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Spitzweg, Carl

Geboren am 5. Februar 1808 in München, gestorben am 23. September 1885 ebendort
Deutscher Maler, Graphiker und Illustrator, Vertreter des Biedermeier

Gemäß dem Willen seines Vaters studierte Spitzweg bis 1832 Pharmazie an der Universität von München. Das Studium schloß er mit Auszeichnung ab und hatte schon bald eine Führungsposition bei einem Pharmazieproduzenten in Straubing inne. Während dieser Zeit, die er mit Künstlerfreunden wie den Landschaftsmalern Eduard Schleich und Christian Morgenstern verbrachte, kopierte er selbständig holländische Meister des 17ten Jahrhunderts in der Münchener Alten Pinakothek. In den 1830er und 40er Jahren war Spitzweg Illustrator bei zahlreichen Zeitschriften. Er arbeitete für die „Fliegende[n] Blätter“, den „Nürnberger Trichter“ und die „Fränkische[n] Blätter“. 1833 durch eine große Erbschaft finanziell unabhängig geworden, entschloß sich Spitzweg Maler zu werden.

Die Werke seiner Frühphase kennzeichnen sich durch die besondere Beobachtungsgabe des Malers. In liebevoll detailreichen, teils satirischen Genrestudien thematisiert er die Idylle des (Klein-)Bürgertums. Man nennt diesen Stil Biedermeier.

Sein bekanntestes Werk aus dieser Zeit ist wohl „Der arme Poet“ von 1839, heute in der Berliner Nationalgalerie. In den 40er und 50er Jahren reiste Spitzweg durch Europa. 1849 sah er in Prag Bilder des englischen Landschaftsmalers John Constable, 1850 fuhr er nach Venedig, und 1851 besuchte er Paris, London, Lüttich und Antwerpen. Spitzweg beschäftigte sich auch mit den Werken des französichen Koloristen Eugène Delacroix und den Malern der Schule von Barbizon. Dies schlug sich in seinem Werk nieder. Etwa ab 1850 wird der Aufbau seiner Bilder einfacher und der anekdotische Charakter der Motive geht zurück. Dafür gelangen die Farben zu einer atmosphärischeren Ausdruckskraft, was auch im freieren Pinselduktus begründet liegt.

Ab 1860 wendete sich Spitzweg verstärkt der Landschaftsmalerei zu. In seinem Spätwerk, etwa ab 1870, löst er sich weiter von dem Biedermeierstil seiner Vorjahre. Er verwendete pastos aufgetragene Farben mit einer noch stärker aufgelockerten Pinselführung, und gelangte so zu einem fast impressinonistischen Bildausdruck, bei dem das erzählerische Moment nebensächlich wurde.

Spitzweg signierte und datierte seine Werke fast nie. Der Künstler hinterließ lediglich eine Werkliste, die etwa 480 seiner wohl über 1000 erhaltenen Arbeiten umfaßt. Dennoch bleibt eine Datierung schwierig, da in den Aufzeichnungen meist keine Jahreszahlen enthalten sind. Spitzwegs Bilder erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, und gehören somit leider auch zu den meist gefälschten. Schon zu seiner Zeit fand sein Stil viele Nachahmer, wie zum Beispiel in Philipp Sporrer (1829-1899).

A.S.


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