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AktuellAktuell:Künstler

100 Jahre Künstlergemeinschaft „Brücke“

Gärende, revolutionäre Kräfte


Als Anführer der künstlerischen Rebellion in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden sie gerne bezeichnet. Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff waren aber zunächst nicht primär Maler, sondern Architekturstudenten, als sie sich am 7. Juni 1905 in Dresden in einer Künstlergemeinschaft unter der Bezeichnung „Brücke“ zusammenschlossen. Auf den Namen „Brücke“ kam die Gruppe, als Erich Heckel Partien aus Friedrich Nietzsches „Zarathustra“ vortrug. Im letzten Teil, im Abschnitt „Die Begrüßung“, findet sich die Stelle: „Ihr seid nur Brücke: mögen Höhere auf euch hinüberschreiten! Ihr bedeutet Stufen: so zürnt nicht, der über euch hinweg in seine Höhe stiegt!“ An anderer Stelle schrieb Nietzsche: „Was groß ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist!“ Der Name „Brücke“ sollte für die Hitzköpfe implizieren, alle gärenden, revolutionären Elemente an sich zu ziehen. Damit war eine der bedeutendsten Kunstbewegungen der Moderne geboren. ...mehr

Der Künstler Michael Beutler

Transformationen der Bedingungen von Kunst


Michael Beutler, Kartonwickel, 2004

Künstler, so die landläufige Ansicht, besitzen ein Licht durchflutetes Atelier irgendwo in einem Hinterhof, sie tragen stets einen Skizzenblock bei sich oder zumindest ein Laptop, auf dem sie ihre nächsten Projekte entwickeln. Bei Michael Beutler, geboren 1976 in Oldenburg, ist das alles etwas anders: ein Atelier braucht er gar nicht, weil er immer vor Ort im jeweiligen Ausstellungskontext arbeitet. Ein Skizzenblock ist ebenso überflüssig, weil er seine Ideen an Hand der zur Verfügung stehenden Materialien von Anfang an praktisch erprobt und umsetzt. Und ein Laptop besitzt er zwar, doch es ist weniger Arbeitsmittel, sondern vielmehr Dokumentationsmedium für die Präsentation seiner bisherigen Projekte. Im letzten Jahr war der seit zwei Jahren in Berlin lebende Künstler sowieso fast nur unterwegs. Einzelausstellungen hatte er in Malmö, Oldenburg, Frankfurt, Heilbronn, Braunschweig und Solothurn, daneben nahm er an zahlreichen Gruppenausstellungen, etwa in London oder Kiel, teil. ...mehr

Zum 100. Geburtstag von Barnett Newman

Aesthetic is for the artist as ornithology is for the birds


Barnett Newman, Vir Heroicus Sublimis, 1950/51

In Abgrenzung zu der europäischen Kultur versuchte Barnett Newman für seine Auseinandersetzung mit dem philosophischen Begriff des Erhabenen eine visuell adäquate Form zu finden. „Wenn wir in einer Zeit ohne Legenden oder Mythos, die man sublim nennen könnte, leben, wenn wir keine Erhabenheit in reinen Formen zulassen, wenn wir das Leben in der Abstraktion ausgrenzen wollen, dann lautet die Frage: Wie können wir eine sublime Kunst realisieren?“ Diese Frage formulierte Newman 1948 in der Dezemberausgabe der Zeitschrift „Tiger’s Eye“. Am 29. Januar wäre Newman 100 Jahre alt geworden. 1905 wurde der Maler in New York geboren. ...mehr

Die Kunst Teresa Margolles’

Virtuelle Kunstwelten vergangener Leben


Teresa Margolles, Geweint, 2004

Das Tuch von zwei mal vierundzwanzig Metern Größe trägt die Abdrücke menschlicher Körper. Gegen ihre Verwesung wurden Chemikalien eingesetzt, die nun einen beißenden Geruch auslösen. Ursprünglich waren in diesem Gewebe nicht identifizierte Tote eingewickelt, bevor sie auf den Seziertisch der Universitätsmediziner landeten. „Das Leichentuch“ wird als Gemälde inszeniert. Körper erscheinen durch Spuren, die ein vages Bild ihrer nicht mehr vorhandenen Existenz vermitteln. So verlagert Teresa Margolles körperliche Leibhaftigkeit ins Wahrnehmungsfeld der Kunst. Ihre ins Jahr 1995 datierende Arbeit „Dermis“ besteht aus Laken samt Krankenhauslogo, die blutige Abdrücke von Leichen aufweisen. Auch die „Estudio de la ropa de cadáveres“, schmutzige Hemden verunglückter Kinder, rufen Erinnerungen an Yves Kleins „Anthropométries“ wach. ...mehr

Zum Tod von Tom Wesselmann

Zu kalt, um erotisch zu sein


Tom Wesselmann, California Nude No. 3, 1981

Als Väter der Pop Art können die beiden Künstler der Klassischen Moderne Marcel Duchamp und Fernand Léger angesehen werden. So bereitet Duchamp mit seinen Readymades und Léger mit seinem Interesse für die Maschine das Feld für die Verwendung von Gegenständen der amerikanischen Alltagskultur in der Kunst. Als „kommunistisch“ wurde die heute Pop Art benannte Strömung der 1960er Jahre in den USA kritisiert, die zunächst unter dem Titel des „Neuen Realismus“ in Erscheinung trat. Den Begriff Pop Art prägte neben Lawrence Alloway auch Lucy Lippard, die damit zunächst die Verwendung von Dingen aus der Massenkultur meinte. ...mehr

Zum Tod von Agnes Martin

Die Inseln steigen auf und sterben; Ruhig kommen und gehen sie


Agnes Martin im Jahr 1991

„Die Inseln steigen auf und sterben; Ruhig kommen und gehen sie.“ Dieser Satz stammt von der am 16. Dezember 92järig verstorbenen amerikanischen Malerin Agnes Martin und umschreibt das platonische Weltbild der Künstlerin ebenso wie es einen Hinweis auf ihre Sicht der Erhabenheit der Natur gibt - eine Natur, die nicht nachzubilden, sondern deren Struktur nachzuempfinden ist, ganz im Sinne Cézannes mit seiner Malerei als „Schema parallel zur Natur“ oder Pollocks Aussage „I am nature“. „Hier in New Mexiko malte ich früher Berge, und ich dachte, meine Berge schauten wie Ameisenhügel aus. Als ich aus den Bergen New Mexikos hinausfuhr, sah ich die Ebene, und ich dachte: das ist es nur die Fläche. Wenn du eine Diagonale ziehst, die an beiden Enden ins Leere verläuft.“ ...mehr

Eine Göre im Kampf für die Emanzipation

„Sarah Lucas zahlt kräftig heim“


Sarah Lucas, Chicken Knickers, 1997

„Sie ist eine Code-Brecherin, eine Spielverderberin, eine Saboteurin und eine Spionin“, schreibt der „Village Voice“-Kritiker Jerry Saltz über Sarah Lucas. „Lucas ist eine dreckige Göre, deren unzweideutiges Werk roh, laut und schockierend ist. Es ist aber auch aussagekräftig und prägnant. In ihrer Kunst nimmt Lucas kein Blatt vor den Mund, sie macht aber nicht viele Worte. Sie kommt schnell auf den Punkt – und der hat in der Regel mit der Art und Weise zu tun, wie Frauen in der Gesellschaft gesehen und gezeigt werden. Sarah Lucas ist die Art Künstlerin, die nur redet, wenn sie etwas zu sagen hat. Sie hat keinen Stil per se, nur einen Kontext, den sie sich selbst geschaffen hat.“ ...mehr

Jørn Utzon

Der Architekt im Schatten der Oper von Sydney


Mit Jørn Utzon verhält es so, wie es häufig im Schlagergeschäft anzutreffen ist. Da hat jemand einen Hit, und kurze Zeit später versinkt der Interpret in der Versenkung. Taucht er mal wieder auf, geschieht es stets in Zusammenhang mit dem alten, einzigen Erfolg. Wohl kaum ein anderer Architektenname ist so eng mit einem Bauwerk verknüpft wie der von Jørn Utzon mit dem Opernhaus in der australischen Metropole Sydney. Nähere Details zum Leben des Baumeisters sowie zu weiteren Werken treten völlig in den Hintergrund. Will man sich informieren, ist man überrascht, wie wenig selbst in einschlägigen architekturhistorischen Übersichtsdarstellungen Utzon und sein Werk erwähnt geschweige denn gewürdigt werden. Selbst sein berühmtester Bau findet in vielen Monografien keinerlei Beachtung. Die Verleihung des Pritzker-Preises an Utzon im Jahr 2003 und wenige neue Publikationen werfen ganz sparsam einige Schlaglichter in das Dunkel, das den berühmten Baumeister und seine architektonischen Werke umgibt. ...mehr

Die Finalisten des "blueOrange 2004": Santiago Sierra

Ein Provokateur unter den Künstlern


Santiago Sierra, Spanischer Pavillon auf der Biennale, Juni 2003

Der üblicherweise uneingeschränkte Zutritt in das Innere des spanischen Ausstellungspavillons auf der Biennale in Venedig war durch eine Mauer aus schlecht wie schnell aufgemörtelten Steinen minderer Qualität versperrt. Auch Versuche, den Hintereingang zu benutzen, scheiterten. Uniformierte spanische Wachleute mit Sonnenbrillen kontrollierten jeden ähnlich wie bei einem Grenzübergang. Wer keinen spanischen Pass vorweisen konnte, musste draußen bleiben: Eine spanische Enklave inmitten des internationalen Ausstellungstourismus. Die unaufgeregt lockere Biennalestimmung in den venezianischen Giardini im Jahr 2003 wurde hier auf den Prüfstand gestellt. ...mehr

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