außenseitern



Die angespannte Lage im Kunstgeschäft, die bis vor zwei Jahren den deutschen Kunsthandel bestimmt hat, hat sich gebessert und ist einem Hoch gewichen. Das ist jedenfalls das Fazit, wenn man die Ergebnisse deutscher Auktionshäuser des vergangenen Jahres in Betracht zieht. Die meisten melden Rekordumsätze und Umsatzzuwächse. So verzeichnete das Kölner Auktionshaus Lempertz mit einem Bruttoumsatz von 38 Millionen Euro eines der besten Ergebnisse in seiner 160jährigen Geschichte und belegte mit Lyonel Feiningers Gemälde „Gelmeroda XI“ aus dem Jahr 1928 gleich auch Platz 1 der Hitliste mit den zehn teuersten Kunstwerken der Herbstsaison. Die prismatisch zerlegte Version des bekannten Motivs der kleinen Dorfkirche nahe Weimars aus dem ehemaligen Besitz der Familie des Künstlers zählt zu den Ikonen im Schaffen Feiningers. Dennoch schafften die verkanteten Formen nicht die geforderte Taxe von 1,5 bis 1,7 Millionen Euro. Deutscher Handel, der im Auftrag eines Museums bot, kam schon bei 1,4 Millionen Euro zum Zug.



Der Kölner Versteigerer schickte noch weitere drei Gemälde in das Ranking und sorgte dafür, dass auch die Alten Meister und die Zeitgenössische Kunst zu ihrem Recht kamen. Den fünften Platz belegte mit 580.000 Euro die in warmes Abendlicht getauchte „Bewaldete Landschaft mit der Rast der Heiligen Familie“ aus dem Jahr 1630. Der Franzose Claude Lorrain zeichnet hierfür verantwortlich, und ein Franzose war es auch, der die sanfte Szene wieder noch Frankreich holte. Den Bogen in die Gegenwart spannte dann Lucio Fontana mit einem knallroten, fünf Mal aufgeschlitzten „Concetto spaziale attese“ von 1967 bei 420.000 Euro und Rang 7, während sich gleich danach bei 410.000 Euro mit einem ebenfalls glutroten „Sonnenuntergang am Meer“ das Ranking wieder in den gewohnten Bahnen der Klassischen Moderne einfand. Alexej von Jawlensky malte 1911 die Abendstimmung mit violettem Strand und grünem Himmel.

Über die Top Ten hinaus konnte Lempertz noch zwei Auktionsrekorde auf seinem Konto verbuchen. Der eine geht an den eher unbekannten Kölner Progressiven Franz Wilhelm Seiwert für seine 1925 gemalte, abstrahierte „Demonstration“ in konstruktivistischer Formensprache bei 275.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), der andere an Günther Uecker für ein wogendes „Weißes Feld“ bei 130.000 Euro, ausgeführt 1988 als für ihn typisches Nagelbild (Taxe 70.000 EUR).

Einen weiteren Außenseiter und etwas Exotik brachte dann der Kölner Kollege Van Ham ins Spiel. Prinz Raden Sarief Bustaman Saleh ben Jaggia heißt der Künstler und ist Fürstensohn aus Java. In Deutschland ein Unbekannter ist Saleh ben Jaggia für die Kunstgeschichte seiner Heimat von großer Bedeutung. Er erhielt als erster eine künstlerische Ausbildung in Europa, studierte bei Andreas Schelfhout in Den Haag und Johan Christian Dahl in Dresden. Dort wurde seine „Löwenjagd“ in der Akademieausstellung des Jahres 1840 gezeigt und erfüllte die Sehnsucht der Deutschen nach orientalischen Träumen. Van Ham war es im Vorfeld der Auktion gelungen, alle maßgeblichen Sammler und Händler für das Gemälde zu interessieren, so dass das auf 220.000 Euro taxierte Werk schließlich bei 660.000 Euro von einem indonesischen Industriellen übernommen wurde und damit Platz 3 einnimmt.

Vor allem das Engagement ausländischer Käufer, wie Markus Eisenbeis, Chef des Hauses Van Ham, betonte, trugen zum hervorragenden Jahresergebnis bei. Die kamen dann auch bei einer weiteren Position, Rang 9 der Hitliste, zum Zug. Denn Italiener waren es, die eine vielfigurige Hirtenszene, die im Katalog noch vorsichtig als Schule Jacopo Bassanos eingestuft war, aber doch wohl ein eigenhändiges Werk des Renaissancemanieristen darstellt, für 400.000 Euro anstelle der geschätzten 5.500 Euro erwarben. Aber auch die Deutschen ließen sich nicht lumpen. Heimischer Handel erkannte die hohe Qualität der vom römischen Barock beeinflussten „Beweinung Christi“, die der flämische Caravaggist Theodoor van Loon auf die Leinwand brachte, und genehmigte 215.000 Euro anstelle der geschätzten 38.000 Euro – auch dies ein neuer Auktionsrekord. Der Jahresumsatz bei Van Ham lag dann bei mehr als sechzehn Millionen Euro und steigerte sich gegenüber 2004 um 30 Prozent.

Fehlt noch Platz 2 der Top Ten. Dafür ist die Villa Grisebach in Berlin verantwortlich. Sie schickte Oskar Schlemmers intime „Unterhaltung“ zweier Menschen von 1935, die die Außenwelt vollkommen ausblendet, bei 250.000 bis 350.000 Euro ins Rennen um die Gunst der Käufer. Umworben von Sammlern im Saal und an den Telefonen, konkurrierten nach einem Gebot von 550.000 Euro schlussendlich nur noch zwei Berliner Privatsammler um das Bild, das dann zum Preis von 680.000 Euro zugeschlagen wurde. Mehr konnte der Berliner Versteigerer unter der Führung von Michael Schultz für das Ranking der Herbstsaison nicht aufbieten. Hatte er doch seine Munition in der 125sten Jubiläumsauktion im Frühjahr schon kräftig verschossen. Hier punktete Grisebach mit Max Beckmanns mandeläugiger Schönheit „Anni (Mädchen mit Fächer)” von 1942. Mit dem Zuschlag von 3,4 Millionen Euro steht es nicht nur unangefochten an der Spitze als teuerstes deutsches Kunstwerk des Jahres 2005, sondern wurde auch zum teuersten je in Deutschland versteigerten Bild.

Zu der vom Geheimnis umwobenen Anni gesellte sich in Berlin noch eine zweite Dame, diesmal gemalt von einem weiteren Star des deutschen Expressionismus’. Ernst Ludwig Kirchner konterfeite seine Geliebte während der Dresdner Jahre um 1910, Doris „Dodo“ Große, als Akt im Freien ab und wäre sicherlich auch mit den 1,8 Millionen Euro, die sie jetzt ereilten, zufrieden gewesen. So meldete Bernd Schultz, Chef bei Grisebach, das beste Jahresergebnis seit der Firmengründung 1986: 38 Millionen Euro wurden umgesetzt und damit fast zwölf Millionen mehr als 2004. Die Berliner zogen nun mit ihrem auf Malerei und Skulptur des 19. und 20. Jahrhunderts konzentrierten Angebot erstmals mit der Kölner Konkurrenz gleich, die dafür ein weitaus größeres Spektrum aufbieten musste.

Bei Neumeister schaffte ein Werk der Jubiläumsauktion Ende November zum 80sten Geburtstag des Seniorchefs Rudolf Neumeister, der noch einmal selbst ans Pult trat, den Einzug in die Top Ten. Und zum zweiten Mal war es Lyonel Feininger, der die Käufer überzeugte, diesmal mit der „Rosa Wolke II“ von 1928. Das durch die Ostsee inspirierte Meeresbild in Feiningers charakteristischem „Prisma-Ismus“ verführte, wen nimmt’s Wunder, einen norddeutschen Sammler zu 600.000 Euro – das viertteuerste Bild der Saison. Auch bei Neumeister spricht man vom erfolgreichsten Geschäftsjahr und führt dies auf die Sonderauktion mit Malerei des 19. Jahrhunderts der Sammlung Schäfer und Kontingenten des vielseitigen amerikanischen Sammlers Walter Bareiss zurück.

Platz 6 ging dann an das Hamburger Auktionshaus Hauswedell & Nolte für Wassily Kandinskys Aquarell „Komposition IV“ von 1911, das als Vorlage für die Abbildung im Almanach „Der Blaue Reiter“ diente. Blau und Gelb, durchkreuzt von schwarzen Linien, dominieren das ungegenständliche Aquarell. Dennoch keimt noch eine Erinnerung an eine Berglandschaft auf, wie es in den frühen abstrakten Werken Kandinskys üblich ist. Geschätzt auf 140.000 Euro, katapultierte sich das Blatt auf 430.000 Euro und in belgischen Besitz.

Rang 9 und 10 konnte das noch junge Münchner Auktionshaus Hampel auf seinem Konto verbuchen. Zu Hilfe kam ihm dabei im September die exquisite Kollektion mit Werken Max Liebermanns des 2003 verstorbenen ehemaligen Hertie-Besitzers Hans-Georg Karg, der sich über Jahrzehnte hinweg auf das Werk des deutschen Impressionisten konzentrierte. Zwar lief die Auktion nicht zur vollsten Zufriedenheit von Hampel. Denn manch Hochpreisiges fand keinen Abnehmer. Doch gab es auch wieder Überraschungen, wie Liebermanns „Blick auf die Blumentrasse nach Südwesten“ in seiner Villa am Wannsee, der die Bieter für sich einnahm, den Preis von 180.000 Euro auf 400.000 Euro in die Höhe zog und so gleichauf mit Bassanos Hirtenszene bei Van Ham liegt.

Als letztes Werk der Zehnerliste kam schließlich Liebermanns ebenso farbenprächtig in Rot und Grün aufgenommene „Blumenterasse im Wannseegarten nach Norden“ von 1921 bei 390.000 Euro und einem deutlichen Abschlag zur Taxe von 550.000 Euro ans Ziel. Dennoch sorgte der Berliner Klassiker, der bei Preisen bis 50.000 Euro insgesamt 28 Mal und somit am häufigsten in Erscheinung trat, bei Hampel für gute Laune. Denn gerade mit ihm ergatterten sich die Münchner bis zur eben dieser Marke 56 Ränge und überrundeten die erfolgsverwöhnte Villa Grisebach, die nur 45 stellen konnte.

Dem Charme der Auktionsrekorde konnte man auch beim Münchner Auktionator Ketterer erliegen. Hier brachten zwei Werke neue Spitzenwerte: Die „Nature morte à la carafe“ von Erma Bossi, die 1909 der „Neuen Künstlervereinigung München“ beitrat und freundschaftlich mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter verbunden war, in ihrer flächigen, expressiven Farbigkeit 55.000 Euro und die beinahe mannshohen Flächenbahnen „Portal. 1965“ aus Messing- und Zinndrähten von Martin und Brigitte Matschinsky-Denninghoff 41.000 Euro. Außer Konkurrenz für das Ranking wurde mit einem hohen Zuschlag von 450.000 Euro beim Heilbronner Auktionshaus Fischer ein Silberpokal des Barockmeisters Sebastian Hann bedacht und avancierte zum teuersten kunsthandwerklichen Objekt des deutschen Auktionsherbsts.



18.01.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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