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Am 24.09.2019 Auktion 385: Alte Kunst und Schmuck

© Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

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spring swing, 2012 / Heinz Mack

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© Galerie Neher - Essen


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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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AktuellAktuell:Auktionen

Nicht alles, was Grisebach an Hochpreisigem in seiner Fotoauktion versammelt hatte, ging weg. Das Angebot versetzte die Sammler selten in Kauflaune, nur einmal ließen sie nicht locker

Cherchez la femme!


In so manchen Kriminalfilmen taucht der Satz „Cherchez la femme“ als Grund für begangene Morde auf. 1921 übernahm ein österreichischer Stummfilm diese Redewendung und präsentierte die Ungarin Lucy Doraine als männerverschlingenden Femme fatale. Schon zehn Jahre zuvor komponierte Ralph Benatzky seine gleichnamige Operette. Das Verständnis, was das Weibliche ausmacht, änderte sich in den 1920er Jahren mit selbstbewussten und emanzipierten Rollenbildern. In der Kunst begeisterte sich so manche Frau für die Fotokamera, so auch Gertrud Arndt. Sie portraitierte sich 1929/30 selbst mit schielenden Augen, Hut und nacktem Oberkörper, den einzig eine durchsichtige florale Spitzenarbeit und ein langer Netzschleier bedecken. Arndts „Maskenselbstbildnis Nr. 39 A“ absolvierte in der Auktion „Moderne und Zeitgenössische Photographie“ bei Grisebach eine beeindruckende fünfzehnfache Wertsteigerung von 3.000 Euro auf 45.000 Euro, die eine US-amerikanische Sammlung bewilligte. Schon eine Position zuvor ging bei gleicher Schätzung ihr ebenfalls skurriles „Maskenselbstbildnis Nr. 11“ für hohe 16.000 Euro in Berliner Kunsthandel. ...mehr

Bei den Möbeln und Antiquitäten im Wiener Dorotheum suchten die Sammler genau aus und ließen sich nur selten zur Kauflaune hinreißen. Einmal aber konnten sie nicht widerstehen

Nur Engel können fliegen


Ignaz Günther, Paar Engel, um 1760/70

Gegen Ende seines Lebens schnitzte Ignaz Günther in München ein freudig lächelndes Engelspaar in der für ihn so typischen Physiognomie mit leicht schräg gestellten Augen, dem geöffneten Mund, den üppig gestalteten Frisuren samt Haarband und der locker von der Hüfte fallenden Draperie. Das beschwingte Duo, das um 1760/70 am Ende des Rokoko wohl zu einer Altarausstattung gehörte und von oben auf das Geschehen herabblickte, war der Überflieger in der Auktion „Antiquitäten und Möbel“ beim Dorotheum. Kein anderes der über 400 Kunstwerke vom Mittelalter bis ins ausgehende 19. Jahrhundert bezauberte das Publikum in Wien so sehr. Die charmanten Engel in leicht gedrehter Körperhaltung und originaler Farbfassung flogen erst bei 100.000 Euro aus dem Saal; die Experten hatten sie nur mit 20.000 bis 30.000 Euro beziffert. ...mehr

Die erste Tranche Alter Meister aus der Sammlung SØR Rusche ist versteigert. Einen Ausverkauf, wie bei den Zeitgenossen im Auktionshaus Van Ham, gab es bei Sotheby’s in London allerdings nicht

Für das Firmenwohl


Jan Miense Molenaer, Junge Musiker mit tanzendem Zwerg, um 1630

Jan Miense Molenaer, einer der begabtesten Schüler Frans Hals’ in Haarlem, zählt zu den großen Genremalern aus dem Goldenen Zeitalter der niederländischen Malerei. Wohl um 1630 widmete er sich er sich einer Gruppe junger Musiker, die mit Trommel, Tamburin und Rommelpott vor einem Bauernhaus für einen tanzenden Zwerg mit Weinflasche aufspielen. Die lärmende Musik hat schon eine Bauersfrau im Haus aufmerksam gemacht. Das Ganze scheint ein lustiger derber Spaß zu sein, so übertrieben und ungehobelt hat Molenaer die Figuren gezeichnet. Sein mit gut einem Meter recht großformatiges Gemälde war nun eines der Highlights aus der Sammlung SØR Rusche und platzierte sich in der Versteigerung „Old Masters“ bei Sotheby’s in London mit 110.000 Pfund an erster Stelle. Vorgesehen waren für die Posse eigentlich nur 40.000 bis 60.000 Pfund. ...mehr

Grisebach verzauberte sein Publikum bei der Versteigerung der Neueren Meister mit der thematisch breit aufgestellten Auswahl sowie dem besonderen Augenmerk auf qualitätvolle, teils stark umkämpfte Papierarbeiten

Ein tragischer Auktionsheld


Karl Stauffer-Bern, Selbstbildnis mit Zigarette, 1883

Als sich der Schweizer Karl Stauffer-Bern 1883 und damit drei Jahre nach dem Ende seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste München selbst mit dem Bleistift porträtierte, ahnte er wohl noch nichts von seinem weiteren Einfluss. Zu den Schülern des in Berlin tätigen Porträtmalers, Kupferstechers und Radierers zählte später etwa Kunstprominenz wie Käthe Kollwitz. Seine Entscheidung 1888 mit Lydia Escher nach Rom zu gehen, um dort die Bildhauerei zu erlernen, wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Denn gegen die außereheliche Liaison der beiden intrigierte ihr Schwiegervater, der Schweizer Bundesrat Emil Welti, ließ Lydia in psychiatrische Obhut geben und den Künstler ins Gefängnis sperren. Nach seiner Freilassung wählte Stauffer-Bern 1891 den Freitod, woraufhin ihm seine Liebe wenig später folgte. Niemand geringeres als Richard Strauss plante, diese dramatische Geschichte in seiner „Alpensinfonie“ zu verarbeiten, verzichtete dann aber auf direkte biografische Bezüge. Dies holte Herbert Meier nach, dessen Theaterstück „Stauffer-Bern“ 1974 die Uraufführung feierte. ...mehr

Ungegenständliche Arbeiten dominierten die „Zeitgenössische Kunst“ bei Lempertz und führten zu einigen Überraschungen

Wo geht’s nach Marfa?


Mit einer guten losbezogen Verkaufsrate von knapp 68 Prozent und einigen einträglichen Preissteigerungen schloss Lempertz seine Auktion mit Kunst seit 1945 ab. Einer der Stars in Köln war der Tscheche Zdenek Sýkora, der mit seinen von mathematischen Prinzipien und gleichzeitig von Zufall bestimmten „Linienbildern“ rege Bieterlaune auslöste. Sein sinnlich verspieltes Gemälde „Linien Nr. 34“ von 1985 verbesserte sich von 150.000 Euro auf 230.000 Euro und wanderte wie die ebenso quadratische Leinwand „Linien Nr. 40“ von 1986 bei 160.000 Euro nach Tschechien zurück. Bei dem kleineren Werk waren eigentlich nur 90.000 bis 120.000 Euro vorgesehen. Den vielleicht schärfsten Kontrast hierzu formulierte Kenneth Noland mit seiner siebenseitigen Shaped Canvas „Immingle“. Die geordnete Asymmetrie, die der Amerikaner 1976 mit farbigen Polygonen in Braun, Hellgrün, Gelb, Grau, Weiß und Rosa ausfüllte, zog taxgerecht bei 210.000 Euro nach Österreich weiter. ...mehr

Ketterer hat mit der verdichteten Auswahl des 19. Jahrhunderts alles richtig gemacht: Die hohe Verkaufsquote, viele Preissprünge und neue Rekorde zeugen von der euphorischen Stimmung im Saal

Klassische Schönheit in zeitgemäßer Form


Sascha Schneider, Jünglingsbüste mit ägyptischer Kopfbedeckung, um 1911

Mit ebenmäßigen Gesichtszügen in ansprechenden Proportionen blickt der junge Mann geradeaus. Sein nach hinten spitz zulaufender bronzegoldener Stirnreif mit einem Schlangenornament zeichnet ihn als Athlet aus, ist aber wohl genauso Reflex der Orientmode um 1900. Klassische Schönheitsideale treffen hier auf den Zeitgeschmack des Künstlers. Die schwarzbraun patinierte Bronzebüste gestaltete Sascha Schneider etwa im Jahr 1911 und damit während seiner von 1908 bis 1913 andauernden Exilzeit in Italien, die ihre Gründe in seiner relativ offen gelebten Homosexualität hat. Nur wenige Jahre zuvor, seit 1904, war Schneider noch Professor an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule in Weimar. Seine „Jünglingsbüste mit ägyptischer Kopfbedeckung“ ist heute eine Rarität, wie die Experten Ketterers in München angeben: Noch nie zuvor soll auf dem Auktionsmarkt ein Exemplar dieses Werkes zu haben gewesen sein. Nicht nur die ästhetischen Qualitäten, sondern auch die Marktfrische und die Geschichte hinter dem Objekt beflügelten die Bieter aus Deutschland, Frankreich, Belgien und Großbritannien bei der Münchner Versteigerung. Die angestrebten 4.000 bis 6.000 Euro ließen sie schnell hinter sich, ein norddeutscher Privatmann konnte sich erst mit hohen 48.000 Euro durchsetzen. Damit stellt er nun den Weltrekord für den Künstler. ...mehr

Bassenge widmete sich wieder mit Engagement und einer großen Auswahl der Druckgrafik. Dabei punkteten vor allem die nordalpinen Dauerbrenner, aber es gab auch einige Überraschungen

Seltene Düsternis


Jan Saenredam, Vanitasstillleben mit Totenkopfschädel (Des Todes Kopf)

Aus leeren Augen blickt der Totenkopf im Zentrum des Kupferstichs von Jan Saenredam dem Betrachter entgegen, der sich dessen dunklen Augenhöhlen kaum entziehen kann. Weitere Knochen liegen um den Schädel verteilt, und das gesamte Stillleben rahmen morbide Vergänglichkeitsmotive wie Rauchschalen, Sanduhren, Fackeln oder ein Menschenskelett. Das Erinnern an die Sterblichkeit und die damit seit dem Barock verbundenen Leitsprüche wie „Carpe Diem“ und „Memento Mori“ sind ein bis heute relevantes Thema. Dies zeigte sich auch bei der Grafikauktion von Bassenge in Berlin: Die Gebote für das ursprünglich auf 9.000 Euro veranschlagte „Vanitasstillleben mit Totenkopfschädel (Des Todes Kopf)“ wollten kaum mehr enden, bis der Hammer erst bei 38.000 Euro fiel. Zuträglich war der Euphorie um das Werk, das der Niederländer Saenredam um 1600 nach einer Vorlage Abraham Bloemaerts stach, sicher seine Seltenheit, denn nach Angaben des Versteigerers ist sonst kein anderes Exemplar auf dem Markt nachzuweisen. Figürlicher tauchte das Vanitas-Motiv bei Hieronymus Wierix mit dem Kupferstich „Vanitas Vanitatum et Omnia Vanitas“ von 1578 nach Ambrosius Francken I. aus der vierteiligen Folge „Der Sündenfall und die Erlösung des Menschen“ auf, der einen Sprung von 3.000 Euro auf immerhin 8.000 Euro machte. ...mehr

Van Ham hatte zum 60jährigen Firmenjubiläum ein wählerisches Publikum: Die Sammler ließen einige Prunkstücke der Alten Kunst und des Kunstgewerbes liegen, schlugen bei anderen Losen allerdings umso stärker zu und sorgten damit für einige Überraschungen

Eine Lesepause im Grünen


Carl Spitzweg, Im Klostergarten

Durch den dichten Bewuchs, den weite Ausblick und die ruinenhaften Mauern verbreitet Carl Spitzweg auf seiner kleinen Ölstudie „Im Klostergarten“ eine ruhige verwunschene Stimmung. Eine Nonne sowie eine weitere Dame im roten Kleid, die mit spitzer Nase etwas sehnsüchtig in die Ferne blickt, sitzen in dieser Idylle hoch über dem Land und haben sich eine Lektüre mitgebracht. Das gelbe Abendlicht am Horizont verstärkt noch die beschauliche Stimmung. Mit derartigen zart humorvollen Werken erfreut sich der Münchner Spitzweg bis heute großer Beliebtheit. Das belegt schon der Preis, den ein süddeutscher Privatsammler bereit war, bei Van Ham zu bezahlen. Die geschätzten 20.000 bis 30.000 Euro waren schnell erreicht, der Hammer fiel erst bei 45.000 Euro. Ebenso gut kam der motivisch verwandte „Philosoph mit Garten mit Sphinx“ an, der an der Steinskulptur im Halbdunkel über seinem Lesestoff sinniert. Lediglich eine Leerstelle im Laub lässt etwas Licht auf ihn fallen. Hier trieben Liebhaber den Preis von 10.000 bis 15.000 Euro auf unerwartete 27.000 Euro. ...mehr

Die Alte Kunst bei Neumeister in München mit viel Lokalkolorit und einigen ausländischen Spitzenleistungen

Die Predigtwiederholung


Benvenuto Tisi, Die Predigt des heiligen Paulus auf dem Areopag in Athen

Klassischer geht es kaum: In bester Renaissance-Manier hat Benvenuto Tisi die Predigt des heiligen Paulus auf dem Areopag in Athen auf einer großformatigen Holztafel angelegt. Um den zentral auf einem hohen Sockel stehenden Apostel, der seine rechte Hand zum Predigtgestus erhoben hat, haben sich die Athener Gelehrten im Halbkreis versammelt, um über seine Rede von dem „unbekannten Gott“ zu diskutieren. Nach hinten wird die Menschenschar von einer ruinösen bühnenhaften Arena nach der Antike gefasst, die den Blick auf einen Hügel mit darauf thronender Stadt freigibt. Der am Ideal Raffaels geschulte Tisi wiederholt hier ein Fresko, das er 1523 für das heute nicht mehr existente Augustinerkloster Sant’Andrea in seiner Geburtsstadt Ferrara geschaffen hat. Auch auf dem Tafelbild wird der Bezug zu der oberitalienischen Kultur- und Universitätsstadt deutlich. Denn in dem im Hintergrund dominierenden Kastell gibt Tisi eine Reminiszenz auf das Castello Estense, den Sitz der Este in Ferrara. Mit einem Schätzpreis von 120.000 bis 150.000 Euro steht die neutestamentliche Szene, die der italienische Kunsthistoriker Michele Danieli in die Zeit um 1535/40 datiert, unangefochten an der Spitze der Auktion „Alte Kunst“ bei Neumeister in München. ...mehr

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