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AktuellAktuell:Auktionen

Moderne Kunst bei Ketterer in München

Dreifach Mueller


Otto Mueller, Artistenpaar, 1910/11

Eng aneinander geschmiegt haben sie sich, in den Umrissen verschmelzen sie sogar zu einer Einheit. Etwas schüchtern, fast linkisch präsentiert sich die junge Frau, herausfordernd und selbstbewusst dagegen der junge Mann, der sie fest an seine Schulter drückt und energisch den linken Arm an den Oberschenkel stemmt. Dabei sind die beiden Schwarzen alles andere als Kraftnaturen, im Gegenteil: Es sind Artisten, die Otto Mueller, der Schöpfer dieses Doppelkniestücks, vermutlich in Berlin getroffen hat. Das Exotische und zugleich erschütternd Menschliche dieses Paares inspirierte ihn zu diesem Gemälde. Nicht zuletzt konnte er ganz neue Farbwirkungen ausprobieren: Die beiden Menschen, sie in etwas hellerem, er in kräftigem Braun, stehen vor einem grünlichen Hintergrund, der sich nicht näher definieren lässt und an den Rändern sogar einfach mit dem Bildträger verschwimmt. 1910/11, in einer seiner wichtigsten Werkphasen, schuf Mueller dieses Bild, hatte er doch erst kürzlich mit den „Brücke“-Künstlern Verbindung aufgenommen und sich freundschaftlich besonders an Kirchner angelehnt. Doch künstlerisch blieb seine Sprache immer unverwechselbar und eigenständig bis zu seinem Tod 1930. ...mehr

Alte Meister bei Sotheby’s in London

Dudelsackspötter


Anthonis van Dyck, Selbstportrait

Fielen bei Sotheby’s die Bilanzen der Kunstauktionen in den vergangenen Monaten öfters deutlich besser aus als bei Christie’s, so halten sich die Londoner Altmeisterauktionen am 9. Dezember gegenüber der Konkurrenz tags zuvor ein wenig zurück. Nur drei Werke strecken ihre Fühler in Richtung siebenstellige Schätzpreise aus. Ein Selbstportrait Sir Anthonis van Dycks, wie er sich in vornehmer Haltung über die Schulter hinweg aus dem Oval herauswendet (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP), und Sir Edwin Henry Landseers Breitformat „Rückkehr von der Treibjagd“, das 1837 in der Ausstellung der Royal Academy den Beifall des Publikums erregte (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP), belegen Platz zwei und drei. An der Spitze steht ein Damenportrait Peter Paul Rubens’. Das allerdings ist eine Entdeckung, stellt es doch einen völlig neuen Beitrag zum Œuvre des Meisters dar. Möglicherweise hing es einst in der „Galerie der Schönheiten“ Herzog Vincenzo Gonzagas von Mantua, im 19ten Jahrhundert jedenfalls verschwand es in englischem Adelsbesitz. Die Dame, bei der vor allem der Kopf fein ausgearbeitet ist, würde bei 4 bis 6 Millionen Pfund über einen Umzug nachdenken. ...mehr

Rückblick: Moderne im Wiener Dorotheum

Nicht immer auf die armen Italiener


Trotz einer hohen Zuschlagsquote von rund 62 Prozent war die Moderneauktion im Wiener Dorotheum am 26. November kein durchschlagender Erfolg. Schon das vergleichsweise dünne Angebot ließ den Gesamtumsatz gegenüber dem Frühjahr um rund 600.000 auf brutto gut 1,8 Millionen Euro zurückfallen. Und ein Gutteil der hoch gehandelten Stücke musste das Haus als „durchgefallen“ vermelden: Massimo Campiglis „Anfiteatro“ von 1957 (Taxe 130.000 bis 180.000 EUR), ein „Table-Feuilles“ aus grünlich patinierter Bronze des Jahr 1970, mit dem das Dorotheum bei 90.000 bis 110.000 Euro die Preisschraube für Diego Giacomettis Kunst- und Designobjekte etwas höherstellen wollte, Max Liebermanns Impression „Aus dem Grunewald“ von 1912 (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR), die beiden Terrakottareliefs „La Terre et l’Eau“ von Henri Laurens aus dem Jahr 1937 (Taxe 100.000 bis 140.000 EUR), ferner zwei Arbeiten aus Alfons Waldes expressionistischer Schaffensphase, „Wegkreuz“ um 1920 und „Granatenwerfer“ von 1919 (Taxen zwischen 70.000 und 100.000 EUR), und auch Gustav Klimts Kalksteinkopf, den er gegen 1913/14 als einen seiner wenigen plastischen Werke gestaltete – und wieder verwarf. Worüber man sich allerdings wenig wundert. Den Schätzpreis hatte das Dorotheum zum Glück nicht kundgetan. ...mehr

Rembrandt und Raffael: Mit zwei großen Namen kann Christie’s in der Auktion „Alte Meister“ in London aufwarten

Zweimal predigen


Rembrandt, Halbportrait eines Mannes mit in die Hüfte gestemmten Armen, 1658

Sie waren schon groß angekündigt worden, die beiden Hauptlose der kommenden Versteigerung „Old Masters & 19th Century Paintings, Drawings & Watercolours“ von Christie’s in London. 18 bis 25 Millionen Pfund möchte das Auktionshaus am 8. Dezember für Rembrandts Halbportrait eines Mannes mit in die Hüfte gestemmten Armen sehen. Schließlich ist es ja eines der wenigen Ölgemälde des Meisters, das überhaupt noch auf dem freien Markt zu haben ist. Schon 1930 ging es für eine damals durchaus stattliche Summe von 18.500 Pfund über eine Auktionsbühne. 1958 wechselte es in den Besitz der Columbia Universität New York über, die damit 1974 ihre Kasse etwas aufbesserte und im Gegenzug die Sammlung von Barbara Piasecka Johnson bereicherte. Düster ist das Portrait, es lässt viel ahnen von den schweren Leiden des Künstlers in seiner letzten Lebenszeit. 1658 ist es entstanden. Das andere Hauptlos ist freundlicher. Es stammt von keinem Geringeren als Raffael und zeigt einen mit schwarzer Kreide gezeichneten Musenkopf als Vorbereitung für ein Detail des Gemäldes „Parnass“ in der Stanza della Segnatura des Vatikanischen Palasts. Nach über siebzig Jahren erstmals wieder auf dem Markt, soll das Blatt jetzt 12 bis 16 Millionen Pfund kosten. Schon allein der Rembrandt liegt mit seinem unteren Schätzpreis höher als die Gesamttaxe der restlichen 41 Positionen, die knapp 15 Millionen Pfund ausmacht. Christie’s setzt daher viel auf die beiden Spitzenwerke. ...mehr

Schweizer Kunst bei Sotheby’s in Zürich

Neues vom Hexerich


Félix Vallotton, La Dordogne à Beynac, 1925

Deutlich weniger aufsehenerregend als in der Vergangenheit sind die Einlieferungen zur Herbstauktion Schweizer Kunst bei Sotheby’s. Zu einem Millionenpreis wird es am 7. Dezember in Zürich wohl nicht reichen. Die beiden Hauptlose stammen von Félix Vallotton. „La Dordogne à Beynac“ entstand zusammen mit rund einem Dutzend weiterer Landschaften nach einer Reise, die der Künstler kurz vor seinem Tod im Jahr 1925 in die Gegend am südwestfranzösischen Fluss unternahm. Die auf große Farbflächen beschränkte, aber freundliche Ansicht des mittelalterlichen Dorfes Beynac mit seiner hoch auf einem Felsen stehenden Burg entspricht annähernd der Wirklichkeit. Auffällig sind lediglich eine große Baumgruppe im Vordergrund, die wie ein Bouquet aus dem Wasser hervorwächst, und das Kolorit aus violetten und grünen Tönen. 500.000 bis 700.000 Franken soll das Gemälde kosten. Ebenso hoch ist der Schätzpreis für die Landschaft „La Seine près les Andelys, matin soleil“ aus dem Jahr 1916, die ebenfalls versucht, mehrere unterschiedliche Naturausschnitte auf einem Bild zu vereinen. Farblich ist sie allerdings weniger kontrastreich angelegt. Einzig Augusto Giacomettis prächtig blühender Strauß roter Rosen reicht preislich an Vallotton heran. Das 1933 entstandene Stillleben soll ebenfalls 500.000 bis 700.000 Franken kosten. ...mehr

Ergebnisse: Moderne und zeitgenössische Kunst bei Grisebach

Weiter auf Erfolgskurs


Munter, als gäbe es derzeit keine Finanz- und Wirtschaftskrise, absolvierte das Berliner Auktionshaus Grisebach am 27. November seine Auktion „Ausgewählte Werke“. Nur zehn der 61 Angebote blieben unerlöst, viele Werke konnten ihre Taxen nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen, und dass einer der kostbaren Schätze etwa keine Liebhaber finden würde, war ebenfalls eine unbegründete Sorge. 8,6 Millionen Euro spielte die Abendauktion ein, bei 5,5 Millionen Euro hatte die Gesamttaxe gelegen. Exemplarisch machte Max Beckmanns „Blick auf Vorstädte am Meer bei Marseille“ von 1937, das bei 1,4 bis 1,8 Millionen Euro als Hauptlos angetreten war, den Heißhunger der Sammler auf exzeptionelle Werke deutlich. Nach einem spannenden Bietgefecht behielt ein süddeutscher Sammler die Oberhand und sicherte sich die im Amsterdamer Exil entstandene Leinwand bei netto 2,2 Millionen Euro. ...mehr

Gegenwartskunst bei Lempertz in Köln

Kartoffelunterhaltung


Für das Hauptlos in Lempertz’ Auktion mit Gegenwartskunst am 5. Dezember sollte man auch räumlich einigermaßen gut bestückt sein. Ilya Kabakovs „Meine Heimat, die Fliegen“ von 1991 ist nur in den Galerieräumen des Auktionshauses in Berlin zu besichtigen. Kern der Installation ist eine an Nylonschnüren hängende Unzahl von Fliegen, die sich in der Luft zu einer komplizierten geometrischen Figur zusammenfinden. Diese „Zivilisation F“, wie sie der Kabakov nennt, reflektiert über die Existenz von Fliegenvereinigungen im Kosmos und spricht über deren Entdeckung als bislang unbekannte und hochstrukturierte Organisation. Sicher keine einfache Materie – zur Erklärung liegen die vorbereitenden Zeichnungen des Künstlers in einer Vitrine bei. Die ganze Arbeit soll 300.000 bis 400.000 Euro kosten. ...mehr

Kunst des 20ten Jahrhunderts bei Karl & Faber

Kippenbergers Arschlok


Rund zweihundert Werke hat das Münchner Auktionshaus Karl & Faber als „Ausgewählte Werke“ der modernen und zeitgenössischen Kunst für den 4. Dezember zusammengestellt. Aber nicht alle davon sind so kostbar wie Gabriele Münters im abendlichen Dämmerlicht versinkende „Straße (Dämmerung)“ in München. Das kleine Ölbild entstand im Jahr 1911, in einer Zeit also, in der die Künstlerin ihren malerischen Stil gefunden hatte. 160.000 bis 180.000 Euro soll es kosten. Preislich wird es nur von Alexej von Jawlenskys Stillleben mit rotem Tablett und Astern übertroffen. Entstanden im Jahr 1904, zeigt es den russischstämmigen Künstler noch auf dem Weg zu seiner späteren Formfindung (Taxe 280.000 bis 300.000 EUR). Zum Kreis der Münchner Expressionisten gehörte auch Adolf Erbslöh. Etwa um die gleiche Zeit wie Münter ihre Straßenszene malte er den „Wirtsgarten Brannenburg“. Trotz der Schwere, die von einer düsteren Stimmung gekennzeichnet ist, überzeugt der Blick ins Grüne aufgrund seiner harmonischen Farbzusammenstellungen (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Und auch August Macke hat sich eingefunden: Seine etwas verblasste, farbige Tintenzeichnung „Mädchen auf Balkon“ von 1912 steht bei 15.000 bis 20.000 Euro. ...mehr

Moderne, zeitgenössische und Schweizer Kunst bei Koller in Zürich

Schroffer Felsen – ruhige See


Alfred Sisley, Langland Bay, 1897

Traditionell stark sind die französischen Künstler auf den Moderne- und Gegenwartskunstauktion des Zürcher Auktionshauses Koller. So auch am 4. Dezember. Die teuersten Werke stellen die Meister aus dem großen Nachbarland im Westen. An der Spitze steht Alfred Sisley, der vielleicht bedeutendste Landschafter des Impressionismus neben Camille Pissarro. Ein letztes Mal verweilte er 1897 auf Einladung des Sammlers François Depeaux in England. Ein paar Wochen hielt er sich dort im walisischen Cardiff auf. Hier fand er an „Langland Bay“ ein ideales Motiv: die steil abfallende Küste, deren Schroffheit im wirkungsvollen Gegensatz zur ruhig daliegenden See steht. Das Ölgemälde auf Leinwand, das diesen Aufenthalt festhält, bietet Koller nun als Höhepunkt der Auktion für 600.000 bis 900.000 Franken an. ...mehr

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