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AktuellAktuell:Auktionen

Rekorde in London: Zeitgenössische Kunst bei Christie’s

Statisten von der Opernbühne


Spendabel zeigten sich die Teilnehmer der letzten Versteigerung zeitgenössischer Kunst vor der Sommerpause, die Christie’s Anfang Juli in London abgehalten hat. Da war auf der einen Seite Großgalerist Charles Saatchi, der sich zugunsten seiner Saatchi Gallery’s Foundation von Tracey Emins ikonischer Installation „My Bed“ aus dem Jahr 1998 trennte. Und da waren auf der anderen Seite die Kunden, die sich nicht lumpen ließen und den Preis von 800.000 bis 1,2 Millionen auf 2,2 Millionen Pfund hoben. Damit bescherten sie nebenbei auch der 1963 geborenen Künstlerin nicht nur einen neuen Auktionsrekord, sondern den ersten Millionenpreis ihrer Karriere überhaupt. „My Bed“ ist allerdings auch wirklich ein kapitales Stück, war ihr ungemachtes, mit allerlei Benutzungsspuren verschiedenster Art versehenes Liebesnest doch 1999 auf der Turner Prize-Ausstellung in der Tate Britain und auch danach noch in diversen renommierten Museen ausgestellt. Für 2015 hat sich bereits das Wiener Belvedere als Ausleihinteressent gemeldet. Käufer war übrigens der deutsche Industrielle und Sammler Christian Graf Dürckheim-Ketelhodt, der es für mindestens zehn Jahre der Tate als Leihgabe zur Verfügung stellen will. ...mehr

Für den Stuttgarter Versteigerer Nagel ist die asiatische Kunst zum umsatzstärksten Segment geworden. Das führte die vergangene Auktion mit über 2.000 Schätzen aus China, Japan oder Korea wieder eindrucksvoll vor Augen. Doch auch die Kunden aus Fernost setzen inzwischen auf Qualität und nehmen nicht mehr alles mit

Des Kaisers Haushaltsauflösung


Buddha Amitayus, Tibeto-Chinesisch, Kangxi-Periode

Nagel konnte in seiner letzten Auktion asiatischer Kunst wieder mit einer enormen Auswahl an 2150 Kunstschätzen brillieren, die teils einem kaiserlichen Haushalt ebenbürtig schien. 95 Prozent asiatische Bieter, ein Katalog der fast nur noch in Englisch und Chinesisch verfasst ist und eine wertmäßige Verkaufsquote von 60 Prozent machen klar, worum es bei der 710. Auktion des Hauses ging: eine entschiedene Rückführung dieser „verlorengegangenen“ Schätze vor allem nach China. Bei einem Umsatz von 10,9 Millionen Euro dürfte der Abschied nicht schwer gefallen sein. Trotz des guten Ergebnisses konnte diese Auktion nicht an die vom Frühjahr 2013 herankommen, bei der Nagel eine Rekordsumme von 26 Millionen Euro einnahm. Es gab auch keine großen Überraschungen und auch kein Objekt, das die Grenze von 1 Million Euro übersteigen konnte. Nur eine Arbeit kam auf etwas mehr als die Hälfte: Eine sehr gut erhaltene Bronze des Amitayus. Sie stammte aus einer norddeutschen Privatsammlung; ein Familienmitglied hatte sie um 1900 in China erworben. Das Exemplar gehört zu einer Gruppe ähnlicher Figuren, die der Kaiser Kangxi persönlich in Auftrag gegeben hatte, um sie vielleicht seiner verehrten Großmutter, einer Anhängerin des tibetischen Buddhismus, zum Geschenk zu machen. Bei einer Taxe von 300.000 bis 400.000 Euro konnte der filigran gearbeitete Buddha des langen Lebens erst bei 570.000 Euro in sein Ursprungsland zurückkehren. ...mehr

Ergebnisse: Alte und Neuere Meister bei Ketterer in München

Heimat so fern


Frans van Mieris d.Ä. zugeschrieben, Interieur mit zwei Damen, um 1670

Stolze 159.000 Euro ließ ein niederländischer Händler im Münchner Auktionshaus Ketterer zurück, nachdem er sich auf dessen vergangener Versteigerung Alter und Neuerer Meister in zähem Ringen zwei Werke seiner Landsleute gesichert hatte. Zunächst bewies er harte Ausdauer im Kampf um eine kaum postkartengroße Kreidezeichnung, die dem 1635 in Leiden geborenen Maler Frans van Mieris d.Ä. zugeschrieben wird und ein Interieur mit zwei Damen beim Ankleiden zeigt. Die um 1670 mit raschem Strich und lebendig skizzierte Zeichnung, die bei 320 Euro aufgerufen und auf 400 Euro geschätzt war, landete schließlich bei 68.000 Euro und kostete den Ersteigerer mit Aufgeld sogar 83.000 Euro. Kurz darauf ging es schon wieder hoch her im Rennen um eine halbmeterbreite Holztafel, die in fast unsicher, aber auch sehr authentisch wirkendem Pinselduktus eine sichtlich vom Wind bewegte Flotte von einigen Segelschiffen vor einer Küste zeigt. Angesetzt auf 2.000 bis 3.000 Euro, lieferte sich besagter Niederländer wieder ein heftiges Bietgefecht mit Interessenten im Saal und an den Telefonen und zahlte für die Arbeit eines um 1600 tätigen unbekannten flämischen Malers schließlich 62.000 Euro beziehungsweise mit Aufgeld 76.000 Euro. ...mehr

Nicht nur deutsche Kunden engagierten sich eifrig bei der Zeitgenössische Kunst von Lempertz in Köln. Auch das Ausland mischte kräftig mit

Kaum Wünsche offen


Auch bei Lempertz in Köln kam man an ZERO auf der vergangenen Versteigerung zeitgenössischer Kunst nicht vorbei. Wieder räumte das Dreigestirn Heinz Mack, Günther Uecker und Otto Piene Höchstpreise ab. Letzterer gab sich noch am bescheidensten mit drei mittelgroßen Feuerbildern und einer Rauchzeichnung aus den Jahren 1962 bis 1989, die für Preise zwischen 36.000 Euro und 46.000 Euro teils weit oberhalb der vom Auktionshaus angegebenen Schätzpreise in neue Sammlungen übergingen. Vier Arbeiten von Heinz Mack fanden ebenfalls ohne Ausnahme einen Abnehmer, und zumindest für die frühe „Doppel-Vibration“ von 1958 in weißer Gipsrasterstruktur auf Holz wurde es auch schon deutlich teurer: Von 50.000 bis 70.000 Euro auf 97.000 Euro kletterte das aus einer rheinland-pfälzischen Sammlung eingelieferte „Weiße Relief“ und wanderte in den süddeutschen Raum ab. Unangefochten an der Spitze aber behauptete sich Günther Uecker mit seinem „Weißen Feld“ aus dem Jahr 1995. Die wie im Wind wirbelnden Nägel auf der knapp siebzig Zentimeter hohen Holztafel schafften spielend die obere Grenze von 200.000 bis 250.000 Euro. ...mehr

Die Kunden von Christie’s wählten bei der Auktion „Old Master & British Paintings“ in London kräftig aus

Krank im Park


Francesco Guardi, Venedig. Der Bacino di San Marco mit der Piazetta und dem Dogenpalast

Eine Konzentration auf das Wesentliche kennzeichnete das Verhalten der Bieter auf der vergangenen Versteigerung Alter Meister bei Christie’s in London. Das ging naturgemäß zulasten der kleineren, weniger hochgehandelten Stücke und damit der Gesamtzuschlagsquote: Rund die Hälfte der 68 Offerten konnte das Auktionshaus auf der Abendveranstaltung des 8. Juli weitervermitteln – ein eher enttäuschender Wert. Dass trotzdem stattliche 44,3 Millionen Pfund und damit 82 Prozent der Schätzpreissumme dabei herauskamen, ist vor allem einem halben Dutzend Millionenwerte zu verdanken. Spitzenstück war Francesco Guardis prachtvolle Panoramaansicht von Venedigs schönster Seite, dem Bacino di San Marco mit Piazzetta, Bibliothek, Dogenpalast und Campanile hinter regem Treiben auf dem Wasser. Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert befand sich das Gemälde in englischem Adelsbesitz, zuletzt dem der Rothschilds. Auf 8 bis 10 Millionen Pfund angesetzt, markierte die gut einen Meter breite Leinwand schließlich bei 8,75 Millionen Pfund den zweithöchsten Guardi-Preis auf einer Auktion. ...mehr

Die Schweizer Kunst notiert bei Koller stark mit Gemälden von Anker, Hodler, Porges, Scherer und Vallotton

Nackte Jugend


Ferdinand Hodler, Der Frühling. Fassung IV, um 1912

Ferdinand Hodler gehört zu den unbestrittenen Größen der Schweizer Kunst. Wer sich mit der Malerei der Eidgenossen beschäftigt, kommt an ihm nicht vorbei, und seine Gemälde erzielen Millionenpreise. Das machte auch die letzte Auktion vor der Sommerpause bei Koller in Zürich deutlich. Als Favorit war dort Hodlers symbolistische Komposition „Der Frühling“ um 1912 angetreten. Mit diesem Thema, das er als nackten Jüngling auf einer blühenden Bergwiese mit kleinem Mädchen umsetzte, beschäftigte sich Hodler seit 1901 immer wieder. Vier Versionen dieser beiden exzentrisch wirkenden, etwas manieriert sitzenden Gestalten sind bekannt. Schon seinen Zeitgenossen, die in der Darstellung das erwachende sexuelle Bewusstsein zweier Heranwachsender sahen, galt dieses Bild als eine Ikone der Schweizer Kunst, was sich nun bei Koller mit einem Zuschlag von anvisierten 4,1 Millionen Franken bestätigte. Mit Aufgeld zahlte ein nicht genannter Kunde dann sogar gut 4,7 Millionen Franken. ...mehr

Resultate: Moderne Kunst bei Lempertz in Köln

Familientreffen


Gleich zwei seiner Töchter hat der Grafiker und Bildhauer Gerhard Marcks in seiner lebensgroßen Bronzeskulptur „Schwimmerin II“ verewigt. Den weitaus größeren Anteil hat die 1916 geborene Brigitte, die der Künstler 1938 in dem Augenblick darstellt, da sich die junge Frau gerade auf ihren bevorstehenden Sprung in kühle Nass konzentriert, das eine Bein wie in einer Lockerungsübung noch kurz über das andere schlägt und sich gleichzeitig die Badekappe überzieht. 14 Jahre später nahm Marcks die Skulptur noch einmal vor und änderte sie geringfügig an der Frisur. Hierfür bediente er sich seiner 1921 geborenen zweiten Tochter Ute als Modell. Stilgeschichtlich ist das Werk ein interessantes Beispiel für das Bestreben, Gestaltungsprinzipien der klassischen Antike in zeitgenössische Formen zu übersetzen. Jedenfalls waren auch die Kunden des Kölner Auktionshauses Lempertz hellauf begeistert von der Skulptur, die auf der vergangenen Versteigerung moderner Kunst mit einer Schätzung 140.000 bis 160.000 Euro zum Aufruf gelangte. Der heftige Bietkampf zweier Sammler schraubte den Wert schließlich auf 320.000 Euro und damit auf Platz 2 im Auktionsranking für Marcks hinauf. ...mehr

Eine erfreuliche Verkaufsquote und teils hohe Steigerungen kennzeichneten das druckgrafische Angebot von Bassenge in Berlin

Romantische Wehmut


Karl Friedrich Schinkel, Gotische Kirche hinter Bäumen, 1810

Einen Leckerbissen hatte sich Bassenge bis zum Ende der Auktion mit druckgrafischen Erzeugnissen des 15. bis 19. Jahrhunderts aufgehoben. Dann stand Karl Friedrich Schinkels Federlithografie „Gotische Kirche im Eichenhain“ auf dem Programm. Auf dem Blatt hatte Schinkel selbst die Atmosphäre umschrieben: „Versuch die liebliche sehnsuchtsvolle Wehmuth auszudrücken welche das Herz beim Klange des Gottesdienstes aus der Kirche herschallend erfüllt“. Er experimentierte dabei mit mehreren Druckvarianten und unterschiedlichen Papier. Die vorliegende Version auf braun gefärbtem Hanfpapier steigerte die Ausdruckkraft und den Stimmungsgehalt der Arbeit nochmals. Stets als ein Hauptwerk von Schinkels Schaffen als Maler und Zeichner gewürdigt, verfehlte die Lithografie von 1810 nicht ihre Wirkung auf die Kunden des Berliner Versteigerers. Dass dann nur 15.000 Euro auf dem Etikett standen – selbst Bassenge hatte etwa 2002 eine schlichtere Version schon für 63.000 Euro verkauft –, ließ die Kauflust zusätzlich in die Höhe schnellen. Nach langem Bietgefecht siegte ein amerikanischer Sammler erst bei stolzen 125.000 Euro: Weltrekord für diese Inkunabel der deutschen Romantik und der höchste Zuschlag, den je eine Druckgrafik Schinkels erreicht hat. ...mehr

Resultate: Moderne und zeitgenössische Kunst bei Hauswedell & Nolte

Die eiserne Draht-Plastik


Die vergangene Versteigerung von „Kunst nach ’45“ bei Hauswedell & Nolte dümpelte lange Zeit so vor sich hin, bis erst gegen Ende die lang ersehnte Sensation die Beteiligten kurzzeitig aufschreckte. Günther Ueckers 1968 datiertes Nagelbild „Für U. Kahmen“ gelangte als Position 1112 zum Aufruf für verlockende günstige 8.000 Euro. Da das Objekt erst kurz vor Katalogschluss eingeliefert wurde und die Experten sich nicht sicher waren, ob es sich dabei um ein Multiple Ueckers handelt, hatten sie die Taxe so niedrig angesetzt. Das reicht heute nicht mehr für den international renommierten und zusammen mit seinen Kollegen Heinz Mack, Otto Piene & Co. derzeit überall obenauf schwimmenden ZERO-Künstler. Trotz der bescheidenen Maße von rund 30 mal 35 Zentimeter entfachte die regelmäßige, nur in der Mittelsenkrechten etwas durcheinander geratene Nagelreihung eine regelrechte Bieterschlacht. Erst bei 295.000 Euro behielt der Sieger schließlich die Oberhand. ...mehr

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