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Am 02.12.2020 Auktion 390: Kunsthandwerk, Antiquitäten und Schmuck

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ohne Titel / Günther Uecker

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Winterlandschaft in Schreiberhau in Schlesien / Hans Purrmann

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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© Galerie Neher - Essen


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Conrad Kiesel, Nach dem Ball

Conrad Kiesel, Nach dem Ball

Öl auf Leinwand. 75 x 95 cm. Signiert oben links: Conrad Kiesel pxt.

Weitere Details:


Undenkbar wäre es gewesen, wenn nur einer der auf dem Maskenball befindlichen Herren nun auf dem gleichen Kanapee Platz genommen hätte. Die Damen bleiben hier unter sich. Gekleidet in ihren voluminösen, aber feinen Roben aus Seide, Taft und Federn, erholen sie sich vom Tanz und beobachten gebannt das Ende des Balls. Die Masken haben sie bereits abgenommen, weshalb der Blick auf ihre Gesichter nun frei geworden ist. Ihre rosige Gesichtsfarbe verdanken sie wohl auch dem angeregten Tanz. Der schwarze, feine Spitzenfächer im Bildvordergrund verdeckt weniger, als er zu betonen weiß. Das feine, porzellangleiche Inkarnat der Damen wird von der konsequenten Lichtregie betont. Schulterpartien und Dekolleté der Trägerinnen strahlen eine besondere Sinnlichkeit aus. Mit der Wiedergabe der zarten Hauttöne und der seidenweichen Stofflichkeit der Kleider erreicht Conrad Kiesel eine sinnbetörende Wiedergabe der Situation. Das zarte zweireihige Goldarmband der dunkelhaarigen Schönheit umschmeichelt ihren Unterarm und wirft das Licht aus dem Schatten des Fächers zurück. Jeder Falte und jedem Oberflächenverhalten der Stoffe widmet sich der Maler mit seinem realistischen Blick und seiner großartigen Virtuosität. Dem Betrachter eröffnet sich hieraus die detaillierte Schilderung eines Moments. Unser großformatiges Gemälde ist ein typisches Werk der Salonmalerei. Wer in Frankreich als Maler reüssieren wollte, musste im sogenannten "Salon" ausstellen. Ab 1725 fanden diese Ausstellungen im Grand Salon Carrée des Louvre statt. Die Salonmalerei wurde zum Inbegriff der Repräsentation, der exzellenten akademischen Schulung, realistischen Anatomie- und Aktdarstellung sowie der wohlkomponierten Darstellungen und effektvollen Lichtführung. Oftmals konnte das Bildformat gar nicht groß genug sein, um den Betrachter zu überwältigen. Gerade die Salonmalerei eröffnete den Malern Gelegenheiten, die Gesellschaft junger Damen, ihre Anmut, ihre guten Manieren, aber auch ihre Verführungskraft zu feiern, wie auch unser Werk eindrucksvoll beweist. Im 19. Jahrhundert spaltet die Salonmalerei die Gesellschaft. Den Gegenpol bilden die Impressionisten, welche ihre Werke als fortschrittlich und antiakademisch bewarben. Wenngleich auch Manet fünfzehnmal und Renoir elfmal im Salon ausstellten, werden ihre Bilder nicht der Salonmalerei zugeordnet. Obwohl die Ursprünge des Salons in Frankreich liegen, war die Salonmalerei in Deutschland wie in vielen anderen Ländern Europas vor allem im 19. und auch im beginnenden 20. Jahrhundert ein beim Publikum höchst beliebter Kunststil. Die Bildauffassung wird durch Opulenz charakterisiert, ist aber auch dem realistischen Element verpflichtet und überzeugt durch eine überbordende Detailfülle. So erhalten auch die Stoffdraperien und die genaue Wiedergabe von Materialbeschaffenheiten die höchste Aufmerksamkeit der Künstler. Während die Salonmalerei im Ausland, gerade in ihrem Geburtsland Frankreich, längst ihren gesicherten Platz in den Sammlungen und Museen gefunden hat, wird sie in Deutschland noch vorsichtig rezipiert. In den letzten Jahren wächst jedoch eine Generation an Sammlern heran, welche die Salonmalerei und ihr Potenzial erneut für sich entdeckt haben. So ist unser Hauptwerk zudem einer der häufigsten Hashtags Conrad Kiesels bei Instagram, wenngleich das Gemälde aus einer italienischen Privatsammlung zu uns kommt. Nach Jahrhunderten und Jahrzehnten von festgefahrenen Modedoktrinen, befinden wir uns in einem Zeitalter, in dem man trägt, was gefällt. Pompöse Ballroben finden daher, auch wenn sie nicht gerade zur Alltagskleidung zählen, wieder volle Bewunderung aus aller Welt. Früher reduziert auf spezielle Ereignisse, man erinnere auch an die sogenannte Sonntagskleidung, haben die gesellschaftlichen Zwänge weitestgehend an Einfluss auf die Garderobe, die natürlich auch mit einem wirtschaftlichen Wohlstand einhergeht, verloren. Die Mode und der Lebensstil unserer Zeit schöpfen aus dem Luxus vergangener Zeiten und fördern die Kreativität der Künste in der Gegenwart und der Zukunft. Auch deshalb ist die Salonmalerei wohl in der Gunst der Betrachter gestiegen. Conrad Kiesel war ein äußerst vielseitig begabter Künstler. Nach dem Studium der Architektur an der Berliner Bauakademie ließ er sich von Fritz Schaper als Bildhauer ausbilden. Es folgte eine Ausbildung zur Malerei bei Wilhelm Sohn in Düsseldorf. Ab 1885 lebt und arbeitet Kiesel in Berlin, wo er häufig in der Akademie ausstellte, Mitglied wurde und später sogar eine Professur erhielt. Große Erfolge feierte Kiesel mit seinen Darstellungen anmutiger junger Damen in reich ausgestatteten Interieurs, zu welchen auch unser Werk zählt. Man schätzte, was schön und kostbar ist. Das Können der Salonmaler, auch der deutschen Vertreter wie Conrad Kiesel, ist bemerkenswert. Feinst drapierte Ballroben, akademisch geschulte, anatomische Genauigkeit und die Wiedergabe einer fein nuancierten Momentaufnahme zeichnen dieses prachtvolle Hauptwerk des Malers in besonderem Maße aus. Provenienz Auktion Sotheby's, London, 19.6.1991, Lot 69. - Auktion Phillip's, London, 14.6.2000. - Privatsammlung, Italien.

Taxe: 130.000 - 140.000 

Losnummer: 2295



Weitere Inhalte:

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Gemälde des 19. Jahrhunderts

Bericht:


Wenn Mönche Trauer tragen

Kunsttechnik/Material:


Öl auf Leinwand

Veranstaltung vom:


14.11.2020, Auktion 1160: Alte Kunst und 19. Jahrhundert




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