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AktuellAktuell:Auktionen

Alte und Neuere Meister bei Karl & Faber in München

Wer kriecht denn da?


Petrus Apianus, Astronomicum Caesarum, Ingolstadt 1540

Titellos der Alten Meister bei Karl & Faber ist am 28. Mai eine besondere Inkunabel: Petrus Apianus’ „Astronomicum Caesarum“ aus dem Jahr 1540, eine Zusammenstellung wichtiger wissenschaftlicher Ideen zur Sternenkunde mit beweglichen Scheiben, die den Leser und Betrachter zum Mitmachen einladen und die theoretischen Erkenntnisse praktisch veranschaulichen. Auf etwa hundert schätzt man die Anzahl der noch erhaltenen Exemplare dieses ersten Drucks, dem ein Jahr darauf ein weiterer mit leichten Ergänzungen folgte. Auf 45.000 bis 50.000 Euro beziffert das Münchner Auktionshaus den Wert der knapp 60 Blätter. Eine spanische Handschrift von 1564, die sich mit einem Gerichtsurteil über Landgüter beschäftigt, ist ebenfalls reich mit Malereien illustriert, diesmal auch bildhaften Charakters. Unter anderem erschlägt dort der heilige Jakobus die Mauren (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). ...mehr

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Van Ham

Viel Geschwätz um gute Kunst


„Am grünen Tisch“ trifft man sich am 23. Mai im Kölner Auktionshaus Van Ham, um anlässlich von Karl Bernhard Wohlerts Fertig- und Vorstellung des Werkverzeichnisses der Gemälde Karl Hofers an einem Podiumsgespräch teilzunehmen. „Am grünen Tisch“ lautet auch der Titel eines Gemäldes des Meisters von circa 1950, das sechs mehr oder minder lautstark redende, jedoch offenbar kaum zuhörende Herren um einen entsprechend bedeckten, jedoch ansonsten völlig schmucklosen Tisch versammelt zeigt. Hofer nimmt darin auch Bezug auf seine Anfeindungen seitens der Abstrakten im Berlin der Nachkriegszeit. „Es wird heute zu viel geschwätzt über Kunst, und recht dummes Zeug“, schrieb er an seinen Schüler Wilhelm Wesser. Kein gutes, aber auch ein witziges, ironisch-augenzwinkerndes Omen für die Veranstaltung bei Van Ham. Das Ölbild soll vier Tage darauf die Moderne- und Zeitgenossenauktion verlassen, möglichst mit einem Zuschlag von 20.000 bis 25.000 Euro oder mehr. ...mehr

Design bei Lempertz, Koller und im Dorotheum

In der Hand einschlafen


Peter Behrens, Druckknopftableau, 1914-1917

Drei Länder, drei Sprachen, drei Programme – mit den Frühjahrsauktionen kommt auch das Design wieder zum Zuge. Koller in Genf sucht in seinem französischsprachigen Katalog die Nähe zum westlichen Nachbarn, Lempertz’ deutscher Katalog gibt sich bodenständig auch im Programm und das Dorotheum in Wien, das seine erfolgreiche Design-Sparte bereits im vergangenen Jahr ausgebaut hat, mit englischsprachigem Katalog international. Diese drei Häuser gehören wohl zu den bedeutendsten nicht spezialisierten Designanbietern im deutschsprachigen Raum – Experten wie Quittenbaum und von Zezschwitz in München nicht mitgerechnet. Den Anfang macht am 23. Mai die knapp 250 Lose umfassende Offerte von Lempertz, mit der in Berlin erstmals dem Design eine eigene Versteigerung gewidmet ist. Man beginnt hier ganz klassisch mit Gläsern, Besteck, Steinzeugkanne, elektrischem Wasserkessel, Haartrocknern und – jetzt schon eher unkonventionell – einem Druckknopftableau von Peter Behrens, letzteres zwischen 1914 und 1917 von AEG für den Direktionsaufzug im Gebäude der Neuen Automobil-Gesellschaft in Berlin hergestellt (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR). Auch hat man mit Wilhelm Wagenfeld einen Klassiker der Glaskunst aus den 1930er Jahren im Gepäck. Die filigranen Utensilien listen bei nicht mehr als 1.500 Euro. Später, in den frühen 1950er Jahren, gestaltete er vermutlich für WMF in Geislingen eine Tischlampe mit mattweiß lackiertem und regelmäßig gestanztem Blechschirm (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). ...mehr

Rückblick: Kunst vom 15ten bis zum 20ten Jahrhundert bei Winterberg

Picasso und die Folgen


Rembrandt, Selbstbildnis, von vorn gesehen, im Barett, um 1634

Die berühmte Weltchronik Hartmann Schedels in Anton Kobergers Nürnberger Erstausgabe von 1493 setzte sich an die Spitze von Winterbergs Kunstauktion am 26. April. Meister wie Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff steuerten zu diesem bedeutendsten Produkt des frühen deutschen Buchdrucks ihre Holzschnitte bei. 26.000 Euro kostete das Geschichtsbuch leicht über der Taxe. Auch mit Ansichten der Stadt am Neckar hatte das Heidelberger Auktionshaus naturgemäß keine Schwierigkeiten, wenngleich Matthäus Merians d.Ä. Blick von Norden aus dem Jahr 1620 bei 10.000 um 5.500 Euro deutlich unterhalb des Schätzpreises blieb. Bei knapp 50 Prozent war die auf die Anzahl der Lose berechnete Zuschlagsquote bei den Alten Meistern recht respektabel. Die höchsten Preise erzielte Rembrandt, wobei vor allem eine Serie von Selbstbildnissen aus den 1630er Jahren auf große Resonanz stieß. Auf 12.500 Euro kam sein winziger Kopf von vorn samt Barett aus der Zeit um 1634 (Taxe 6.500 EUR). Mit dem gleichen Betrag wurde der 1645 datierte Kahn unter den Bäumen honoriert, ebenfalls eine Radierung von sehr malerischer Wirkung (Taxe 13.500 EUR). ...mehr

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Zezschwitz in München

Was geschah wirklich mit Erler-Samadens Beinen?


Raimund Wichera, Die Erzählerin, 1884

So hatte man sich Boccaccios Decamerone eigentlich nicht vorgestellt. Auf einem „unserer vielen Landsitze“, so schlägt Pampinea ihren Leidensgenossinnen während der Florentiner Pest 1348 die Flucht aus der Stadt vor, „hören wir die Vögel singen, sehen die Hügel und Täler grünen und die Kornfelder wogen, sehen tausend Arten von Bäumen und einen freieren Himmel“, und dort erzählen sich nach Ausführung des Planes allabendlich sieben blühende Jungfrauen und drei junge Männer jeweils zehn Geschichten – in der Idylle also eines lauschigen Sommers. Nichts dergleichen bei Raimund Wichera. Der 1862 in mährischen Frankstadt geborene und 1925 in Wien gestorbene Künstler hat – so scheint es – zuviel von seinem Lehrer Hans Makart konsumiert. „Die Erzählerin“, eine Skizze, die sich ausdrücklich auf das Werk des italienischen Dichters bezieht, ist denn auch ein noch nicht ganz reifes Frühwerk aus dem Jahr 1884, bei dem man hat den Eindruck gewinnt, die ganze Florentiner Pest mit ihrer schmierigen Morbidität und lasziven Gleichgültigkeit habe auch von den zehn Freunden bereits Besitz ergriffen. Von Zezschwitz, der Münchner Spezialist für Jugendstil und Art Déco, bietet dieses etwas epigonale und hinsichtlich der Boccaccio-Welt fast destruktive Werk am 20. Mai für 6.000 Euro an. ...mehr

Auch bei Christie’s in New York brilliert die Zeitgenössische Kunst

Abstraktion für Alle


Die Idee mit dem Haus, das man auch auf einer Auktion mit zeitgenössischer Kunst anbieten könnte, schlug zwar nicht ein wie eine Bombe, zeitigte aber das gewünschte Ergebnis. Richard Neutras 300 Quadratmeter große Villa „Kaufmann House“ in den Bergen von Palm Springs in Kalifornien wurde bei Christie’s am 13. Mai zur unteren Grenze von 15 bis 25 Millionen Dollar zugeschlagen. Richtig gefragt waren eher wieder die kleinen Leinwände und Skulpturen, die nicht soviel Platz wegnehmen und vielleicht sogar praktische Zwecke erfüllen. Jeff Koons’ vier Staubsauger im Schaufensterkasten zum Beispiel von 1981/86, die 10,5 Millionen verschluckten, oder Tom Wesselmanns weiblicher „Smoker #9“ aus dem Jahr 1973, von dem nur Hand und Mund genügen, um zu zeigen, dass Rauchen zwar schädlich, aber auch sehr erotisch sein kann. Die obere Taxe von 4 bis 6 Millionen Dollar musste es da schon sein. ...mehr

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Jeschke, Hauff und van Vliet in Berlin

Franzosen, Italiener und Russen auf deutschem Parkett


Otto Gutfreund, Cellist, 1912/13

Ein einziger Katalog reicht inzwischen nicht mehr aus für die Frühjahrsauktion des kleinen Berliner Hauses Jeschke, Hauff und van Vliet, das seit Jahren wächst und gedeiht und zu den interessanten Positionen auf dem deutschsprachigen Auktionsmarkt gehört. Den ersten rund 150 Losen der 53. Versteigerung am 23. Mai, die früher als ausgewählte Werke firmierten und nun „Teil I“ bilden, folgen in einem eigenen Katalog knapp 500 weitere Werke zu niedrigeren Preisen. Wie gewohnt zieren viele seltene Namen das Programm, denen nur eine Handvoll derer gegenüberstehen, die Bestandteil jeder besseren Kunstauktion sind. Karel Appel etwa mit einem collageartig zusammengesetzten „Tête de neige“ aus dem Jahr 1961 für 25.000 Euro oder eine farblich übergangene Decollage, auch besser bekannt unter dem Begriff „Plakatabriss“, des italienischen Revoluzzers Mimmo Rotella aus dem Jahr 1990 mit dem Titel „Recht“ (Taxe 42.000 EUR). Doch Picasso, Grieshaber oder Ernst Wilhelm Nay in rauen Massen sucht man hier vergebens, ebenso wie den gesamten deutschen Expressionismus oder die Siebdruckschwemme der amerikanischen Pop Art. ...mehr

Sotheby’s übertrifft mit Zeitgenossen einmal mehr sich selbst. Von Müdigkeit im Auktionsgeschäft ist keine Spur

Erfolg berauscht


Begeisterter Beifall im vollbesetzten Auktionssaal quittierte das spannende Rennen um das Triptychon Francis Bacons, das den Höhepunkt der Abendauktion am gestrigen Mittwoch bei Sotheby’s in New York bildete. Von einem Schätzpreis um die 70 Millionen Dollar war bereits im Vorfeld die Rede für dieses als bedeutendste noch in Privatbesitz befindliche Triptychon des irischstämmigen Künstlers gehandelte Werk. Der Inhaber des britischen Fußballvereins Chelsea, der 41jährige russische Milliadär Roman Abramowitsch, bewilligte für die assoziativ wirkende, keinem eindeutigen Thema unterworfene, von blutrünstigen Vögeln und geschundenen Menschenköpfen bevölkerte Malerei schließlich brutto mehr als 86 Millionen Dollar. Ohne Aufgelder blieben dem ebenfalls europäischen Einlieferer immer noch 77 Millionen Dollar. Damit übertrifft Bacon nicht nur seinen bisherigen Rekord für „Study from Innocent X“ um genau 30 Millionen Dollar, sondern auch den Höchstpreis seines abstrakten Antipoden Mark Rothko, der vor einem Jahr ebenfalls bei Sotheby’s mit 65 Millionen Dollar aus dem Ring stieg. Bacon hat ihm jetzt den Rang als teuerster „Zeitgenosse“ abgelaufen. Rothkos jetzt angebotenes „Orange, Red, Yellow“, versehen mit einem Schätzpreis um die 35 Millionen Dollar, blieb sogar unveräußert. ...mehr

Rückblick: Kunst und Antiquitäten im Kinsky Wien

Am Auktionshaus vorbei


Weitgehend an die nicht besonders engen Preisgrenzen hielten sich die Bieter der der Frühjahrsauktionen im Wiener Auktionshaus Kinsky – wenn auch nicht gerade an die guten Manieren im Geschäft. Ferdinand Georg Waldmüllers figurenreiches Gemälde „Der Guckkastenmann“ von 1850 wurde eigentlich für 1,05 Millionen Euro während der Versteigerung am unteren Rahmen des Schätzpreises zugeschlagen. Das war aber dem Einlieferer zu wenig. In langen Nachverhandlungen einigte er sich mit dem Interessent jetzt außerhalb des Auktionssaals. Kinsky hat das Nachsehen, wenn es auch mit einer Provisionszahlung entschädigt wurde. Einen Preis für diese zweite, etwas sterile Fassung des detailfreudigen Guckkastenmannes, den man sicher veröffentlichen kann, gibt es daher nicht. ...mehr

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