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AktuellAktuell:Auktionen

Rückblick: Jugendstil und Art Déco bei Quittenbaum in München

Ein Bett für 24.000 Euro


Emile Gallé, Vase „Ecume de Mer“, um 1903

Das Interesse an Gebrauchswaren und Dekoration aus Jugendstil und Art Déco bleibt weiterhin hoch bei dem vielleicht wichtigsten Anbieter unter den süddeutschen Auktionshäusern. Angesichts eines derart reichhaltigen, fast siebenhundert Losnummern umfassenden Angebots konnte Quittenbaum in München mit einer Zuschlagsquote von rund 48 Prozent und einem Nettoumsatz von rund 770.000 Euro – mit den Nachverkaufserlösen von gut 800.000 Euro – durchaus zufrieden sein, zumal auch die meisten hoch bewerteten Stücke einen Abnehmer fanden. Einige Zweige wurden bevorzugt behandelt, andere erwiesen sich als etwas zäher. So schwächte sich das Interesse nach Ablauf der Glasprodukte französischen Jugendstils merklich ab. In dieser nach wie vor umworbenen Branche wurden auch einige der höchsten Preise erzielt, so 29.000 Euro für Emile Gallés unkonventionelle Vase „Ecume de Mer“ aus der Zeit um 1903 (Taxe 18.000 EUR) und 10.500 Euro für eine mit Storchenschnabel geschmückte Vase der Meisenthaler Firma Burgun, Schverer & Co. um 1896/1903 (Taxe 8.000 EUR). ...mehr

Zeitgenössische Kunst bei Lempertz

Kunstentgrenzungen


Drei Meter und zwölfeinhalb Zentimeter ist Kenneth Nolands „Ranging“ breit, aber nur zehn Zentimeter hoch. Der amerikanische Minimalist demonstrierte mit diesem Acrylbild 1969, dass der Glaube an die feststehende Grenze eines Kunstwerks eigentlich abstrus ist – und führt diese traditionelle Vorstellung sozusagen mit ihren eigenen Mitteln ad absurdum. Den Schritt zur wirklichen Erweiterung des Kunstbegriffes und damit der dafür notwendigen Mittel ist der klassische ausgebildete Maler freilich nicht gegangen. Da muss man bei Lempertz, wo das Gemälde am 28. Mai für 30.000 bis 40.000 Euro zum Aufruf kommen wird, auch ein bisschen warten müssen. Erst mit Fabrizio Plessi ist diese Entgrenzung wirklich vollzogen. Sein „Bombay-Bombay“ von 1995 besteht aus einer Reihe waagrecht liegender Eisenschränke, in die sechs Fernsehmonitore eingelassen sind und aus denen weiße indische Baumwollsäcke hängen. Zu sehen ist auf den Bildschirmen der Ganges als ein endloser Fluss von Raum und Zeit und damit natürlich als ein Symbol. Das zugehörige Plättschern des Wassers gehört ebenfalls schon zur Ausstattung. Immerhin 480 Zentimeter misst auch diese Skulptur in ihrer größten Ausdehnung und kosten soll sie 160.000 Euro. ...mehr

Moderne und Zeitgenössische Kunst bei Karl & Faber in München

Schielen nach Italien


Die allergrößten Schätze hat Karl & Faber für die Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst am 29. Mai nicht ausheben können. So wird es das zum Teil etwas durchschnittliche, allerdings auch nicht vermessen hoch taxierte Angebot gelegentlich vielleicht etwas schwer haben. Die besten Stücke kommen aus dem Expressionismus, wobei hier nicht zuletzt die Arbeiten auf Papier zu nennen sind. Darunter ist eines von Max Beckmanns Selbstbildnissen auf Kaltnadelradierung, diesmal aus dem Jahr 1918 en face mit einem Hausgiebel im Hintergrund, für 16.000 bis 18.000 Euro, oder Erich Heckels gegen 1911 entstandenes Aquarell mit Booten auf dem Wasser (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Eindrücklich ist auch sein Holzschnitt mit einem Bildnis seines Kollegen Ernst Ludwig Kirchner aus dem Jahr 1917. Der Titel des Blattes „Roquairol“ spielt auf eine Romanfigur Jean Pauls an, deren Egozentrik mit der des Expressionisten offenbar vergleichbar war (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Dieser wiederum versucht es mit seiner Kreide- und Bleistiftzeichnung „Straße mit Pylonen“ bei 24.000 bis 26.000 Euro. Sie diente als wohl als Vorlage für eine Radierung des Jahres 1909. Datiert hat er das Blatt später aber auf 1906. Sein „Brücke“-Genosse Karl Schmidt-Rottluff entsendet den 1914 entstandenen Holzschnitt „Trauernde am Strand“ (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) und das Aquarell einer Dorfstraße aus den frühen 1940er Jahren (Taxe 20.000 bis 22.000 EUR). ...mehr

Moderne Kunst bei Hassfurther in Wien

Am Anfang war der Walde


Die erste Adresse für österreichische Kunst der klassischen Moderne zu sein, ist für Wolfdietrich Hassfurther auch am 28. Mai wieder Ansporn für ein erlesenes Programm. Am Anfang steht wieder einer seiner Lieblinge, Alfons Walde, dessen Auktionsrekord er nach wie vor hält. Das „Tiroler Dorf“ im sommerlichen Sonnenschein (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR), die „Häuser im Gebirg“ im winterlichen Sonnenschein von 1932 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) oder eine dumpfe Gruppe Sarntaler Bauern in einer ebenso dumpfen Wirtsstube, die im vergangenen Herbst schon bei 90.000 bis 120.000 Euro stand und nun für 60.000 bis 90.000 Euro zu haben ist, sind ebenso charakteristische wie herausragende Meisterwerke dieses nach wie vor beliebten und hochbezahlten Künstlers. Ihm künstlerisch verwandt ist der im gleichen Jahr 1891 geborene Oskar Mulley, von dem Hassfurther die große Anzahl von zehn Bildern zur Verfügung stellt – der Auktionator plant im Herbst eine große Mulley-Retrospektive. Seine schwindelerregend auf hohen Alpenklippen gelegenen und von anderen Bergen in den Schatten gebannten Bauernhöfe oder auch ein Gebirgssee unter grauer Wolkendecke besitzen allerdings nicht ganz die plastische Dichte wie die Werke Waldes und werden mit bis zu 30.000 Euro auch nicht so hoch bewertet. ...mehr

Moderne Kunst bei Lempertz

Ophelia mit Maserung


Wieder gehört ein Heinrich Campendonk zu den Sahnestücken der Frühjahrsauktion moderner Kunst bei Lempertz in Köln. Am 28. Mai wird sein „Blumenbild“ tituliertes Gemälde angeboten. In leuchtenden Farben finden sich Fragmente von Gebäuden, Landschaftsausschnitte, ungegenständliche Farbflächen und in der Mitte eine schöne weiße Blüte miteinander verschränkt. Auf der Rückseite übt sich ein Paar in verdrehten Posen. Es entstand um 1918 in der besten Zeit des Künstlers und in einer politisch hochbrisanten. Zusammen mit anderen Künstlern musste sich Campendonk der Verdächtigung erwehren, in die Umsturzpläne der Spartakisten verwickelt zu sein. Einer dieser Kollegen war Walter Dexel, selbst ein wichtiger Protagonist der beginnenden Abstraktion, der sich damals vor allem in Jena aktiv für den Münchner und Berliner Expressionismus einsetzte. In seinen Besitz gelangte das Gemälde später und wird jetzt von einer belgischen Privatsammlung eingeliefert. Erwartet werden 500.000 bis 700.000 Euro. ...mehr

Alte und Neuere Meister bei Karl & Faber

Retter in der Not


Albrecht Dürer, Melencolia I, 1514

Auf dem Gebiet der Druckgrafik hat Karl & Faber in München einmal mehr seine besonderen Stärken in der Altmeisterauktion am 28. Mai. Selten allerdings dürfte das Angebot so erlesen gewesen sein wie diesmal, in den derzeitigen Frühjahrsauktionen sucht es seinesgleichen. Dank sei vor allem einer süddeutschen Privatsammlung, aus der zwei der wichtigsten Serien Albrecht Dürers kommen. Wo man sonst oft nur Einzelblätter findet, hat man diesmal die komplette sogenannte „Kleine Passion“, mit 37 Holzschnitten die umfangreichste Folge des Meisters. Entstanden ist sie wahrscheinlich in den Jahren um 1509/12. Dürer hat sich also über einen langen Zeitraum hinweg mit dem heilsgeschichtlichen Thema von Adam und Eva bis zum jüngsten Gericht in ein und demselben Werkzyklus befasst. Eine zweite bedeutende Serie entstand weitgehend in den Jahren bis 1505, umfasst 20 Holzschnitte und beschäftigt sich mit dem Leben der Mutter Christi Maria. Lediglich Marientod und -himmelfahrt sowie der Titel kamen erst 1510 hinzu, der Text erst 1511. Beide Folgen sind mit jeweils 80.000 bis 100.000 Euro bewertet. ...mehr

Silber läuft im Dorotheum ausnehmend gut

Zarenmörder und Türkenbezwinger


Caspar Beutmüller d.Ä., Doppelbecher, Nürnberg um 1590

Seinen Führungsanspruch auf dem österreichischen Auktionsmarkt unterstreicht das Dorotheum in Wien regelmäßig durch bildende Kunst wie Kunsthandwerk gleichermaßen. Eine einzige Auktion ausschließlich mit Silber erbrachte am 11. Mai bei einer hohen Zuschlagsquote von fast 79 Prozent nach Losen stolze 1,68 Millionen Euro brutto. Dabei war es nicht nur die breite Masse der fast 430 Objekte, die diese Summe zusammentrug, sondern auch exzeptionelle Spitzenstücke, die mal ihre hohen Anforderungen erfüllten, mal aber auch erstaunliche Preissprünge nach oben machten. Dass gleich das erste Los dazugehören würde und damit einen Auftakt machte, wie ihn sich jedes Auktionshaus nur wünschen kann, gab der spätnachmittäglichen Veranstaltung eine besondere Note. Caspar Beutmüllers I. Renaissance-Doppelbecher, einem Kleinod Nürnberger Schmiedekunst des späten 16ten Jahrhunderts mit den charakteristischen Buckeln, gelang dieses Bravourstück: Es verdoppelte nach spannendem Bietgefecht seinen oberen Schätzpreis auf 30.000 Euro. ...mehr

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Van Ham

Neues aus der Sammlung Hess


Ernst Ludwig Kirchner, Drei Akte im Wald, 1912

Trotz Krise und zurückhaltender Einlieferungspolitik hat das Kölner Auktionshaus Van Ham für den 27. Mai wieder einige erstklassige Kunstwerke der Moderne und Gegenwart aufgetrieben. Im Mittelpunkt steht ein Gemälde Ernst Ludwig Kirchners, das sich seit rund siebzig Jahren in rheinischem Privatbesitz befand. Wie bei so vielen Gemälden des Expressionismus ist auch hier die Provenienzgeschichte belastet. Einst gehörte es dem jüdischen Schuhfabrikanten Alfred Hess, der nach Meinung von Experten die vielleicht bedeutendste Sammlung deutscher Expressionisten besaß, die es je gegeben hat, und zu der auch die 2006 vom Land Berlin restituierte und in New York für 34 Millionen Dollar versteigerte „Berliner Straßenszene“ von 1913/14 gehörte. Doch die Parteien – Einlieferer und Erbengemeinschaft – haben sich nach Auskunft des Hauses geeinigt, und so kann sich der zukünftige Besitzer wohl ungestört der drei Akte im Gehölz erfreuen. Kirchner malte die mittelgroße Leinwand 1912 während seines unbeschwerten und durch die Geliebte Erna Schilling versüßten Fehmarn-Sommers, als er nach eigenen Worten künstlerisch zu „absoluter Reife“ gelangt war. Mit 400.000 bis 600.000 Euro ist es das teuerste Los der Auktion und lässt preislich noch Luft nach oben. ...mehr

Nicht nur historische Trinkgefäße bei Vogt in München

Lasst Neider neiden


Planetenkrug, Creußen, 1667

Es geht wieder deftig zu auf den Krügen des Münchner Internetauktionators Johannes Vogt am 23. Mai. Da wird um 1713 auf einem Altenburger Zunftkrug der Metzger mit farbigem Perldekor ein hirschartiges Tier geschlachtet (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), es wird geliebt auf einem Waldenburger Hochzeitsfässchen mit zwei Reliefdarstellungen eines Brautpaares um 1640 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Die ganze Götterschar mit Saturn, Jupiter, Mars, Sol, Venus, Merkur und Luna prangt auf einem Creußener Planetenkrug, den sich eine gewisse „Dorothea Scipien geborne Richterin“ 1667 hat prächtig bemalen lassen. Deftig ist hier auch der Preis: Mit 20.000 bis 30.000 Euro ist es das teuerste Objekt auf dieser Veranstaltung, die – gegenüber früheren – leicht verschlankt knapp vierhundert Sammlerstücke des 16ten bis frühen 20sten Jahrhunderts auf den Markt bringt. Nicht nur historische Trinkgefäße, wie der Titel suggeriert, sondern neben vielen Krügen aus Steinzeug, Zinn oder anderen unedlen Materialien auch einige Porzellanfiguren, Mörser oder religiöse Andachtsstücke. ...mehr

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