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AktuellAktuell:Museen

Die Kunstsammlung Jutta und Manfred Heinrich in Maulbronn

Berliner Szene in der Provinz


Seit Jonathan Richardson 1719 in seiner Schrift „An Essay on the Whole Art of Criticism, as it Relates to Painting and an Argument in Behalf of the Science of the Connoisseur“ das Wissen und die Erfahrung des sammelnden Kunstliebhabers rühmte, wird der wirkliche Sammler mit dem Anspruch des Kenners identifiziert. Als solcher ist der Privatsammler von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Kunst und hat in verschiedener Hinsicht eine einflussreiche Funktion. Er unterstützt die Künstler, beeinflusst andere Sammler und prägt den Kunstmarkt. Private Kunstsammlungen spielen im gegenwärtigen Ausstellungsbetrieb eine immer größere Rolle, und Sammlermuseen tragen dieser Bedeutung zunehmend Rechnung. ...mehr

Das Clemens-Sels-Museum in Neuss hat nach einer Generalsanierung seine Tore wieder für die Besucher geöffnet. Das Mehrspartenhaus positioniert sich als deutsches Zentrum des Symbolismus

Brutalistischer Betonblock mit künstlerischer Sprengkraft


Clemens-Sels-Museum Neuss

Fest wie ein Monument, kühl und etwas unnahbar begrüßt das ungleiche Paar jeden, der in die Altstadt des rheinischen Neuss einfährt. Eine moderne Brücke führt vom mittelalterlich-stämmigen Obertor ins ebenso massige Clemens-Sels-Museum nebenan. Graue Betonelemente rahmen tiefrote Backsteinfüllungen. Zinnenartig über das Dach hinausragende Betonscheiben nehmen das Wehrhafte des Nachbarn ebenso auf wie schmale, schießschartenartige Fensterbahnen. Harald Deilmann, Schüler von Rolf Gutbrod und ebenfalls einer der ausdrucksvollsten Gestalter der 1960er bis 1980er Jahre, überführte das Wehrhafte des Mittelalters mit der Variante des Brutalismus in die Neuzeit. ...mehr

In der ehemaligen Klosteranlage Salem am Bodensee haben neue Museen eröffnet, deren Spannbreite von Meisterwerken der Kunstgeschichte bis hin zu technikhistorischen Objekten reicht

Mönche als Technikfreaks


Kloster und Schloss Salem

Schwer schlug das Schicksal in der kalten Nacht vom 9. auf den 10. März 1697 zu. Ein schadhafter Ofen in einer Gesindestube verursachte einen rasch über Abtei- und Konventgebäude des Klosters Salem herziehenden Großbrand. Nur mit Mühe konnte das Übergreifen auf die Münsterkirche verhindert werden. Denn nach dem Brandausbruch herrschte Chaos; die Zisterziensersmönche vermochten keine geordnete Feuerbekämpfung zu organisieren. Eine aus Überlingen beorderte Spritze kam zu spät. Die zwischen 1615 bis 1622 von Balthasar Seuff errichteten Klostergebäude wurden völlig zerstört. Bereits am 30. April 1697 schlossen die Mönche mit dem Vorarlberger Baumeister Franz Beer den Vertrag für einen bis 1707 realisierten Neubau. Hierbei war nun vorbeugender Brandschutz angesagt. Massive Backsteingewölbe, Steinplattenböden in den Gängen und effiziente Wasserleitungen gelangten zur Ausführung, mehr noch: Repräsentativ wurden in den Toreinfahrten des Mittelrisalits der Prälatur zwei große Feuerspritzen aufgestellt. ...mehr

Von antiken Prachtkoranen bis zu provokanten TV-Serien aus dem Pakistan der Gegenwart: Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe hat seine umfangreiche Sammlung islamischer Kunst jetzt vollkommen neu aufgestellt

Vielfalt statt Monotonie


Sammlung Islamische Kunst, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

Die Horrormeldungen kommen fast täglich in den Nachrichten. Selbsternannte Gotteskrieger des Islamischen Staates, von Al Qaida oder Boko Haram zerstören jahrhundertealte Bibliotheken, schänden die Grabstätten von Heiligen und Propheten oder stürzen antike Türhüterfiguren vom Sockel, um sie anschließend mit dem Presslufthammer weiter zu zerkleinern. Ins Kreuzfeuer geraten ist in Syrien, im Irak oder Mali nicht nur das kulturelle Erbe von Christen, Babyloniern, Mesopotamiern, Assyrern oder afrikanischen Stämmen sondern auch das islamische Erbe selbst. Der IS duldet keine „Götzenbilder“. Sein Ziel ist die völlige Auslöschung der kulturellen Vielfalt in seinem Einflussbereich. ...mehr

MoMA-Standards garantiert: Nach ihrer umfangreichen, 17monatigen Sanierung erfüllt die große Nordhalle der Hamburger Deichtorhallen jetzt höchste internationale Anforderungen – und besteht zudem jeden Schönheitswettbewerb

Aufstieg in die Weltliga


Die sanierte Nordhalle der Deichtorhallen in Hamburg

„Das haut einen total um in seiner Großzügigkeit und Dimension“, freut sich Dirk Luckow, der Intendant der Hamburger Deichtorhallen, über die jetzt nach 17monatiger Bauzeit frisch renovierte Nordhalle. Entstanden sei eine der schönsten Ausstellungshallen für zeitgenössische Kunst in Europa. Luckow verspricht: „Die Hamburger und ihre Besucher werden die Deichtorhallen ganz neu entdecken. Das ist genauso wie bei der ersten Ausstellung hier vor 25 Jahren.“ In der Tat: Die sanierte und nebenbei von überflüssigen Einbauten komplett entrümpelte, dreischiffige Nordhalle wartet nun allein im Erdgeschoss mit einer Netto-Grundfläche von 4.250 Quadratmetern auf. Davon entfallen 3.100 Quadratmeter auf den reinen Ausstellungsbereich. Die weitläufigere der beiden Deichtorhallen verfügt damit über die größte zusammenhängende Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst in Europa. Der Rest steht für den Museumsshop, die Museumspädagogik und Büros zur Verfügung. ...mehr

Artistische Höhenflüge: In Tirol entsteht gerade auf 1.800 Meter Höhe eine neue Kunsthalle als Teil eines Luxushotels. Eröffnet wird sie im Sommer 2016. Die Kunst spielt im Hotel Arlberg Hospiz allerdings schon jetzt eine große Rolle

Kaktus vor Schneelandschaft


André Wagner, gehoben, 2014

Es gibt Männer mit Visionen. Florian Werner, Jahrgang 1966, ist so einer. Er stammt aus einer Hoteliersfamilie. Sein Vater, Adolf Werner, machte das traditionsreiche Arlberg Hospiz in St. Christoph an einer der wichtigsten Passstraßen zwischen Tirol und Vorarlberg zu einem der führenden Fünfsterne-Hotels des Alpenraums. Nicht nur Wintersportler zieht es in das gemütliche Haus mitten in den angesagten Skigebieten. Prominente, Industriebosse, Staatschefs und gekrönte Häupter lieben diesen Rückzugsort auf 1.800 Metern Höhe seit Jahrzehnten und kommen immer wieder gern: von Papst Benedikt über Felipe von Spanien bis zu Tina Turner. Florian Werner und seine Frau führen das Haus mit diskretem Charme. Sein Vater, Seniorchef Adolf Werner, baute den legendären Weinkeller mit Großflaschen der besten Châteaux im Bordeaux-Gebiet auf. Dieser gilt als einer der bestsortiertesten Weinkeller der Welt und bildet damit für viele Gäste einen exklusiven Anziehungspunkt. ...mehr

In Basel hat jetzt das Haus der elektronischen Künste eröffnet

Neues Kompetenzzentrum für Medienkunst


Das Haus der elektronischen Künste Basel

Es tut sich was auf dem einst rauen Dreispitz-Areal im Basler Süden. Ein großer Teil des von Lagerhallen und Industriebetrieben geprägten Geländes wird nach und nach einer kulturellen Umnutzung zugeführt. Im Sommer erst hat die Hochschule für Gestaltung und Kunst ihren silbrig glänzenden, achtstöckigen Neubau bezogen. Das international renommierte Architekturbüro Herzog & de Meuron hat für sein umfangreiches Archiv und die firmeneigene Kunstsammlung einen markanten Neubau errichtet, der zudem noch luxuriöse Loftwohnungen beherbergt. Und Ende November ist auch noch ein spannender Ausstellungsort hinzugekommen: Das Haus der elektronischen Künste versteht sich als ein Ort für Ausstellungen, Performances, Konzerte, Workshops, Symposien und vieles mehr. Eines will es aber ganz dezidiert nicht sein: ein weiteres Museum. Davon hat Basel nämlich bereits eine ganze Menge. Auf knapp 180.000 Einwohner kommen fast 40 Museen. Das ist selbst in der Schweiz, dem Land mit der weltweit größten Museumsdichte, rekordverdächtig. ...mehr

Völkerkunde neu interpretiert: In Genf eröffnete jetzt das Musée d’ethnographie de Genève in einem gelungenen Neubau im zentral gelegenen Stadtteil La Jonction. Geplant wurde das Haus von den Zürcher Architekten Marco Graber und Thomas Pulver. Die Szenographie der Dauerausstellung hat das Stuttgarter Atelier Bruckner realisiert

Die Individualität des Anderen


Musée d’Ethnographie de Genève

Völkerkunde einmal anders. Auf dem Weg zur unterirdisch gelegenen Black Box des jetzt nach vier Jahren Bauzeit neu eröffneten Musée d’ethnographie de Genève (MEG) beeindruckt zunächst einmal die lange Liste der über 2.000 Spender und Gönner, die auf einer Wand aufgebracht ist. Genfer Bürger, Missionare, Politiker und Botschafter, aber auch Staaten haben dem 1901 gegründeten Museum über die Jahrzehnte mehr als 80.000 Exponate aus aller Herren Länder geschenkt, gestiftet oder vermacht. Das Museum besitzt somit die größte völkerkundliche Sammlung der Schweiz. Bisher war es in der alten Villa Mon Repos im Stadtteil La Jonction untergebracht, am Zusammenfluss von Rhône und Arve, in unmittelbarer Nähe zum quirligen Quartier des Bains mit seinen Galerien, Museen, Cafés und Buchläden. Jetzt konnte für 68 Millionen Schweizer Franken direkt nebenan ein Neubau realisiert werden. Die Stadt Genf lobte einen Wettbewerb aus, den das Zürcher Büro Graber Pulver Architekten gewann. Die ebenso simple wie städtebaulich geniale Idee von Marco Graber und Thomas Pulver: Die gesamte Ausstellungsfläche von 2.020 Quadratmetern liegt jetzt unter der Erde. ...mehr

Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt ist nach sieben Jahren Renovierung wieder für Besucher geöffnet. Das Universalmuseum überzeugt durch eine zeitgemäße Gestaltung, sinnvoll eingesetzte technische Informationsmedien und eine ansprechende Präsentation der vielfältigen Sammlungen

Gesammeltes Wissen


Säulenumgang im sanierten Hessischen Landesmuseum mit Bad Vilbeler Mosaik

Schon von Außen sind nach dem Verschwinden der jahrelang verhüllenden Baugerüste die grundlegenden Sanierungsarbeiten deutlich. Die Dächer des Hessischen Landesmuseums erscheinen nun wieder in den ursprünglich vorhandenen Bronzetönen. Im Empfangssaal, vorbei an den beiden die Treppe säumenden Löwen, tritt dem Besucher die ursprüngliche Pracht des Baus entgegen. Unter der Stuckdecke mit den wiederhergestellten Rosetten erstrahlt die vollkommen leere Halle nun wieder hell und einladend. Die Grundsanierung des Museumsbaus in Darmstadt war dringend nötig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Schäden mit schlechten Materialen nur unzulänglich behoben. Der Modernisierungswahn der 1970er Jahre verstellte durch Einbauten oder abgehängte Decken die anfängliche Idee und Schönheit des Gebäudes. Der Brandschutz war in Jahre gekommen, und schließlich regnete es noch durch die Dächer. Nun wird das Hessische Landesmuseum seinem Anspruch auf Darstellung des gesamten Wissens wieder auf beste museale Weise gerecht und präsentiert die mannigfaltigen Sammlungen des Hauses in seiner neuen Dauerausstellung. ...mehr

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