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Töchterchen Marion mit Katze, 1898 / Franz von Lenbach

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Römerin mit Lorbeerkranz / Franz von  Stuck

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Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack

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Hermann Max Pechstein, Vor blauem Vorhang, 1917

Hermann Max Pechstein, Vor blauem Vorhang, 1917

Öl auf Leinwand. 101 x 75 cm Oben rechts mit Pinsel in Braun signiert "HMPechstein" und datiert sowie verso betitelt. Soika 1917/116.

Weitere Details:


Die Figur der sitzenden Frau teilt das Bild vertikal in zwei Hälften, die sich wie Tag und Nacht gegenüberstehen: rechts eine sonnengelb leuchtende Fläche, links der titelgebende blaue Vorhang, mit den hellen, tropfen- und kugelförmigen Mustern in Rosa-Grün durchsetzt. Die irritierend lebendigen Tropfen bewegen sich allesamt auf die sitzende Frau zu, ja bestürmen sie regelrecht von links. Die linke Hand der Dargestellten, geöffnet in ihrem Schoß liegend, bildet die assoziationsreiche Gegenbewegung zu diesem Impuls. In einem japanisch anmutenden, kimonoartigen Kostüm sitzt Pechsteins Schwester Gertrud halb nach links gewendet im Bild. Ihre aufrechte Figur ist bis zu den Knien im grünen Rock sichtbar. Der weite, dreiviertellange Ärmel des Kimonos lässt ihr auf den Schenkeln ruhendes Handgelenk frei, die rechte Hand hält sie hinter dem Rücken verborgen. In straffer, klarer Formgebung, schwingender Linienführung und intensiv leuchtendem Kolorit malt der Künstler seine Schwester. Die vereinfachten Formen sind zum Teil dunkel konturiert, die Farben überwiegend kräftig, im Spiel von Rot, Grün, Blau und Gelb stark kontrastierend und verfremdet. Im Bereich des Inkarnats nimmt Pechstein den rot-grünen Farbklang der Tropfen wieder auf, und aus dem linken Ärmel schimmert gar derselbe Ton heraus. Die vollen Lippen und die mandelförmigen Augen der Dargestellten zeigen leichte Anklänge an Pechsteins Palaufiguren, und das ostasiatisch inspirierte Kostüm versetzt die Frau zusätzlich ein Stück weit aus der Berliner Atmosphäre hinaus. Mit seiner Reise zu den Palau-Inseln im Südpazifik 1914, zusammen mit seiner jungen Frau Lotte, war Pechstein allem Gezwungenen und Kultivierten der Heimat entflohen, um sich einen Lebensraum zu erschließen, in dem Mensch und Natur eine intensivere Einheit bildeten. Nachdem jedoch Japan Deutschland den Krieg erklärt hatte, besetzten japanische Truppen die deutsche Kolonie Palau und nahmen die Pechsteins als Kriegsgefangene. Nach nur vier Monaten fand das Idyll ein vorzeitiges Ende, und erst ein Jahr später kehrte das Paar über Umwege und unter abenteuerlichen Bedingungen nach Deutschland. Erst nach Pechsteins Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg, wo er zuletzt an der Westfront nahe der Somme in Flandern eingesetzt war, wurde der Aufenthalt in der Südsee für ihn zu einem bedeutenden Thema seiner Kunst; so entstanden ab dem Frühjahr 1917 in beispielloser Produktivität Hunderte von Ölbildern. In dieser Phase unbändiger Kreativität malte Pechstein das Bildnis seiner Schwester, zwischen Tag und Nacht, zwischen Sonne und Traumwelt sitzend, in einer Mischung von Südseeexotik und Psychedelik: Der blaue Vorhang ist der Schlüssel zu dieser Welt. Die Tropfen auf dem Blau erinnern an Wasser, an Regen oder an Tränen. Regen, ein Geschenk des Himmels an die Erde, steht sowohl physisch wie auch spirituell für eine befruchtende und auch reinigende Wirkung. Geweinte Tränen wiederum, mit ihrer kathartischen Wirkung, verwandeln sich im Märchen in Perlen - wieder ein Anklang an Pechsteins Südseereise. Gertrud scheint sich also in einer fernen Gedankenwelt zu befinden. Im Akt des Malens will Pechstein nicht einfach seine Schwester abbilden, sondern sie nach seiner und ihrer subjektiven Wahrhaftigkeit neu erschaffen. Ebenfalls 1917 entsteht eine Lithographie Pechsteins, "Dame in japanischem Kostüm" (Krüger L 203, ohne Abbildung), die nach Fechters Beschreibung motivisch und kompositorisch eine enge Verbindung zu dem Gemälde aufzuweisen scheint. In demselben Jahr ist Pechstein auf der nach Düsseldorf verlagerten Großen Berliner Kunstausstellung mit sechs Gemälden prominent vertreten. Wie hoch er "Vor blauem Vorhang" selber schätzte, zeigt sich darin, dass er das Bild neben einigen Palau-Gemälden 1918 in Düsseldorf und im Jahr darauf nochmals in Dresden präsentierte. Provenienz: Galerie Wolfgang Gurlitt, Berlin Seit über 80 Jahren in Privatbesitz Baden-Württemberg Ausstellung: Große Berliner Kunstausstellung, Kunstpalast Düsseldorf 1918, Nr. 741 Galerie Arnold, Dresden 1919, Nr. 166

Taxe: 200.000,- 

Losnummer: 8264



Weitere Inhalte:

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Expressionismus

Bericht:


Tischler in Aktion

Kunsttechnik/Material:


Öl auf Leinwand

Veranstaltung vom:


02.12.2017, 110. Auktion: Moderne Kunst Teil I und II




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